Reinigungschemie: Was bei Lagerung und Anwendung zu beachten ist

Reinigungschemie zählt zu den täglich eingesetzten Arbeitsmitteln in der Gebäude­reinigung. Viele Produkte sind jedoch gleichzeitig Gefahrstoffe und erfordern einen sachgerechten Umgang. Was dabei in der Praxis zu beachten ist.

Eine fachgerechte Lagerung ist die Grundlage für den sicheren Umgang mit Reinigungschemie. - © Matthias Miekisch

Fehler bei der Lagerung oder Anwendung können die Gesundheit von Beschäftigten gefährden, Materialien und Einrichtungen beschädigen oder die Umwelt belasten. Ein sicherer Umgang mit Reinigungschemie beginnt daher bereits bei der Auswahl geeigneter ­Produkte, einer fachgerechten Lagerung und einer klaren betrieblichen Organisation.

Welche gesetzlichen Vorgaben gelten

Der sichere Umgang mit Reinigungschemie basiert auf verschiedenen gesetzlichen Vorgaben. Reinigungsmittel gelten als Gefahrstoffe, wenn von ihnen aufgrund ihrer Eigenschaften Gefahren für Mensch oder Umwelt ausgehen können. Die wichtigste nationale Rechtsgrundlage ist die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Sie verpflichtet Arbeitgeber, Gefährdungen zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Ergänzend beschreibt die TRGS 510 ­("Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern") die Anforderungen an die sichere Lagerung von Gefahrstoffen. Die europäischen Verordnungen CLP und REACH bilden den rechtlichen Rahmen für den sicheren Umgang mit Chemikalien. Während die CLP-Verordnung die Einstufung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe regelt, legt die REACH-Verordnung Anforderungen an Sicherheitsdatenblätter und den sicheren Umgang mit chemischen Stoffen fest. Für die Gebäudereinigung enthält die DGUV-Regel 101-019 ("Umgang mit Reinigungs- und Pflegemitteln") zudem praxisnahe Hinweise zum sicheren Einsatz von Reinigungs- und Pflegemitteln.

Wie das STOP-Prinzip funktioniert

In der Gefährdungsbeurteilung werden mögliche Gefahren bei der Arbeit ermittelt und geeignete Schutzmaßnahmen festgelegt. Ein zentrales Prinzip des Arbeitsschutzes ist das STOP-Prinzip. Es gibt die Reihenfolge der Schutzmaßnahmen vor:

  • S = Substitution gefährlicher Stoffe,
  • T = technische Schutzmaßnahmen,
  • O = organisatorische Maßnahmen,
  • P = persönliche Schutzausrüstung.

Das STOP-Prinzip dient als Leitlinie bei der Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen. Für den betrieblichen Alltag bedeutet dies: Gefährdungen sollen möglichst an ihrer Quelle vermieden werden. Persönliche Schutz­ausrüstung ist wichtig, ersetzt jedoch keine sichere Lagerung, geeignete Arbeitsabläufe oder eine sorgfältige Organisation.

Trocken, sauber und gut belüftet

Eine fachgerechte Lagerung ist die Grundlage für den sicheren Umgang mit Reinigungschemie. Sie schützt Beschäftigte und Umwelt, erhält die Produktqualität und reduziert das Risiko von Unfällen und Sachschäden. Reinigungsmittel sollten grundsätzlich entsprechend den Herstellerangaben gelagert werden. Hohe Temperaturen, Frost oder direkte Sonneneinstrahlung können die Wirksamkeit der Produkte sowie die Eigenschaften der Gebinde beeinträchtigen. Dadurch können sich die Reinigungsleistung und die Haltbarkeit der Produkte verschlechtern beziehungsweise reduzieren. Ein Lagerbereich sollte daher trocken, sauber und ausreichend belüftet sein.

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    Eine fachgerechte Lagerung ist die Grundlage für den sicheren Umgang mit Reinigungschemie.
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    So oder ähnlich sollte es nicht im Lager aussehen. Wichtig ist eine klare Organisation.
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    Reinigungsmittel sollten feste Lagerplätze haben, gut sichtbar gekennzeichnet und leicht zugänglich sein.
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    Lebensmittel oder Getränke wie der Kaffee für die Pause haben neben Reinigungsmitteln nichts zu suchen.
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    4 Werden flüssige Gefahrstoffe oder wassergefährdende Reinigungsmittel gelagert, darf je nach Eigenschaften und Lagermenge auf eine Rückhalte­einrichtung wie eine Auffangwanne nicht verzichtet werden. Darin werden die Gebinde gelagert, sodass austretende Flüssigkeiten zurückgehalten werden.

Ebenso wichtig ist eine klare Lagerorganisation. Reinigungsmittel sollten feste Lagerplätze haben, gut sichtbar gekennzeichnet und leicht zugänglich sein. Flucht- und Verkehrswege müssen jederzeit freigehalten werden. Lebensmittel und Getränke dürfen nicht gemeinsam mit Reinigungschemikalien gelagert werden. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Zusammenlagerung. Nicht alle Reinigungsmittel dürfen nebeneinander aufbewahrt werden. Produkte, die bei einer Vermischung gefährlich reagieren können, sind getrennt zu lagern.

Lagerbereich regelmäẞig kontrollieren

Werden flüssige Gefahrstoffe oder wassergefähr­dende Reinigungsmittel gelagert, ist je nach Stoffeigenschaften und Lagermenge eine geeignete Rückhalte­einrichtung, beispielsweise eine Auffangwanne, erforderlich. Darin werden die Gebinde gelagert, sodass austretende Flüssigkeiten sicher zurückgehalten werden können. Maßgeblich sind die Gefährdungsbeurteilung sowie die geltenden rechtlichen Vorgaben. Eine regelmäßige Kontrolle des Lager­bereichs hilft, Mängel frühzeitig zu erkennen. Beschädigte Gebinde, ausgelaufene Produkte oder unleserliche Kennzeichnungen sollten umgehend beseitigt beziehungsweise ersetzt werden.

Das Wichtigste ­auf einen Blick

  • Reinigungschemie wirkt nur dann sicher, wenn Produkt, Dosierung und Anwendung zusammenpassen.
  • Originalgebinde schützen nicht nur das Produkt, sondern auch den Anwender.
  • Mehr Chemie bedeutet nicht mehr Reinigungsleistung – die richtige Dosierung ist wirtschaftlicher und sicherer.
  • Gefahrstoffe werden erst dann zum Risiko, wenn sie falsch gelagert und angewendet oder unterschätzt werden.
  • Eine gute Organisation ist der wirksamste Beitrag zum sicheren Umgang mit Reinigungschemie.
  • Sicherheitsdatenblätter informieren, Unterweisungen ­sorgen für die sichere Umsetzung im Arbeitsalltag.
  • Sicherheit beginnt nicht bei der Persönlichen Schutz­ausrüstung, sondern bei der richtigen Planung und Organisation.
  • Regelmäßige Unterweisungen und Kontrollen tragen entscheidend dazu bei, Unfälle und Fehlanwendungen zu vermeiden.

Viele Zwischenfälle beim Umgang mit Reinigungschemie entstehen nicht durch die Produkte selbst, sondern durch (vermeidbare) Fehler im Arbeitsalltag. Unzureichende Lagerorganisation, falsche Dosierung oder die Missachtung von Herstellerangaben können die Reinigungsleistung negativ beeinflussen und gleichzeitig Risiken für Beschäftigte, Materialien und Umwelt erhöhen.

Unverträgliche Stoffe immer trennen

Ein häufiger Fehler ist die gemeinsame Lagerung unverträglicher Produkte. Kommen beispiels­weise saure Reiniger und chlorhaltige Reinigungs­mittel miteinander in Kontakt – etwa durch undichte ­Gebinde, verschüttete Produkte oder beim Um­füllen –, kann giftiges Chlorgas entstehen. Reinigungsmittel sollten deshalb entsprechend den Angaben des Herstellers gelagert und unverträgliche Stoffe konsequent getrennt aufbewahrt werden. Grundsätzlich sollten Reinigungsmittel im Original­gebinde gelagert werden. So ist das Produkt eindeutig erkennbar und alle wichtigen Kennzeichnungen bleiben erhalten. Das Umfüllen in andere Behälter erhöht das Risiko von Verwechslungen und Fehlanwendungen und sollte deshalb vermieden ­werden.

Ein häufiger Fehler bei der Anwendung: Nicht selten werden Reinigungsmittel über- oder unterdosiert. Eine zu geringe Dosierung kann die Reinigungswirkung beeinträchtigen und unnötige Nacharbeiten verursachen. ­Eine Überdosierung verbessert die Reinigungsleistung in der Regel nicht, sie erhöht jedoch den Chemikalienverbrauch, belastet Oberflächen und Umwelt und verursacht vermeidbare Kosten. Die vom Hersteller empfohlenen Dosierungen sollten daher konsequent eingehalten werden.

Beschädigte Gebinde aussortieren

Auch beschädigte Gebinde, unleserliche Kennzeichnungen oder fehlende Unterweisungen werden im Arbeitsalltag oftmals unterschätzt. Regelmäßige Kontrollen sowie die Beachtung der Herstellerangaben und Sicherheitsdatenblätter tragen wesentlich dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen. Der sichere Umgang mit Reinigungschemie endet nicht im Lager. Erst das Zusammenspiel aus fachgerechter Lagerung, richtiger Dosierung, geeigneten Arbeitsmitteln und regelmäßig unterwiesenen Beschäftigten gewährleistet einen sicheren und wirtschaftlichen Einsatz der Produkte.

Matthias Miekisch | heike.holland@holzmann-medien.de

Matthias Miekisch

Matthias Miekisch - © privat

ist Diplom-Ingenieur (FH) Hygienetechnik und Fachlehrer (Gewerbeschulrat) an der Gewerblichen Schule in Metzingen.