Feinsteinzeugfliesen gehören zu den beliebtesten und am häufigsten verlegten Bodenbelägen. Eigentlich sind sie relativ einfach sauber zu halten – wenn man einige Besonderheiten im Blick behält. Was bei der Unterhalts- und Grundreinigung zu beachten ist.

Feinsteinzeugfliesen sind ein Allrounder und in Innen- ebenso wie Außenbereichen als Bodenbelag nicht mehr wegzudenken. Sie zeichnen sich durch Vielseitigkeit, Widerstandsfähigkeit, optische Vielfalt und attraktive Preise aus. Meist sind sie einfarbig, gesprenkelt, marmoriert, mit Digitaldrucken, poliert, satiniert oder glasiert – Feinsteinzeugfliesen sind ein optisches Multitalent, das sich rein optisch kaum von Marmor, Granit oder Holzdielen unterscheiden lässt. Die optisch nahezu unbegrenzten Möglichkeiten machen dieses Material zu einem der beliebtesten Bodenbeläge. Rund zwei Drittel aller verlegten Steinböden bestehen mittlerweile aus Feinsteinzeugfliesen.
Obwohl der Siegeszug dieser Fliesen eigentlich erst in den 1980er-Jahren begann, ist Feinsteinzeug deutlich älter. 1706 entdeckten die Alchemisten Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus das Feinsteinzeug – zunächst Böttgersteinzeug oder auch Jaspisporzellan genannt – beim Versuch, Gold herzustellen. Damit war – verkürzt gesagt – der Startschuss für das deutsche beziehungsweise Meißner Porzellan gefallen, damals bekannt unter der Bezeichnung "feines rothes Porcelain", was rotbraunes Feinsteinzeug bedeutet. Nach nur wenigen Jahren der Weiterentwicklung entstand 1710 daraus das heutige weiße Hartporzellan. In Meißen wird es unverändert für die Herstellung von filigranem Tee- und Kaffeegeschirr oder Vasen verwendet.
Sehr fest und ritzhart
Feinsteinzeugfliesen bestehen überwiegend aus Ton, Quarzsand und Feld- oder Flussspat. Der Herstellungsprozess ist ebenso einfach wie kostengünstig. Die Rohstoffe werden gemischt. Beim Strangpressverfahren wird eine plastische Masse zu einem endlosen Strang gepresst. Bei der Trockenpressung wird hingegen ein Pulvergemisch mit sehr hohem Druck in die gewünschte Form gepresst, um die typische Fliesenform zu erzeugen.
Danach werden die Fliesen in Trockenöfen bis zu einer festgelegten Restfeuchte getrocknet. Andernfalls würden sie beim Brennen Risse bekommen. Die getrockneten Fliesen werden bei 1.200 bis 1.300 Grad Celsius in einem Rollbrennofen gebrannt. Dabei verglast das Innere der Fliesen, was für die höhere Dichte und Festigkeit gegenüber Steinzeug verantwortlich ist und zusätzlich das Wasseraufnahmevermögen deutlich verringert. Die Fliesen werden durch diesen Prozess besonders widerstandsfähig, da sie fast porenfrei werden. Durch den hohen Druck und die hohe Brenntemperatur wird die Oberfläche sehr dicht gesintert, die Poren verschließen sich. Dadurch erhalten Feinsteinzeugfliesen ihre hohe Festigkeit, Ritzhärte und geringe Wasseraufnahme.
Nach dem Brennprozess wird die Oberfläche der Feinsteinzeugfliesen je nach Anforderung veredelt oder unbehandelt verbaut. Sie kann geschliffen und poliert oder satiniert werden. Dabei werden die press- und brandbedingten Porenräume weiter angeschliffen und geöffnet, was zu den bekannten Eigenschaften der Feinsteinzeugfliesen führt. Die gute Rutschhemmung geht dabei mit einer verstärkten Schmutzanhaftung einher. Bei unsachgemäßer Reinigung kommt es zu unschönen optischen Beeinträchtigungen wie Wolkenbildung oder Grauschleier.
Winzige Poren wie Vulkankrater
Feinsteinzeugfliesen verfügen grundsätzlich über eine Rutschhemmung der Klasse R9, zumindest mit unglasierter Oberfläche. Die Poren sehen unter dem Mikroskop wie Vulkankrater aus und sind der Grund dafür, dass die Fliesen rutschhemmend sind. Die technischen Regeln für Arbeitsstätten A1.5 Anlage 2 fordert für öffentlich begehbare Innenbereiche (Einzelhandelsflächen, Behörden- und Verwaltungsgebäude oder Bahnhöfe), dass der Bodenbelag eine Rutschklasse von mindesten R9 aufweist.
Feinsteinzeugfliesen haben sich im gewerblichen Bereich etabliert und bieten neben der Rutschhemmung zahlreiche weitere Vorteile, die sie zu einer bevorzugten Wahl für Boden- und auch Wandbeläge machen. Durch ihre sehr geringe Wasseraufnahme (weniger als 0,5 Prozent) und die rutschhemmenden Eigenschaften sind Feinsteinzeugfliesen wie gemacht für Eingangsbereiche, Verkehrsflächen, Treppen oder Nass- und Außenbereiche. Poliert und mit Marmordesign findet man Feinsteinzeugfliesen auch als Wandverkleidung, nicht nur in Nassbereichen. Da sie über eine hohe Abriebfestigkeit und geringe Schmutzaufnahme verfügen, sind die Fliesen zudem oft in Industrie- und Einzelhandelsbereichen anzutreffen. Die Eigenschaften und der günstige Preis erklären, weshalb Feinsteinzeugfliesen die meistverbauten Fliesen ist.
Wie die streifenfreie Reinigung gelingt
Gleichzeitig hatte wohl jeder in der Gebäudereinigung Tätige schon die eine oder andere unangenehme Begegnung mit Feinsteinzeug – zum Beispiel wegen Kundenreklamationen, weil der Bodenbelag einen Grauschleier aufweist, die Fliesen speckig oder wolkig erscheinen und immer Wischspuren zu sehen sind. Reinigungskräfte sind von Feinsteinzeugfliesen oftmals frustriert, wenn alle Versuche scheitern, den Boden streifenfrei zu reinigen. Der Grund dafür ist allerdings nicht in den Feinsteinzeugfliesen zu finden, sondern meist in der angewendeten Reinigungstechnik.
Mikrofaser statt Baumwolle
Dabei gilt: Feinsteinzeugfliesen vertragen sich nicht mit Baumwollwischbezügen. Wegen der Mikrokrater mit einem Durchmesser, der um ein Vielfaches kleiner als eine Baumwollfaser ist, ist es schwierig bis unmöglich, Verschmutzungen aus diesen Mikrokratern durch Nasswischen mit einem Baumwollmopp zu entfernen. Die Baumwollfaser ist schlicht zu dick, um in die Mikrokrater zu gelangen. Pflegende Substanzen im Bodenreiniger, die in die Mikrokrater einwandern oder sie verstopfen, verschärfen das Problem. Um Feinsteinzeugfliesen streifen- und rückstandslos zu reinigen, muss ein Reinigungsmittel verwendet werden, das keinerlei pflegende Substanzen enthält, und ein Mikrofaserreinigungstextil, dessen Fasern nur den Bruchteil des Durchmessers von Baumwollfasern aufweisen.
Fasern statt Schlingen
Um Feinsteinzeugfliesen fachgerecht mit einem ansprechenden optischen Ergebnis zu reinigen, sollten neben dem Einsatz von Mikrofasertextilien und Reinigungschemie, die frei von pflegenden Substanzen ist, weitere Besonderheiten beachtet werden. Die Reinigungstextilen sollten aus Fasern und nicht aus Schlingen bestehen. Denn Schlingen haben eine zu große Auflagefläche, die verhindert, dass die Mikrofaserschlingen in die Mikrokrater vordringen, um den Schmutz zu lösen. Die Qualität der Mikrofaser spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, sie ist aber für die Nutzungszeit und Wirtschaftlichkeit des Textils von Belang. Hochwertige Mikrofasern haben im Vergleich zu einfacheren Erzeugnissen eine deutlich längere Nutzungszeit, müssen seltener ersetzt werden und sparen dadurch Ressourcen – Green Cleaning mit praktischem Nutzen.
Was Feinsteinzeug so beliebt macht
Feinsteinzeug
- ist ein optisches Multitalent (durch Digitaldruck und Oberflächendesign),
- durchgefärbt (deshalb sind eventuell auftretende Beschädigungen kaum sichtbar),
- rutschhemmend (mindestens Rutschklasse R9),
- frostsicher (Wasseraufnahme unter 0,5 Prozent) und
- hat eine hohe Ritzhärte, weshalb es sehr robust und langlebig ist.
Durch die sehr große Auflagefläche der Mikrofaserbezüge entstehen große Reibungskräfte. In der Praxis macht sich dies bei der manuellen Bodenreinigung durch ein Mehr an erforderlicher Körperkraft bemerkbar. Um dem in ergonomischer Hinsicht Rechnung zu tragen, sollten nur Bezüge mit 40 Zentimetern Breite verwendet werden. 50-Zentimeter-Bezüge sind so schwergängig, dass man schon Reinigungskräfte mit der Körperstatur von Popeye benötigen würde.
Immer ohne pflegende Zusätze
Neben dem passenden Reinigungstextil bedarf es geeigneter Reinigungschemie. Nahezu jeder Chemiehersteller hat einen als Feinsteinzeugreiniger ausgelobten Bodenreiniger im Programm. Alle diese Produkte haben eines gemeinsam: Es sind keine pflegenden Zusätze enthalten. Vom pH-Wert und den Inhaltsstoffen her unterscheiden sich die Produkte aber erheblich. Es finden sich pH-neurale, alkalische (> pH 8) und saure (< pH 5) Varianten, mit und ohne Tenside. Welche Formulierung ist nun für welchen Einsatzzweck oder welche Verschmutzungsart geeignet? Ist der Bodenbelag frei von festanhaftenden Verunreinigungen sowie Pflegemittelrückständen und handelt es sich nicht um einen Nass- oder Sanitärbereich, empfiehlt sich ein pH-neutraler Feinsteinzeugreiniger auf Citratbasis. Feinsteinzeugreiniger auf Phosphatbasis funktionieren gut, sind aufgrund ihrer eutrophierenden Eigenschaft (Überdüngung der Gewässer) aus Nachhaltigkeitsgründen aber nicht die erste Wahl.
Auf die Schmutzart kommt es an
Handelt es sich um Feinsteinzeugfliesen in Industriebereichen mit starken und/oder ölhaltigen Verunreinigungen, würde ein Feinsteinzeugreiniger mit einem hohen pH-Wert gute Dienste leisten. Etwas schwieriger kann es in Nass- und Sanitärbereichen werden. Dort sind zwei grundsätzlich unterschiedliche Verschmutzungsarten vorzufinden, was die Reinigung etwas verkomplizieren kann: Kalkhaltige Verschmutzungen, die sauer entfernt werden müssen, und Verschmutzungen (Hautschuppen, Seifenreste oder Gummiabrieb von Schuhen), die alkalisch gelöst werden müssen. Bei der Unterhaltsreinigung in Nassbereichen sollte deshalb täglich mit einem sauren Feinsteinzeugreiniger gearbeitet werden und gelegentlich, je nach Nutzung, mit einem alkalischen Feinsteinzeugreiniger.
Sind die Fliesen bereits wolkig, speckig oder haben eine sehr unterschiedliche Optik, sollte eine Intensiv- oder Grundreinigung durchgeführt werden. Denn egal, ob alkalisch, sauer oder neutral gereinigt wird: Um ein optisch ansprechendes Ergebnis zu erzielen, muss der Bodenbelag frei von festanhaftenden Verschmutzungen und Pflegemittelrückständen sein.
Grundreinigung: Zweistufig vorgehen
Bei der Grundreinigung in Nassbereichen sollte zweistufig vorgegangen werden. Zuerst wird der Boden mit einem alkalischen Feinsteinzeugreiniger und Mikrofasertextil grundgereinigt und im Anschluss mit einem sauren Feinsteinzeugreiniger behandelt. In manchen Fällen kann auch die umgekehrte Reihenfolge – erst sauer, dann alkalisch – zum Erfolg führen. Entscheidend ist, ob die obere Schicht der Verschmutzung kalk- oder ölhaltig ist. Da dies visuell oftmals nur schwer zu erkennen ist, empfiehlt sich eine Arbeitsprobe (sauer/alkalisch, alkalisch/sauer) an einer unauffälligen Stelle. So kann festgestellt werden, welche Kombination zum Erfolg führen wird.
Notfalls mithilfe von Scheuerpulver
In seltenen Fällen bringen die genannten Methoden beziehungsweise Reinigungsmittel nicht das gewünschte Ergebnis. Oftmals liegt dies an einer speziellen Oberflächenbeschaffenheit durch eine werkseitige Veredlung oder nachträglich aufgebrachte Nutzschicht. Sollten alle Bemühungen (Reinigung alkalisch/sauer oder sauer/alkalisch, mit Mikrofaserreinigungstextil, manuell oder maschinell) scheitern, hilft meist ein unterschätztes Reinigungsmittel: Einfach Scheuerpulver oder -milch der Grundreinigungsflotte beimischen und die Fläche maschinell mit Mikrofaser- oder Melaminharzpad sowie Walzenbürsten, Dreischeiben- oder Oszillationsmaschine bearbeiten. Im Anschluss muss mit reichlich Wasser gespült werden, um die mikroskopisch kleinen Schleifkörner des Scheuerpulvers oder der Scheuermilch rückstandsfrei zu entfernen. Unterbleibt dies, ist der Feinsteinzeugbelag nach der Trocknung mit einem weißen hartnäckigen Film überzogen, der sich nur sehr schwer wieder entfernen lässt.
Wie Feinsteinzeug gereinigt wird
- Grundsätzlich mit Reinigungstextilien aus Mikrofasern arbeiten.
- Keine Wischpflege verwenden.
- Immer Feinsteinzeugreiniger verwenden.
- Bei der maschinellen Reinigung am besten Walzenbürsten einsetzen.
- Bei hartnäckigen Verschmutzungen kann Scheuermilch helfen.
- Feinsteinzeugböden im Sanitärbereich immer sauer reinigen.
Beim Einsatz von Reinigungsmaschinen führen Mikrofaser- oder Melaminharzpads in Verbindung mit geeigneter Reinigungschemie zum Erfolg. Ein perfektes Duo bei der Reinigung von Feinsteinzeug: hochwertige Mikrofasern und spezielle Reinigungschemie. Infrage kommen dabei Citrate, hochnetzende Tenside und alkalische Reiniger mit einem pH-Wert über elf.
Sieht man davon ab, dass bei der täglichen Unterhaltsreinigung von Feinsteinzeugfliesen einige Besonderheiten zu beachten sind, bekommt der Nutzer einen Bodenbelag, der mit allen Herausforderungen zurechtkommt.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
Uwe Büttner
ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und selbstständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen (www.reinigungsexperte.de).
