Es gibt noch Luft nach oben

»Ergonomie im Gebäudereiniger-Handwerk ist ein ganzheitlicher Arbeitsprozess und muss auch ganzheitlich betrachtet, verstanden und umgesetzt werden.«

Uwe Büttner | Gebäudereinigermeister, Berater und Sachverständiger für das Gebäudereiniger-Handwerk, Nürnberg | uwe.buettner@reinigungsexperte.de - © privat

Ist Ergonomie ein lohnenswertes strate­gisches Ziel für Unternehmen im Gebäude­reiniger-Handwerk? Eine Onlineumfrage zum Thema auf www.ratio­nell-reinigen.de ergab, dass Ergonomie für 47 Prozent der Umfrageteilnehmer „sehr wichtig“ und für 37 Prozent „wichtig“ ist. Für 16 Prozent spielt Ergonomie – und damit die Zufriedenheit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter – nur eine untergeordnete Rolle. Das macht nachdenklich und wirft die Frage auf: Wie bekommen beziehungsweise binden Unternehmen, in denen Ergonomie „weniger wichtig“ ist, Mitarbeiter und wie werden sie ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Gesundheitsvorsorge gerecht? Wie den stetig steigenden Kundenanforderungen? Und wie setzen solche Unternehmen die vom Markt geforderten immer höheren Quadratmeter-Stundenleistungen in der Praxis um?

Wenn es um Ergonomie geht, haben im Gebäudereiniger-Handwerk der Teleskopstiel, die Umstellung auf 40-Zentimeter-Nasswischbezüge und der Einsatz von Reinigungswagen- und Maschinen einen hohen Stellenwert. Hauptgründe für den Einsatz von ergonomischen Geräten und Tech­niken sind in der Regel ein geringerer krankheitsbedingter Ausfall, höhere Motiva­tion der Mitarbeiter, zufriedenere Kunden und dadurch längere Kundenbindung.

Ergonomie ist tatsächlich aber viel mehr. Es geht nicht nur um einzelne Maßnahmen, sondern auch um Effizienzsteigerung und somit um höhere Leistungszahlen und Renditen. Ergonomie ist ein ganzheitlicher Arbeitsprozess und muss als solcher auch ganzheitlich betrachtet, verstanden und umgesetzt werden.

Die Industrie macht es dem Handwerk vor. Dort ist die Arbeitsvorbereitung quasi die zentrale Profit- und Ergonomie­abteilung für Produktion und Fertigung. Bevor an die Serienfertigung beziehungsweise Produk­tion gedacht wird, wird ein Produkt in seine Komponenten zerlegt. Jeder Schritt wird dahingehend überprüft, ob und wie eine Komponente möglichst ressourcen­schonend und effizient gefertigt werden kann. Dazu wird jeder Fertigungsschritt so lange optimiert, bis sichergestellt ist, dass das bestmögliche Ergebnis erzielt wird. 

Ergonomie ist ein Synonym dafür, wie mit minimalem Einsatz von Ressourcen und Arbeitszeit maximale Qualität, Wirtschaftlichkeit, Mitarbeiter- und Kunden­zu­friedenheit erzeugt werden kann. Davon, so scheint es, ist zumindest ein Teil der Unternehmen im Gebäudereiniger-Handwerk noch entfernt. Und das heißt: Es gibt noch Luft nach oben.

Uwe Büttner