Dreieinhalb Jahre ist es her, als bei Ille Papier-Service groß gefeiert wurde. Seinerzeit ging es um das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen des hessischen Familienunternehmens und die Einweihung der neuen Firmenzentrale in Altenstadt. Nun stand ein offener Empfang auf dem Programm: Firmengründer Wilhelm Blatz begrüßte am 12. November in seinem Unternehmen knapp 200 Gäste aus Politik und Wirtschaft, Geschäftspartner, Mitarbeiter, Freunde und Familie anlässlich seines 80. Geburtstags.
Die Mitarbeiter überraschten den Jubilar mit einem Ständchen aus vielen selbst getexteten Strophen zur Ille-Geschichte. Die Gäste nahmen auch einen kleinen Einblick in den ersten Teil einer umfangreichen Ille-Chronik, die nächstes Jahr herausgegeben wird. Lustige Geschichten, interessante Interviews und persönliche Anekdoten aus dem Leben der Familie Blatz, aber auch der Mitarbeiter, stehen dabei im Mittelpunkt des Werkes.
Die Erfolgsgeschichte von Wilhelm Blatz startete im Jahr 1965. Blatz begann damals zusammen mit seiner sechs Jahre jüngeren Ehefrau Helmtraud (geborene Ille) mit dem Vertrieb von Weißwäsche und Aussteuerwaren. Zuvor hatte der Seniorchef schon zwei Jahre lang Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt, während seine Frau für eine Bank tätig war. Dies legte eine Arbeitsteilung nahe. Blatz verkaufte die Ware und seine Frau wachte über die Finanzlage.
Den Grundstein für Ille legten die Eheleute im Dachgeschoss des Elternhauses in Hanau. Das Geschäft mit der Aussteuerware lief anfangs gut, bis Blatz’ Interesse an Handtuchautomaten wuchs. Von einem Wettbewerber ließ er sich das Geschäft mit der Vermietung von Stoffhandtüchern erklären. „Das war meine Ausbildung“, stellt er rückblickend fest. Zwei Jahrzehnte lang vermietete Blatz danach zusammen mit seiner Frau auch Stoffhandtücher an Gastronomen und öffentliche Einrichtungen, bis er dieses Geschäft an den Haniel-Konzern verkaufte.
Das Unternehmen richtete sich neu aus. Die Grundidee für das noch heutige Hauptgeschäftsfeld kam den Eheleuten auf einer Messe in Italien. Dort sahen sie in einem Toilettenraum einen rostigen Toilettenpapierspender. „Den habe ich einfach abgeschraubt und mitgenommen“, gesteht Wilhelm Blatz rückblickend. Mit einem Ingenieur verbesserte er die Technik und ließ sich das neue Gerät patentieren. Mit Haniel als Partner wurde aus „Ille Service“ die „Ille Papier-Service GmbH“, die ihren Sitz seit 1995 in Altenstadt hat. 2009 kaufte Familie Blatz seinem Partner dessen Anteile wieder ab. Somit war Ille wieder ein reines Familienunternehmen. Tochter Marion Gottschalk übernahm 2010 die Geschäftsführung.
Das Unternehmen hat inzwischen 38 europäische Niederlassungen sowie Handelspartner weltweit und ist laut eigenen Angaben Marktführer im Bereich der Vermietung von Waschraumhygiene auf Papierbasis. Obwohl Wilhelm Blatz die Geschäftsführung im operativen Bereich längst abgegeben hat, ist er immer noch für das Unternehmen im Außendienst aktiv und besucht Kunden und Interessenten. Meistens ist der 80-Jährige in Begleitung junger Kollegen unterwegs, denen er seine Verkaufskniffe zeigt. „Ich habe ja ohnehin immer nur ein Hobby gehabt und das war mein Job“, stellt der Jubilar schmunzelnd fest.
