120 Fachleute nahmen Ende Juni am "PlanD-Werk" teil, dem ersten "Jahrestreffen der Gebäudedienstleister", um über Künstliche Intelligenz, Robotik und digitale Geschäftsmodelle in der Reinigungsbranche zu sprechen. Die Kernbotschaft: Wer jetzt nicht digitalisiert, verliert den Anschluss.

Tobias Wittekindt, Gründer und Geschäftsführer von PlanD, eröffnete die Veranstaltung und stimmte die mehr als 120 Teilnehmer auf den Tag ein. Dass Entscheider aus dem gesamten Bundesgebiet den Weg angetreten hatten, zeigte bereits das Interesse der Branche an den Themen des Tages.
KI und Robotik: Effizienzsprung oder Zukunftsmusik?
Den Impulsvortrag unter dem Titel "Wie verändern KI und Robotik die Gebäudereinigung?" bestritt das Gründerduo Niklas Janka und Moritz Fendt von Fenka Robotics, einem Full-Service-Integrator für Reinigungs- und Servicerobotik.
Die beiden zeichneten ein Bild der Reinigung von morgen. KI-gestützte Angebotserstellung spare laut einer zitierten McKinsey-Studie bereits heute 70 bis 80 Prozent der Zeit bei Anfragen, Kalkulationen und Einsatzplänen.
Auch im Recruiting verändere sich das Bild: Automatisierte, mehrsprachige Ansprache erhöhe die Erreichbarkeit potenzieller Bewerber um bis zu 80 Prozent und beschleunige die Einstufung von Bewerbungen erheblich.
Hinzu kommen AR-basierte Schulungsformate, die orts- und zeitunabhängig funktionieren und deren Anschaffungskosten laut Janka und Fendt deutlich sinken.
Die Reinigungsrobotik selbst sehen sie als "Schritt Nummer eins in die Zukunft": Sie entlaste Personal, lasse sich über IoT-Schnittstellen in Gebäudeinfrastrukturen einbinden und mache Reinigungsleistung über Dashboards messbar.
Wirtschaftlichkeit im Fokus: Was trägt, was nicht
Weniger technologisch, dafür umso praxisnäher war das anschließende Podiumsgespräch unter dem Titel "Geld verdienen in der Gebäudereinigung". Auf dem Podium diskutierten Fabio Calandra (Prokurist Cleancaro), Larry Leichsenring und Sven Eggerstedt (Inhaber beziehungsweise Geschäftsführer B&H) sowie Stephan Teichmann (Geschäftsführer HBC Services) – moderiert von Helena Kasten-Hoersch (PlanD). Die erfahrenen Unternehmer sprachen offen über Wirtschaftlichkeit, Wachstum und tragfähige Geschäftsmodelle in der Branche.
Drei parallele Sessions: Praxis aus erster Hand
Der Nachmittag gehörte den Nutzern selbst. In drei parallel laufenden Austauschformaten teilten zum einen PlanD-Anwender ihre Erfahrungen aus dem Tagesgeschäft beziehungsweise erhielten die Teilnehmer Tipps zur Nutzung der Software.
Josefine Woeller und Christoph Ehegoetz (beide PlanD) zeigten, wie Kunden das Meiste aus der Software herausholen – mit Tipps zum täglichen Einsatz. Manuela Röttele (Geschäftsleiterin Keifert) und Dominik Clasen (Geschäftsführer Emons) erläuterten, wie bei ihnen Onboarding und Schulungen ablaufen. Und Jannis Mousafiropoulos (Geschäftsführer Glanzhelden), Daniel Staiber (Abteilungsleiter G. F. Hehl) sowie Niklas Weber (Personalchef Weber) stellten vor, wie sich Abrechnungsprozesse mit der Softwarelösung verschlanken lassen.
Von Papier zu KI-Agenten: Ein junges Unternehmen macht es vor
In der zweiten Runde der Parallelvorträge präsentierte Emil Benz (Geschäftsführer Kleego) einen der eindrücklichsten Praxisberichte des Tages. Unter dem Motto "Modernste Objektbetreuung – persönlich, lokal, digital" beschrieb der Gründer den Weg vom papierbasierten Betrieb hin zu einem vollständig digitalisierten Unternehmen – in vier Stufen: Papier, Cloud, Automationen und KI-Agenten und schließlich die Vision einer Mensch-Roboter-Symbiose (AGI: Artificial general intelligence).
Herzstück der Architektur ist ein zentraler Data Lake, in dem Daten aus PlanD, Lexware, HubSpot und Google zusammenfließen. Ein "KI-Command-Center“ verarbeitet diese Echtzeitdaten und steuert Automatisierungen: Die Mülltour-Planung richtet sich automatisch nach dem kommunalen Abfallkalender, Winterdiensteinsätze werden durch Wetterdaten ausgelöst und direkt in der Software eingeplant.
Schulung und Recruiting: Zwei Dauerbrenner
Parallel dazu präsentierten Silvana Raffelsiefer und Carsten Will die digitale Schulungsplattform Mytutorial. Mit 52 Unterweisungen in 18 Sprachen und bereits über 25.000 Nutzern richtet sich das Angebot gezielt an die Reinigungsbranche. Lernerfolge werden per Quiz dokumentiert und abschließend Teilnahmezertifikate ausgestellt – für Themen wie Ergonomie, Gefahrstoffe, Hautschutz und Maschinenbedienung. Die Integration in PlanD per API-Key soll Insellösungen ablösen.
Das Recruiting-Problem – laut Marktzahlen 1,7 Millionen unbesetzte Stellen, durchschnittlich 142 Tage bis zur Einstellung – nahm Norbert Nagy, Gründer von SocialNatives, in den Blick. Sein Ansatz: weg von klassischen Stellenanzeigen, hin zum Aufbau einer Arbeitgebermarke und werteorientierten Botschaften. KI-gestützte Multichannel-Kampagnen auf Instagram, Google, LinkedIn, Jobbörsen et cetera sollen dabei helfen, wechselwillige Reinigungskräfte in der Region zu erreichen – mit dem Ziel, den Erstkontakt mit Interessenten in Minuten herzustellen.
Ausblick: Software auf Autopilot
Den Abschluss des Tages gestalteten Tobias Wittekindt und Jonas Herzer (Chief of Staff PlanD) mit einem Blick auf das aktuelle Produktportfolio und die Entwicklungsrichtung der Softwarelösung. Im Mittelpunkt stand die Vision von PlanD auf Autopilot: Die KI-Assistentin Paula kann ab sofort nicht nur Anrufe entgegennehmen, sondern auch E-Mails beantworten sowie intern unterstützen, indem sie selbstständig Angebote erstellt oder Einsätze umplant. An konkreten Anwendungsfällen machte Wittekindt deutlich, wohin die Reise geht und ließ durchblicken, dass in Zukunft noch mehr kommen wird.
Das erste PlanD-Werk endete mit Drinks und Dinner sowie einem abschließendem Networking, begleitet von einem DJ. Die zentrale Botschaft der Veranstaltung lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Die Digitalisierung der Gebäudereinigung ist keine Frage des Ob mehr, sondern nur noch des Wie und Wie schnell. /mjt
