Die Preise für Milch, Brot und Butter sind gestiegen und der Blick auf die Zapfsäule macht schon lange nicht mehr froh. Jetzt bleiben auch Preissteigerungen für Arbeitsmittel wie Reinigungs chemie und -automaten nicht mehr aus.
Preise für Chemie, Maschinen und Zubehör werden steigen
-Was dem Bäcker das Getreide, sind dem Chemiker Säuren und Laugen: Wenn die Preise für die Grundzutaten steigen, wird zwangsläufig auch das Endprodukt teurer. Ähnlich wie vor einigen Monaten in den Bäckereien werden nun auch bald Chemie- und Maschinenhersteller mit Prospekten und Plakaten ihre Kunden um Verständnis bitten müssen. Der Chemiehersteller Ecolab hat sich bereits mit entsprechenden Flyern zur Information seiner Kunden gerüstet.
Teures Rohöl, olympische Preise, hohe Tarifabschlüsse
Hinter den Preiserhöhungen stecken keine Willkür oder Gewinnsucht, sondern drastische Verteuerungen der Produktionskosten.
Was ist in den letzten Monaten auf dem Weltmarkt für Rohstoffe passiert? Gleich eine ganze Reihe von Rohstoffen sind extrem teuer geworden. Für alle Autofahrer erkennbar: Rohöl mit allen daraus hergestellten Treibstoffen. Diese Teuerungen machen sich in gestiegenen Transportkosten für alles, was von A nach B bewegt werden muss, bemerkbar.
Aber auch viele chemische Produkte werden aus Rohöl oder dessen Nebenprodukten hergestellt. Naphta, auch Rohbenzin genannt, ist ein wichtiger Rohstoff für die Petrochemie, der z.B. für die Gewinnung von (Verpackungs-)Kunststoffen wie Polyethylen und -propylen benötigt wird. Die Preise für Rohöl und Naphta haben sich seit Jahresbeginn 2007 bis Juni 2008 mehr als verdoppelt.
Auch die Olympischen Spiele in China sind mit Schuld an der teuer gewordenen Chemie. Die chinesische Regierung hat stark umweltverschmutzende Industriebetriebe vor und während der Olympischen Spiele vorübergehend geschlossen, darunter Hersteller von Phosphor, aber auch Stahlhütten. Diese Maßnahmen für ein „grünes Olympia“ haben das Angebot weiter verknappt und die Preise zusätzlich in die Höhe getrieben.
Der IHO (Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz für die industrielle und institutionelle Anwendung e.V.) meldete Ende Juni 2008, dass sich die Preise für Phosphat und Phosphorsäure im Jahr 2007 von 45 bis 50 Euro/Tonne auf über 400 Euro/Tonne verteuert hätten. Ursache sei die weltweit enorm steigende Nachfrage nach Düngemitteln. Diese werden für den Lebensmittel-, zunehmend aber auch für den Biospritanbau benötigt. Andere Quellen geben eine Preissteigerung von Phosphor von 100 US-Dollar pro Tonne auf fast 800 US-Dollar pro Tonne allein zwischen Januar und Juli 2008 an.
Auch der Tarifabschluss 2008 für die Mitarbeiter der chemischen Industrie hat spürbare Auswirkungen auf die Produktionskosten in der Branche. „Die Entgelte werden 2008 für 13 Monate um
4,4 Prozent angehoben, außerdem erhalten die Arbeitnehmer eine Einmalzahlung von 0,5 Prozent. (...) Im Jahr 2009 werden die Entgelte um weitere 3,3 Prozent für 12 Monate erhöht“, meldet „tarif-kompakt“ Nr. 3 vom April 2008 für die Mitglieder der IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie).
Wenige Anbieter, viele Nachfrager – Stahl wird knapp
Ein wesentlicher Rohstoff für alle Ausrüster und Maschinenhersteller ist Stahl. Er wird heute zu großen Teilen aus China importiert. Die Unternehmenskonzentration auf Anbieterseite hat zu einem regelrechten Preisdiktat geführt. „Früher hatte man zehn oder 15 Anbieter, heute gibt es vielleicht noch zwei oder drei große Konzerne“, weiß Holger Tunkel, Leiter Einkauf der Hako-Werke. Bereits seit einigen Jahren wird Stahl zunehmend knapp. Der VDMA teilte dazu in einer Anfang Juli veröffentlichten Pressemitteilung mit: „Wir unterstützen sie (die Stahlindustrie Anm. d. Red) in ihrer Forderung nach mehr Wettbewerb unter den Minengesellschaften.“ Die Europäische Kommission prüft derzeit die Fusion zwischen den australischen Minenriesen BHP Billiton und Rio Tinto. Der Verband sprach sich gegen Schutzzölle auf Flachstahl und weitere Zusammenschlüsse auf den Erz- und Kokskohlemärkten aus. Allerdings seien die aktuellen Stahlpreise nicht mehr nur mit den gestiegenen Vormaterialkosten und der enormen Nachfrage aus den Schwellenländern zu erklären. Spekulationen an den Rohstoffbörsen, sagen Branchenexperten, führten zur eigentlichen Preisexplosion. Dass eine neue EU-Verordnung doppelwandige Öltanker ab 2015 vorschreibt, was die Nachfrage nach Stahl zum Schiffsumbau zusätzlich anheizt, ist da nur noch ein Grund unter vielen für die enormen Teuerungsraten. Die Folge bleibt ein und dieselbe: weniger verfügbarer Stahl auf dem Weltmarkt und steigende Preise – auch für Reinigungsmaschinen oder Servicewagen.
Ausrüster
Numatic hat die Preise in den letzten drei Jahren bereits zweimal erhöht, um die gestiegenen Rohstoff- und Transportkosten abzufangen. Je nach Produkt lag die Erhöhung zwischen zwei und fünf Prozent. 2009 kommt der neue Katalog heraus, auch darin werden einige Produkte unter einem höheren Preis als im Vorjahr zu finden sein. „Der Preis für Edelstahl ist regelrecht explodiert“, sagt Arnt Koch, zuständig für das Marketing bei Numatic. Auch Kunststoff sei deutlich teuer geworden. Bei den Preiserhöhungen werde man aber Produkt für Produkt durchgehen und nicht pauschal erhöhen, so Koch. Offensichtlich gehen die Unternehem sehr unterschiedlich mit den zu erwartenden Preissteigerungen um. So wollte etwa Vermop derzeit noch keine Angaben machen, Vileda Professional bestätigte hingegen auf Anfrage der Redaktion, dass sich deren Produktsortiment zum 1. Januar 2009 im Schnitt um fünf bis sechs Prozent verteuern wird. Zum Teil fallen die Preissteigerungen kräftiger aus, zum Teil nur minimal, je nach Produktbereich. Fiel der Preisanstieg zum 1. Januar dieses Jahres mit im Schnitt
2,5 Prozent noch moderat aus, sieht sich Vileda nunmehr gezwungen die Preise stärker anzuheben. „In diesen drei Prozentpunkten mehr gegenüber der letzten Preiserhöhung spiegeln sich die gestiegenen Rohstoffpreise wider, die auch uns hart treffen“, sagte Dirk Martin, Regional Marketing Manager Germany & Export. Als Hauptfaktoren nannte er die höheren Energiekosten als auch die gestiegenen Preise für Fasern, Metall und Kunststoff.
Chemiehersteller
Ähnliche Aussagen kommen auch von den Chemieherstellern. Die Münchener Dr.Schnell Chemie will die Preise nicht pauschal erhöhen. Laugen und Säuren, die die Grundlagen für die meisten Reinigungsprodukte bilden, sind in den letzten sechs bis acht Monaten um ein Vielfaches teurer geworden. „Es gibt Stoffe, die haben sich um das Dreifache verteuert“, weiß Andreas Härle, Leiter Einkauf und Qualitätsmanagement. In München wird derzeit intensiv diskutiert, wie mit den gestiegenen Produktionskosten umgegangen werden soll. Preiserhöhungen sind wahrscheinlich, aber noch nicht beschlossen. Derzeit werde die Kostenstruktur von Produktgruppen und Einzelprodukten durchleuchtet und abgewägt, in welchem Rahmen erhöht werden muss. Einige Produkte werden sich vielleicht gar nicht verteuern, bei Spezialprodukten könnten es aber auch sieben bis acht Prozent sein. „Wir betrachten das auf jeden Fall ganz differenziert und es wird keine pauschale Preiserhöhung geben“, betont Daniel von Schmeling-Diringshofen. Eine Situation mit derart drastischen Preiserhöhungen auf dem Rohstoffmarkt habe es noch nie zuvor gegeben, sagt von Schmeling-Diringshofen, ein Patentrezept haben auch die Münchener nicht parat. Andere Möglichkeiten im Herstellungsprozess zu sparen, um die Preise für die Endkunden stabil zu halten, sind weitestgehend ausgereizt. „Was Rationalisierungmöglichkeiten im Einkauf und der Produktion betrifft, ist das Ende erreicht“, erklärt Härle.
Ecolab hat bereits auf die deutliche Steigerung der Rohstoffkosten reagiert und eine „moderate durchschnittliche Preisanpassung von 4,9 Prozent“, so Michael Fink, Vertriebsleiter Building Care, zum 1. Oktober dieses Jahres vorgenommen. Beklagt werden insbesondere die Preissteigerungen bei Phosphorsäure – über 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und Amidosulfonsäure – rund 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und: Ein Ende des Preisanstiegs für diese Produkte sei nicht abzusehen, so das Unternehmen. Auch die Umsetzung von EU-Verordnungen und Gesetzen (z.B. Biozid-Richtlinien, REACH) und die Eliminierung unerwünschter Inhaltsstoffe führe zu Kostensteigerungen, teilt Ecolab seinen Kunden in einer Informationsbroschüre mit. In bestimmten Fällen, heißt es weiter, habe dieser Austausch zu ökologisch nachhaltigeren, aber teureren Rohstoffen geführt. Des Weiteren verdeutlicht Ecolab seinen Kunden in besagter Broschüre Rohstoff für Rohstoff, um wie viel Prozent die Einkaufspreise gestiegen sind, um so eine Transparenz und damit Begründung für die Preiserhöhung zu schaffen.
Hans Kielgas, Marketing Leader Institutional JohnsonDiversey, informierte, dass vor allem die Produktionskosten für Produktgruppen gestiegen sind, die Phosphate/Phosphorsäure beinhalten, wie z.B. Sanitärreiniger oder Waschmittel. Zum Januar 2009 wird das Unternehmen die Preise für diese Produktgruppen deutlich anheben müssen.
Jochen Pickelmann, Leiter Vertrieb und Marketing bei Kiehl, betont: „Die Preise für unsere Produkte konnten wir seit zwei Jahren konstant halten.“ Angesichts der derzeitigen angespannten Situation auf dem Rohstoffmarkt sehe man sich jedoch gezwungen, zum
1. November dieses Jahres die Preise nunmehr zu erhöhen. Es sei jedoch schwierig, pauschal eine Aussage zu treffen. „Die Preise für manche Produkte werden wir gar nicht erhöhen, dagegen wird es Produkte geben, die wiederum deutlich teurer werden müssen.“ Pickelmann nennt hier insbesondere säurehaltige Reinigungsmittel und Produkte auf Polymerbasis, die anders als z.B. Unterhaltsreiniger von einer stärkeren Preiserhöhung betroffen sein werden. Kiehl bietet aber z.B. einen Sanitärreiniger auf Milchsäurebasis an, „der von den Preiserhöhungen natürlich nicht betroffen sein wird“, so Pickelmann weiter. Es sei schwierig, die explodierenden Rohstoffpreise intern zu kompensieren. Man habe aber z.B. die Lagerkapazitäten erhöht, um von den allgemein befürchteten weiteren Preissprüngen zumindest kurzfristig weniger betroffen zu sein. Außerdem mache sich die Strategie, auf Konzentrate zu setzen, nunmehr bezahlt, denn „auch die Verpackungskosten steigen und spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle“, gibt Pickelmann zu bedenken. Kiehl sei es wichtig, zu kommunizieren, so der Vertriebs- und Marketingleiter weiter, dass „unsere Kunden keine Einbußen in puncto Qualität der Produkte befürchten müssen; gerade auch deshalb gibt es in bestimmten Produktsegmenten leider keine Alternative zu einer Preiserhöhung.“ Insgesamt sieht Kiehl keine Anzeichen auf eine Entspannung auf dem Rohstoffmarkt: Rohstoffhersteller und Marktanalysten gingen davon aus, dass sich die Preisspirale weiter drehen werde. Sollte sich dies tatsächlich bewahrheiten, werde es sicher bitter.
Maschinenhersteller
Die Maschinenhersteller sind vor allem vom Preisanstieg für Stahl Kupfer, Aluminium, Blei und Kunststoffe betroffen. Kärcher etwa verarbeitet im Jahr mehrere Tausend Tonnen Kupfer, „dessen Preis in letzter Zeit um das Vierfache gestiegen ist“, informiert das Unternehmen auf Anfrage. Auch Kärcher beteuert, dass begrenzte Margen nur wenig Spielraum für Kompensation der gestiegenen Produktionskosten lassen. Trotzdem, so Hartmut Jenner, Vorsitzender der Geschäftsführung, tue Kärcher alles dafür, „die Materialkosten in einem vertretbaren Rahmen zu halten und die enormen Preissteigerungen bestmöglich abzufangen. Nur ein kleiner Teil wird letztlich an den Kunden weitergegeben“. Das gelinge zum Beispiel durch die Sicherung von Rohstoffen, neue konstruktive Lösungen und Verwendung von Ersatzstoffen bei Neuentwicklungen.
Rainer Kenter, Geschäftsführer Kenter Bodenreinigungsmaschinen, Leipheim, teilte auf die Frage, wie das Unternehmen mit den entstandenen Mehrkosten umgehen wird, mit: „Wir haben durch einige Restrukturierungs- und Automatisierungsmaßnahmen unsere Produktivität weiter erhöht und konnten einen Teil der Kosten abfangen. Einen Teil der Mehrkosten müssen wir jedoch in Kürze weitergeben.“ Zum Umfang der Preiserhöhung machte er keine Angaben, zum Zeitpunkt der Preiserhöhung teilte er jedoch mit: „Wir planen mit einer Preisänderung zum Jahreswechsel.“
Nilfisk fasste die Situation so zusammen: „Die Hauptfaktoren, die eine Preiserhöhung zwingend notwendig machen, sind die gestiegenen Rohstoffpreise für Stahl und Kunststoffe, ebenso wie die Lkw- Maut und die erhöhten Dieselpreise.“ In welchem Umfang und ab wann mit den Preiserhöhungen zu rechnen ist, darüber wollte sich das Unternehmen derzeit nicht äußern. Auch Columbus wollte derzeit keine Aussage treffen, wie man auf die Verteuerungswelle bei Rohstoffen reagieren werde.
Gansow kündigt für die Professional Line eine Preissteigerung im unteren/mittleren einstelligen Prozentbereich an. Das Unternehmen rät seinen Kunden, sich Preisvorteile zu sichern und die Bestellungen für 2009 zum Jahresende 2008 vorzunehmen.
Bernd Heilmann, Geschäftsführer und zuständig für Marketing und Vertrieb der Hako-Werke, Bad Oldesloe erklärte: „An sich müssten wir die Preise erhöhen, es gibt aber zwei Probleme, die uns daran hindern.“ Zum einen sorge der schwache Dollar für Preisverzerrung auf dem europäischen Markt. Die Maschinen aus den USA sind also im Vergleich zu den deutschen an den Euro gebundenen Maschinen zu günstig und machen es Mitbewerbern schwer, den Preis anzuheben. Das zweite Problem sei die Marktsättigung in Deutschland. „Der Kuchen wächst nicht mehr“, sagte Heilmann und fuhr fort, „die Mehrkosten in der Produktion können also nur durch eine interne Reorganisation und Produktivitätssteigerung aufgefangen werden.“ 2008 gab es bei Hako eine effektive Preiserhöhung um weniger als zwei Prozent. Zurzeit müssen die Kunden nicht mit weiteren Erhöhungen rechnen. Wie sich die Situation auf den Rohstoffmärkten im nächsten Jahr entwickelt, bleibe abzuwarten. „Eine klare Perspektive ist hier nicht möglich“, schloss Heilmann.
Eine rückwärtsgewandte Entwicklung mit sinkenden Rohstoff- und Energiepreisen erwartet keiner der Befragten. Kurzfristig könne es zwar zu Entspannungen kommen, so die einhellige Meinung, doch langfristig gehe der Trend weiter nach oben.
Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de
Markus Targiel | markus.targiel@holzmannverlag.de