Der Markt ist eng. Visionäre Gebäudedienstleister sind daher stets auf der Suche nach neuen Tätigkeitsfeldern. Ein interessantes Beispiel für die Erweiterung des Dienstleistungsangebotes ist das Schleifen von Estrichflächen.
Schleifen bis zum Design
- Zementestriche mit geschliffener Oberfläche werden von Architekten und Planern in der zeitgenössischen Architektur gern eingesetzt, weil sie Unikate sind.
Die Oberfläche von „flügelgeglätteten“ Estrichen kann geschliffen werden, um einen terrazzoähnlichen Effekt zu erreichen. Bearbeitete Estriche bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und Vorteile in Bezug auf Reinigungsfähigkeit und Beständigkeit der Oberfläche. Diese Idee resultiert nicht nur aus Kostenbewusstsein, denn man kann sich beim geschliffenen Estrich den Oberboden sparen. Vielmehr hielt man sich das edle Unikat (geschliffener Estrich) vor Augen. Aus diesem Gedankenansatz entstand eine kreative Produktidee mit vielen Einsatzbereichen.
Hochwertige Unikate
Viele Architekten und Planer haben diese Produktidee mit spezialisierten Estrichlegern besprochen und den Fachmann, der sich mit dem Schleifen zukunftsorientiert ein weiteres Standbein aufbaut (Gebäudereiniger), mit ins Boot genommen. Sie haben dadurch hochwertige monolitische Unikatböden geschaffen. Die Gestaltungsmöglichkeiten dieser Böden definieren sich dabei durch die Kreativität der einzelnen Bearbeitungsschritte des Ver- und Bearbeiterteams; eine große Rolle spielt auch die Verwendung lokal vorhandener Zuschläge sowie die Endbearbeitung (Schleifen, Imprägnieren der Estrichoberfläche). Einsatzbereiche für Design-Estriche sind der private Wohnbereich, Büro- und Verkaufsräume sowie Ausstellungs- und Repräsentationsbereiche.
Aus der Nutzung leiten sich Ansprüche an die Festigkeit des Bodens und auch an die Ausrüstung der Oberfläche in Bezug auf die Fleckbeständigkeit und Reinigungsmöglichkeit ab.
Grundsätzlich sollten geschliffene Estriche zur Erzielung eines ausreichend dichten Gefüges und einer gut feinschlifffähigen Oberfläche eine Güte von CT-C 35 F5 aufweisen. Zum Einsatz kommen vor Ort gemischte Sand-Zement-Estriche, Industrieestriche, Zement-Fließestriche und fertig formulierte terrazzoähnliche Estriche sowie Werktrockenmörtel-Mischungen.
Bei individuell hergestellten Estrichen können der Farbton der Matrix sowie der Farbton und in Grenzen die Größe und Beschaffenheit der Zuschläge bestimmt werden.
Zusätzlich kann über die Gestaltung des Schleifprozesses bestimmt werden, ob der Designestrich flächendeckend terrazzoähnlich bis zum Größtkornquerschnitt aufgeschliffen werden soll oder ob ein leichter Anschliff ausreichend ist. Bei der leicht angeschliffenen Variante werden nur die Feinkornanteile sichtbar, um das terrazzoähnliche Aussehen zu vermeiden.
Bei der Festlegung der Zuschläge lassen sich nicht immer alle Wünsche der Auftraggeber berücksichtigen. Wer sich hier auf bewährte Erfahrungswerte verlässt, ist gut beraten, denn der gleich starke Schleifverschleiß des Bindemittels und der Zuschläge ist Basis einer dauerhaften Funktion der mineralischen Oberfläche. Das gilt für den klassischen Terrazzo ebenso wie für den terrazzoähnlichen Designestrich. Geschliffene Estriche werden auch als Design- oder Architekturestriche bezeichnet. Oft wird auch der Begriff „Sichtestrich“ verwendet. Er beschreibt vielleicht am ehesten die Notwendigkeit, gute Planung und gute handwerkliche Ausführung zu kombinieren. Sichtestriche „verschwinden“ nicht unter einem Oberboden, sondern werden als Nutzfläche verwendet.
Job für Spezialisten
Die schleiftechnische Bearbeitung des Sichtestrichs geschieht mit speziellen Bodenschleifmaschinen und Diamantwerkzeugen, die in ihrer Schleifleistung individuell auf die einzelnen Flächen abgestimmt werden müssen. Designestriche werden in staubfreiem Trockenschliff oder in Nassschliff bearbeitet.
Mit den Schleifarbeiten wird je nach Estrich nach ein bis vier Wochen nach dem Einbau begonnen. Der Schleifprozess gliedert sich in mehrere Stufen. Der erste Schliff, Grobschliff genannt, legt das Zuschlagkorn in seinem Größtquerschnitt zur Erzielung des terrazzoähnlichen Effekts frei. Im Anschluss an den Grobschliff erhält die Fläche in drei bis fünf weiteren, immer feiner abgestimmten Schleifgängen eine gleichmäßig feine Oberfläche. Je nach Anforderungen an die Trittsicherheit und das Finish kann die Oberfläche bis zu einem hochglänzenden Finish ausgeführt werden.
Beim Glätten oder Schleifen eventuell entstandene kleinere Lunker werden mit einer auf den Estrich abgestimmten Spachtelmasse verfüllt. Die Spachtelstellen bekommen durch das Schleifen das gleiche Finish und sind nicht sichtbar.
Die Bearbeitung der Randbereiche erfolgt stets im Takt der Flächenbearbeitung mit den großen Bodenschleifmaschinen und wird mit handgehaltenen Maschinen oder speziellen Randschleifmaschinen ausgeführt.
Besonders die Reinigungsfähigkeit gehört zur einwandfreien Funktion und Dauerhaftigkeit eines Designestrichs. Einfache Reinigung und Pflege sind Voraussetzungen für den Erhalt des Bodens in seiner ursprünglich geplanten Beschaffenheit. Der Gesetzgeber würdigt diesen Sachverhalt, indem er die Übergabe einer verbindlichen Reinigungs- und Pflegeanleitung zur Auflage macht. Diese Anleitung definiert die Art und Weise der fachgerechten Reinigung unter Berücksichtigung des Schutzkonzeptes mit den entsprechenden Pflegeprodukten.
Nutzung bestimmt Pflegekonzept
Generell ist die Reinigungsfähigkeit eines Designestrichs abhängig von der Güte und Oberflächenbeschaffenheit des Estrichs. Die Eigenschaften des Estrichs und seine Nutzung bestimmen das Schutz- und Pflegekonzept. Designestriche in privaten Wohnräumen unterliegen anderen Belastungen als etwa Designestriche in der Gastronomie. Die mechanische Belastung ist hier wesentlich größer und auch der Anfall von Schmutz und Fleckbildnern erreicht bei gewerblicher Nutzung eine ganz andere Dimension.
Je nach Anspruch und zu erwartender Verschmutzungsintensität gibt es verschiedene Schutzsysteme für den Schutz und die Pflege von geschliffenen Estrichen. Sie unterscheiden sich vor allem durch den Grad des Schutzes gegenüber Fleckbildnern.
Mit Imprägnierungen und Versiegelungen finden zwei unterschiedliche Produktgruppen für den Fleckschutz mineralischer Oberflächen Verwendung: Imprägnate verankern sich in den Poren des Bodens und bauen eine diffusionsoffene Schutzfunktion auf. Sie verändern weder den Farbton noch die Reflektion des Bodens. Versiegelungen dagegen liegen in einem dünnen Film auf der Oberfläche auf und können die Lichtreflektion verändern. In der Regel führen sie zu einer Vertiefung des Farbtons.
Nach der Imprägnierung oder Versiegelung des Bodens erfolgt als weiterer Grundschutz die Einpflege. Die Unterhaltsreinigung ist auf das Schutzkonzept abgestimmt und sollte zusammen mit Empfehlungen für die Fleckentfernung in der Pflegeanleitung enthalten sein.