Reinigungstextilien aus biologisch abbaubaren Fasern Ab auf den Kompost

Mikroplastik in den Weltmeeren – ein Thema, das auch Gebäudedienstleister angeht. Denn die in Reinigungstextilien oft eingesetzten synthetischen Materialien wie Poly­propylen oder Polyester tragen zu dem Dilemma bei. Es gibt bereits Alternativen.

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    In den USA bereits auf dem Vormarsch: Reinigungstextilien aus Flachsfasern – als nachhaltige, effiziente und kompostierbare Alternative zu Reinigungstüchern aus synthetischen Fasern.
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    Biologisch abbaubare Faser mit hohem Potenzial: Lyocell.  Im Nasszustand ist die Faser deutlich reißfester als Viskose.
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    Die Umweltfreundlichkeit von Vliesstoffen wird nicht nur durch den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe  geprägt, sondern auch von der Technologie, die zur Verfestigung des Vliesstoffes eingesetzt wird. Beim Wasserstrahlverfahren (Bild) kann auf chemische Bindemittel oder thermoplastische Fasern zum Verkleben des textilen Flächengebildes ebenso verzichtet werden wie beim Nadelverfahren.
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    Beim Wasserstrahlverfahren wird der Faserflor mit Hilfe von Wasserstrahlen bei hohem Druck so verfestigt, dass ein homogenes textiles Gewebe entsteht. Mit dem Verfahren können reine Naturfasern, zum Beispiel Lyocell oder Viskose, verarbeitet werden, ohne dass synthetische Fasern beigemischt werden müssen.
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    Bei der Vernadelung erfolgt die Verfestigung des Vlieses mechanisch durch sich vertikal bewegende Widerhakennadeln.
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    Lochstrukturen verleihen dem Reinigungstuch mehr Fläche (bei weniger Gewicht) und steigern somit die Effizienz und Leistungsfähigkeit. Mit der Wasserstrahltechnologie lassen sich beliebige Strukturen aufbringen. Die Nadeltechnologie kommt dabei an ihre Grenzen.

Es wird immer deutlicher: Plastikpartikel verschmutzen in einem bisher ungeahnten Ausmaß die Welt­meere. Die winzigen Teilchen, sogenannte Mikroplastiken, gelangen durch Abwasser, Wind oder Regenwasser ins Meer und verursachen zwischen 15 und 30 Prozent des Plastikmülls, der jährlich ins Meer wandert. Dies ist auch für Gebäudedienstleister von Bedeutung. Denn die in Reinigungstextilien oft eingesetzten synthe­tischen Rohmaterialien wie Poly­propylen oder Poly­ester tragen zu dem Dilemma bei. Auch sie enthalten M­i­kroplastik, die beim Waschen durch Abrieb freigesetzt wird und nahezu ungehindert in  Gewässer gelangt. Dabei sind Reinigungstücher aus Vliesstoffen in der Gebäude­reinigung nicht mehr wegzudenken. Sie sind strapazier- und saugfähig, reißfest und können mehrfach verwendet werden. Es gibt sie in verschiedenen Stärken, Strukturen und Farben, genau abgestimmt auf den individuellen Bedarf.

Produzenten ebenso wie Verbraucher  von Reinigungs­tüchern sollten sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusst sein und sich für den Schutz der Umwelt einsetzen. Der schonende Umgang mit Ressourcen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie und Wasser, nachhaltige Produktionstechnologien und der verstärkte Einsatz natürlicher und kompostierbarer Rohstoffe sind nur einige Beispiele, die zu einer nachhaltigen Entlastung der Umwelt führen können.

Synthetische Fasern: Es gibt Alternativen

Vliese aus Polyester oder Polypropylen, aber auch Fasergemische mit Viskose dominieren als Rohstoffe für Reinigungstücher nach wie vor die Branche. Dabei haben Faserlieferanten längst  reagiert und bieten nachhaltige Alternativen zum Einsatz synthetischer Fasern. So sind in den vergangenen Jahren beispielsweise Fasern aus Biokunststoffen auf den Markt gekommen.

Biobasierte Kunststoffe und PET-Fasern

Ein bereits etabliertes, häufig eingesetztes Substitut ist die  Polylactid-Faser (PLA), eine biobasierte Polyester­faser, die aus Milchsäure hergestellt wird. Aufgrund ihrer mechanischen und physikalischen Eigenschaften eignet sich die PLA-Faser gut als Ersatz für erdölbasierte Synthetikfasern wie Polyester oder Poly­propylen. Obwohl die PLA-Faser biologisch abbaubar ist, muss einschränkend gesagt werden, dass dafür bestimmte Umweltbedingungen nötig sind, die normalerweise nur in industriellen Kompostieranlagen zu finden sind.

Neben  biobasierten Kunststoffen sind PET-Fasern, die aus recycelten PET-Flaschen gewonnen werden, bereits gängige Praxis und eine deutliche Entlastung für die Umwelt. Zwar wird auch dabei Mikroplastik freigesetzt, dafür entfällt aber der für die Herstellung von Polyester erforderliche Anteil an Erdöl, was zu einer enormen Einsparung dieser Ressource führt.

Während synthetische Fasern dem Produkt Stabi­lität verleihen, sorgt die Viskosefaser für eine höhere Saugfähigkeit und eine weiche Materialbeschaffenheit. Viskose ist damit  ein häufiger zweiter Materialbestandteil im Vliestuch. Reinigungstücher aus reiner Viskose können zwar mit der richtigen Technik ohne Stabilitätsverluste hergestellt werden, sie sind im Rohstoffbereich allerdings teurer als synthetische Fasern oder auch Fasergemische, weshalb sie auf dem Markt trotz ihrer besseren Umweltbilanz  noch nicht allzu häufig vertreten sind. Obwohl Viskose aus dem natürlichen Rohstoff Cellulose gewonnen wird und dadurch bio­logisch abbaubar ist, steht auch sie in der Kritik. Hauptgründe sind der chemische Herstellungsprozess und die Herkunft der Cellulose, soll diese doch oftmals durch die Abholzung von gefährdeten Regenwäldern gewonnen werden. Um den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Holz zu gewährleisten, können sich Produzenten und Endabnehmer von Reinigungs­tüchern an Zertifi­zierungssystemen orientieren, welche die Nachhaltigkeit beim Rohstoffabbau und in der Weiterverarbeitung sicherstellen. Bereits etablierte Zertifizierungslabels sind beispielsweise PEFC und FSC.Während PEFC als größtes Waldzertifizierungssystem weltweit eine nachhaltige Waldbewirtschaftung gewährleisten will, setzt FSC zusätzlich auf eine nahtlose Nachweiskette innerhalb des Wertschöpfungsprozesses und nimmt somit jedes am Herstellungsprozess beteiligte Unternehmen in die Nachweispflicht.

Reißfester als Viskose: Lyocell

Auch beim Herstellungsprozess gibt es mittlerweile ein praxistaugliches Verfahren, das auf den Einsatz von Chemikalien in der Fertigung verzichtet. Das Ergebnis ist die Lyocell-Faser, ebenfalls basierend auf Cellulose. Die verwendeten Lösungsmittel können im sogenannten Direkt-Lösemittelverfahren zu beinahe 100 Prozent dem Produktionskreislauf wieder zugeführt werden und gelangen nicht in die Umwelt. Trotz des Ökologieaspektes und der schnelleren Abbaubarkeit der Faser kommt Lyocell im Reinigungsbereich noch nicht in großen Mengen zum Einsatz. Da die Faser im Nasszustand jedoch deutlich reißfester ist als Viskose, ist davon auszugehen, dass sich der Trend in naher Zukunft zu Gunsten der Lyocell-Faser entwickeln wird.

Flachs: Die USA machen es vor

Beschäftigt man sich eingehender mit der Thematik, rücken auch andere natürliche Fasern in den Blick – zum Beispiel die Flachsfaser. Auch mit Viskose gemischt weisen Textilien mit Flachsbestandteil eine sehr hohe Eigenstabilität und Saugfähigkeit auf und können ohne Weiteres im Reinigungsbereich eingesetzt werden. Während die Flachsfaser als Materialbestandteil im Reinigungstuch in Europa noch wenig bekannt ist, ist sie in den USA bereits auf dem Vormarsch. Dort sind reine Flachstücher bereits als nachhaltige, effiziente und kompostierbare Alternative zu konventionellen Reinigungstüchern im Markt vertreten.

Viele Rohstoffe sind möglich

Je nach Verwendungszweck gibt es im Faserbereich eine Fülle an Rohstoffen, die auf nachhaltiger Basis hergestellt werden und deren Einsatz die Umwelt dauerhaft entlasten kann. Eine Zertifizierung, die nicht auf den Rohstoff begrenzt ist und dem industriellen Endabnehmer Aufschluss über den verantwortungsbewussten Umgang von Unternehmen mit Chemika­lien und damit über gesundheitliche Unbedenklichkeit sowie sozial- und umweltverträgliche Produktionsbedingungen gibt, ist die Zertifizierung Standard 100 by Oeko-Tex. Auf Grundlage eines strengen Maßnahmenkataloges trägt dieser Standard aus Ver­brauchersicht zu einer effektiven und hohen Produktsicherheit bei.

Nachhaltige Technologien sind gefragt

Die Umweltfreundlichkeit von Vliesstoffen wird aber nicht nur durch den Einsatz nachhaltiger Rohstoffe wie PLA-Fasern oder Viskose geprägt, sondern auch von der Technologie, die zur Verfestigung des Vliesstoffes eingesetzt wird, mitbestimmt. Verfahren, die auf chemische Bindemittel oder thermoplastische Fasern zum Verkleben des textilen Flächengebildes verzichten können, sind die Nadel- und die Wasserstrahlverfestigung.

Nadel- und Wasserstrahlverfestigung

Während bei der Vernadelung die Verfestigung des Vlieses mechanisch, durch sich vertikal bewegende Widerhakennadeln, erfolgt, wird der Faserflor bei der Wasserstrahltechnologie mit Hilfe von Wasserstrahlen bei relativ hohem Druck (100 bis 300 Bar) so verfestigt, dass ein homogenes textiles Flächengebilde entsteht.  Das Prozesswasser reichert sich während des Nass­vernadlungsprozesses mit löslichen, suspendierten und emulgierten Faserinhalts- beziehungsweise Faserausrüstungschemikalien sowie Faserbruc­hstücken an und wird innerhalb kürzester Zeit fast vollständig gereinigt, um wiederum als Prozesswasser eingesetzt zu werden. Um einen gleichmäßigen und in alle Richtungen reißfesten und stabilen Vliesstoff zu erhalten, kombinieren spezialisierte Hersteller am Markt die Vorteile des Wasserstrahlverfahrens mit der Technik einer dreidimensionalen Vlieslegung und erzielen somit ein weiteres Plus an Festigkeit. Dadurch können mit der Wasserstrahltechnologie reine Naturfasern – zum Beispiel Lyocell oder Viskose – verarbeitet werden, ohne dass synthetische  Fasern beigemischt werden müssen.

Neben dem Einsatz von reinen Naturfasern eröffnet das Wasserstrahlverfahren dem Abnehmer von Reinigungstüchern eine Vielzahl an weiteren Optionen, die mit anderen Techniken nicht oder nur schwer umsetzbar sind. Vliesstoffe, die durch Wasserstrahltechnologie verfestigt werden, können mit deutlich höheren Produktionsgeschwindigkeiten hergestellt werden und sind bei geringerem Flächengewicht sehr leistungsfähig und je nach Anwendungsbereich auch strapazierfähiger als Nadelvliese. Das kleinere Flächengewicht führt dazu, dass Reinigungstücher in der Konfektion platzsparender sind, Verpackungsmaterial dadurch reduziert werden kann und die Verpackungseinheiten leichter sind.

Lochstruktur für Leistungsfähigkeit

Ein weiterer Vorteil der Wasserstrahltechnologie ist, dass der Austausch der Strukturtrommel innerhalb der technischen Anlage das Einbringen beliebiger Strukturen ermöglicht. Die Lochstruktur ist gerade im Reinigungsbereich eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit eines Tuches nochmals zu erhöhen und dessen Gewicht zu reduzieren. Grund ist die erhöhte Oberflächenstruktur, die dem Vlies zusätzliche Reinigungsfläche verleiht und somit die Effizienz bei der Trocken- und der Nassreinigung steigert. Das spiegelt sich beispielsweise in einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme im Bereich der Nassreinigung wider. Lochstrukturen gibt es in unterschiedlichen Größen, wobei aufgrund des höheren Wirkungsgrades ein Trend hin zu größeren Löchern beobachtet werden kann. Die Nadeltechnologie findet auch dabei ihre Grenzen. Rein technologisch sind nur hauchdünne Lochstrukturen möglich. Weitere Strukturen, die nur im Wasserstrahlbereich realisiert werden können, sind Vliese mit dreidimensionaler Struktur. Diese Vliesstoffe weisen sehr gute abrasive Eigenschaften auf und werden gerne zur Entfernung hartnäckiger Verschmutzungen eingesetzt.

Unterschiedliche Strukturen und Stärken

Die Wasserstrahltechnologie bietet dem Anwender von nachhaltigen Reinigungstüchern aus reinen Naturfasern wie Lyocell, FSC-zertifizierter Viskose oder Flachs viele Möglichkeiten in Bezug auf unterschiedliche Strukturen und Stärken. Je nach Anwendungszweck kann so mit dem richtigen Tuch  das gewünschte Reinigungsergebnis erzielt werden. Nachhaltige Reinigungstücher können umweltschonend entsorgt oder kompostiert werden und stehen in ihrer Reinigungsleistung anderen, derzeit noch verbreiteteren Materialien und Produktionstechnologien in keiner Weise nach.

Biologisch abbaubare Fasern

Kommt man zurück auf die aktuellen, besorgnis­erregenden Studien von Umweltorganisationen, kann gesagt werden, dass auch im Bereich der Reinigungstücher vielfältige Optionen existieren, die zur Reduzierung von Mikroplastiken in unseren Gewässern beitragen. Vliesmaterialien, die auf Basis nachhal­tiger Fasern hergestellt werden, können bedenkenlos gewaschen und damit mehrfach verwendet werden. Die beim Waschen freigesetzten Fasern sind natürlichen Ursprungs und damit biologisch abbaubar.

Johannes Loos/Werner Schurr | heike.holland@holzmann-medien.de