Die Wahl der richtigen Wischmethode: Keine Glaubensfrage

Die Auswahl der richtigen Wischmethode ist in der Gebäudereinigung ein ­zentraler Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsfaktor. Unterschiedliche Oberflächen, ­Nutzungs­häufigkeiten, Hygieneanforderungen und Personalkonzepte erfordern ­unterschiedliche Verfahren.

Welche Wischtechnik zum Einsatz kommt, ist abhängig von Objektparametern, Hygienerisikoprofil, Personalstruktur und Textillogistik. - © rationell reinigen

In der Praxis haben sich vier Wischmethoden ­etabliert, die oft parallel im Objekt eingesetzt werden:

  • das nebelfeuchte beziehungsweise staubbindende Wischen mit gewaschenen, geschleuderten Reinigungstextilien,
  • das einstufige Nasswischen,
  • das zweistufige Nasswischen sowie
  • das Wischen mit vorpräparierten Mopps.

Alle vier Verfahren sind grundsätzlich fachgerecht einsetzbar, sie unterscheiden sich aber deutlich hinsichtlich Reinigungswirkung, Flächenleistung, Hygienesicherheit, Textilbedarf und organisatorischer Anforderungen. Ein fachlicher Vergleich ist deshalb sinnvoll.

Fachliche Einordnung

Beim nebelfeuchten beziehungsweise staubbindenden Wischen steht nicht die Entfernung starker Anschmutzungen im Vordergrund, sondern die sichere, schlierenfreie Aufnahme von lose anhaftendem Staub, Haaren, Faserabrieb und leichten Alltagsspuren. Eingesetzt werden dabei Reinigungstextilien, die direkt aus der Wäscherei beziehungsweise aus der eigenen Waschmaschine kommen und durch den Schleudervorgang bereits auf ein definiertes Restfeuchteniveau gebracht wurden:

Bei Baumwollbezügen wird in der Regel mit circa 1.200 Umdrehungen pro Minute geschleudert, bei Mikrofasern mit circa 1.000 Umdrehungen pro Minute. Der Grund ist technischer Natur: Baumwolle benötigt eine höhere Schleuderzahl, um auf ein wischfähiges, aber nicht zu nasses Niveau zu kommen, während Mikrofaser als Faserart eine höhere Wasseraufnahme hat und deshalb mit etwas geringerer Drehzahl geschleudert wird. Das Ergebnis ist ein Mopp, der feucht genug ist, um Staub zu binden, aber trocken genug, um keine Rutschgefahr zu erzeugen und beschichtete, feuchtigkeitsempfindliche oder PU-vergütete Bodenbeläge nicht unnötig zu durchfeuchten. Die Reinigungswirkung ist bei diesem Verfahren begrenzt auf leichte Verschmutzungen und optische Staubbeseitigung; dafür ist die Methode sehr materialschonend, schnell und besonders geeignet für Tagesreinigung, Bürobereiche, sensible Bodenbeläge oder überall dort, wo Wasser auf dem Boden unerwünscht ist (Stolper-/Rutschgefahr, elektrifizierte Bereiche, stark frequentierte Flure). Voraussetzung ist allerdings, dass die Textilien nach Hygienestandard aufbereitet wurden und im Objekt moppweise gearbeitet wird, das heißt, ein Mopp je Raum oder je definiertem Abschnitt.

Das einstufige Nasswischen ist die klassische, in vielen Leistungsverzeichnissen noch immer beschriebene Methode: Die Reinigungsflotte wird mit dem Breit­wischgerät aufgebracht und im gleichen Arbeitsgang wieder aufgenommen. Die Schmutzlösung verbleibt dabei in Teilen im Textil, in Teilen auf der Fläche und wird durch den wiederholten Kontakt des Mopps mit dem Boden verteilt. Der Vorteil liegt in der Einfachheit und Geschwindigkeit: ein Arbeitsgang, wenig organisatorischer Aufwand, für schwach bis normal verschmutzte Flächen ausreichend.

Der Nachteil ist fachlich bekannt: Die Schmutzübertragung von Fläche zu Fläche ist höher, die Reinigungsleistung hängt stark vom Textilwechsel ab und die Chemiekonzentration auf der Fläche lässt sich nicht exakt steuern. Für hygienisch sensible Bereiche (Sanitär mit hoher Frequentierung, Gesundheitswesen, Küchenzonen) ist das einstufige Nasswischen daher nur bedingt zu empfehlen beziehungsweise muss durch konsequenten Moppwechsel abgesichert werden. In Büro- und Verwaltungsbereichen mit geringem Verschmutzungseintrag bleibt es jedoch ein wirtschaftlich tragfähiges Verfahren.

Das zweistufige Nasswischen gilt aus fachlicher Sicht als das sauberere und hygienisch sicherere Verfahren. Im ersten Schritt wird die Reinigungsflotte gezielt aufgebracht und der Schmutz gelöst; im zweiten Schritt wird mit einem separaten, sauberen Textil und klarem Wasser beziehungsweise deutlich geringerer Konzentration nachgewischt und die Schmutzflotte von der Fläche entfernt. Damit wird das Grundproblem des einstufigen Verfahrens, das Verschleppen von Schmutz und Chemie, weitgehend vermieden. Das Ergebnis sind sauberere, streifenärmere Böden, eine geringere Rückstandsbildung (wichtig bei beschichteten, polymergepflegten oder PU-versiegelten Böden) und eine bessere Voraussetzung für den Werterhalt und somit auch für den Lebenszyklus der verwendeten Werkstoffe. Der Preis für diese höhere Reinigungsqualität sind allerdings ein höherer Zeitbedarf, ein höherer Textilbedarf und eine strengere ­Organisation (Trennung von Eimern beziehungsweise Zwei-/Drei-Eimer-­System, Farb- und Bereichstrennung). In Objekten mit hohen Anforderungen an Optik, Rutschhemmung und Reinigungsfähigkeit, etwa öffentliche Gebäude mit stark genutzten Bereichen, ist dieses Verfahren dem einstufigen fachlich überlegen.

Das Wischen mit vorpräparierten Mopps hat sich in den letzten Jahren vor allem in professionell geführten Objekten, bei Dienstleistern mit zentraler Wäsche­aufbereitung und in der Tagesreinigung etabliert. Das Prinzip: Die Mopps werden außerhalb der Fläche in der Wäscherei oder in der Reinigungskammer mit einer genau definierten Menge an Reinigungsflotte benetzt, gleichmäßig im Textil verteilt und in geschlos­sener Box bis zum Einsatz bevorratet. Die Reinigungskraft nimmt dann für jeden Raum oder ­jeden Flächenabschnitt einen frischen, vorpräparierten Mopp und arbeitet konsequent im Ein-Mopp-­System. Dadurch wird das Risiko von Keimverschleppung, Schmutzverschleppung und Überdosierung deutlich reduziert. Die Flächenleistung bleibt hoch, die ­Ergonomie ist gut, weil kein permanentes Auspressen erforderlich ist, und die Dosierung ist ­reproduzierbar.

Dieses Verfahren hat jedoch einen entscheidenden Erfolgsfaktor, der in der Praxis häufig unterschätzt wird: Es funktioniert nur dann wirklich gut, wenn die Präparierung dem Objekt angepasst wird – also an Bodenbelag, Verschmutzungsgrad, Raumgröße und Laufwege – und nur dann, wenn ausreichend viele Breitwischbezüge zur Verfügung stehen, um das Objekt tatsächlich moppweise abarbeiten zu können. Stehen zu wenig Mopps zur Verfügung, müssen Mopps länger eingesetzt oder sogar zwischen den Räumen mehrfach genutzt werden. Dann geht der hygienische und qualitative Vorteil verloren, die Feuchtigkeitsabgabe wird ungleichmäßig, die letzten Räume sind zu trocken oder zu schmutzig und es entstehen Streifen oder Anschmutzungen. In der Planung heißt das: Textilbestand und Präpariermenge müssen anhand der tatsächlichen Flächen, Intervallhäufigkeiten und Bodenarten berechnet werden; die Reinigungsleitung muss zudem kontrollieren, ob die Feuchtigkeitsstufen der vorbereiteten Mopps zum Objekt passen (stark saugende Beläge und/oder strukturierte Beläge brauchen mehr, beschichtete oder PU-vergütete Beläge eher weniger).

Abschlieẞende Beurteilung

Vergleicht man die vier Verfahren fachlich, ergibt sich folgendes Bild:

  • Das nebelfeuchte/staubbindende Wischen ist die schnellste und bodenschonendste Methode für leichte, tägliche Verschmutzungen und überall dort, wo keine sichtbare Nässe entstehen darf.
  • Das einstufige Nasswischen ist das ökonomischste Basismodell, aber nur dann qualitativ stabil, wenn häufig gewechselt wird und kein hoher Hygiene­standard gefordert ist.
  • Das zweistufige Nasswischen liefert das beste reinigungstechnische Ergebnis und die geringste Rückstandsbildung, ist aber zeit- und textilintensiver.
  • Das Wischen mit vorpräparierten Mopps verbindet eigentlich das Beste aus beiden Welten: reproduzierbare Dosierung, hygienischer Ein-Zonen-Einsatz, hohe Flächenleistung.

Es braucht aber eine professionelle Logistik im Hintergrund: passende Präparierlösung, richtige Befeuchtungsgrade je Textilart (Mikrofaser nimmt mehr auf als Baumwolle), ausreichend Textilien im Umlauf und geschultes Personal, das nicht aus Bequemlichkeit mehrere Räume mit demselben Mopp fährt.

Für die Praxis lässt sich damit klar formulieren: Die Wahl der Wischmethode ist keine Glaubensfrage, sondern eine Frage von Objektparametern, Hygiene­risikoprofil, Personalstruktur und Textillogistik. Wo Tagesreinigung, kurze Zeitfenster und hohe Nutzerfrequenz zusammentreffen, bieten vorpräparierte Mopps oder nebelfeuchtes Wischen den größten Mehrwert. Wo optische und hygienische Qualität priorisiert werden, etwa in sensiblen Verkehrsbereichen, auf hochwertigen elastischen Bodenbelägen oder in repräsentativen Bereichen, ist das zweistufige Nasswischen das fachlich stärkste Verfahren. Und überall dort, wo Reinigung mitlaufen muss und die Verschmutzung eher gering ist, bleibt das einstufige Nasswischen vertretbar, sofern der Moppwechsel konsequent umgesetzt wird.

Entscheidend ist am Ende die Systematik: Nur wenn Präparierung, Schleudergrade, Textilbestand und Flächenstruktur aufeinander abgestimmt sind, lässt sich eine stabile Reinigungsqualität im Sinne der modernen Gebäudedienstleistung sicherstellen.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Sascha Hintze - © Sascha Hintze

Sascha Hintze

ist Gebäudereinigermeister sowie öffentlich ­bestellter und ­vereidigter Sachverständiger; hintze@sachverstaendigen­buero-hintze.de