Mit dem leistungsstarken Allpro-System schaffen die beiden schwäbischen Familienunternehmen einen markenübergreifenden Akkustandard für Profianwender. Der Marktstart erfolgt gestaffelt ab August 2026.

Anfang Juli gaben Kärcher und Stihl in Winnenden und Waiblingen den Start ihrer Akkuallianz bekannt. Ziel ist ein gemeinsamer Akkustandard für professionelle Anwender. Technologische Basis ist das von Stihl entwickelte Allpro-Akkusystem, das künftig in den Profigeräten beider Marken zum Einsatz kommt.
Michael Traub, Vorstandsvorsitzender von Stihl, sagte, beide Unternehmen hätten bereits seit rund zwei Jahren an der Kooperation gearbeitet; Stihl habe für die Entwicklung in den vergangenen drei Jahren einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag investiert.
Michael Traub betonte, dass professionelle Anwender Systeme benötigten, die viele Aufgaben abdecken und Komplexität reduzieren. Kärcher-Vorstandsvorsitzender Hartmut Jenner ordnete die Allianz als Schritt zur weiteren Elektrifizierung professioneller Anwendungen ein und stellte klar, dass die eigene 18-Volt-Plattform erhalten bleibe, während die 36-Volt-Klasse künftig von Stihl komme.
Kärcher investiere für die Umstellung zehn Millionen Euro. Auch der Vertrieb der beiden Marken bleibe getrennt. Traub betonte zudem, dass die Allianz offen für weitere Partner sei. Zum Elektrifizierungsgrad ihrer Produktportfolios nannten die Vorstände konkrete Zahlen: Bei Kärcher machten Akkugeräte inzwischen rund 40 Prozent des Gesamtsortiments aus, bei Stihl rund 27 Prozent.
Konkret bedeutet die Partnerschaft, dass Anwender künftig dieselben Akkus und Ladegeräte für Reinigungsgeräte von Kärcher und Motorgeräte von Stihl nutzen können. Für Kärcher-Kunden ist Allpro eine gänzlich neue Plattform. Der Hersteller garantiert aber für bestehende Geräte aus dem bisherigen Battery Universe weiterhin Service sowie Ersatzteil- und Akkuverfügbarkeit.
Die Technologie hinter dem Allpro-System
Das Allpro-Portfolio umfasst zwei Klassen: die Basismodelle AP 20.1 und AP 30.1 mit Standardzellen sowie die Performance-Serie AP 100 P, AP 200 P und AP 300 P (Connected) mit einer neuen Tabless-Zellarchitektur. Die Zellen werden laut Traub aus Asien bezogen. Bei der Tabless-Architektur fließt der Strom nicht mehr über eine einzelne Kontaktstelle (Tab), sondern über die gesamte Zelloberfläche. Der reduzierte Innenwiderstand senkt sowohl im Betrieb als auch beim Laden die Wärmeentwicklung und wirkt der Zellalterung entgegen.
Batterieexperten beider Unternehmen präsentierten in einem Fachvortrag die konkreten Verbesserungen der Performance-Serie gegenüber Standardzellen:
- Der Innenwiderstand sinkt um 45 Prozent.
- Die Leistung steigt um 60 Prozent.
- Bei hoher Last stehen 70 Prozent mehr nutzbare Kapazität zur Verfügung.
- Die Wärmeentwicklung fällt bei gleicher Leistung um 30 Prozent geringer aus.
- Bei niedrigen Temperaturen liefern die Zellen 50 Prozent mehr Leistung.
- Die Ladegeschwindigkeit verbessert sich um 40 Prozent.
- Der vertragene Ladestrom liegt um 80 Prozent höher.
- Die Zyklenzahl über die Lebensdauer erhöht sich um 150 Prozent.
Als Spitzenmodell nennt Stihl den AP 300.0 P mit bis zu vier Kilowatt Spitzen- und 2,5 Kilowatt Dauerleistung, einem Energiegehalt von bis zu 333 Wattstunden, über 3.000 Ladezyklen und IPX5-Schutz. Traub hob bei der Vorstellung besonders die Schnellladung hervor: Mit dem Ladegerät AL 1802 MO sei der Akku in unter zehn Minuten auf 80 Prozent geladen.
Die Plattform basiert auf 36 Volt (40 V max) und nutzt je nach Modell zehn bis 30 zylindrische Zellen. Ein Featurevergleich zeigte, dass die Performanceserie gegenüber den Basismodellen unter anderem bei Wasserschutz, Kühlung, Schnellladung und Kaltstart optimiert ist.



Die Anwendungsfelder Gebäudereinigung, Facility Management und GaLaBau
Anhand verschiedener Anwendungen und Branchen stellten die beiden Unternehmen die jeweiligen Herausforderungen vor und erläuterten, welche Lösungen die neue Batterietechnologie bietet. Gebäudedienstleister sehen sich mit Fluktuation, alternden Belegschaften, der Verlagerung in die Tagesreinigung sowie dem logistischen Mehraufwand beim Wechsel zwischen Innen- und Außenbereich konfrontiert. Akkubetriebene Geräte entlasten das Personal, ermöglichen ein flexibles und effizientes Arbeiten ohne Steckdosensuche sowie einen nahtlosen Wechsel zwischen Innen- und Außenbereichen. Aufgrund ihres geräuscharmen Betriebs eignen sich Akkugeräte für die Tagesreinigung während der Geschäftszeiten sowie für sensible Umgebungen. Zudem entfallen Kabel-Stolperfallen. Gleichzeitig sorgt die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit für schnellere Arbeitsabläufe.
Der Garten- und Landschaftsbau als weiteres Anwendungsfeld sieht sich mit strengeren Emissions- und Lärmauflagen konfrontiert. Ein Umstieg von Benzin- auf Akkugeräte stellt Betriebe vor Herausforderungen. Als einheitliche Akku-Lösung für eine Vielzahl von Geräten sorgt die neue Plattform für Effizienz und Flexibilität im täglichen Arbeitseinsatz. Mit moderner Akku-Technologie erreichen die Geräte laut Hersteller eine mit Benzinmodellen vergleichbare Leistung – bei gleichzeitig geringerem Gewicht, reduzierter Lärmbelastung und deutlich weniger Emissionen. Das schafft einen angenehmeren Arbeitsalltag und reduziert zugleich Komplexität sowie Logistikaufwand.
Über die beiden Hauptpartner hinaus integrieren weitere Hersteller – etwa für Forstwinden, Geräteträger oder mobile Tankstellensysteme – das Allpro-System, sodass insgesamt mehr als 120 Geräte auf die gleichen Akkupacks zugreifen können. Die neuen Akkus sind ab dem 1. August 2026 im Stihl-Fachhandel erhältlich, Kärcher startet mit neuen Akkus und Geräten am 1. Januar 2027. /mjt