Wenn das Reinigungsmaterial per E-Bike angeliefert wird

Im Rahmen eines Pilotprojektes beliefert ein City-Logistik-Anbieter einen Gebäudedienstleister neuerdings per E-Bike beziehungsweise E-Lastenrad mit Reinigungs­materialien und sorgt zudem unter anderem für die Reinigung der Wischbezüge über professionelle Servicepartner. Ein Erfahrungsbericht.

Allein in Frankfurt kalkuliert der Gebäudedienstleister Wisag mit etwa 300 Objekten, die für eine Belieferung per E-Bike geeignet sein könnten. - © Onespot

Der Transport von Waren auf der sogenannten letzten Meile, sprich vom Logistikzentrum bis zum Kunden, ist in vielen Branchen eine große Herausforderung – auch in der Gebäudereinigung. Gerade kleinteilige Lieferungen sind hier oftmals äußerst kosten- und zeitaufwendig. Vor diesem Hintergrund hat Wisag im August vergangenen Jahres eine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Start-up Onespot gestartet. Im Rahmen der Kooperation werden seither Reinigungsmittel, Tücher, Wischbezüge und andere ­Materialien per E-Bike geliefert. Neben der personellen und ­finanziellen Entlastung entstehen dabei gleichzeitig auch Vorteile für die Umwelt. Das heißt konkret: keine zeitraubende Parkplatzsuche mehr, kein Schleppen von schmutziger Wäsche zum Auto, weniger Fahrten, die den Stadtverkehr belasten, kaum Emissionen und eine geringere Feinstaubbelastung.

Wisag beschafft, Onespot holt ab

Inzwischen ist die Kooperation weit fortgeschritten und wird derzeit auf Herz und Nieren geprüft. Die Aufgabenverteilung zwischen Reinigungs- und ­Logistikdienstleister ist dabei klar definiert: Für die Beschaffung von Reinigungsmitteln, Tüchern und Wischbezügen ist Wisag verantwortlich – der Dienstleister oder auch direkt der Produzent müssen die Produkte also anfänglich in den logistischen Kreislauf einbringen. Dafür liefern sie ein für mehrere Wochen ausreichendes Kontingent für alle Objekte an das nächstgelegene Micro-Hub von Onespot. Die Micro-Hubs sind firmen­eigene Lager in zentraler Lage, von denen die Materialien per E-Bike oder E-Lastenrad zu den von Wisag betreuten Objekten transportiert werden. Für jedes Gebäude wird vorab genau berechnet, welche Mengen benötigt werden.

Speziell für das Handling von Reinigungstextilien gilt: Nachdem sie einmal bestellt wurde, befindet sich die Wischware in einem geschlossenen Kreislauf. Nach Gebrauch wird sie von den Onespot-Fahrern abgeholt, von professionellen Servicepartnern gewaschen und sauber wieder zurückgebracht. Die Lieferung per E-­Bike oder E-Lastenrad ermöglicht auch besonders kleinteilige Zustellungen. Das gilt nicht nur für das reguläre Beliefern von Gebäuden mit frischer ­Wischware, sondern auch für On-Demand-­Lieferungen: Wenn die Reinigungskräfte vor Ort weitere Materialien wie Glasreiniger oder Reinigungstücher brauchen, kann Onespot diese auf Abruf innerhalb kürzester Zeit ins Objekt bringen.

Entlastung für Mitarbeiter, mehr Zeit für die Kunden

Bevor Wisag die Kooperation eingegangen ist, haben größtenteils die Kundenbetreuer die Wasch­logistik übernommen: Sie fuhren mit dem Pkw zu den Objekten, sammelten die schmutzige Wäsche ein und brachten sie zu einer Niederlassung des Dienstleisters. Dort wurden die Bezüge selbst gewaschen und anschließend wieder zurück in die Objekte gebracht. Von diesen Aufgaben sind die Kundenbetreuer nun befreit und können sich "ganz auf die Arbeit mit den Kunden konzentrieren", wie es seitens Wisag heißt.

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    Reinigungstextilien werden vom Logistikdienstleister nach Gebrauch im Objekt abgeholt, von professionellen Servicepartnern gewaschen und sauber wieder zurückgebracht.
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    Vom nächsten Micro-Hub bis zum Objekt brauchen die Kuriere im Durchschnitt lediglich sechs Minuten und 43 Sekunden.
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    Allein in Frankfurt kalkuliert Wisag mit etwa 300 Objekten, die für eine Belieferung per E-Bike geeignet sein könnten.

In der Vergangenheit hätten die Betreuer viele zusätzliche Fahrten tätigen müssen, da Kundengespräche vor Ort oft zu anderen Zeiten stattfinden als die Treffen zwischen Kundenbetreuer und Reinigungskräften. Denn noch immer seien Reinigungsarbeiten und damit Waschlogistik vor allem außerhalb der regulären Betriebszeiten gefragt. Nun müssen die Wisag-Mitarbeiter nicht nur weniger Fahrten tätigen, sondern können ihre Routen auch effizienter planen. Damit entfalle die mitunter nervenraubende Parkplatzsuche und die Wischware müsse nicht mehr vom Gebäude bis zum Auto getragen werden.

Liefern per Rad – nachhaltig und schnell

Diese neue Art der Waschlogistik sei nicht nur nachhaltiger als die Belieferung per Pkw, sondern punkte auch durch ihre Geschwindigkeit – die Zeiten der Fahrer werden genau getrackt und dokumentiert. Vom nächsten Micro-Hub bis zum Objekt brauchen die Kuriere im Durchschnitt lediglich sechs Minuten und 43 Sekunden. Sobald ein Auftrag in Bearbeitung ist, vergehen bis zum Verlassen des Micro-Hubs nur drei Minuten und acht Sekunden. Und in der Regel fahre kaum ein Onespot-Kurier von einem Kundenobjekt mit leerem Rucksack zurück: Vier von fünf Rückfahrten würden auch für eine Retoure genutzt. Bis Mitte ­Januar kamen in Frankfurt 239 Lieferungen und 819 gefahrene km zustande – Tendenz: schnell steigend.

"In der Kooperation mit Onespot sehe ich einen echten Gewinn mit Potenzial für ganz Deutschland", sagt Marc Preußner, Geschäftsführer der Wisag Gebäudereinigung. Daher soll die Kooperation zum einen innerhalb der bisher versorgten Standorte intensiviert, zum anderen aber auch auf weitere Städte ausgeweitet werden. Für die Belieferung durch Onespot kämen beispielsweise im Stadtzentrum von Frankfurt am Main potenziell 300 Objekte infrage, bislang werden dort 30 Objekte beliefert. Nach und nach werde nun geprüft, bei welchen weiteren Objekten eine Belieferung durch Fahrradkuriere ökonomisch sinnvoll ist. Ende 2022 ist ein entsprechendes Projekt in Köln gestartet, in diesem Jahr soll Berlin folgen.

Die CO2-neutrale Lieferung hat natürlich auch ihre Grenzen: Sie eignet sich vor allem für den Einsatz in Metropolen und Ballungszentren, in eher ländlichen Gegenden wird ein Umstellen auf diese Art der Lieferung nach Einschätzung von Wisag kaum möglich sein. Auch bei größeren Objekten sei die Lieferung per Lkw oft unumgänglich. Denn alles, was via Fahrradkurier gebracht wird, muss in einen Rucksack oder auf ein Lastenrad mit einer Ladekapazität von ­maximal 500 kg beziehungsweise 1.700 l Ladevolumen passen – darf also weder zu groß noch zu schwer sein. Doch auch in solchen Fällen entlastet das ­E-­Bike-Lieferkonzept: Da die Onespot-Lieferungen kleinere Objekte abdecken, können größere ­Transporte eine ­effizientere Route durch das Stadtzentrum nehmen. Darüber hinaus plant Onespot, in Zukunft auch E-Vans einzusetzen – und so seine Lieferreichweite und -kapazitäten zu erweitern.

Zusammenarbeit auf digitaler Ebene

Damit alle Abläufe künftig noch reibungsloser laufen, entwickelt Onespot individuelle Schnittstellen zu den Systemen des Gebäudedienstleisters. Mit digitalen Methoden soll beispielsweise die Datenanalyse ausgeweitet werden, um den Service für Kunden weiter zu verbessern. Wisag hat Onespot zu diesem Zweck an ihre Serviceplattform Ellie angebunden. Mithilfe künstlicher Intelligenz verbessert diese Plattform den Kundenservice, indem sie Anliegen über die verschiedensten Kanäle entgegennimmt.

Mittels Ellie können auch die Reinigungskräfte ­Materialien direkt bestellen. Dafür haben sie am Reinigungswagen einen QR-Code. Wenn sie diesen scannen, gelangen sie auf die entsprechende ­Webseite, über die Ellie das Anliegen beziehungsweise die ­Bestellung aufnimmt. Die Anfrage wird dann weitergeleitet – entweder an einen Kundenbetreuer oder direkt an Onespot. Mit dieser und weiteren Methoden soll der ­Bestell- und Lieferprozess möglichst stark auto­matisiert werden. Das Ziel: Lieferungen optimal zu planen und die Materialien präzise nachverfolgen zu können. Noch stärker wollen beide Geschäftspartner künftig auch auf das Angebot von On-Demand-Lieferungen setzen.

Quelle: Wisag | guenter.herkommer@holzmann-medien.de