Kann eine Branche wie das Gebäudereiniger-Handwerk, die Reinigungschemie als eines der Hauptwerkzeuge einsetzt, überhaupt umweltfreundlich und nachhaltig werden? Ja, das geht. Und dabei gilt: Schon mit einfachen Mitteln lässt sich viel erreichen.

Es klingt immer wieder gut, was auf den Homepages so mancher Unternehmen in der Rubrik Nachhaltigkeit und Klimaneutralität zu lesen ist: "Wir reinigen umweltfreundlich", "Wir verzichten bei kaufmännischen Prozessen weitgehend auf Papier und arbeiten digital" und "Unsere Reinigungsmittel sind umweltschonend, biologisch abbaubar und mit einem Eco-Label ausgezeichnet". Oder: "Wir verwenden energiesparende Maschinen, unsere Öko-Staubsauger haben einen reduzierten Energieverbrauch von maximal 850 Watt", "Wir beabsichtigen, unseren Fuhrpark nach und nach auf Hybrid- und E-Autos umzustellen" und "Wir schulen unsere Mitarbeiter regelmäßig zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit". Leider handelt es sich bei solchen Aussagen nicht selten um reines Marketing, um den Anforderungen und Ansprüchen des Marktes und den Wünschen der Kunden gerecht zu werden oder um sich von Marktbegleitern abzusetzen.
Green Cleaning ist besser als Green Washing
Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit vielen Branchenbeteiligten sehr am Herzen liegt: Öffentlichkeitswirksame Selbstdarstellungen sollte man sicherheitshalber erst einmal kritisch betrachten und hinterfragen. Denn manches Mal werden nur seit Jahren geltende Vorgaben in den Bereichen Klima- und Arbeitsschutz sowie Nachhaltigkeit umgesetzt. Die EU-Ökodesign-Richtlinie 666/2013, die unter anderem vorgibt, dass Staubsauger einen maximalen Stromverbrauch nicht übersteigen dürfen, stammt aus dem Jahr 2014. Somit sind Aussagen nach Art von "Wir setzen Sauger mit reduziertem Stromverbrauch ein" oder "Wir stellen entsprechende Sauger her" letztlich nur eine Bestätigung, dass sich die Unternehmen an die Vorgaben halten. Das ist dann Öko-Marketing und Green Washing in reinster Form. In der Ökodesign-Richtlinie heißt es zum Beispiel, dass ab 2017 (!) keine Staubsauger auf den Markt gebracht werden dürfen, die mehr als 900 Watt pro Stunde beziehungsweise maximal 43 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen und über 80 Dezibel laut sind. Die Richtlinie beinhaltet ebenfalls Bestimmungen zur Mindesthaltbarkeit der Motoren in Staubsaugern, diese wird auf mindestens 500 Arbeitsstunden festgelegt.
Was die neue Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte verändert
Seit Juli 2024 gilt in den Ländern der Europäischen Union ohnehin die neue EU-Verordnung "Ecodesign for Sustainable Products Regulation" (ESPR; 2024/1781), auf Deutsch: Ökodesign für nachhaltige Produkte. Sie ersetzt die bislang geltende EU-Ökodesign-Richtlinie und erweitert den Fokus auf den Anwendungsbereich von bislang energieverbrauchenden beziehungsweise energieverbrauchsrelevanten Produkten auf nahezu alle Arten von Produkten, die in der EU in Verkehr gebracht werden. Erste Produktgruppen, für die ökologische Mindestanforderungen geprüft werden sollen, sind unter anderem Textilien und Detergenzien (dazu gehören auch Reinigungsmittel).
Mit der Verordnung kommen neue Anforderungen hinzu, die den gesamten Lebenszyklus eines Produktes betrachten – was dazu dienen soll, die Produktlebensdauer zu verlängern. Die wichtigsten Punkte, die den Lebenszyklus beeinflussen, sind Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Nachrüstbarkeit und Reparierbarkeit. Ebenso enthalten sind in der Verordnung Ressourceneffizienz durch Wiederaufbereitung, Recycling und Rezyklatanteile zum Beispiel bei Müllsäcken oder Reinigungsmittelflaschen und -kanistern. Aber auch Informationsanforderungen an die Hersteller, wie zum Beispiel die Erfassung des CO2- beziehungsweise Umweltfußabdruckes bei der Herstellung eines Produktes, was die Einführung von digitalen Produktpässen ermöglichen soll, kommen auf die Branche zu.
Fünf Ansätze für mehr Nachhaltigkeit
Reinigungschemie: Wo fachlich sinnvoll, tensidfreie Reiniger einsetzen. Hochkonzentrate aus nachwachsenden organischen Stoffen mit Zwangsdosierung bevorzugen.
Reinigungstextilien: Hochwertige Mikrofasern halten länger und haben eine hohe mechanische Reinigungsleistung, auch ohne Chemie. Im Pre-Prepared-Verfahren aufbereitete Textilien sparen 80 Prozent Wasser und Chemie.
Reinigungsmaschinen: Scheuersaugautomaten mit Schmutzwasseraufbereitung in Kombination mit tensidfreien Reinigern sind in ökologischer Hinsicht die erste Wahl.
Reinigungsgeräte und Zubehör: Bei Reinigungswagen, Geräten und Hilfsmitteln auf Haltbarkeit/Qualität und Aufbereitungsmöglichkeiten achten.
Betriebliche Organisation: E-Fuhrpark und Photovoltaik sind wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.
Aufgrund der neuen Verordnung, die deutlich weiter gefasst wurde, sind viele gebäudereinigungsspezifische Bereiche betroffen. Die relevanten "Big Five" der Reinigungsbranche in puncto Umwelt, Klima und Ressourcen sind schnell ausgemacht: Reinigungschemie, Reinigungstextilien, Reinigungsmaschinen, Reinigungsgeräte und Zubehör sowie die flankierende Organisation der betrieblichen Abläufe. Aufgrund der wachsenden rechtlichen und marktspezifischen Anforderungen muss die Branche reagieren.
Reinigungschemie: Organisch oder tensidfrei
Die Unterhaltsreinigung von Gebäuden verbraucht geschätzt mindestens 80 Prozent der Reinigungsmittel, die ein Gebäudereinigungsunternehmen einsetzt, und ist damit für ökologischere Ansätze prädestiniert. Hauptreinigungschemikalien in der Innenreinigung von Gebäuden sind Sanitärreiniger, Wischpflege, Oberflächenreiniger und Glasreiniger.
Sanitärreiniger basieren überwiegend auf Amidosulfon-, Phosphor-, Zitronen-, Essig- oder Milchsäure. Anorganische Säuren wie Amidosulfon- oder Phosphorsäure sind in Sachen Nachhaltigkeit und Ökologie nur die zweite Wahl – anders als organische Säuren wie Zitronen-, Essig- und Milchsäure, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können. Damit ist unter dem Aspekt der Ökologie und Nachhaltigkeit ein organischer Sanitärreiniger die bessere Wahl.
Wischpflege muss sein, da sie dem Erhalt und der besseren Optik der Hartbodenbeläge dient und deren Lebenszyklus verlängert. Es gibt Wischpflegen auf Seifen-, Wachs-, Polymer- und mineralischer Basis. Auch in diesem Fall können pflegende Inhaltsstoffe aus nachwachsenden organischen Stoffen (zum Beispiel Wachse) ökologisch punkten. Wo keine Pflege der Hartbodenbeläge erwünscht oder nicht erforderlich ist, zum Beispiel bei rutschhemmenden Fliesen oder Feinsteinzeug, ist ein tensidfreier Reiniger die am wenigsten umweltbelastende Wahl.
Bei Oberflächenreinigern sind die reinigungsaktiven Substanzen überwiegend Tenside (Seifen), Lösemittel (Alkohole) oder Alkalien. Auch hier ist ein tensidfreier Reiniger die ökologischste Variante.
Glasreiniger beinhalten als reinigende Substanz überwiegend Lösemittel, die dafür sorgen, dass das Reinigungsmittel streifenfrei von der Glasoberfläche verdunstet. In Zeiten von Mikrofasertüchern kann auf einen Glasreiniger gänzlich verzichtet werden und bei Bedarf empfiehlt sich auch in diesem Fall ein tensidfreier Reiniger. Grundsätzlich gilt: Alle Reinigungsmittel sollten, wenn umsetzbar, nur als Hochkonzentrate mit Dosierhilfen eingesetzt werden.
Reinigungstextilien: Mikrofaser statt Baumwolle
Bei Reinigungstextilien sind hochwertige Mikrofaserprodukte die ökologischste Wahl. Günstige Mikrofasererzeugnisse oder auch qualitativ minderwertigere Wischbezüge und Tücher aus Mischgewebe sind oft nach nur wenigen Wäschen zerstört, die für die Herstellung benötigte Biomasse ist vernichtet. Ein Baumwollmopp kann maximal 150- bis 250-mal, ein Mikrofaserbezug hingegen bis zu 650-mal gewaschen werden, je nach Faserqualität und Machart. Zudem ist die Reinigungsleistung hochwertiger Mikrofasererzeugnisse in Kombination mit einem tensidfreien Reiniger meist ausreichend, um saubere und streifenfreie Oberflächen oder Bodenbeläge zu erzielen – und das ganz ohne umweltbelastende Chemie. Baumwolle ist im Gegensatz zu Mikrofaser ein nachwachsender Rohstoff, aber aufgrund der schlechten Reinigungsleistung der Baumwollfaser wird zwingend leistungsfähige Reinigungschemie benötigt.
Um unter ökologischen ebenso wie unter ökonomischen Gesichtspunkten das Maximum zu erreichen, kommt man am Pre-Prepared-Verfahren nicht vorbei. Vorpräparierte Reinigungstextilen lassen sich maschinell in der Waschmaschine oder manuell durch Übergießen mit einer definierten Menge Reinigungsflotte aufbereiten und sparen gegenüber der klassischen Methode rund 80 Prozent an Wasser und Reinigungschemie.
Reinigungsmaschinen: Ressourcen sparen zahlt sich aus
Reinigungsmaschinen in der Unterhaltsreinigung finden sich überwiegend zum Saugen von Teppichen und Reinigen großer Flächen. Moderne Staubsauger kommen mit zum Teil deutlich weniger Leistung als den in der Branche etablierten maximalen 850 Watt pro Stunde aus. Je nach Textilbelag genügen oftmals 450 bis 600 Watt, um ein ordentliches Ergebnis zu erzielen. Sauger, die vor 2017 auf den Markt gebracht wurden, benötigen gut und gerne 2.000 Watt pro Stunde. Hochgerechnet auf die tägliche Laufzeit lässt sich hier eine Menge an Energie einsparen, auch wenn die Energie (noch) von den Kunden der Dienstleister kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.
Bei Scheuersaugautomaten punkten ökologische Varianten durch sparsamen Wasserverbrauch, Schmutzwasseraufbereitung, Recycling der Schmutzflotte mit Membrantank und längere Maschinenlaufzeiten durch optimierte Antriebe und Saugmotoren. Eingebaute Dosiertechnik ist ebenfalls hilfreich. Wie bei der manuellen Oberflächen- und Hartbodenreinigung kann auf klassische Reinigungschemie überwiegend verzichtet und stattdessen ein tensidfreier Reiniger oder entmineralisiertes Wasser eingesetzt werden – das ist echtes Green Cleaning mit überschaubarem Aufwand und moderaten Kosten.
Reinigungsgeräte und Zubehör: Auf Material und Qualität achten
Bei Reinigungsgeräten und Zubehör lässt sich ökologisch viel bewegen. Beispiel Servicewagen: Günstige Modelle bestehen häufig aus weniger wertigen Kunststoffen, die unter mechanischer Belastung zu Verkratzungen und Absplitterungen neigen. Nach ein bis zwei Jahren sehen sie optisch mitgenommen aus und weisen zum Teil Funktionsmängel auf, sodass sie ausgetauscht werden müssen oder bei einem Objektwechsel nicht weiterverwendet werden können. Anders verhält es sich bei Reinigungswagen aus Edelstahl oder verchromtem Stahl. Sie können auch nach Jahren so aufbereitet werden, dass sie wie neu aussehen. Dadurch lassen sich die für die Herstellung benötigten Ressourcen und Rohstoffe um ein Vielfaches länger – zehn Jahre und mehr – nutzen, ohne funktionelle oder optische Einbußen.
Kleingeräte und Hilfsmittel wie Mopphalter, Moppstangen, Eimer und Kehrschaufel sind Gebrauchsgegenstände, die einer starken Abnutzung unterliegen und je nach Qualität früher oder später ausgetauscht werden müssen. Auch in diesem Fall gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal, und je höher die Qualität, umso länger ist in der Regel die Nutzungsdauer. Das verkleinert wiederum den ökologischen Fußabdruck, spart perspektivisch Kosten und ist sehr nachhaltig.
Organisation: Gute Planung ist ein Muss
Die betrieblichen Abläufe unter Beachtung der Nachhaltigkeit beziehungsweise ressourceneinsparend zu organisieren und zu optimieren, verursacht einen deutlich höheren Aufwand als dies bei Reinigungschemie, -textilien, -maschinen und -geräten der Fall ist. Betriebliche Prozesse unterliegen einer Vielzahl von internen und äußeren Einflüssen und reagieren auf Änderungen sensibel. Eine Änderung von Prozessen aufgrund ökologischer Überlegungen muss deshalb gut überlegt und strategisch geplant werden. Beispiel E-Mobilität: Es ist nicht damit getan, den Fuhrpark umzustellen, ohne auch für die passende Ladestruktur zu sorgen. Da der Fuhrpark klimaneutral werden soll, muss der Ladestrom aus erneuerbaren Energien wie Photovoltaik oder Windkraft kommen. Das heißt zum Beispiel: Solarpaneele müssen aufs Dach, was nur geht, wenn die äußeren Voraussetzungen gegeben sind. Andernfalls war es das mit dem E-Fuhrpark, oder man muss die passenden Umstände zum Beispiel durch einen Umzug der Betriebsstätte schaffen. Und dann ist es nur ein kleiner Schritt zum klimaneutralen Verwaltungsgebäude, zumindest was die Energie anbelangt.
Wie das Beispiel zeigt, kann Nachhaltigkeit im organisatorischen Bereich erst einmal viel Kraft, Ressourcen und Geld kosten, zahlt sich langfristig jedoch aus. Jedes Gebäudereinigungsunternehmen kann durch Umsetzung der beschriebenen relativ einfachen Möglichkeiten seinen CO2-Abdruck deutlich reduzieren, nachhaltiger für Sauberkeit sorgen und ein gutes Stück vorankommen bei den Bemühungen, klimaneutraler zu werden – ohne alles umkrempeln oder neu erfinden zu müssen.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
