Schulreinigung: Wie man Kosten spart ­und ­ein gutes Ergebnis erzielt

Der Einsatz in Schulen und anderen Bildungs­einrichtungen stellt den Gebäudereiniger wiederkehrend vor ein ­altbekanntes Problem: Wie lässt sich trotz widriger Umstände und geringer Margen ein fachlich und wirtschaftlich befriedigendes Ergebnis erzielen?

Die Schulreinigung bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Sauberkeit und Hygiene, Nutzerzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit und Werterhalt. - © Corri Seizinger – stock.adobe.com

Ein kurzer Realitätscheck zeigt, dass bei der Schulreinigung seit langer Zeit meist ein Spannungsfeld besteht: zwischen erwarteter Sauberkeit und Hygiene aufseiten der überwiegend öffentlichen Auftraggeber, der Vergütung der Reinigungsleistung und den Erwartungen und Bedürfnissen der Nutzer.

Schon vor Jahren wurde erkannt, dass es einer Vor­gabe bedarf, die festlegt, welche Mindeststandards und Reinigungsintervalle in welchen Nutzungsbereichen erforderlich sind, um eine gewisse Hygiene und Sauberkeit in Bildungseinrichtungen gewährleisten zu können. 2003 trat die DIN 77400, Deutsche Norm für Reinigungsdienstleistungen in Schulgebäuden, in Kraft. Sie legt fest, welche "Anforderungen an eine vertragsgemäße, umweltbewusste und hygienische Reinigung von Schul­­­­ge­bäuden" gestellt werden sollen. Beschrieben wird die fach­gerechte Reinigung, einschließlich der Reinigungsintervalle und Hygiene­pläne, um eine ­sichere Lern­umgebung zu gewährleisten.

Reinigung im Spannungsfeld

Man sollte davon ausgehen können, dass die DIN 77400 das Spannungsfeld zwischen Hygiene, Sauberkeit, Nutzerzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit und Wert­erhalt unter einen Hut bringt. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass die Reinigung von Schulgebäuden zwar nach DIN 77400 ausgeschrieben wird oder der Auftraggeber sich darauf beruft, aber leider spiegeln sich die Anforderungen aus der DIN 77400 nicht immer in den Vertragsunterlagen und der Vergütung der Reinigungsdienstleistungen wider. Bedauerlicher­weise wird bei Ausschreibungen von Bildungseinrichtungen der öffentlichen Hand, von Städten, Gemeinden und Landkreisen, meist als einziges Zuschlagskriterium der Preis benannt. Qualitätskriterien sind eher selten zu finden. Daher ist es wenig verwunderlich, dass meist das billigste Angebot den Zuschlag bekommt. Dadurch kommt es in der Realität oftmals zu wahrnehmbaren Minder- oder Schlechtleistungen.

Losgelöst von den Empfehlungen und vertraglichen Vorgaben stehen für den mit der Reinigung beauftragten Dienstleister meist drei zentrale Fragen im Vordergrund. Erstens: Wie stelle ich sicher, dass ich dauerhaft genügend geeignetes Personal bekomme? Zweitens: Welche Reinigungstechnik setze ich wo ein? In welchen Bereichen können wirtschaftlich und fachlich sinnvoll Reinigungsmaschinen verwendet werden? Und drittens: Wie bekomme ich es hin, mit dem größtenteils knapp kalkulierten Preis Auftrag­geber ebenso wie Nutzer zufriedenzustellen und mein betriebswirtschaftliches Auskommen zu sichern?

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    Die Reinigung der Bodenbeläge ist bei der Schulreinigung der Posten, auf den die meiste Zeit entfällt.
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    Bei der manuellen Bodenreinigung ist sowohl aus wirtschaftlichen als ­
    auch hygienischen Gründen der Einsatz von vorgetränkten Wischbezügen sinnvoll.
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    Auch oberhalb des Bodens empfiehlt sich der Einsatz von vorgetränkten Reinigungstextilien. Alternativ kann mit dem Sprühverfahren gearbeitet werden.

Einsatz meist zu unattraktiven Zeiten

Der Hauptfokus bei der Reinigung von Schulgebäuden und Turnhallen liegt heutzutage meistens auf der Frage der Personalgewinnung und der langfristigen Bindung von Reinigungskräften ans Unternehmen. Die Reinigungszeiten sind in der Regel unattraktiv, früh am Morgen oder spät am Abend. Das lässt sich größtenteils nicht umgehen, da in vielen Schulen nach Unterrichtsschluss Erwachsenenbildung stattfindet. Turn- und Sporthallen sind zudem oft bis in die Nacht von Sportvereinen belegt. Da bleibt dem Dienstleister nur noch die Möglichkeit, frühmorgens vor Beginn des Schulbetriebs oder eben spätabends zu reinigen.

Wenn die Reinigung sichtbar wird

Um die Problematik der unattraktiven Reinigungszeiten zu umgehen oder zumindest so weit wie möglich zu minimieren, laufen in einigen Bundesländern und Städten Pilotversuche mit Tagesreinigung. Die Erfahrungen der verantwortlichen Stellen sind überwiegend positiv, und das Erstaunliche ist: In Schulen, in denen derartige Piloten am Start sind, hat sich das Nutzerverhalten der Schüler positiv entwickelt. Das Schmutzaufkommen hat sich deutlich reduziert, die Schüler verhalten sich in puncto Sauberkeit disziplinierter. Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Reinigung nun sichtbar und dadurch die Hemmschwelle höher ist, Schulräume zu vermüllen und den Reinigungskräften unnötige Arbeiten aufzulasten. Beschädigungen und Verunreinigungen durch Vandalismus, das Verstopfen von Toiletten, Schmierereien an Zwischenwänden oder unschöne Hinterlassenschaften haben sich in diesen Schulen merklich reduziert.

Tagesreinigung in Teilbereichen prüfen

Daher wäre es empfehlenswert, mit dem Auftraggeber ein Gespräch über die Möglichkeit der Tagesreinigung zumindest in Teilbereichen zu führen. Reinigung während des Schulbetriebs könnte beispielsweise in nicht belegten Fachräumen, Verwaltungsbereichen, Treppenhäusern, Pausen- und Aufenthaltsbereichen durchgeführt werden. Das löst sicherlich die Personalfrage nicht gänzlich, aber in Verbindung mit moderner Technik wie Reinigungsrobotern lässt sich das Problem teilweise entschärfen.

Mit autonomen Helfern an der Seite

Der Einsatz von autonomen Maschinen eröffnet Gebäudedienstleistern bei der Reinigung von Schul­gebäuden bisher nie dagewesene Möglichkeiten, personell ebenso wie wirtschaftlich. Beim Einsatz von Reinigungsrobotern muss nicht auf die Zeiten geachtet werden. Es ist folglich unerheblich, wenn die Turnhalle erst ab 23 Uhr oder in den frühen Morgenstunden gereinigt werden kann. Ob auf den Verkehrsflächen oder in der Aula bis spätabends Betrieb herrscht, ist den Robotern egal. Sie werden nicht krank, verschlafen nicht, und es müssen auch ­keine Nachtzuschläge gezahlt werden. Sie warten geduldig, bis der letzte Nutzer das Gebäude verlassen hat, und beginnen dann mit der Arbeit. Perfekt sind Scheuersaug­roboter, wenn es um die Reinigung von Turnhallen, Verkehrsflächen oder größeren Eingangsbereichen geht. Bei sanitären Anlagen, Unterrichtsräumen oder Treppen sind die ­autonomen Helfer hingegen noch überfordert. In diesen Bereichen müssen gut ge­schulte ­Reinigungskräfte, ausgestattet mit bestmöglicher Reinigungstechnik, für Sauberkeit sorgen.

Wischbezüge möglichst vortränken

Um die Arbeiten möglichst effizient, wirtschaftlich und hygienisch zu gestalten, bieten sich unterschiedliche Reinigungstechniken und organisatorische Maßnahmen an. Mehr als 60 Prozent der Zeit entfallen bei der Schulgebäude­reinigung auf die Bodenbeläge. Egal ob ein- oder zweistufiges Wischen, Doppelmopp-­Methode, Mikrofaser, Baumwolle oder Mischgewebe: Wie wirtschaftlich ein Bodenreinigungssystem ist, entscheiden die Quadratmeter-Stundenleistung, die Qualität des Reinigungsergebnisses, die Haltbarkeit und Handhabung des Systems, die Leistungsfähigkeit des Nasswischbezugs und – nicht zu vernachlässigen – die Aufbereitungs- und Anschaffungskosten. Gute Gründe also, sich die am Markt befindlichen unterschiedlichen Bodenreinigungs­systeme genauer anzusehen. Unabhängig davon, welches System gewählt wird, sollten die Wisch­bezüge auch aus hygienischen Gründen im sogenannten ­Prepared-Verfahren verwendet werden. Denn vorgetränkte Reinigungstextilien sparen viel Zeit, erhöhen die Reinigungsleistung, reduzieren den Wasser- sowie Chemieverbrauch, verhindern Fehldosierungen und steigern die Reinigungsqualität und Hygiene.

Große Flächen wie Verkehrswege, Eingangsbereiche, Foyers oder Turnhallen sollten möglichst maschinell oder – wenn realisierbar – von Scheuer­saugrobotern gereinigt werden. Die wirtschaftliche Bodenreinigung dieser Nutzungsbereiche ist elementar, da sie bis zu 50 Prozent der Reinigungsflächen in Schulen ausmachen.

Touchflächen in den Fokus nehmen

Der zweite große Reinigungsposten sind die sogenannten Obenarbeiten in Unterrichtsräumen sowie die Sanitärraumreinigung. Zur Sicherstellung der allgemeinen Hy­giene sollte verstärkt die Reinigung der Touchflächen in den Fokus rücken. Dazu gehören alle Türgriffe und -klinken, Lichtschalter, Tisch-, Stuhl- und Waschbeckenunterseiten oder auch Spendersysteme. Generell gehören sanitäre Anlagen sowie Garderoben, Umkleidebereiche und Schul­küchen zu den hygienerelevanten Bereichen.

Unproduktive Wegezeiten reduzieren

Für die Obenarbeiten in den Unterrichtsräumen bieten sich aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich nur zwei Systeme an: mit Reinigungslösung vorgetränkte Mikro­fasertücher und das Sprühverfahren. Beide Verfahren vermeiden weitestgehend Wegezeiten zwischen Reinigungsgegenstand und Reinigungswagen sowie das zeitintensive Ausspülen und das kräftezehrende Auswringen der Tücher. Auch unter dem Gesichtspunkt Hygiene sollte dem Pre­pared-Verfahren der Vorzug gegeben werden. Um die Wirtschaftlichkeit der Reinigung mit vorgetränkten Mikrofasertüchern weiter zu maximieren, können die Reinigungskräfte mit einer Weste ausgestattet werden. Sie ermöglicht es den Beschäftigten, in den Westentaschen mehrere präparierte Tücher mitzuführen und unproduktive Wegezeiten ­– zum Reinigungswagen, für den Tausch der verschmutzten Reinigungstücher – auf ein Minimum zu reduzieren. Das System Weste kann auch beim Sprühverfahren Wegezeiten minimieren. Dabei sollte ein Augenmerk auf Ergonomie gelegt werden. Denn das permanente Betätigen der Sprühflasche und deren Gewicht können bei den Reinigungskräften über die Zeit zu Ermüdungserscheinungen der Handgelenke führen.

Wie man die Kosten minimiert

Die einfachste und effektivste Art, die Kosten bei der Reinigung in Bildungseinrichtungen zu minimieren, ist, die Wegezeiten auf ein Minimum zu reduzieren und die Reinigungskräfte mit modernem und effektivem Reinigungsequipment auszustatten. Wichtig ist auch, die Beschäftigten wertzuschätzen, so wie wir selbst gerne wertgeschätzt werden möchten. Die Einführung eines Benefitprogramms zur Mitarbeiterbindung und Reduzierung der Fehlzeiten sollte dabei nicht vergessen werden, denn nur zufriedene, motivierte und gut ausgebildete Reinigungskräfte mit maximal leistungsfähigem Equipment garantieren ein Maximum an Qualität, Hygiene und Effizienz. Hinzu kommen regelmäßige Schulungen im Umgang mit dem Reinigungsequipment und den Arbeitsabläufen.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner - © privat

Uwe Büttner

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich ­bestellter ­­und ­vereidigter Sachverständiger ­­und ­selbst­ständiger Berater mit dem ­­Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen.