wfk-Workshop, Krefeld Reiner Informationsgewinn

Reinräume schießen wie Pilze aus dem Boden und damit wächst der Bedarf an gut informierten Dienstleistern, die deren Reinigung übernehmen. Das wfk-Forschungsinstitut bot daher im Oktober erstmals einen Workshop „Reinigen unter Reinraumbedigungen“ an.

Reiner Informationsgewinn

-Tamara Neumann, wfk, führt in die Vorschriften zum Thema Reinraum ein. „Leider Gottes, ist es ein etwas trockenes Thema“, bedauerte sie, lieferte aber einen sehr kompakten und anschaulichen Überblick. „Die vollständigen Normen können Sie übrigens beim Beuth-Verlag beziehen“, gab sie einen wichtigen Tipp. Kollege Dr. Manuel Heintz erläuterte anschließend, warum Mikroorganismen im Reinraum so gefährlich sind. Sie können Menschen direkt oder indirekt z.B. durch verunreinigte Lebensmittel oder Medizinprodukte infizieren. Wichtige Normen in Bezug auf Mikroorganismen sind der EU-GMP-Leitfaden (2003/94/EC für Medizinprodukte, 91/412/EEC für veterinärmedizinische Produkte) und die DIN EN ISO 14698-1/-2/-3 (Entwurf).

Richtiger Umgang mit Reinraumtextilien

Jessica Steinmann vom Unternehmen Herbert Kannegiesser, erklärte die Funktionsweisen von Wasch- und Trockenautomaten für die Aufbereitung von Reinraumtextilien. Für Gebäudereiniger insofern interessant, als sie sich auch über das Waschen und Trocknen von benutzter Reinraumbekleidung ihrer Angestellten und der verwendeten Mehrweg-Wischtextilien Gedanken machen müssen. Sicherster Weg ist, einen Textildienstleister mit dieser Aufgabe zu betrauen. Das wurde auch beim Vortrag von Frank Everts, Ecolab, deutlich, der die Waschverfahren für Reinraumtextilien erläuterte. Er warnte davor, Reinraummopps in Haushaltsgeräten zu waschen oder zu trocknen: „Der Heizstab eines gewöhnlichen Trockners produziert allein so viel Partikel, dass Bekleidung oder Wischtextilien nach dem Trocknen unbrauchbar sind.“

Produkte und Dienstleistung bei Angeboten trennen

Wolf-Dieter Wanner, Ecolab, machte auf die Probleme für Dienstleister in pharmazeutischen Reinräumen aufmerksam. Für die Desinfektionsmittel und Detergenzien, die in den Klassen A und B eingesetzt werden gilt: Sie müssen vor Gebrauch steril sein. „Das ist ein extremer Aufwand für die Hersteller und macht die Produkte entsprechend teuer“, erklärte er. Sein Tipp für die Gebäudedienstleister: „Halten Sie die Produkte raus, wenn Sie ein Angebot machen. Die soll der Auftraggeber stellen.“

Im kritischen Bereich A werden überwiegend sterile alkoholische Desinfektionsmittel, wie z.B. Isopropylalkohol (70 Prozent) und Ethanol (70 Prozent vergällt) eingesetzt, außerdem sterile Applikationen (Sprühköpfe; Bagin Bottle) – wichtig ist, die Anbruchssterilität per Gutachten zu belegen – und sterile alkoholgetränkte, partikelarme Tücher. In der Pharmazie ist die Sporenwirksamkeit der Mitteln entscheidend. Für den kritischen Bereich B sind am Markt als sterile Desinfektionsmittel Wasserstoffperoxid, Peressigsäure (Persäuren) Chlordioxid, Hypochlorit, Aldehyd, Quats, Amphotensid, Glucoprotamin, Pheno erhältlich. Bei allen sporenwirksamen Produkten sollte getestet werden, wie gut sie mit den Materialen im Reinraum verträglich sind. Chlorhaltige Mittel können zu Rost führen, außerdem riechen sie streng und sind daher für das Reinigungspersonal unangenehm. Wichtig zu klären ist, welches Produkt welche Rückstände hinterlassen kann und welche Einwirkzeiten eingehalten werden müssen.

„Müssen nicht so viel wissen“

In den Klassen C und D werden unsterile Desinfektionsmittel eingesetzt. Die geeigneten Produkte finden sich in der Liste der VAH (früher DGHM) und des Robert Koch-Instituts gegen meldepflichtige Infektionskrankheiten, dort sind auch die Produkte zur Desinfektion der Hände, Haut, Instrumente, Fläche und Wäsche benannt. Wanner machte zum Abschluss deutlich: „Sie müssen als Dienstleister nicht so viel wissen.“ Jeder Reinraumbetreiber habe eigene definierte Arbeitsanweisungen, deshalb frage ein erfahrener Dienstleister den Kunden nach den bestehenden Einschleusungsstandards und den Besonderheiten in seinem Reinraum. „Fragen stellen, bedeutet hier Kompetenz zeigen“, betonte er. Wanner empfahl bei Reinraumkunden nur gut geschultes Stammpersonal einzusetzen. „Reinräume sind äußerlich betrachtet sauber, trotzdem muss man wischen wie ein Idiot – erklären Sie das Ihren Mitarbeitern.“ Scherzhaft sagte er zum Thema Make-up: „Die Kampfbemalung wird erst nach Dienstschluss aufgelegt, sonst bröselt’s ins Produkt.“

Prof. Dr. Hans-G. Hloch fasste einige Forschungsergebnisse u.a. zum Vergleich von Reinraumwischtüchern zusammen. Es zeigte sich, dass Mehrwegtücher beim Wischen ähnlich viele Partikel abgeben wie Einwegmaterialien, dabei aber mehr Partikel entfernen als die getesteten Einwegprodukte. Der vollständige Forschungsbericht kann beim wfk-Forschungsinstitut in Krefeld bezogen werden.

Wegen der großen Nachfrage wird das wfk den Workshop noch einmal anbieten, die Termine sind noch nicht bekannt.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de