Dieser Winter war nicht nur für die Bürger, sondern vor allem auch für die Verantwortungsträger in Ämtern, Betriebshöfen, Regiebetrieben oder bei Dienstleistern eine Herausforderung, die noch lange ihre Nachwirkungen zeigen wird. Die Winterdiensteinsätze liefen oft „rund um die Uhr“, Streumittelvorräte gingen zu Ende. Die „Krone“ war dann noch das Tief „Xyntia“ mit Baumschäden großen Ausmaßes.
Intensivpflege für Grünflächen und Spielplätze
- Nicht nur, dass die übergelaufenen Überstundenkonten nachdem der Schnee geschmolzen ist - abzubauen und Schlaglöcher auf Straßen und Wegen zu beseitigen sind, auch in den Grün- und Parkanlagen, auf Spiel- und Sportplätzen gibt es aufgrund der Folgen des diesjährigen Winters viel zu tun.
Bevor es an die eigentliche Beseitigung der Winterspuren geht, ist eine Grundreinigung von begrünten und befestigten Flächen erforderlich. Schließlich lagern noch die zerfetzten Reste der Silvesterknallkörper auf Gehölz- und Rasenflächen, Granulat und Sand auf Geh- und Radwegen.
Während die begrünten Flächen fast ausschließlich durch manuelles Einsammeln gereinigt werden, sind Pflaster- und Plattenflächen kostengünstig und gründlich mit Kehrmaschinen zu säubern. Dabei werden in einem Arbeitsgang auch gleich noch die Reste vom Streugut aufgenommen, bevor sie in Hof- und Straßenabläufe gelangen und dort Verstopfungen hervorrufen. Bei diesem Arbeitsgang wird der Hundekot von den Rändern der befestigten Flächen mit entfernt. Er hatte sich in diesem Jahr unter der „schützenden“ Schneedecke unverhältnismäßig angesammelt. Der starke und lang anhaltende Frost hat insbesondere alten Bäumen mit Vorschädigungen zugesetzt. Durch die Eisbildung in hohlen Stämmen und Ästen sind zum Teil Frostrisse entstanden, die auf die Stand- und Bruchsicherheit Einfluss haben. Das schon erwähnte Sturmtief und die Schneelast bei Nadelbäumen haben teilweise Gefahren geschaffen, die nicht sorgsam genug eingeschätzt werden können. Um diese zu erkennen, ist Sachverstand erforderlich. Es genügt keineswegs, einen beliebigen Mitarbeiter mit der Baumkontrolle zu beauftragen.
Gefahren von Bäumen
In der Konsequenz heißt das, entweder Personal schulen zu lassen oder qualifizierte Firmen bzw. Gutachter zu beauftragen. Auf alle Fälle sind die Ergebnisse der Kontrolle sorgsam zu dokumentieren und in eine Rangfolge für das „Abarbeiten“ zu bringen. Vorrang haben immer die Bäume, die am ehesten und mitunter folgenschwerste Unfälle verursachen können. Meist sind das Bäume im Verkehrsraum. Was dort im Einzelnen zu geschehen hat, entscheidet der Baumpfleger, verantwortlich auf der Grundlage der ZTV Baumpflege (zusätzliche technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege) der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung + Landschaftspflege (FLL).
Entwicklungsschnitt bei Sträuchern
Viele Garten- und Parksträucher „vergreisen“, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit einen sogenannten Verjüngungsschnitt bekommen. Gerade nach einem schneereichen Winter sieht man häufig völlig zusammengebrochene Exemplare. Da hilft dann nur ein beherzter, allerdings fachgerechter Rückschnitt. Das heißt: Bei jeder Schnittmaßnahme muss die naturgegebene Wuchsform erkennbar bleiben. Ein „Rundschnitt“ mit der Heckenschere ziert keine Anlage!
Der Schnitt sollte dort vermieden werden, wo bereits Vögel nisten. Wenn nicht schon im Herbst geschehen, sind nun zum Frühjahr hin auch alle Beetrosen zu schneiden. Nur dann ist mit einer erneuten Blütenfülle zu rechnen. Bei Strauch- und Kletterrosen kann sich der Schnitt auf einige Korrekturen beschränken. Sie benötigen keinen Rückschnitt für eine erneute Blütenfülle.
Spielende Kinder
Sobald die ersten Sonnenstrahlen wärmen, kommen die Kinder wieder auf die Spiel- und Bolzplätze. Da ist es erforderlich, so früh wie möglich einen Sicherheitscheck durchzuführen. Das betrifft einmal die Geräte selbst, aber auch das gesamte Umfeld. Schließlich verbargen sich auch zerschlagene Flaschen usw. lange unter der dicken Schneedecke; Einfriedigungen können beschädigt worden sein.
Die Sicherheitsüberprüfung hat nach DIN 1176 zu erfolgen, und zwar die Hauptkontrolle zu Beginn der Spielsaison (alle zwölf Monate). Da reicht es dann nicht, nach Augenschein und Funktionalität zu prüfen, sondern alle Teile sind eingehend zu kontrollieren, einschließlich der Fundamente und Verankerungen.
Es geht um Witterungsschäden, Korrosion, Fäulnis - um Betriebssicherheit. Diese Inspektion sollte sachkundigen Personen vorbehalten sein, die strikt die Wartungsvorgaben der Hersteller beachten. TÜV und DEKRA bieten neben vereidigten Sachverständigen qualifizierte Überprüfungen als Dienstleistung an.
Ein besonderes Augenmerk nach einem langen Winter ist auf die Fallschutzbeläge zu richten. Sofern das Material noch in Ordnung ist, erübrigt sich natürlich ein Austausch. Auf alle Fälle aber sollte gesäubert und gelockert werden. Moderne Sandreinigungsmaschinen entfernen bis zu einer Tiefe von 40 cm alle festen Stoffe einer bestimmten Größe: Katzen- und Hundekot, Glasscherben, Steine, Laub und Aststücke. Für diese Dienstleistung bietet der Markt Verfahren und Reinigungsqualitäten mit zum Teil erheblichen Unterschieden.
Hier gilt es, sich vor Auftragserteilung Nachweise vorlegen zu lassen bzw. Referenzen einzuholen. Die DIN EN 177 ist bei Fallschutzbelägen zu beachten.
Unter der bis in die Märzsonne erhaltenen Schneedecke konnte sich auf vielen Rasenflächen der sogenannte Schneeschimmel bestens entwickeln. Man erkennt den lästigen Pilzbefall an der fleckenartigen grau-weißlichen/rötlich-braunen Verfärbung der Graspflanzen. Schneeschimmel ist allerdings keine ausschließliche „Schneekrankheit“ des Rasens, wie der Name vermuten lässt. Er kann zu jeder Jahreszeit auftreten, sofern begünstigende Faktoren zusammenkommen:
- hohe Luftfeuchtigkeit, wenig Luftzirkulation,
- Bodenverdichtung/Staunässe,
- zu hoher pH-Wert des Bodens,
- zu viel Stickstoffdünger bei der Herbstdüngung.
Wer Schneeschimmel verhindern oder beseitigen will, muss diesen Faktoren entgegenarbeiten. Es lohnt sich also (aber nicht nur wegen des Schneeschimmels, sondern auch wegen der Optik und Belastbarkeit des Rasens), schon sehr frühzeitig mit Regenerationsarbeiten zu beginnen.
Rasenflächen rechtzeitig regenerieren und pflegen
Der erste Arbeitsgang sollte ein Abschleppen und Vertikutieren des Rasens sein, denn schließlich gibt es im Frühjahr viel abgestorbenes Gras, das Pilzkrankheiten begünstigt und ein schnelles Abtrocknen der Fläche behindert. Für diesen Arbeitsgang sind Anbaugeräte für Geräteträger - aus Gründen der Wirtschaftlichkeit gleich in Kombination mit Grasaufnahmevorrichtung - geeignet. Für kleinere Flächen genügen handgeführte, motorbetriebene Aerifizierer aus der Maschinenausleihe.
Zur besseren Wasserführung bereits im zeitigen Frühjahr kann Aerifizieren mit nachfolgendem Besanden hilfreich sein. Dabei werden ca. 400 Löcher je Quadratmeter in den Rasen gestanzt - bis 10 cm tief. Dafür gibt es ebenfalls Anbaugeräte für Geräteträger oder eben handgeführte Maschinen für kleinere Flächen. Diese Maßnahme ist - bezogen auf die Wasserführung - dann besonders effektiv, wenn anschließend besandet wird.
Dafür ist allerdings in der Regel nicht der unbehandelte Sand aus der Kiesgrube nebenan zu gebrauchen, sondern es sollte gewaschener Sand sein, dem die Feinstkörnung entzogen worden ist. 3 bis 5 l je Quadratmeter sind die richtige Menge - gleichmäßig ausgebracht mit dem Anbaukreiselstreuer.
Ein Teil der ausgebrachten Sandmenge wird mit einem Schleppnetz in die gestanzten Löcher eingearbeitet, um die Drainwirkung dieser Löcher zu erhöhen. Es ist ratsam, sich mit dem ausgehenden Winter Klarheit über die Nährstoffvorräte des Bodens zu verschaffen. Dafür sind an verschiedenen Stellen Bodenproben zu entnehmen, die zur Analyse an ein entsprechendes Bodenlabor -beispielsweise Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) - gegeben werden. Von dort aus gibt es auf Wunsch Düngeempfehlungen. Die Untersuchung ist deshalb frühzeitig im Jahr durchzuführen, weil im Winter Nährstoffauswaschungen verstärkt erfolgen. Ist der pH-Wert beispielsweise zu niedrig und fehlt auch Stickstoff, kann man einem schlechten Wachstum schon frühzeitig begegnen. Kalkstickstoff würde in dem Fall für ein verstärktes Graswachstum sorgen!
Wege und Platzflächen fachgerecht pflegen
Während Pflaster- und Plattenflächen von Witterungseinflüssen zumindest kurz- und mittelfristig nicht beeinträchtigt werden - Säuberung genügt in der Regel -, stellt sich die Unterhaltung von wassergebundenen Wegedecken deutlich differenzierter dar. Besonders in der Frost-/Auftauperiode entstehen oft Fahr- und Trittspuren in der Deckschicht, die sich bei unterlassener Reparatur nicht nur in der Fläche ausweiten. Vielmehr wird der gesamte Belagaufbau mit der Zeit nachhaltig geschädigt. Um das zu vermeiden, werden bereits auch kleinere Schäden zeitnah und fachgerecht behoben. Das bedeutet, die Flächen aufzulockern und zu egalisieren, sobald der Frost aus dem Belag heraus und das Material hinreichend abgetrocknet ist. Niemals darf das noch durchnässte Material bearbeitet werden!
Die Auflockerung und Egalisierung erfolgt auf kleinen Flächen z.B. mit einer Harke; die Verdichtung danach mit einer Handwalze. Rüttelplatten sind ungeeignet, weil dadurch eine gänzlich unerwünschte Materialentmischung entsteht, was sich an „verschmierten“ Oberflächen zeigt. Für die Bearbeitung größerer Flächen gibt es diverse Anbaugeräte wie Abziehrahmen, Abziehbalken, Schleppmatten zur Herstellung der Ebenflächigkeit und z.B. Zahnbalken zur Auflockerung verfestigter Deckschichen. Sie werden entweder als Frontanbau oder als Heckanbau für die Drei-Punkt-Aufhängung der Geräteträger angeboten.
Bearbeitete Flächen müssen
verdichtet werden
Besonders wichtig ist, dass die so bearbeiteten Flächen anschließend mit einer statischen Walze verdichtet werden, keinesfalls mit eingeschaltetem Rüttelwerk und schon gar nicht - wie bereits erwähnt - mit der Rüttelplatte. Dienstleister für qualifizierte und fachgerechte Arbeiten sind Unternehmen des Tiefbaus und des Garten- und Landschaftsbaus. Es kommt oft vor, dass nicht nur die Deckschicht, sondern auch der darunter liegende Wegeaufbau geschädigt ist. Da macht es überhaupt keinen Sinn, die Löcher mit Deckschichtmaterial aufzufüllen, denn es würde schon bald ausgespült oder/und durch Belastung ausgeworfen. Hier ist sorgfältig Schicht für Schicht mit dem jeweils gleichen Material neu aufzubauen und zu verdichten. So entsteht eine Materialverzahnung und damit Haltbarkeit. Bleibt letztlich noch die Wasserführung auf den wassergebundenen Wegedecken zu beachten. Durch entsprechende Ausgestaltung des Gefälles ist dafür zu sorgen, dass Niederschläge auf kurzem Wege so abgeführt werden, dass „Gerinne“ gar nicht erst entstehen können. In diesen Wasseransammlungen löst sich das Material kurzfristig auf und die bindenden Feinteile werden abgeschwemmt!
Fazit: Die vielerorts anstehenden Aufgaben sind, gemessen an vielen Vorjahren, nicht gering. Und es wird geraume Zeit erfordern, bis die letzten Spuren dieses im Niederschlags- und Temperaturverlauf ungewöhnlichen Winters beseitigt sind.
Mit klarem Konzept und
passender Ausrüstung
Wichtig ist, nicht planlos hier und dort anzufangen, sondern sich klare Konzepte zu machen. Dabei spielen Prioritäten eine wichtige Rolle. Beispielsweise erfordert die Gefahrenlage bei Bäumen an verkehrsreichen Straßen nach dem Sturm eine unverzügliche Kontrolle, während die Pflege von Rasenflächen nicht sofort erfolgen muss. Sichere Spielgeräte sind im Zweifelsfall wichtiger als ein Verjüngungsschnitt bei Sträuchern im Park.
Für die meisten Arbeiten im Grün stehen Geräteträger mit entsprechender Anbautechnik zur Verfügung, die in geschickter Kombination äußerst wirtschaftlich eingesetzt werden können. Einzelne Arbeitsgänge, beispielsweise Rasenbelüftung und Düngen, lassen sich mit entsprechender Ausrüstung gut rationell zu einem Arbeitsgang zusammenfassen.
An dieser Stelle ist jeweils zu prüfen, ob der eigene Betrieb auf eine optimierte Arbeitsweise eingestellt ist oder es vielleicht doch wirtschaftlicher ist, im Einzelfall spezialisierte Dienstleister heranzuziehen. Da gilt dann wie so oft der bekannte Grundsatz: „Mache nie etwas selbst, was andere besser können!“
Gert Wittmoser |
Fachbereichsleiter Straßen- und
Grünplanung, Ingenieurbau a.D. |
peter.hartmann@holzmannverlag.de