Die Reinigung der Sanitäranlagen in anspruchsvollen Objekten muss sich stets dem Betrieb des Hauses unterordnen, aber trotzdem höchste Qualität und Kontinuität gewährleisten. Deshalb ist die Beschäftigung zuverlässiger und gut motivierter Stammmitarbeiter notwendig, die die Arbeit selbstständig organisieren und flexibel reagieren können.
Sauberkeit gehört zum guten Ton
-Das ganze Jahr über gibt es im Leipziger Gewandhaus nicht so viele Besucher wie an den Adventssonnabenden. Die Menschen strömen dann allerdings nicht scharenweise in den Musentempel, um sich an Beethovens Neunter oder Schuberts Forellenquintett zu delektieren: „Sie möchten nur ein dringendes Bedürfnis erledigen. Danach geht es gleich wieder auf den Weihnachtsmarkt“, berichtet Bernd Deich von der Ostrei Dienstleistungen und Umwelttechnik GmbH Leipzig. Der Gebäudereiniger ist seit 14 Jahren als Teamleiter für die Sauberkeit in den Konzertsälen, Foyers, Restaurants, Büros und allen Funktionsräumen verantwort-
lich. „Ich kenne jeden Winkel wie meine Westentasche und weiß, wann und wo die Einsätze erforderlich sind“, so Bernd
Deich.
1991 vergab die Stadt Leipzig die Reinigungsarbeiten im gesamten Objekt an die Hamburger Nordrei GmbH, die damals in Sachsen einen neuen Standort aufbaute. Mit dem Ausbau und der parallelen Expansion der Leipziger und Dresdener Niederlassung wurde einige Jahre später die Betriebsleitung Peter Grummann übertragen. Der positiven Entwicklung des Unternehmens angepasst, übernahm er gemeinsam mit Christoph Schütt als geschäftsführender Gesellschafter zum 1. Juli 2007 die Niederlassungsstandorte in den neuen Bundesländern und aktivierte die Ostrei GmbH. Seitdem ist das junge Leipziger Unternehmen dafür verantwortlich, dass das Gewandhaus jederzeit picobello sauber ist. „Wir haben einen Basisvertrag für die Komplettreinigung. Darüber hinaus müssen wir uns aber immer wieder auf erhöhten Bereitschaftsdienst oder Sondereinsätze einrichten“, so der Geschäftsführer.
Das Gewandhaus ist nämlich mehr als ein traditionsreiches Konzerthaus. Für Freunde klassischer Musik in aller Welt ist es seit jeher ein Begriff. Als am 9. Oktober 1989 der couragierte Kapellmeister Kurt Masur zur Leipziger Montagsdemonstration mit fünf weiteren prominenten Leipzigern den Aufruf „Keine Gewalt!“ verfasste, machte das Gewandhaus über die Feuilletons hinaus Schlagzeilen. Heute werden in dem Anfang der 70er Jahre erbauten Konzerthaus jährlich rund 600 Veranstaltungen mit einer halben Million Gäste ausgerichtet. Säle und Technik bieten beste Voraussetzungen für Symposien, Seminare, Präsentationen und Kongresse. Aber auch Musical- und Popstars stehen heute auf den Brettern des Musentempels.
Womit deutlich wird, dass von den Dienstleistern ein hohes
Maß an Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein gefordert wird. „Nach der Veranstaltung ist immer vor der Veranstaltung“, unterstreicht Bernd Deich. Als „alter Hase“ hat er aber den Arbeitsablauf souverän im Griff. „Es gibt keine Kontinuität, sondern wir müssen die Arbeiten jeweils am aktuellen Veranstaltungsplan ausrichten. Und selbst der kann sich fünf
Minuten vor zwölf noch ändern“, plaudert der Teamleiter aus der Praxis.
Kein Job für zartbesaitete Gemüter
Doch Vorarbeiterin Iris Scurt, zehn Stammmitarbeiter und zuweilen auch Azubis ziehen mit ihm am gleichen Strang. Sie kennen ebenfalls die Veranstaltungspläne und wissen, wann und wo ihre Einsätze erforderlich sind. Akkurate Sauberkeit wird im gesamten Gewandhaus großgeschrieben. Doch wenn es um die „stillen Örtchen“ geht, ist das Team besonders penibel, denn: „Die Toiletten sind der Spiegel jedes Objekts“, unterstreicht Peter Grummann. Erst recht, wenn es um das kulturelle Aushängeschild der sächsischen Messestadt geht.
Der Dienst beginnt täglich um 5 Uhr. „Wir unterscheiden zwischen Sanitärräumen im öffentlichen und im internen Bereich“, erklärt der Teamleiter. Die Toiletten im Mendelssohn-Foyer zum Beispiel, in dem sich auch die Vorverkaufskasse befindet, sind den lieben langen Tag über auch für Passanten zugänglich. Im internen Bereich gibt es Sanitärräume für die Mitarbeiter in Verwaltung, Technik und Gastronomie. Die Solistengarderoben und die Garderobe für den Gewandhauskapellmeister sind jeweils mit WC und Dusche ausgestattet. Darüber hinaus müssen im Trakt mit den Garderoben für Orchester- und Chormitglieder Toilettenräume und Gemeinschaftsduschräume gereinigt werden.
Bis zum frühen Vormittag sind sämtliche Sanitäranlagen im Haus von der Decke bis zum Boden blitzblank. Iris Scurt: „Sämtliche Keramikobjekte, Spiegel, Armaturen, Wandfliesen und Fußböden werden täglich desinfizierend gereinigt.“ Ebenso sorgfältig müssen die Schamwände und Türen samt Oberkanten sowie die Hygienebehälter gereinigt werden. Anschließend füllen die Mitarbeiter die Spender für Toilettenpapier, Stoffhandtücher und Seife auf. Es hat sich bewährt, dass jeder Mitarbeiter auf jedem Gebiet firm ist. Bernd Deich: „Durch das Rotationsprinzip vermeiden wir Monotonie. Außerdem können wir auf diese Weise flexibler reagieren.“
Das Team weiß nämlich aus Erfahrung, dass es mit einmaliger akkurater Reinigung nicht getan ist. „Je nach Frequentierung sind immer wieder Kontrollgänge und Nachreinigungen erforderlich“, so die Vorarbeiterin. Insbesondere im öffentlichen Bereich kann es zuweilen hoch hergehen. So zum Beispiel während der Fußballweltmeisterschaft 2006 oder wenn Events viel Publikum in die Innenstadt locken. „Dann geht es auf den stillen Örtchen nicht immer so kultiviert zu, wie es einem Konzerthaus eigentlich gebührt“, erzählt Iris Scurt. Bei starker Frequentierung muss auch Grobmüll entfernt und gründlicher als sonst üblich nachgereinigt werden. „Kein Job für zartbesaitete Gemüter“, gibt der Teamleiter zu. Er weiß aber, dass er sich auf jeden Mitarbeiter 100-prozentig verlassen kann.
Natürlich ist auch auf Tagesveranstaltungen die Präsenz des Reinigungsteams erforderlich. Bernd Deich: „Der Bedarf wird immer per Sonderauftrag definiert. Es gibt Mieter, die einen All-inclusive-Service wünschen und bezahlen. Andere wiederum wie unlängst ein Veranstalter von Modelleisenbahnbörsen beschränken sich auf einen ‚abgespeckten‘ Service.“ Wenn im Verlauf des Vormittags ein Orchester anreist, um für den Konzertabend noch einmal zu proben, wird es im Garderobentrakt lebhaft. Das Team kennt den Belegungsplan und weiß, dass dann Nachreinigungen erforderlich sind. An anderen Tagen wiederum genügt in den Garderoben eine Tagesreinigung. Künstlerische Abendveranstaltungen gehören indessen zum „Kerngeschäft“ des Gewandhauses. Gar keine Frage, dass dann Mitarbeiter von Ostrei anwesend sind, um die „stillen Örtchen“ diskret im Blickfeld zu behalten.
Reinhard Wylegalla