Branchenspiegel Gebäudedienste 2024: Mitarbeitermangel weiter im Fokus

Das Gebäudereiniger-Handwerk steht vor zahlreichen Herausforderungen: ­­Digitalisierung, Robotik und Künstliche Intelligenz ­spielen dabei ­ebenso eine Rolle wie der Mangel an ­Arbeitskräften oder die Leere ­auf dem ­Lehrstellenmarkt. Gleichwohl haben sich die Umsätze im vergangenen Jahr positiv entwickelt und auch für 2024 herrscht überwiegend Zuversicht.

Das Thema Reinigungsrobotik beschäftigt die Branche ebenso wie der Arbeitskräftemangel. Ob autonome Maschinen dazu beitragen können, die Lage im Bereich Personal zu entspannen? - © rationell reinigen

Diese und weitere Erkenntnisse lassen sich aus den Antworten der Umfrage zum 30. Branchenspiegel ­Gebäudedienste in Deutschland ableiten. 98 Dienstleister aller Umsatz- und Größenklassen – die Spanne reicht von Unternehmen mit mehr als 10.000, 20.000 oder sogar 30.000 Beschäftigten bis zu Betrieben mit weniger als 100 Mitarbeitern – haben sich an der tra­ditionsreichen Umfrage von rationell reinigen beteiligt. Mit der Datenerhebung und Auswertung war auch in diesem Jahr die studentische Unternehmensberatung JMS Augsburg e.V. beauftragt.

Knapp elf Prozent Wachstum im Jahr 2023

Durchschnittlich sind die im Ranking vertretenen Gebäudedienstleister im Jahr 2023 um 10,7 Prozent (Vorjahr: neun Prozent) gewachsen. Am stärksten fiel das Wachstum in der Umsatzklasse zwischen fünf und 20 Millionen Euro aus (plus 11,1 Prozent), am geringsten in der Umsatzklasse zwischen einer halben und einer Million Euro (plus 7,0 Prozent).

Personal zu finden, bleibt schwierig

Mit insgesamt 327.000 Mitarbeitern beschäftigen die 98 Unternehmen knapp die Hälfte der im Gebäude­reiniger-Handwerk tätigen Menschen in Deutschland. Der Anteil der Minijobber ist dabei im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen – von 36 Prozent auf 39,4 Prozent –, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist mit 19,7 Stunden (Vorjahr: 20 Stunden) weitgehend stabil geblieben. Wenngleich die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben, die an der Umfrage teilgenommen haben, etwas höher ist (plus zwei Prozent) als im Jahr zuvor, macht den Dienstleistern der Arbeitskräftemangel in vielen Fällen schwer zu schaffen. Jedes vierte Unter­nehmen (24,5 Prozent) ist eigenen Angaben zufolge von der Situation auf dem Arbeitsmarkt sogar so sehr betroffen, dass Aufträge abgelehnt werden müssen. Weitere 14,9 Prozent sprechen von kleineren Eng­pässen. 60,6 Prozent halten die Situation für schwierig, aber noch beherrschbar.

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Zahl der Azubis weiter gesunken

Noch problematischer ist die Situation bei der Gewinnung von Auszubildenden im Gebäudereiniger-Handwerk. Deren Zahl ist in den 98 Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, um weitere 17 Prozent auf insgesamt 353 Auszubildende in 61 Betrieben gesunken. 245 davon wurden in 20 Unternehmen ausgebildet. 2020 hatten die ­Top-20-Ausbildungsbetriebe noch 494 Lehrlinge, 2021 waren es 404 und 2022 nur noch 349. Kein Wunder also, dass das Thema Personalgewinnung (und -bindung) vielen Gebäude­dienstleistern als größte Herausforderung der kommenden Jahre gilt. An Strategien, um gegenzusteuern, werden häufig digitales Recruiting und eine verstärkte Präsenz auf Social-Media-Kanälen genannt.

Roboter und KI in der Gebäudereinigung

Ob Reinigungsroboter dazu beitragen können, das Arbeitskräfteproblem zu entschärfen? Die Mehrzahl der Dienstleister ist skeptisch – zumindest, was den Moment betrifft. Mit zunehmender Unternehmens­größe steigt allerdings die Zahl derer, die glauben, dass auto­nome Reinigungsmaschinen die Personalsituation entscheidend verändern könnten (21,7 Prozent).

Die Unternehmensgröße spielt auch eine Rolle bei der Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz in der Gebäudereinigung. Während bei den Dienstleistern in der Umsatzklasse bis eine Million Euro rund ein Drittel die Technologie zwar für vielversprechend hält, ihren Einsatz aber aktuell noch für zu unsicher, sind in der Klasse der Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz lediglich zehn Prozent dieser Ansicht. Es überwiegt mit 85 Prozent die Ein­schätzung, dass KI maßgeblich dazu beitragen kann, die ­Prozesse in der Gebäudereinigung oder zumindest in der Verwaltung zu optimieren. Über alle an der Umfrage beteiligten Unternehmen hinweg liegt dieser Wert bei 66,3 Prozent. 25 Prozent halten den Einsatz von KI noch für zu unsicher, 6,5 Prozent sehen in der Technologie einen überschätzten Hype und 2,2 Prozent haben sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt.

Auch wenn das Interesse an Reinigungsrobotern in der Branche sehr groß ist: Als Hemmnisse beim Einsatz betrachtet es jeweils rund ein Drittel der Dienstleister, dass die autonomen Maschinen derzeit nur auf großen Flächen einsetzbar (31,9 Prozent) oder dass die gebäudetechnischen Voraussetzungen meist noch nicht gegeben sind (32,9 Prozent). Aber auch die Kosten spielen für eine ganze Reihe von Unternehmen eine Rolle (29,7 Prozent).

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Von Digitalisierung bis Nachhaltigkeit

Grundsätzlich sieht sich die Mehrzahl der Gebäudedienstleister beim Thema Digitalisierung gut (69,9 Prozent) oder sogar sehr gut (22,6 Prozent) aufgestellt. Wenn es um Spezialfälle wie sensorgesteuerte Reinigung geht, etwa bei der Erfassung der Besucherfrequenz in Sanitärräumen, geben rund zwei Drittel der Unternehmen allerdings an, noch nicht auf eine solche Vorgehensweise zu setzen.

Das Thema Nachhaltigkeit hat in der Branche längst einen festen Platz gefunden. Mehr als die Hälfte der Dienstleister (57,8 Prozent), die sich an der Umfrage beteiligt haben, geht bereits aktiv an die Sache heran – mit entsprechenden Stellen im Unternehmen, die sich explizit um Nachhaltigkeitsthemen kümmern. Ein weiteres Drittel (32,2 Prozent) ist sich der Herausforderungen zwar bewusst, weiß aber noch nicht im Detail, wie damit umzugehen ist. Nur jeder zehnte Dienstleister (10 Prozent) hält die mit Nachhaltigkeitsaktivitäten verbundenen Aufwände für schwer zu stemmen und sieht eine enorme Belastung darin.

Zugleich spielt E-Mobilität eine immer größere Rolle, und dabei gilt: Mit der Unternehmensgröße nimmt die positive Haltung zu. Zwei Drittel der Betriebe (69,2 Prozent) haben bereits Testfahrzeuge im Einsatz, ein Viertel (25,8 Prozent) will mittelfristig den größten Teil der Flotte umstellen. Der Anteil der Unternehmen, für die E-Mobilität keine Rolle spielt, ist von 17,4 Prozent im vergangenen Jahr auf aktuell 14 Prozent ­gesunken.

Nach wie vor breit aufgestellt

Nach wie vor deckt die Leistungspalette der Gebäudedienstleister ein breites Spektrum ab. Alle Unternehmen bieten Unterhaltsreinigung und Glasreinigung an, ebenso wie Fassadenreinigung (95 Prozent), Grünanlagenpflege (93 Prozent), Außenanlagenreinigung und Hausmeisterdienste (jeweils 92 Prozent) sowie Winterdienst (90 Prozent). Ebenfalls stark vertreten sind Reinigungsdienstleistungen in Bereichen wie Indus­trie (89 Prozent), Gesundheitswesen (87 Prozent) oder Großküche (85 Prozent), gefolgt von Anlagen-/Maschinenreinigung (78 Prozent), Solarreinigung (78 Prozent) und Reinraumreinigung (76 Prozent). Schädlingsbekämpfung bieten rund zwei Drittel der Dienstleister (67 Prozent) an. Privathaushalte (51 Prozent) werden lediglich von jedem zweiten Unternehmen bedient. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Sicherheitsdiensten (48 Prozent) oder Catering (44 Prozent).

Vergabe nach Leistungsverzeichnis ist dabei bei knapp der Hälfte der Betriebe (44,9 Prozent) die Regel. Ebenfalls rund die Hälfte (49,5 Prozent) beschreibt erste Ansätze in Richtung bedarfsorientierter Vergabemodelle. Nur die wenigsten Unternehmen (5,6 Prozent) schließen bei Neuausschreibungen mehrheitlich bedarfs- beziehungsweise konzeptorientierte Verträge ab. Die Reinigungsintervalle sind bei drei Vierteln der Unternehmen (75 Prozent), die an der Umfrage teilgenommen haben, stabil geblieben. 22 Prozent der Dienstleister gaben an, dass sich die Intervalle verringert haben, und drei Prozent sprechen von einer Ausweitung.

Was die Perspektive für das laufende Jahr 2024 betrifft, sind die Dienstleister überwiegend positiv gestimmt. 80 Prozent blicken eher zuversichtlich in die Zukunft, zehn Prozent sind sogar sehr zuversichtlich.

Weitere Ergebnisse und grafische Auswertungen der diesjährigen Branchenbefragung sowie das Ranking stehen auf www.rationell-reinigen.de zum Download bereit.

Abonnenten der Printausgabe können den Branchenspiegel Gebäudedienste 2024 als pdf auf https://downloadportal.holzmann-medien.de/produkt/rationell-reinigen-branchenspiegel2024/ herunterladen, Bezieher des rationell-reinigen-Newsletters unter https://www.rationell-reinigen.de/whitepaper/?etcc_cu=onsite&etcc_cmp_onsite=Eigenbanner%20Whitepaper&etcc_med_onsite=Display.

Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de