»Sprache ist Ausdruck des Geistes - sie verrät, wessen Geistes Kind man ist.«
Die Sublumpen für Lumpenqualität
- Weil wir gerade davon sprechen: Achten Sie in Ihrem Unternehmen, in Ihrer Abteilung eigentlich auf Sprachdisziplin? Ich meine weder firmeninterne Zensur noch Political Correctness. Sondern: Wertet die Sprache Ihrer Mitarbeiter - zum Beispiel gegenüber Ihren Kunden - Ihre Leistungen auf? Oder werden die Leistungen durch Worte abgewertet.
Was ich meine? Lauschen Sie diesem Erlebnis. Begegnung mit einem Verkäufer: „Ich habe schon zwei neue Aufträge!“ Der Schreiber: „Habe ich gehört. Einer liegt ja richtig am Ende der Welt.“ Verkäufer: „Den haben wir versubt“. Ein Kölner „Imi“ (Zugereister) sagt jetzt wahrscheinlich „Prost“. Aber hier wird nicht der Erlös in Kölsch umgesetzt. Hier wurde ein Auftrag weitergegeben. An das schlimmste Schreckgespenst, das die Dienstleistungsbranche kennt: Den Subunternehmer. Den „Sub“ oder den „Subbi“ - wie es in den schlimmsten Formen heißt. Und dann dazu der passende, abwertende Tonfall und Gesichtsausdruck.
Im Wörterbuch der unternehmerischen Selbsterniedrigung hat der Subunternehmer Nachbarn wie: Subkultur, subaltern, Subbotnik, Subordination und subversiv. Wenn die Anbieter schon selbst so über ihre Partnerbetriebe, ihre regionalen Partner oder Spezialisten sprechen, dann ist es kein Wunder, dass in Ausschreibungen der Einsatz von Subunternehmern verboten wird.
Der englische Kritiker Samuel Johnson schrieb im 18. Jahrhundert: „Sprache ist die Kleidung der Gedanken.“ Alles klar. In diesen sprachlichen Sublumpen kann nur ein Qualitätslump stecken. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Ja, der junge Romantiker Novalis kannte sich aus: „Sprache ist Ausdruck des Geistes.“ Sie verrät Ihnen auch bei Ihren Mitarbeitern, wessen Geistes Kind sie sind.
Hartmut H. Wolff | praximum@t-online.de
Unternehmensberater und Elitetrainer Hartmut H. Wolff ist auf personalintensive Dienstleistungen und ihre Vermarktung spezialisiert. Führende Unternehmen der Branche schätzen seine erfolgsorientierte, praxisnahe Arbeit.
