Was wird das neue Jahr bringen? Nicht nur Politikern fällt die Antwort auf diese Frage zurzeit schwer. Sicher ist bloß, dass auch 2017 die Top-Themen der vergangenen Jahre aktuell bleiben werden. Und so ging es beim Neujahrsempfang der Landesinnung Bremen und Nord-West-Niedersachsen des Gebäudereiniger-Handwerks auch weniger um die kommenden Bundestagswahlen oder die Amtseinführung von Donald Trump, sondern mehr um die Integration von Flüchtlingen und die Digitalisierung der Wirtschaftswelt.
Beide Themen griff Landesinnungsmeister Jörg Reinders in seiner Begrüßungsrede an die rund 80 Gäste aus Wirtschaft und Politik im Bremer Ratskeller auf. „Das Handwerk steht den vielen jungen Menschen, die zu uns kommen, offen gegenüber“, sagte Jörg Reinders. Allerdings benötige ihre Integration in vielen Fällen noch Zeit. In Bezug auf die Digitalisierung habe sich in den vergangenen Jahren vieles entwickelt, bis hin zu Reinigungsmaschinen mit integriertem GPS. So könne der Kunde nachvollziehen, wo und wie lange die Maschine gelaufen sei. Fazit: Digitalisierung und Roboter könnten vieles vereinfachen, aber noch nicht alles. „Ein Roboter kann zum Beispiel keine Ecken erreichen, deshalb ist er im Sanitärbereich nicht einsetzbar und nur bedingt geeignet, unsere Mitarbeiter bei großen Flächen zu unterstützen“, sagte Jörg Reinders.
Erfreut zeigte sich der Landesinnungsmeister über die Entwicklung der Innung. „Wir haben im vergangenen Jahr viele neue Mitglieder begrüßen dürfen.“ Zurzeit liege die Zahl bei 93 Voll- und 14 Fördermitgliedern. Jörg Reinders: „Wir haben uns stark dafür eingesetzt, neue Mitglieder zu gewinnen und dabei die vielen Vorteile herausgestellt, die eine Innungsmitgliedschaft bietet. Wir verstehen uns als Dienstleister für Dienstleister.“
Weniger erfreulich sei häufig die Medienberichterstattung im Zusammenhang mit dem Thema Mindestlohn. Obwohl der Tariflohn im Gebäudereiniger-Handwerk deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liege, werde dieses bei der Berichterstattung zu Unrecht oft als Beispiel für geringe Löhne verwendet.
Lenke Steiner, Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, betonte in ihrem Grußwort die große Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks für die gesamte Wirtschaft. Leider werde diesen von der Politik häufig kein Respekt gezollt. Lenke Steiner: „Das hat mich schon immer gestört. Schließlich sind Sie es, die den Menschen in der Region Perspektiven aufzeigen. Sie sind dem Standort treu, bilden häufig über Bedarf aus und nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr.“ Außerdem leiste das Handwerk einen wichtigen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen. Als problematisch bezeichnete Lenke Steiner die „Überakademisierung“. Deshalb sei es wichtig, jungen Menschen zu zeigen, was das Handwerk zu bieten habe.
Für Unterhaltung zwischen Vorsuppe und Hauptgang (Bremer Braunkohl) sorgte Commedian Thomas Schwieger – laut Selbstdarstellung die Mensch gewordene Teilnahmeurkunde – mit seinem Programm „Werd’ erstmal Zweiter!“.