Sparsamer Umgang mit Ressourcen ist das Gebot der Stunde – auch in der Gebäudereinigung. Fünf Tipps aus Sicht eines vom BIV geprüften Auditors, wie sich die Umwelt schonen und gleichzeitig die Kosten für den Betrieb reduzieren lassen.

Bereits 2022 stand der World Accreditation Day unter dem Motto "Sustainability in Economic Growth and the Environment". Initiiert wurde der jährliche Aktionstag vom International Accreditation Forum (IAF) und der International Laboratory Accreditation Cooperation (ILAC). Im Frühjahr 2024 haben diese zusammen mit der International Organization for Standardization (ISO) noch einmal betont, dass auch gegebenenfalls vorliegende Einflüsse aus dem Klimawandel in den Managementsystemnormen zu betrachten sind. Doch wie kann nachhaltiges Handeln im Gebäudereinigungsbetrieb konkret aussehen?
1. Vorsicht bei der Wahl des Nachhaltigkeitssiegels
Nicht hinter jedem Siegel steckt eine gute Zertifizierung. Aspekte für die Recherche sollten international anerkannte Normen sein, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) oder den nationalen Akkreditierungsstellen anderer Länder überwacht werden. Ist das nicht der Fall, sollten zumindest regelmäßige Prüfungen durchgeführt werden und die Prüfungsinhalte öffentlich verfügbar sein. Eine Grundlage für die erste Recherche kann die Webseite siegelklarheit.de sein.
2. Für umweltschonenden Einsatz der Reinigungsmittel sorgen
Beim Thema Reinigungsmittel haben Betriebe verschiedene Stellschrauben. Vor dem Kauf des Reinigungsmittels empfiehlt sich die Prüfung der Inhaltsstoffe. Hilfreich sind zudem Umweltsiegel wie beispielsweise der Blaue Engel, Ecocert oder das EU-Ecolabel. Die Mittel sollten mit besonderer Sorgfalt dosiert werden. Falls Betriebe auf Nummer sicher gehen wollen, dann gibt es die Möglichkeit zur Vordosierung der Reinigungschemie etwa mit bereits vorgetränkten Textilien. Rücknahmesysteme für Reinigungsmittelbehälter reduzieren den anfallenden Müll. Informationen zur Rücknahme gibt es bei den Herstellern.
Im Audit wird unter anderem die Handhabung der Dosierung geprüft. Gibt es Dosierhilfen oder -stationen? Sind die Reinigungskräfte in der Dosierung und dem korrekten Umgang mit den Mitteln geschult? Wie überwacht das Unternehmen die Kenntnisse und Fähigkeiten der Beschäftigten?
3. Planen Sie Ihre Touren mit einer entsprechenden Software
Neben den Bestückungsfahrten bieten einige Betriebe ihren Beschäftigten einen Fahrdienst zu schwer erreichbaren Kundenobjekten an. Je nach Wahl des Fahrzeugs haben auch alle gefahrenen Strecken einen erheblichen Einfluss auf die Umweltleistung des Unternehmens. Hier empfiehlt sich der Einsatz möglichst verbrauchsarmer Fahrzeugtypen wie Hybrid- oder E-Mobile. Den kürzesten Weg zum Kunden berechnen spezielle Softwarelösungen für die Tourenplanung. Mit beiden Ansätzen haben Betriebe die Chance, Zeit und Kosten zu sparen.
Umweltmanagement: Schritt für Schritt zur Zertifizierung
Umweltbewusstsein gehört bei der MS Glas- und Gebäudereinigung aus Hennef (Sieg) zur Unternehmenskultur. Bereits seit 2018 ist der inhabergeführte Betrieb mit seinen über 150 Beschäftigten mit dem Umweltmanagementsystem DIN EN ISO 14001 zertifiziert. Nicht zu übersehen ist der Fokus auf dem Firmensitz. Auftraggeber treffen hier auf zwölf Elektrofahrzeuge, sechs E-Ladestationen und eine Fotovoltaikanlage.
Doch der Weg zum ressourcenschonenden Betrieb braucht seine Zeit. Knapp sieben Monate vergingen von der Entscheidung bis zur kompletten Umsetzung. "Je nach finanziellem und organisatorischem Aufwand können die neuen Projekte auch Stück für Stück umgesetzt werden. Wir haben unsere Beschäftigten bereits in den ersten zwei Monaten zum Thema Umweltschutz sensibilisiert und geschult", erklärt Geschäftsführer Markus Schmidt. Um das Team in den Prozess mit einzubinden, hat der Gebäudereinigungsbetrieb Vorschläge von Beschäftigten realisiert. Seitdem kommen in einigen Kundenobjekten Maschinen zum Einsatz, die den Wasserverbrauch optimieren. Die Umsetzung der Fotovoltaikanlage mit den entsprechenden Ladestationen war für das Unternehmen die aufwendigste und kostenintensivste Innovation.
Kredite für die Umsetzung umweltfreundlicher Maßnahmen im Betrieb vergibt etwa die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Beispiele dafür sind das Umweltprogramm, der Investitionskredit "Nachhaltige Mobilität" und die "Klimaschutzoffensive für Unternehmen". Zuschüsse vergibt zudem das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle im Rahmen der Bundesförderung für Energie und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft.
Unumgänglich ist für die Betriebe die Auseinandersetzung mit aktuellen Rechtsvorschriften, Gesetzen und Auflagen. Dazu gehören unter anderem die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, das Energieeffizienz- und das Gebäudeenergiegesetz. Zu beachten ist, dass es regional und kommunal unterschiedliche Regelungen in den Abwasser- und Abfallsatzungen gibt.
Das erste Audit: Der letzte Schritt zur Zertifizierung ist das Audit. Die MS Glas- und Gebäudereinigung hat zwei Monate mit einem vierköpfigen Team in die Vorbereitungen investiert. Unterstützt hat den Betrieb ein Beratungsunternehmen, das Firmen bei der Einführung von Managementsystemen begleitet. Die Gebäudereinigung ließ sich zudem gleichzeitig für die DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und die DIN EN ISO 14001 (Umweltmanagement) zertifizieren.
"Das Audit ist besser verlaufen, als wir ursprünglich erwartet hatten. Für uns war eine optimale Vorbereitung sehr wichtig, damit die Umsetzung im laufenden Betrieb für die Zukunft einfacher ist und nicht zu viele Anpassungen erforderlich sind", berichtet die Prokuristin Susanne Reimann. Lohn der guten Vorbereitung sei, dass der Betrieb bis heute keine Abweichungen zu verzeichnen habe und damit keine zusätzliche Arbeitszeit in Korrekturen investiert werden müsse. Zertifiziert wird der Betrieb seit 2018 von der bundesweit agierenden Zertifizierungsstelle ZDH-Zert mit ihrem Fokus auf das Handwerk und den Mittelstand.
Im Prozess bleiben: Auch nach dem letzten Audit möchte sich die MS Glas- und Gebäudereinigung kontinuierlich verbessern. Beispiel Reinigungsmittel: Weil sich deren Wirksamkeit ändern kann, prüft das Team die Effektivität der Eco-Label-Produkte und recherchiert, ob ein Wechsel zu weniger umweltbelastenden Mitteln sinnvoll ist.
Unternehmen, die noch ganz am Anfang der Zertifizierung stehen, empfehlen Markus Schmidt und Susanne Reimann eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie und die genaue Planung der Umstellungen. Letztere betont: "Beginnen Sie in kleinen Schritten und vermeiden Sie, alles auf einmal anzugehen. Eigene Teams können die Projekte begleiten, kontinuierlich prüfen und verbessern. So schaffen Sie hier mehr Verständnis und Identifikation in der Belegschaft."
4. Achten Sie beim Winterdienst auf das richtige Streumittel
Viele Gebäudedienstleister bieten auch den Winterdienst an. Im Rahmen der Audits, die beim ZDH-Zert grundsätzlich in den Zeitraum von Mitte Dezember bis Ende Februar fallen, werden Reinigungsobjekte besucht und dabei unter anderem die genutzten Streumittel dahin gehend geprüft, ob mit Salz, Split oder Sand gestreut wird und ob dies den kommunalen Richtlinien entspricht. Am umweltfreundlichsten sind natürlich Split und Sand. Leider spiegelt sich die Klimaerwärmung aktuell schon im reduzierten Bedarf an Winterdiensten.
5. Kaufen Sie Verbrauchsmittel für den Kunden mit Bedacht ein
Gebäudereinigungsbetriebe versorgen viele Endverbraucher mit der gewünschten Toilettenausstattung. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit braucht es kein fünflagiges, reinweißes Papier. Toilettenpapier aus recyceltem Papier spart Holz, Wasser und Energie. Auch bei dem Papier für Handtuchspender, Handdesinfektionsmittel und Seifen gibt es umweltfreundliche Lösungen. Die Herausforderung für die Betriebe besteht darin, die Umweltverträglichkeit mit dem Kundenwunsch in Einklang zu bringen. Im Audit werden daher die Sachmittel und die Verbrauchsüberwachung des Unternehmens geprüft.
Oliver König | guenter.herkommer@holzmann-medien.de
Oliver König
ist bei ZDH-Zert Auditor für Umweltmanagementsysteme nach DIN EN ISO 14001 und vom BIV in der Gebäudereinigung ausgebildet.
