Verkohlte Hölzer, versengte Kunststoffe und vom Löschschaum verschmutzte Wände und Holz balken: Typische Schäden nach einem Brand und den Löscharbeiten der Feuerwehr. Wie hier gereinigt werden muss, verraten ein geübter Blick, eine gute Nase und Fingerspitzengefühl.
Wo rohe Kräfte sinnlos walten
-Brandschäden entstehen durch offenes Feuer oder Schwelbrand, beides mit starker Rußentwicklung. Die große Hitze erzeugt Oberflächenspannungen in den verschiedenen Baustoffen: Anstriche bilden Blasen oder blättern ab, Putze entfalten kräftige Schwindrisse und lösen sich vom Mauerwerk, der Stahl im Beton dehnt sich aus und erzeugt dadurch Risse im Beton. Der Löschschaum reagiert chemisch mit den Anstrichen, das Löschwasser lässt Holz quellen und löst bauschädliche Salze in Beschichtungen und Putz. Bei Brandschäden geht es also zunächst darum, verkohlte Hölzer und versengte Kunststoffe fachgerecht zu beseitigen und danach durch Löschschaum verschmutzte Wand- bzw. Holzbalkenoberflächen zu reinigen. Schließlich sind die Löschwasserschäden zu beseitigen. Hier entstehen die gleichen Reinigungsbedingungen wie bei den allgemeinen Wasserschäden, die sich durch im Laufe der Zeit allmählich in den Bauteil eindringendes Wasser entwickeln. Denn Löschwasser, das in mineralische Baustoffe eindringt, erzeugt beim Abtrocknen in gleicher Weise Salzausblühungen wie jeder andere Wasserschaden. Stammt das Löschwasser gar aus einem Löschteich, muss mit organischen Verschmutzungen der Gebäudeteile gerechnet werden. Beim Wasserschaden geht es zumeist aber um die Sanierung von Salzausblühungen aus mineralischen Baustoffen wie Putz und Beton infolge des eingedrungenen und wieder austrocknenden Wassers. Auch Holzböden und Stuckdecken werden durch eindringendes Wasser verformt und lösen sich von ihrem Untergrund.
Reste von Brandschutzanstrichen gründlich abbeizen
Beim Reinigen konstruktiver Bauteile muss außerdem untersucht werden, ob etwa feuerhemmende Anstriche – Brandschutzanstriche – eingesetzt wurden. Diese schützen die konstruktiven Bauteile eine gewisse Zeit lang vor Feuer. Einsatzbereiche für Brandschutzanstrichsysteme sind vor allem Kabelleitungen, Stahlstützen und Bauteile aus Holz. Brandschutzanstriche sind flüssig aufgebrachte Beschichtungen, die im Brandfall durch Hitzeeinwirkung aufschäumen und eine brandhemmende, kühlende Schutzschicht auf den behandelten Bauteilen ausbilden.
Der Dienstleister muss sich nach einem Brand erkundigen, ob solche Anstrichstoffe im Gebäude eingesetzt worden sind. Ist das der Fall, müssen die behandelten Bauteile sorgfältig abgebeizt werden. Es muss sichergestellt werden, dass alle Reste des Anstrichs tatsächlich entfernt wurden, bevor ein eigens für solche Anstriche ausgebildeter und zertifizierter Maler einen neuen Brandschutzanstrich aufbringt.
Fassaden beschnuppern und berühren
Eine gute Voruntersuchung vermeidet so manchen Fehler beim Reinigen der Fassaden und dem Beseitigen der dabei anfallenden Schlämmen, Ruß- sowie Farbreste. Ein Blick durch den Feldstecher auf die hohen Fassaden genügt keineswegs, um festzustellen, ob kritische Zonen vorhanden sind. Der Fachmann stellt ein Probegerüst auf oder fährt die Fassade mit einem Hubwagen ab, um lose Putzpartien, salzbelastete Flächen, festsitzende, nur durch Ablaugen zu entfernende Farbpartien und sonstige Schäden erkennen zu können. Der Handwerksmeister erfasst die Schäden stets mit allen seinen Sinnen: Er prüft die Oberflächen optisch (mit den Augen), haptisch (mit den Fingern) und auditiv (mit den Ohren). Bereits die bloße Berührung mit den Fingern sagt etwas Wichtiges aus über ihre Beschaffenheit: nämlich über den Rauigkeitsgrad, über die Feuchtigkeit oder über die allgemeine Beschaffenheit z.B. von absandenden Stellen. Die Klangprobe beim Abklopfen mit dem Hammer lässt Hohllagen erkennen. Sogar der Geschmackssinn kann helfen, Ausblühungen als Folge von Versalzungen zu identifizieren. Auch hartnäckige Schmutzkrusten wie Krusten auf Gipsputz können so von allgemeiner Verschmutzung unterschieden werden. Solche besonders aufwendig zu reinigenden Partien sollten dokumentiert, d.h. sie sollten fotografiert und in eine Fassadenzeichnung möglichst genau eingetragen, werden. Das hilft hinterher, vor allem bei der Abrechnung der Reinigungsarbeiten, den erforderlichen Aufwand zu belegen.
Um weitergehende Erkenntnisse zu gewinnen, sollten alle mineralischen Fassadenoberflächen gemäß der VDI-Richtlinie 3798 „Untersuchung und Behandlung von immissionsgeschädigten Werkstoffen“ und den entsprechenden WTA-Merkblättern z.B. „3-9-95/D Bewertung von gereinigten Werksteinoberflächen“ untersucht werden. Schließlich entsteht ein Kenndatenprofil der gesamten belasteten Oberflächenbereiche der Fassade. Erst damit kann ein gewissenhafter Fachmann einen Maßnahmenplan für eine behutsame und kostengünstige Reinigung aufstellen.
Originalsubstanz so gut es geht erhalten
Bereits während der Angebotsausarbeitung, spätestens jedoch wenige Wochen vor Arbeitsbeginn, sollte auf Testflächen festgestellt werden, wie stark der Schmutz und die Altanstriche haften („Abreißfestigkeit“), danach richtet sich die optimale Reinigungsmethode. Wird über die Methoden nachgedacht, dürfen Art und Menge der anfallenden Farbschlämme, Reinigungs- und Strahlmittel nicht vergessen werden. Oberste Priorität: Die Umwelt so wenig wie möglich belasten und – insbesondere bei Baudenkmälern – die Originalsubstanz so gut es geht erhalten.
Deshalb ist es von Anfang wichtig, sich mit den zuständigen Behörden abzusprechen: dem Bauaufsichtsamt, dem Umweltamt der Stadt oder des Kreises, dem Wasserwirtschaftsamt und gegebenenfalls der unteren Denkmalschutzbehörde. Behörden und Dienstleister müssen ein einvernehmliches Konzept über Reinigungsart, -umfang und -mittel sowie zur Entsorgung der anfallenden Schlämme, Ruß- und Farbreste erarbeiten.
Das schonendste Verfahren wählen
Für das Reinigen von Fassaden gibt es auf dem Markt mittlerweile eine Fülle von Verfahren, Mitteln und Geräten, die sich aber im Wesentlichen in zwei Gruppen zusammenfassen lassen: einmal in überwiegend abrasive (entweder nasse oder trockene) und zum anderen in chemische Verfahren.
Zu den mechanischen, nassen Verfahren zählen:
- Abwaschen mit Wasser,
- Abstrahlen mit Wasser ohne Druck oder Niederdruck,
- Abstrahlen mit Heißwasserdampf,
- Abstrahlen mit Druckwasser ohne Strahlmittel oder
mit Strahlmitteln,
- Abstrahlen mit Höchstdruckwasser und schließlich
- das Trockeneisstrahlverfahren.
Besonders oberflächenschonend sind Verfahren, bei denen das Strahlwasser in der Düse verwirbelt wird wie etwa beim Jos- oder Torboverfahren oder dem Rotec-Verfahren, das jedoch mit Heißwasserdampf eingesetzt werden kann. Die letztgenannten Verfahren eignen sich insbesondere bei der Säuberung sensibler Untergründe oder zum Entfernen von Graffiti. Das Trockeneisverfahren mit CO2 hat sich besonders bei der Beseitigung und Entfettung von Ölen, Fetten, wachsartigen Substanzen, Rostschutzanstrichen, Klebstoffen, Harzen und Lacken, Produktionsresten, Lebensmittel- und Schweißrückständen bewährt. Da keine Strahlmittelrückstände verbleiben und kein Wasser zum Einsatz kommt, eignet es sich besonders auf allen wasserempfindlichen Untergründen, wie etwa Putz, Beton, Mauerwerk oder Holz.
Die Verfahren sollten in der genannten Reihenfolge getestet werden, um das jeweils sanfteste herauszufinden. Erst bei sehr hartnäckigen Verschmutzungen werden Strahlmittel erforderlich. Sie bestehen meist aus relativ weichen Granulaten wie z.B. Walnussgranulat. Die abrasive Wirkung lässt sich mit Sand und Quarzmehl steigern.
Zierrat gehört zum Restaurator
Bei nassen Verfahren ist der Reinigungserfolg immer abhängig von der Saugfähigkeit der Fassade. Wenn der Untergrund salzbelastet ist, müssen alle nassen Verfahren mit großer Vorsicht angewendet werden, denn durch das Strahlwasser aufgelöste, bauschädliche Salze werden nach dem Trocknen an der Oberfläche auskristallisieren und die Oberfläche zerstören.
Der Dienstleister muss bei allen genannten Methoden seine Gerüste mit Planen umhüllen und alle Öffnungen wie Fenster, Türen, Luken, aber auch Risse, Löcher und Anschlüsse an Traufkästen, Windbretter etc. vor Beginn der Arbeiten wasserdicht abschließen; dabei helfen Folien und Mörtel. Besondere Rücksicht verdient der Zierrat der Fassade. Er darf nur von Hand und unter Anleitung eines fachkundigen Restaurators gereinigt werden. Um den Zierrat vor abrasiven Strahlmitteln zu schützen, ist es oft nötig, ihn vor Reinigungsbeginn abzubauen und in der Restauratorenwerkstatt zu bearbeiten.
Staub unter Kontrolle halten
Zu den mechanischen trockenen Verfahren zählen:
- Abbürsten,
- Abschleifen,
- Abarbeiten,
- Abschaben nach Erhitzen mit Heißluft,
- Abbrennen oder aus Abstrahlen mit Druckluft.
Sie sind zumeist nur in geringem Maße abrasiv, können jedoch an hartnäckig verschmutzten Fassaden scheitern. Deshalb sollte man sie an Testflächen schrittweise in der genannten Reihenfolge ausprobieren. Erst wenn diese relativ behutsamen Arbeitsgänge nicht den gewünschten Erfolg bringen, sollten abrasivere Verfahren eingesetzt werden. Die hier aufgezählten Verfahren sind im Übrigen auch für verschmutzte Metalloberflächen geeignet.
Schon einfaches Abbürsten erzeugt viel Staub. Planen und Folien halten den Staub im Arbeitsbereich und schützen parkende Autos und Nachbarwohnungen – den Wind hat man schließlich nicht unter Kontrolle. Deshalb ist es notwendig, den Staub durch Verspritzen oder Vernebeln von Wasser zu binden. Geschlossene Staubhauben bieten sich an, wenn besonders viel Staub anfällt. Die Arbeiter müssen geeignete Schutzhelme und Atemmasken tragen, um sich vor dem oft schädlichen Staub zu schützen. Je nach Strahlgut (Schlacke, Sande, Glasmehl oder Gesteinsmehle) ist der Staub mehr oder weniger umweltunverträglich.
Staub fällt vor allem bei Arbeiten mit druckluftbetriebenen Strahlgeräten an. Werden Strahlgeräte im Innenraum z.B. bei großen Hallen und Kirchen eingesetzt, müssen sie mit einem leistungsfähigen Industriestaubsauger verbunden sein, um eine Verteilung des Staubes im Raum zu verhindern.
Sprühextraktions- und Vakuum-Extraktionsverfahren spielen bei der Reinigung nach Bränden oder Wassereintrag eine besondere Rolle. Ersteres eignet sich für die Reinigung von verschmutzten Teppichen und kontaminierten Böden im Haus, Letzteres auch noch für die Böden außen um das Haus herum. Bei ihrem Einsatz müssen die Herstellervorschriften beachtet werden.
Giftige Gase vermeiden
Das Reinigen mit Hilfe von Chemikalien, also mit Aqua Destillata, wässrigen oder nichtwässrigen Abbeizern, Abwaschen mit Wasser unter Zugabe von Tensiden, Auftragen von dünnflüssigen Reinigungsmitteln und schließlich Auftragen von Reinigungspasten, ist auf jeden Fall umweltproblematischer als die mechanischen Methoden. Wässrige Abbeizmittel wie Natron- oder Kalilaugen und heiße Soda- oder Ammoniaklösungen erfordern ein sehr sorgfältiges Nachwaschen mit Wasser.
Nichtwässrige Abbeizfluide wie Spiritus, Benzol, Aceton oder gar die giftigen Chlorverbindungen Methylenchlorid, Trichloräthylen und Tetrachlorkohlenstoff dürfen großflächig überhaupt nicht zum Einsatz gelangen. Solche aggressiven Abbeizmittel sind auch deshalb bedenklich, weil während ihrer Anwendung Giftgase entstehen und in die Umwelt entweichen, welche die Gesundheit sowohl der ausführenden Arbeiter als auch die von Passanten beeinträchtigen.
Wenn sie aber dennoch wegen der Hartnäckigkeit der Verschmutzung auf mineralischen Untergründen, Metallen oder Holz eingesetzt werden müssen, sind gemäß der Verordnungen der Bauberufsgenossenschaft und der Unfallverhütungsrichtlinien sorgfältige Schutzvorkehrungen zu treffen. Dazu gehören neben dem Einsatz gasdichter Sprühkabinen auch dichte Schutzanzüge mit Gesichtsatemmasken. Der entstehende Abfall muss mittels Saugdüsen in dichten Behältern aufgefangen werden.
Die meisten Abbeizer bestehen zu 60 bis 70 Prozent aus Dichlormethan (Methylenchlorid) und verursachen in Verbindung mit Wasser Chlorkohlenwasserstoff-(CKW-)Emissionen. Diese werden überwiegend in die Luft und in geringen Mengen in Boden und Wasser abgegeben. Mittlerweile bietet der Markt aufgrund der verschärften Umweltschutzgesetze nur noch CKW-freie Abbeizer an. Allerdings sind auch diese keineswegs unproblematisch: Sie bewirken, wenn auch andere, jedoch nicht minder umweltschädliche Emissionen und belasten die Umwelt allein schon wegen ihrer wesentlich längeren Einwirkungszeiten ebenfalls nicht unerheblich.
Dr. Josef Maier