Antimikrobielle Bodenausrüstung: Das Problem liegt uns zu Füẞen

Infektionen durch multiresistente Keime zählen zu den häufigsten Todesursachen im Gesundheitssektor. Die größte Gefahr für deren Bildung liegt laut einer Studie der Charité Berlin und der Uniklinik Jena auf dem Boden. Eine neuartige Beschichtung ­tötet Bakterien und Viren durch Oxidation und schiebt der Ansiedlung von Keimen einen Riegel vor.

Größter Gefahrenherd: Laut Untersuchungen häufen sich mit der Zeit die auf dem Boden gefundenen Resistenzgene. Ein neues PU-Siegel soll das verhindern. - © Dr. Schutz

Laut WHO Report 2022 erkranken jährlich rund 600.000 Patienten in Deutschland an Krankenhauskeimen, etwa 30.000 sterben daran. Eine gemeinsame Studie der Uniklinik Jena und der Charité Berlin sollte ermitteln, wo die größten Gefahren durch multiresistente Keime für Patienten liegen.

Das Forschungsteam um Dr. Hortense Slevogt und Dr. Tilman Klassert (Uni Jena) und Dr. David Leistner (Charité Berlin) untersuchte die Keimbesiedlung in Patientenzimmern über 30 Wochen und stellte fest, dass der Fußboden der größte Gefahrenherd ist. Erstautor Tilman ­Klassert konstatiert: "Während es auf Türklinken und in Waschbecken nur einzelne positive Befunde gab, häuften sich mit der Zeit die auf dem Boden gefundenen Resistenzgene – trotz regelmäßiger Flächen­desinfektion."

Krinko-Empfehlung für antimikrobielle ­Oberflächenausrüstungen

Die in der Praxis gängigen Flächendesinfektionsmittel lösen damit die Gefahren der Übertragung von Krankheitserregern auf Patienten nicht ausreichend. Sie wirken zum einen nur kurz und in feuchtem Zustand – Krankheitserreger können sich schnell wieder bilden. Noch gravierender ist, dass diese Desinfektionsmittel die Resistenzbildung der Keime fördern. Aus diesen Gründen werden in dem vom RKI herausgegebenen Gesundheitsblatt 10/2022 (Krinko-Empfehlung) antimikrobielle Oberflächenausrüstungen als Lösungsansatz beschrieben, "um in der Zeitspanne zwischen den desinfizierenden Flächenreinigungen die Erregerlast auf Flächen permanent zu reduzieren".

Geeignet für ­alle Hartböden

Von der Dr. Schutz Group kommt nun Virobac: Die spezielle 3K-Polyurethan-Versiegelung zur transparenten Beschichtung aller Neu- und Bestandsböden, die ein Team rund um Projektleiterin Bettina Schaar entwickelt hat, bietet laut Hersteller einen sehr hohen Schutz vor Keimen. Die antimikrobielle Wirkung ­wurde umfassend im Stuttgarter Labor Enders geprüft. Die Ergebnisse bestätigen, dass das neue Siegel die Belastung der Fußbodenoberflächen mit Bakterien und Viren um bis zu 99,9 % reduziert. Dabei wurden alle im Gesundheitsbereich typischen und für Patienten gefährlichen Viren und Bakterien untersucht. Dr. Maren Eggers, Virologin beim Labor Enders, ­konnte außerdem bestätigen, dass die antimikrobielle Wirkung auch nach fünf Jahren immer noch bei knapp 90 % liegt. Sie bescheinigt damit eine langfristige Wirkung des neuen Siegels.

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    "Mit Virobac ­erreichen wir technisch die nächste ­Stufe", sagt Dr. David Reindl, Laborleiter bei Dr. Schutz
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    Größter Gefahrenherd: Laut Untersuchungen häuften sich mit der Zeit die auf dem Boden gefundenen Resistenzgene. Ein neues PU-Siegel soll das verhindern.

Dr. David Reindl, Laborleiter von Dr. Schutz, sagt: "Wir setzen mit unseren PU-Bodenversiegelungen seit jeher auf beste Performance hinsichtlich Hygiene. Mit Virobac erreichen wir technisch die nächste Stufe". Man könne wischen, soviel man wolle, sagt David Reindl, aber kurze Zeit nach der Flächendesinfektion vermehren sich die Keime wieder und sind bald so zahlreich wie zuvor. Das neue Siegel schiebt hier einen Riegel vor: Die Polyurethan-Versiegelung, die zur transparenten Beschichtung aller Neu- und Bestandsböden eingesetzt werden kann, wirkt dauerhaft und aktiv gegen Bakterien und Viren. Einfallendes Licht aus natürlichen oder künstlichen Quellen aktiviert den im Lack enthaltenen Photokatalysator, es entsteht Singulett-­Disauerstoff (1O2), der die Zellwand zerstört und Keime durch Oxidation abtötet. Jeder Einfall von Tages- oder Kunstlicht wirkt desinfizierend, schon bevor die tägliche Wischdesinfektion beginnt. Im Unterschied zu Flächendesinfektionsmitteln ist der Wirkstoff des Siegels dadurch permanent und unabhängig von Raumklima und Bodenfeuchte aktiv.

Deutlich geringere Keimbelastung auch bei reduzierter Flächendesinfektion

Die vom Institut Enders geprüfte und bestätigte anti­mikrobielle Wirkung des Siegels wurde auch im Realbetrieb untersucht, dazu wurden mehrere Feldstudien an deutschen Universitätskliniken durchgeführt. Ziel war es dabei, zusätzlich zu prüfen, ob mit Einsatz des Siegels die Flächendesinfektion teilweise oder ganz ersetzt werden kann. Hierfür wurden Linoleum- bezie­hungsweise Kautschukböden in besonders keimbelasteten Wäschereien als Testbereich genutzt: Zwei Flächen ohne Siegel wurden fünfmal pro Woche mit Desinfektionsreiniger behandelt. Zwei weitere Flächen wurden mit Virobac versiegelt und nur zwei beziehungsweise dreimal pro Woche – demnach durchschnittlich nur halb so oft – desinfiziert. Das Ergebnis: Die versiegelten Flächen wiesen trotz der reduzierten Wischdesinfektion eine deutlich geringere Keimbelastung auf. Diese lag trotz Halbierung der Desinfektionsreinigung um durchschnittlich 59 % niedriger.

Erfüllt die Anforderungen der DIN 13063

Das Siegel erfüllt die Anforderungen der DIN 13063 zur Krankenhausreinigung. Die Norm gibt vor, dass Böden fugendicht und leicht zu reinigen sein müssen, um die hygienischen Anforderungen zu erfüllen. Das FIGR in Metzingen hat die Eigenschaften des Siegels geprüft und dabei neben der hohen Abrieb-, Chemikalien- und Desinfektionsmittelbeständigkeit auch die sehr gute Fugenabdichtung im Stoßkantenbereich und die hervorragende Reinigungsfähigkeit bestätigt. Schmutz lässt sich leicht entfernen – dies gilt sowohl für die Fläche als auch für den Fugenbereich.

Einsparung von CO2 und Primärenergie

Virobac ist als Permanentsiegel mit langer Nutzungsdauer ausgelobt. Die ökologischen Auswirkungen einer Bodenversiegelung mit einem 2K-Permanentsiegel im Vergleich zu Pflegedispersionen hat Dr. Schutz beim Kiwa-Institut in Berlin untersuchen lassen: Eine Lebenszyklusanalyse bestätigte, dass durch die Ver­wendung des Permanentsiegels die CO2-Belastung um circa 81,4 % und der Bedarf an Primärenergie um 84,4 % reduziert wird.

Die Gründe liegen zum einen im Wegfall der regelmäßigen Grundreinigung und Neubeschichtung, zum anderen in der besseren Reinigungsfähigkeit und längeren Nutzungsdauer der Böden. In Zahlen ausgedrückt: Die Umstellung auf eine PU-Versiegelung für die nächsten 20 ­Jahre auf einer Fläche von 1.000 m2 führt zu 11.200 kg CO2-Ersparnis und 166.000 MJ Primär­energie-Ersparnis. Das eingesparte CO2 entspricht etwa 16 Flügen nach Mallorca oder dem, was ein Mittelklassewagen mit Verbrenner in etwa 3,5 Jahren ausstößt.

Quelle: Dr. Schutz | markus.targiel@holzmann-medien.de