Sanitäranlagen in einem Schnellrestaurant Wasserlose Urinale sparen Kosten

Zum Burger ein großes Softgetränk, zum Kuchen einen Becher Kaffee: Spätestens jetzt drückt die Blase. Die Betreiber des McDonalds Heiligenroth haben sich für ein System aus wasserlosen Urinalen und biologischem Reiniger entschieden.

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    Hermann Brod, Marketingleiter Urimat Deutschland, Peter Dade Meisterfachbetrieb Heizung und Sanitär P. Dade und Hubert Froitzheim, McDonald’s-Franchisenehmer.
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    In den wasserlosen Urinalen sind blaue Aktivsteine, die sich nach und nach zersetzen. Sie geben Mikroorganismen frei, die Verkrustungen aufweichen und Gerüchen entgegenwirken sollen.
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    McDonalds

Wasserlose Urinale sparen Kosten

-Schnellrestaurants sind in Fußgängerzonen, auf Raststätten, Flughäfen und Bahnhöfen nicht mehr wegzudenken. In Deutschland gibt es allein 1.302 McDonald’s- und mehr als 600 Burger-King-Restaurants. Wer Lust auf Burger, Fritten, Salate, Shakes oder auch Kaffee und Kuchen hat, bekommt überall in der Republik das bekannte Angebot. Hubert Froitzheim ist einer von 268 McDonald’s-Franchisenehmern in Deutschland. Allerdings nicht irgendeiner. Vater Helmut Froitzheim und Sohn Hubert Froitzheim betreiben insgesamt 13 Filialen – zehn Filialen über dem Durchschnitt – und gehören damit zu den größten McDonald’s-Franchisenehmern in Deutschland. Schon der Großvater war Franchisenehmer, Hubert Froitzheim managt in dritter Generation.

„McHACCP“ – eine lange Liste

In der Filiale Heiligenroth in der Nähe von Montabaur sind 60 Mitarbeiter beschäftigt. Zwischen 8 Uhr und 1 Uhr grillen sie Burger, brühen Kaffee, schenken Softgetränke aus und sorgen auch für die nötige Sauberkeit. „Wir haben ein Rotationsverfahren“, erklärt Froitzheim bei einem Becher dampfendem Cappuccino, „der Schichtführer entscheidet, wer an diesem Tag, welche Aufgaben übernimmt.“ Während er spricht, beginnt eine Mitarbeiterin die Scheiben zu wischen. Es ist kurz nach 7 Uhr und das Restaurant macht sich bereit für die ersten Gäste. Der schwarz-weiße Fliesenboden ist bereits gewischt, jetzt kommen die Scheiben und danach Stühle und Tische an die Reihe. Die Einrichtung im amerikanischen Diner-Stil enthält viel Holz und orangefarbene Lederbänke sowie gepolsterte Hocker. „Dafür verwenden wir regelmäßig ein Lederpflegeprodukt“, ergänzt der Franchisenehmer. Alle Reinigungsarbeiten im Restaurant werden nach HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points) ausgeführt und dokumentiert. Bereits 1996 wurde ein europäisches „McHACCP“ erstellt. Die Listen, die täglich vom Schichtleiter abgehakt werden müssen, sind lang. Unter anderem prüft er Grilltemperaturen und -zeiten, Lager- und Fritteusentemperaturen. Für die verschiedenen Arbeitsbereiche gibt es Wischtücher in unterschiedlichen Farben, Desinfektionstücher helfen beim hygienischen Arbeiten in der Küche während des laufenden Betriebs. Ein externer Dienstleister reinigt nachts die Grills und andere Küchengeräte.

Das Restaurant liegt in einem Gewerbegebiet an der A3. Viele Gäste sind Reisende, die auf ein Menü oder ein Stück Kuchen aus dem McCafé von der Autobahn abfahren, um ein paar Minuten durchzuschnaufen. Dieser verregnete Augustmorgen beginnt ruhig mit zwei Männern, die sich ein Frühstück gönnen. 700 Gäste essen und trinken an einem durchschnittlichen Werktag im McDonald’s Heiligenroth und besuchen dabei mindestens einmal die Toilette.

Umwelt schonen – Wasserkosten sparen

Die Urimat Deutschland AG, Hundsangen vertreibt seit 2002 wasserlose Urinale in Deutschland, der Mutterkonzern sitzt in der Schweiz. Bereits 400 McDonald’s-Restaurants in Deutschland sind mit wasserlosen Urinalen verschiedener Hersteller ausgestattet, in elf Filialen der Familie Froitzheim sind Urimate montiert, fünf davon in Heiligenroth. Hubert Froitzheim erklärt warum: „In erster Linie geht es darum, Kosten zu sparen. Trinkwasser -und Abwasserkosten.“ Hermann Brod, Marketing Leiter Urimat Deutschland, rechnet vor: „In einem gewöhnlichen Urinal werden etwa 4 l Trinkwasser pro Spülgang verbraucht. Gehen wir davon aus, dass die Hälfte der Besucher am Tag männlich ist und mindestens einmal die Toiletten aufsucht sind das schon 1.400 l Wasser, die Sie an einem einzigen Tag sparen.“ Zum Vergleich 1.000 l Wasser (1 m3) reichen für 20-mal duschen, 33-mal Autowaschen oder 400-mal Händewaschen, so die Angaben des Wasserversorgers Gelsenwasser. Die wasserlosen Urinale schonen den Geldbeuteln und die Umwelt gleichermaßen, denn für die meisten Toiletten wird in Deutschland nach wie vor Trinkwasser verwendet, das anschließend wieder aufbereitet werden muss. Damit fallen Kosten für Trink- und Abwasser an, die von den Kommunen festgelegt werden. Je nach Gemeinde liegen sie für Trink- plus Abwasser zwischen 4 und 6 Euro/m3.

Blaue Steine halten Rohre und Siphon frei

Die Urinale funktionieren mit speziell konstruierten Siphons. Fließt Urin, drückt die Flüssigkeit den Schwimmer (fachsprachlich hydrostatischer Auftriebskörper) nach unten und der Urin fließt ab. Lässt der Druck von oben nach, fließt also kein Urin mehr, hebt sich der Schwimmer wieder und schließt den Siphon nach oben geruchsfrei ab. Das Prinzip scheint zu funktionieren, jedenfalls ist in der Herrentoilette des Schnellrestaurants kein unangenehmer Geruch auszumachen. Auffallend sind lediglich die kleinen blauen Steine, die in den Urinalen liegen (Urimat AktivSteine). Sie zersetzen sich langsam und geben dabei Mikroorganismen ab, die Verkrustungen im Siphon- und Abflussbereich aufweichen und Gerüchen entgegenwirken. „Hier haben wir Standzeiten von etwa einer Woche“, weiß Peter Dade. Ihm gehört ein Meisterfachbetrieb für Heizung und Sanitär. Er hat die Urinale montiert und prüft regelmäßig, ob noch alles in Ordnung ist. Alle vier Wochen tauscht er die Siphons aus. „Das ist etwa alle 8.000 Benutzungen nötig“, erklärt Hermann Brod.

Die Unterhaltsreinigung gestaltet sich einfach. Der mikrobiologische Reiniger (MB-AktivReiniger) wird mehrmals am Tag aufgesprüht. Auch für die Umgebungsverschmutzung wird das Mittel eingesetzt. Gelangen Urinspritzer auf den Boden und dringen dort in die Poren ein, fressen die Mikroorganismen sie einfach auf. Im Gegensatz zu den überall vorkommenden Organismen entsteht dabei aber kein Ammoniak. Das ist vielerorts für den typischen Uringestank verantwortlich. Die Mikroorganismen dieses Reinigers zersetzen den Harn ohne Gestank. Peter Dade ist mit der Handhabung zufrieden: „Das Saubermachen dauert hier keine zehn Minuten.“

Schmutz soll in den wasserlosen Urinalen ebenfalls so gut wie gar nicht entstehen. „Die Oberflächen der Urimate sind sehr sehr glatt. Das hat nichts mit einem Nanoeffekt zu tun“, erklärt Hermann Brod, „sondern mit dem Herstellungsverfahren. Dabei handelt es sich um einen sehr glatten Polykarbonat-Spritzguss, an dem Schmutzteilchen nicht haften können.“ Außerdem sind die Urinale ohne Kanten oder Unterspülränder geformt, dort entsteht bei den wasserbetriebenen der meiste Schmutz. „Sie müssen auch bedenken, dass Urinstein nur in Verbindung mit Wasser entsteht“, erläutert der Marketingleiter. Dabei verbindet sich der im Wasser gelöste Kalk mit dem Urin und der Harnsäure als Katalysator zu einer unlöslichen Kalk-Magnesia-Verbindung.

Die Kombination aus wasserlosen Urinalen und biologischem Reiniger hat sich im McDonald’s Heiligenroth bewährt – das Wasserrauschen auf der Männertoilette gehört damit endgültig der Vergangenheit an.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de