Zwei Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigten – so lautet die Lohnforderung der Gewerkschaft IG Bau für die anstehenden Tarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk. Die Arbeitgeberseite hat dies umgehend zurückgewiesen.

Der Branchenmindestlohn in Lohngruppe 1 beträgt derzeit 15 Euro, in Lohngruppe 6 sind es 18,40 Euro. Der aktuelle Tarifvertrag gilt bis Ende 2026, die erste Tarifrunde für die Folgezeit soll am 9. September 2026 stattfinden.
Laut Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), der für die Unternehmensseite verhandelt, bedeutet die Forderung der Gewerkschaft in der beschäftigungsstärksten Lohngruppe 1 eine Erhöhung um 13 Prozent. Der Tarifvorstoß der IG Bau sei "kein verantwortungsvoller Beitrag für die Branche, sondern Symbolpolitik ohne Bezug zur ökonomischen Realität", sagte Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Tarifkommission, und fügte hinzu: "Offenbar gilt: Je schlechter die Lage, desto lauter die Forderungen".
Nach Jahren der Stagnation und Rezession befinde sich die deutsche Wirtschaft weiterhin in einer Schwächephase. Angesichts der politischen Debatten über höhere Sozialversicherungsbeiträge und mögliche zusätzliche Abgabenbelastungen müssten sich Unternehmen auf weiter zunehmende Lohnnebenkosten einstellen. Auch die aktuelle BIV-Konjunkturumfrage zeige das schlechteste Stimmungsbild in der Gebäudereinigung seit Beginn der Erhebungen.
"Bewusst fordern wir einen Festbetrag, damit vor allem die unteren Lohngruppen angehoben werden. Die Beschäftigten leiden sehr unter der ansteigenden Inflation", sagte Ulrike Laux, im Vorstand der IG Bau zuständig für die Gebäudereinigung. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll nach Vorstellung der Gewerkschaft zwölf Monate betragen. /HH