Löcher und Risse im Untergrund: Wenn die Beschichtung nicht hält

Ein stark beanspruchter Boden sollte kostengünstig aufgefrischt werden – doch trotz aller Sorgfalt bei der Auswahl der Materialien und Ausführung der Arbeiten scheiterten alle Versuche, eine dauerhaft haltbare Beschichtung aufzutragen. Als Ursache stellte sich am Ende ein schadhafter Untergrund heraus.

Der Boden vor der Auftragserteilung: sichtlich strapaziert und pflegebedürftig. - © Bavaria Cleaning

Der Auftrag des Kunden an die Bavaria Cleaning Gebäudereinigung aus München war klar umrissen: Der Boden eines 150 Quadratmeter großen Saals in einem von einem Verein genutzten, städtischen Objekt sollte im Rahmen der Möglichkeiten und zu möglichst geringen Kosten wieder in einen gepflegten und ansehnlichen Zustand versetzt werden. Der Saal wird zu verschiedenen Zwecken genutzt, unter anderem für Theateraufführungen und verschiedene Kurse oder auch als Aufenthaltsraum für Jugendliche. So unterschiedlich wie die Nutzung ist, so ungleichmäßig hatte sich der Belag über die Jahre abgenutzt.

Da es sich bei dem Boden um einen offenporigen Betonboden handelte, der zudem zahlreiche Dellen aufwies, riet der Dienstleister dazu, vor der Beschichtung einen Porenfüller zur Egalisierung und Sättigung des Belags aufzutragen.

Melanie Seibold, Geschäftsführerin von Bavaria Cleaning, merkt dazu an: "Der Kunde wurde darauf hingewiesen, dass dieser Vorgang irreversibel ist, aber für zukünftige Vorgänge dieser Art die Ausführung erleichtert. Denn wenn man auf den offenporigen Boden einen Porenfüller aufträgt, sind die zukünftigen Grundreinigungen – üblicherweise finden diese alle ein bis zwei Jahre statt – leichter auszuführen, da die Beschichtung nicht in die Poren eindringt. Somit wird erstens weniger Beschichtung benötigt und zweitens lässt sich diese bei der Grundreinigung leichter entfernen.“

Anschließend wurde per Wischwiesel ­eine matte Kunststoffdispersion (Thermodur Satina) als Beschichtung aufgebracht, nach entsprechender Trocknungszeit erfolgte ein zweiter Auftrag. Für die Kunststoffdispersion sprach, dass diese Art der Beschichtung vergleichsweise günstig in der Beschaffung und – im Hinblick auf zukünftige Bodenaufbereitungen – relativ einfach zu entfernen ist. Zudem ist die Kunststoffdispersion besonders wischfest und rutschhemmend.

Anwendungsfehler ­ausgeschlossen

So weit so gut. Nach etwa fünf Monaten meldete sich der Kunde, der die regelmäßige Unterhaltsreinigung mit eigenem Personal ausführt, erneut beim Dienstleister. Er beanstandete, dass sich die Beschichtung lösen würde und bat um eine entsprechende Nachbearbeitung.

Da eine Beschichtung mit einer Kunststoffdisper­sion je nach Nutzungsart etwa ein bis zwei Jahre halten sollte, prüfte das ausführende Gebäudereinigungsunternehmen, ob es sich um einen Anwendungsfehler ­handelte. "Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Trocknungszeit der einzelnen Arbeitsschritte nicht eingehalten wird", erläutert Melanie Seibold und ergänzt: "Dann löst sich die Beschichtung aufgrund fehlender Haftung wegen Restfeuchtigkeit im Boden. Da dies allerdings schon nach vier bis sechs Wochen hätte eintreten müssen, ließ sich eine zu ­kurze Trocknungszeit im konkreten Fall ausschließen."

Um das Problem zu lösen beziehungsweise der Ursache für die nicht haftende Beschichtung auf den Grund zu gehen, zog der Dienstleister schließlich einen Anwendungstechniker des Chemieherstellers hinzu. Auf dessen Rat hin wurde eine zwei auf zwei Meter große Testfläche mit einer Polyurethan-Dispersion (Legnodur Satin Satina) angelegt, um zu prüfen, wie sich diese nach sechs bis acht Wochen verhält. Diese Permanentbeschichtung ist wesentlich teurer in der Beschaffung und später auch kostenintensiver durch Chemie- und Personaleinsatz zu entfernen, weshalb man sich im ursprünglichen Auftrag gegen diese Art der Beschichtung entschieden hatte.

  • Bild 1 von 7
    © Bavaria Cleaning
    Zustand nach Grundreinigung und Beschichtung mit einer Kunststoffdispersion.
  • Bild 2 von 7
    © Bavaria Cleaning
    Fünf Monate später: Die Beschichtung hatte sich gelöst, der Kunde bat um Nachbearbeitung.
  • Bild 3 von 7
    © Bavaria Cleaning
    Testfläche mit einer 1-Komponenten-Permanentbeschichtung nach Abschluss der Arbeiten …
  • Bild 4 von 7
    © Bavaria Cleaning
    … und sechs Wochen später.
  • Bild 5 von 7
    © Bavaria Cleaning
    Andere Beschichtung, gleiches Problem: Auch die Testfläche mit der 2-Komponenten-Permanentbeschichtung …
  • Bild 6 von 7
    © Bavaria Cleaning
    … präsentierte sich sechs Wochen später in einem inakzeptablen Zustand.
  • Bild 7 von 7
    © Bavaria Cleaning
    Der Boden vor der Auftragserteilung: sichtlich strapaziert und pflegebedürftig.

Nach entsprechender Wartezeit lieferte die Testfläche mit der 1-Komponenten-Permanentbeschichtung ebenfalls ein ungenügendes Ergebnis: Beim klassischen Haftungstest via Tesafilm löste sich wiederum die Beschichtung. Gemäß dem Motto "aller guten Dinge sind drei" schlugen Dienstleister und Chemiehersteller dem Kunden vor, eine weitere und letzte Testfläche mit einer 2-Komponenten-Beschichtung anzulegen. Wie die Produktbezeichnung Legnodur Titan schon erahnen lässt, handelte es sich hierbei um eine äußerst widerstandsfähige und auf Langlebigkeit ausgelegte 2-Komponenten-Permanentbeschichtung. Entsprechend wurde der Kunde darauf hingewiesen, dass diese Art der Bodenbeschichtung schwer zu entfernen ist und im Falle eines Scheiterns ein aufwändiges Abschleifen des Bodens notwendig würde.

Ursache gefunden: Löcher und Risse im Untergrund

Nachdem der Objektbetreiber sein OK gegeben hatte, wurde abermals eine entsprechende Testfläche angelegt. Dazu wurde der Boden nach einer Nassgrundreinigung mehrmals trocken mit einem speziellen Reinigungs-Pad zum mechanischen Abtragen von Pflegefilmen und oberflächlichen Verschmutzungen bearbeitet, um die oberste Schicht abzutragen und somit den ursprünglichen Untergrund wiederherzustellen. Auf einen schwarzen Farbauftrag wurde zudem verzichtet. Doch nach etwa sechs Wochen bot sich auch auf der zweiten Testfläche das gleiche Bild: Die Beschichtung bröckelte erneut ab.

Wieder wurde der Chemiehersteller um eine Stellungnahme gebeten. Dessen Anwendungstechniker führte wie gehabt einen Haftungstest durch und kam zu dem Ergebnis, dass die Beschichtung eigentlich volle Haftung auf dem Untergrund hatte. Ursächlich für das Abbröckeln waren letzten Endes Löcher und Risse im Untergrund, durch welche die Kanten der Beschichtung angebrochen wurden, was schließlich zum Abbröckeln der Beschichtung führte. Darüber hinaus kam es dadurch zu einer weißlichen Verfärbung der Beschichtung.

Zur weiteren Erläuterung: Die Dicke einer Beschichtung bewegt sich in der Regel im Mikrometerbereich, wohingegen die Löcher vor Ort im Boden zwischen einem und zwei Millimetern tief waren. Somit ließ sich eine Egalisierung der Oberfläche nicht abschließend erreichen und die Beschichtung brach nach Belastung – deshalb waren die beschriebenen Effekte auch erst nach ein paar Wochen ersichtlich. "Ein komplettes Auffüllen des Bodens mit Porenfüller war auch keine Option, da Beton wie ein Schwamm saugt und nicht dazu gedacht ist, gefüllt zu werden", sagt Melanie Seibold.

Aus Sicht der Gebäudereinigung waren nun sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft. Seitens des Dienstleisters konnte dem Kunden daher keine dauerhafte Lösung angeboten werden, um die ­gewünschte Optik des Bodens langfristig in einem akzeptablen Zustand zu erhalten. Die Empfehlung des Chemieherstellers lautete schließlich, den Boden grundlegend zu sanieren.

Der geschilderte Fall macht deutlich, dass bei der Auswahl von Bodenbeschichtungen nicht nur deren Eigenschaften und die daraus resultierende Strapazierfähigkeit entscheidend sind, sondern gleichermaßen die Beschaffenheit des Untergrunds – und eben auch die Berücksichtigung möglicher Vorschäden. Zudem ­hat sich laut Melanie Seibold einmal mehr bestätigt, wie wichtig gerade bei besonders herausfordernden Fällen eine enge Zusammenarbeit mit den Chemieanbietern sei.

Quelle: Bavaria Cleaning | guenter.herkommer@holzmann-medien.de