Eine gepflegte Grünanlage vor dem Firmengebäude und auf dem Dach: Damit tun Unternehmen etwas für die Umwelt und für ihr Image. Dass das zunehmend wichtig wird, ist eine gute Nachricht für Gebäudedienstleister: Wer auch Außenanlagen pflegt, gewinnt neue Kunden und erweitert bestehende Geschäftsverbindungen.
Beim Münchner Dienstleister August Weber tut man das seit vier Jahren: Die Erfahrungen sind durchweg positiv – und zwar nicht nur, was den Umsatz betrifft. Der Familienbetrieb gehört zu den größten Komplettreinigungsunternehmen Bayerns. Rund 1.200 Mitarbeiter pflegen Firmengebäude zwischen Nürnberg und Rosenheim. Seit der Gründung 1954 reagiert das Unternehmen vorausschauend auf die sich verändernden Anforderungen im Facility Management. Die letzte große Anpassung fand im Jahr 2019 statt. Damals beschloss man, die Pflege von Außenanlagen ins Portfolio aufzunehmen.
Steve Weinrich ist technischer Leiter bei August Weber; er verantwortet die Bereiche Außenanlagepflege und Sonderreinigung. Die Portfolio-Ergänzung sei eine klassische Win-Win-Situation, sagt er: "Unsere Auftraggeber profitieren, weil sie Dienstleistungen für den Innen- und Außenbereich aus einer Hand erhalten. Das vereinfacht ihre Abläufe, spart Zeit und Geld. Wir als Auftragnehmer wirtschaften effizienter, weil wir Anlagenpflege und Reinigungsaufgaben über Cross-Selling-Maßnahmen gut verknüpfen können. Zusätzlich erlaubt uns die Angebotserweiterung, Mitarbeiter flexibler einzusetzen".
Grünes Know-how ist gefragt
Begrünte Dächer, vertikale Gärten: Städte sollen grüner werden, um die Lebensqualität zu verbessern und das Ökosystem zu schützen. Dies wird zunehmend durch Gesetze geregelt. Wenn die Natur dem Haus näherkommt oder ihm sogar aufs Dach steigt, bringt das für den Eigentümer neue Pflichten mit sich: Wo Dachbegrünung vorgeschrieben ist, muss auch für ihre Pflege gesorgt werden. Kein Unternehmer wird das selbst machen wollen. Das bedeutet: Das Aufgabenspektrum des Facility Managements erweitert sich. "Für Reinigungsunternehmen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den Leistungskatalog neu auszurichten", meint Steve Weinrich.
Der Markt ist also da. Er verlangt nach Fachpersonal, das aufgabenüberschreitend arbeiten kann, denn: In Zukunft werden viele Aufgaben im Innen- und Außenbereich grünes Know-how verlangen. Beispiel Dachanlagen: Gebäudedienstleister übernehmen schon jetzt die Pflege sensibler Solaranlagen. Wenn sie nicht regelmäßig gereinigt werden, funktionieren sie irgendwann nicht mehr. Dächer, die zusätzlich begrünt sind, brauchen beides: Pflege von Pflanzen und Pflege von Technologie. Die logische Folge: Wer die Kombination aus Sonderreinigung und Gründachpflege anbieten kann, ist im Vorteil.
Ab 2024 wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung für viele Unternehmen zur Pflicht. Mit Außenanlagen, die über Kompensationspotenziale für Klimaschutz, Wasserhaushalt und Ressourcenverbrauch verfügen, zahlen Unternehmen auf die geforderten Nachhaltigkeitsziele ein. Was für manchen wie eine weitere gesetzliche Daumenschraube wirken mag, hat Vorteile, die weit über ökologisches Engagement hinausgehen:
- Besseres Image: Immer mehr Menschen richten ihr Kaufverhalten danach aus, wie nachhaltig ein Unternehmen wirtschaftet. Gepflegte Außenanlagen und innovative Begrünungen zeigen: Dieses Unternehmen bemüht sich, umweltfreundlich zu agieren.
- Stärkere Arbeitgebermarke: Bei der Wahl des Arbeitsplatzes und der Mitarbeiterbindung spielt das ökologisch bewusste Agieren des Unternehmens eine Rolle. Nachhaltig geplante und bewirtschaftete Außenanlagen sind ein starkes Signal.
- Gesündere Mitarbeiter: Grünflächen senken das Stresslevel und damit den Krankenstand. Auch die Produktivität profitiert von mehr Natur im und ums Unternehmen herum. Grün ist ein Wirtschaftsfaktor.
Womit starten?
Reinigungsunternehmen, die noch keine Erfahrung mit Grünaufgaben haben, empfiehlt Steve Weinrich, Schritt für Schritt vorzugehen. Kleine Aufgaben wie zum Beispiel Rasenmähen oder Unkrautjäten sind ideal für den Start. Hier können Mitarbeiter erste Erfahrungen sammeln. Wer ein Händchen für Gartenarbeit hat und sich mehr davon wünscht, stellt sich schnell heraus. Dass Reinigungsmitarbeiter in der Gartenarbeit ihre Berufung finden können, zeigt das Beispiel von Bah Samba Drame. Der Somali ist gelernter Maler und Lackierer. Vor zehn Jahren startete er bei August Weber mit Sonderreinigungsaufgaben. Inzwischen pflegt er mit Leidenschaft Außenanlagen. Das Unternehmen investierte in die Förderung des jungen Mannes, der heute bereits andere Mitarbeiter in die Gartenarbeit einweist.
Wenn es komplexer wird
Wenn die Aufgaben nach und nach komplexer werden, sollte man Fachpersonal einstellen, rät Steve Weinrich. August Weber beschäftigt inzwischen sechs festangestellte Gärtner. In internen Fortbildungen geben sie ihr Wissen an Kollegen weiter. "Unseren Mitarbeitern macht das viel Spaß. Viele freuen sich darüber, etwas Neues zu lernen und neue Talente zu entdecken“, sagt Steve Weinrich. So dient die Erweiterung der Angebotspalette noch einem weiteren Ziel: der Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit. Und die ist in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiges Gut.
Auf den ersten Blick scheint Anlagenpflege unkompliziert zu sein. Tatsächlich verlangt sie – je nach Aufgabenprofil – eine Menge Fachwissen. Neben den sechs Gärtnermeistern beschäftigt August Weber inzwischen einen studierten Landschaftsbauer und zwei Bauingenieure. Personal aus der Bauwirtschaft erlaubt es dem Dienstleister, Projekte umzusetzen, die über reine Gartenarbeit hinausgehen: Dank des fachlichen Know-hows kann das Reinigungsunternehmen in gewerblichen Außenanlagen Sitzflächen, Terrassen und sogar Gartenteiche anlegen. Dennoch: Wenn es sehr speziell wird, der Auftrag aber lohnenswert ist, sollte man Fachwissen punktuell bei vertrauenswürdigen Partnern zukaufen, empfiehlt Steve Weinrich.
Spezialwissen gefragt
Bei Außenanlagen kann es um so viel mehr gehen als ums Rasenmähen, Hecken schneiden und Saisonbepflanzung anlegen. Steve Weinrich erzählt von einem Chemieunternehmen, das August Weber seit Jahren betreut. Die Herausforderung hier: Rohstoffe werden via Schiene direkt zum Standort geliefert. Das Unkraut, das zwischen den Gleisen wächst, ist ein Sicherheitsrisiko: Wenn es vertrocknet, kann es sich durch den Funkenflug während des Fahrbetriebs entzünden. Angesichts des Gefahrguts, das auf den Schienen transportiert wird, darf das auf keinen Fall passieren. Unrat und Unkraut müssen deshalb regelmäßig beseitigt werden. Chemische Produkte oder Abflammgeräte dürfen dabei aus Sicherheits- und Umweltgründen nicht zum Einsatz kommen. Die Lösung: 120 °C heißes Wasser, das über ein spezielles Schienenfahrzeug mit hohem Druck auf die unerwünschten Pflanzen gesprüht wird. Die Aktion verlangt nicht nur Spezialwissen, sondern auch einen hohen Personaleinsatz. Unter anderem muss das Gelände großräumig abgesperrt werden.
Auch das Beseitigen von Schäden an Häusern gehört zu den Aufgaben, die Gebäudereiniger mit Spezialkompetenz im Bereich Außenanlagepflege übernehmen. Beispiel Dachbegrünung: Wenn sie nicht oder nicht richtig gepflegt wird, wirkt sich das negativ auf das Mauerwerk aus. Wer einen Bauingenieur im Team hat, kann hier schnell Abhilfe schaffen. "Schadensregulierung am Dach wird immer stärker nachgefragt. Wir freuen uns, dass wir helfen können. Dachvorsorge ist inzwischen ein zentraler Punkt unserer Angebotspalette in Sachen Außenanlagenpflege geworden", sagt Steve Weinrich
Und im Winter?
Außenanlagen brauchen vor allem in den warmen Monaten Pflege. Was tun mit den Mitarbeitern in der kälteren Zeit? Wer im Sommer grüne Aufgaben hat, übernimmt im Winter Hausmeister- oder Sonderreinigungsdienste. Umgekehrt geht die Rechnung ebenso auf. Viele Mitarbeiter empfinden die abwechselnden Tätigkeiten als großen Vorteil. Wer lieber bei den Reinigungsaufgaben bleibt, wird nicht schief angesehen. "Achtung, Respekt und Wertschätzung. Nur so gewinnt man Menschen für das Unternehmen. Auch als technischer Leiter bin ich mir nicht zu schade, mitanzupacken. Wer Teamarbeit fördern will, sollte sich auch selbst einbringen", betont Steve Weinrich.
Nicht nur die Mitarbeiter, auch die Maschinen sind besser ausgelastet, seit man die Außenanlagepflege in den Leistungskatalog aufgenommen hat: Fahrzeuge für den Winterdienst helfen im Sommer beim Transport von Gartengeräten und auf dem Weg zum Kompostplatz. Auch das passt zum Stichwort Effizienz. Es fällt immer wieder, wenn man mit Steve Weinrich über das Ping-Pong-Spiel zwischen Reinigungsleistungen und den Angeboten rund um die Pflege von Außenanlagen spricht. Ein Aspekt, der ebenfalls interessant ist: Wer die Außenanlagen von Gewerbeunternehmen pflegt, kann kleine Leerzeiten mit Aufträgen für Privatgärten schließen. Das beweist erneut: Das erweiterte Leistungsspektrum rechnet sich.
Umweltbewusste Lösungen
"Mit der Landschaftspflege bieten wir eine Leistung an, die auf das Thema Nachhaltigkeit einzahlt. Das bedeutet auch, dass wir selbst immer nach Möglichkeiten suchen, ohne Chemie auszukommen und Maschinen mit einem kleinen ökologischen Fußabdruck einzusetzen", erzählt Steve Weinrich. Konkret heißt das: bei Neuanschaffungen Akku-Geräte statt Benziner wählen, wiederverwendbare Behälter statt Plastiksäcke nutzen, Alternativen für chemische Dünger oder Unkrautvernichter finden. Wie und warum sie Außenanlagen umweltbewusst pflegen können, lernen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in regelmäßigen Schulungen. Das gilt auch für das Thema "Gefährdungsbeurteilung" und das Tragen angemessener Schutzausrüstung.
"Mehr Geräte gehen immer", sagt der technische Leiter. Die richtigen müssten es halt sein. Neben umweltfreundlicheren Maschinen will man zukünftig mehr auf Roboter – also auf Automatisierung – setzen. Das sei nicht nur eine Kostenerleichterung für das eigene Unternehmen, sondern auch für die Kunden. Neue Maschinen werden dann angeschafft, wenn ihr Einsatz sich rechnet. Wo das nicht der Fall ist, vertraut August Weber auf Leasing-Geräte von Partnerunternehmen.
Für das Unternehmen hat es sich gelohnt, die Pflege von Außenanlagen in den Leistungskatalog aufzunehmen. Es profitiert von Cross-Selling-Möglichkeiten, gewinnt neue Kunden, wirtschaftet effizienter und hat zufriedenere Mitarbeiter. "Letztlich", sagt Steve Weinrich, "ist es ja so: Wir profilieren uns als vielseitiger Auftragnehmer. Unsere Kunden profitieren, weil sie für innen und außen alles aus einer Hand bekommen". So ist beiden Seiten geholfen.
Heidrun Schoppelrey | heike.holland@holzmann-medien.de
