Gebäudedienste 2030: Was kommt auf die Reinigungsbranche zu? Wie kann es Unternehmern im Gebäudereiniger-Handwerk gelingen, die Herausforderungen zu meistern und weiterhin erfolgreich zu sein? Antworten gab das Zukunftsforum Gebäudedienste 2016. Ein Überblick.
Zwölf Vorträge und eine Podiumsdiskussion standen beim Branchenkongress von rationell reinigen und Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) auf dem Programm. Die zunehmende Digitalisierung spielte dabei ebenso eine Rolle wie Arbeitswelten der Zukunft. rationell-reinigen-Verleger Alexander Holzmann stimmte die Teilnehmer zu Beginn des zweitägigen Kongresses auf zahlreiche „Einblicke in die Welt von morgen“ ein. „Wir müssen uns rechtzeitig mit den Themen der Zukunft auseinandersetzen“, betonte auch Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. Mehr als 400 Teilnehmer – ein neuer Rekord – waren nach Dresden gekommen. Das Zukunftsforum Gebäudedienste fand zum vierten Mal statt. Zur Premiere traf sich die Branche 2010 in Wiesbaden. 2012 war Bonn an der Reihe, 2014 hatten rationell reinigen und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks nach Stuttgart eingeladen.
Wie die Digitalisierung die Welt verändern wird
Wie die Digitalisierung die Welt verändern wird, machte Daniel Domscheit-Berg in seinem Eröffnungsvortrag zum Thema „Internet der Dinge“ deutlich. „In den 45 Minuten, die wir hier gemeinsam verbringen, werden um uns herum unvorstellbare Mengen an Daten generiert, transferiert und konsumiert“, sagte der frühere Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Diese Daten seien Ausdruck einer Vernetzung von allem und allen mit allem und allen. Sie sei der Motor einer anlaufenden industriellen Revolution, die die Welt grundlegend verändern werde. Durch die Vernetzung habe jedes Produkt – und sei es ein Babyfone – längst eine ganz andere Reichweite bekommen, Sicherheit werde oft nicht einmal mitgedacht. Zudem habe sich bereits gezeigt, wie viel Schaden angerichtet werden könne, wenn einige wenige Firmen immer mehr Infrastruktur kontrollieren. „Wir sind überhaupt nicht darauf vorbereitet. Und mit jedem Tag werden mehr Geräte vernetzt, mehr Daten generiert, tauchen wir tiefer ein in die Welt der totalen Vernetzung“, sagte Daniel Domscheit-Berg und forderte: „Wir müssen dringend entschleunigen und Produktionsstandards neu denken.“ Der Fortschritt bringe schon heute Technologien, die oft wie Science Fiction erscheinen, aber längst Realität seien – autonome Fahrzeuge ebenso wie den 3D-Druck. Damit verbunden seien soziale, politische und rechtliche Konsequenzen, deren Dimension kaum jemand verstehe. Es gebe keinen Bereich unseres Lebens, der nicht durch die digitale Revolution verändert werde. Zugleich dürfe es keinen Bereich geben, der sich nicht damit auseinandersetze und als Antwort neu erfinde. „Wichtig ist, dass wir alle verstehen, was auf dem Spiel steht. Und dass wir etwas Sinnvolles daraus machen“, betonte Daniel Domscheit-Berg.
Entschlossener Schritt in die digitale Welt
Von tiefgreifenden Veränderungen rund ums Gebäude, die das Geschäft der Dienstleister in den kommenden Jahren teilweise stark verändern werden, sprach Andreas Schaich (Z_punkt). Ein zentraler Treiber sei die digitale Transformation. „Mit Sensoren bestückte, vernetzte Smart Buildings werden Realität. Immer intelligentere Algorithmen werten die Daten aus und generieren Wissen, das für eine effiziente und effektive Bereitstellung von Gebäudediensten immer entscheidender sein wird“, erklärte der Zukunftsforscher in seinem Vortrag unter dem Titel „Gebäudedienste 2030: Intelligent, proaktiv – und vollautomatisiert?“. Eine der Folgen: Gebäudedienste werden nicht mehr nach festen Plänen erbracht, sondern sie orientieren sich am tatsächlichen Bedarf. Die Digitalisierung verändere aber auch die Erfahrungswelt der Menschen und damit deren Erwartungen an die Arbeitsrealität. Durch digitale Informationsbereitstellung und Roboterunterstützung werde der Mensch vom Handwerker zum Anwender von Maschinen und Systemen. Einfache Tätigkeiten könnten zunehmend von hochentwickelten Robotern übernommen werden, die dank der Integration des Gebäudewissens weitgehend autonom agieren. Das Fazit von Andreas Schaich: „Gebäudedienstleister müssen die digitale Komponente beherrschen lernen – also einen entschlossenen Schritt von der analogen in die digitale Welt tun.“
Wenn Roboter Reinigungstätigkeiten übernehmen
Dass dem Facility Management große Veränderungen bevorstehen, machte auch Anders Pennerup Gantzhorn in seinem Vortrag „Markt im Umbruch: FM 4.0 heute“ deutlich. Spürbar sei FM 4.0 bereits heute, beispielsweise durch den unterstützenden Einsatz von Robotern. Die Digitalisierung bringe Wachstumsimpulse und führe zu neuen Jobs für Fachleute und hybride Teams aus Menschen und Robotern, erläuterte der Geschäftsführer von ISS IT & Business Services. Maschinen und Softwareprogramme werden vor allem Routinetätigkeiten übernehmen,Menschen die Zeit für höherwertige Aufgaben nutzen. Gebäude werden nach Worten Anders Pennerup Gantzhorn durch Sensoren, Big Data und künstliche Intelligenz zunehmend persönlicher und denken für ihre Nutzer voraus. Zugleich können durch das Sammeln von Daten und maschinelles Lernen vielfältige Einsichten gewonnen werden. Der Facility Manager werde so mehr und mehr zum Berater, Gestalter und Designer des Service, der Bedarf der Nutzer durch Automatisierung optimiert und durch intelligente Sensorik bedarfsgerecht angeglichen. Bereits im Jahr 2019 seien 50 Prozent aller gewerblichen Immobilien vollständig digitalisiert und von einem künstlich lernenden System gemanagt, sagte der Geschäftsführer von ISS IT & Business Services voraus, und im Jahr 2022 würden 40 Prozent der einfachen Reinigungstätigkeiten von Robotern ausgeführt. Um im neuen FM-Markt erfolgreich zu sein, seien fünf Komponenten und Systeme nötig: Sensorik, Big Data, maschinelles Lernen, Smart Building Interaction und ergebnisorientierte Dienstleistung. „Gewinner werden die Dienstleister sein, die bereits heute ins FM 4.0 einsteigen“, erklärte Anders Pennerup Gantzhorn.
Dimensionen des digitalen Wandels
Dimensionen des digitalen Wandels in der Gebäudereinigung brachte Nikolaus Teves, leitender Auditor für QM-Systeme in der Gebäudereinigung, seinen Zuhörern unter dem Titel „Von Saugrobotern und Servicedrohnen“ nahe. Die IT-Technik sorge für Prozesse, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen seien: Roboter reinigen autonom Glas- und Fassadenflächen, bei Verschmutzungen rücken Saug- und Wischmaschinen aus, ohne dass eine Reinigungskraft benötigt wird. Drohnen mit Kameras und Sensoren identifizieren den Handlungsbedarf auf Parkplätzen und Fabrikgeländen und veranlassen automatisch sachgerechte Reaktionen, Papierkörbe haben Füllstandsmelder, die Leerungsautomaten rufen. Eine angemessene Reaktion auf die Herausforderungen der Zukunft könne sein, sich über Innovationen wie Saugroboter und selbstfahrende Fahrzeuge innerhalb und außerhalb von Gebäuden, digitale Möglichkeiten zur Vermeidung von Sprachproblemen oder die Bereitstellung von Informationen über Datenbrillen und Wandprojektionen zu informieren und die Auswirkungen auf das eigene Unternehmen zu prüfen. „Angesichts der Digitalisierung sämtlicher Lebensumfelder werden sich auch Gebäudedienstleister intensiver mit informationstechnischen Produkten und Dienstleistungen befassen müssen“, betonte Nikolaus Teves. Der Wettbewerb um Kunden werde künftig immer stärker vom Einsatz digitaler Techniken und Systeme bestimmt. Dabei reiche es nicht aus, betriebliche Funktionen, die bisher von Hand ausgeführt wurden, mit einem elektronischen Gerät zu erfassen. In einer Welt, in der Maschinen, Gebäude, Produkte, Transportmittel und Messinstrumente selbstständig miteinander kommunizieren und in der jeder überall erreichbar ist, gehe es darum, geeignete Organisationsformen zu entwickeln und umzusetzen. Eine der großen Herausforderungen werde es sein, das wachsende interne und externe Datenvolumen sachgerecht zu strukturieren und in Handlungsimpulse zur Kundengewinnung, Angebotsentwicklung, Kalkulation, Sicherung der Leistungsqualität, Wertschöpfung und Organisationsoptimierung einzubringen.
Wie Arbeit gestaltet werden muss
Wie Arbeit gestaltet werden muss, damit die Beschäftigten motiviert, fit und auf Dauer arbeitsfähig bleiben, erläuterte Prof. Dr. med. Michael Falkenstein, Direktor des Instituts für Arbeiten, Lernen, Altern (ALA), in seinem Vortrag „Motiviert und fit im Job: Arbeit als essenzieller Lebenssinn“. „Menschen, die in ihrer Tätigkeit einen Sinn sehen, fühlen sich glücklicher als Menschen, deren Job dem reinen Broterwerb dient. Als sinnvoll erlebte Arbeit wird zudem produktiver ausgeführt. Anders herum kompensiert ein hohes Einkommen eine nicht erfüllende Tätigkeit“, sagte der Psychologe in Dresden und betonte: „Arbeit ist essenziell für das Wohlbefinden und die Gesundheit, Arbeitslosigkeit macht krank.“ Aber auch schlechte Arbeit – monoton, mit wenig Handlungsfreiheit und viel Stress – könne krank machen und sowohl die körperliche als auch die mentale Fitness schädigen. Gute Arbeit – vielseitig und selbstbestimmt, mit wenig Stress – halte Mitarbeiter hingegen fit und gesund. Die körperliche und mentale Fitness von Beschäftigen, vor allem in Routinejobs, könne durch Gestaltung der Arbeit – Passung von Anforderungen und Kompetenzen, variable Tätigkeiten und möglichst weite Handlungsspielräume, Beachtung bestimmter Prinzipien bei altersgemischten Gruppen, gute Führung inklusive Feedback sowie sozialer Zusammenhalt – und individuelle Trainingsmaßnahmen erhalten werden. Dazu gehören körperliches und kognitives Training, Achtsamkeits- und Stressmanagementtraining. „Sehen Sie zu, dass Ihre Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen und schulen Sie sie, auf sich selber zu achten“, riet Michael Falkenstein den Teilnehmern des Zukunftsforums Gebäudedienste in Dresden. Seminare beispielsweise im Bereich Stressmanagement müsste jedes größere Unternehmen anbieten.
Ausbildung 2030: Wohin geht der Weg?
„Ausbildung 2030: Wohin geht der Weg?“ war das Thema der Podiumsdiskussion am Ende des ersten Kongresstages. Mit Moderatorin Andrea Blome diskutieren Michael Schuchmann , Britta Kasperczak , Klaus Pankau und Ulrike Laux. „Wir bekommen weniger Bewerbungen“, berichtete Michael Schuchmann, Leiter des BIV-Ausschusses Berufsbildung. „Wir haben weniger Klassen“, sagte Britta Kasperczak, Leiterin der Abteilung Gebäudereinigung an der Berliner Max-Taut-Schule. Zugleich sei es schwierig, Berufsschullehrer für den Bereich Gebäudereinigung zu bekommen. Es gelte noch immer als unattraktiv, in der Gebäudereinigung zu arbeiten, betonte Ulrike Laux, Mitglied des Bundesvorstandes der IG BAU. Basis für den Beruf sei die Ausbildung. Und dabei gelte: „Die Unternehmen müssen sich bemühen, Menschen in den Beruf zu bekommen – dauerhaft.“ Klaus Pankau, Personalleiter bei Wisag, machte deutlich, dass die klassische Gebäudereinigerausbildung nur ein kleiner Teil des großen Ganzen sei. Die Frage sei auch: „Wie bekommen wir die Quereinsteiger aus anderen Branchen qualifiziert?“ Insgesamt werde das Gebäudereiniger-Handwerk sich umstellen und dabei zum Beispiel auch an Abiturienten denken müssen, etwa im Rahmen von BA-Studiengängen. Denn gebraucht würden auch Menschen, die Dienstleistungen verkaufen und mit Kunden umgehen könnten – und dabei die handwerklichen Grundlagen beherrschen. Zugleich müsse die handwerkliche Ausbildung modernisiert und weiterentwickelt werden. „Wir brauchen Gebäudereiniger, die auch als Dienstleister qualifiziert sind“, betonte Klaus Pankau. Dabei müsse nicht zuletzt der Digitalisierung Rechnung getragen werden. Ulrike Laux forderte zugleich, dass sich Unternehmen mehr Zeit für die Auszubildenden nehmen müssten. Denkbar seien zum Beispiel Kooperationen von mehreren Unternehmen, um die Gebäudereinigerausbildung attraktiv und zukunftsfähig zu machen.
Personalmanagement 2030: Umdenken ist gefragt
Welche Herausforderungen der Arbeitsmarkt für Unternehmer im Gebäudereiniger-Handwerks außerdem bereithält, erfuhren die Teilnehmer im Vortrag von Michael Borgstedt. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – bis 2060 werde die Erwerbsbevölkerung stark sinken - könnten Arbeitgeber zunehmend weniger aus dem Vollen schöpfen, das Tagesgeschäft müsse mit den vorhandenen Mitarbeitern bewältigt werden, was zu teilweise extremer Arbeitsverdichtung führe: „Arbeitgeber müssen ein anderes Bewusstsein erlangen“, sagte der Unternehmenscoach in seinem Vortrag mit dem Titel „Personalmanagement 2030“: Mitarbeiter finden, qualifizieren und binden“. Dazu gehört für ihn vor allem: „Man muss sich um die Mitarbeiter kümmern und auf ihre Bedürfnisse eingehen.“ Gefragt seien gute Strategien, um zu gewährleisten, dass die Beschäftigten arbeitsfähig bleiben und nicht krank werden oder das Unternehmen gar verlassen. Denn das könne teuer werden: „Die Fehltage aufgrund nicht beziehungsweise wenig vorhandener Mitarbeiterbindung summieren sich bei einem Dienstleister mit 420 Mitarbeitern – angenommen umgerechnet rund 160 Vollzeitkräfte – auf 685 Tage pro Jahr. Das entspricht rund 100.000 Euro“, sagte Michael Borgstedt. Nachholbedarf in puncto Mitarbeitermotivation und -bindung sieht er vor allem beim Verhalten von Vorgesetzten. Ein guter Chef müsse nicht nur selbstkritisch und veränderungsbereit sein, sondern auch auf die individuellen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter eingehen. Patentrezepte gebe es nicht. Wichtig sei es aber, genau hinzuhören, vor allem – aber nicht nur – im Gespräch mit Leistungsträgern, Talenten und Beschäftigten mit Spezialkenntnissen, die man an sich binden will. Auch allgemeine Mitarbeiterbefragungen seien denkbar. Denn: „Mitarbeiter, die begeistert sind. kündigen nie. Mitarbeiter, die zufrieden sind, kündigen vielleicht. Mitarbeiter, die unzufrieden sind, kündigen bestimmt“, betonte Michael Borgstedt. Und wie gewinnt man neue Beschäftigte? Arbeitgeber müssen umdenken, meint der Unternehmenscoach, und zunehmend aufzeigen, welche Vorteile das Unternehmen seinen Beschäftigten bietet. In der Formulierung von Stellenausschreibungen müsse sich dies ebenso niederschlagen wie im Signalisieren von Wertschätzung im Vorstellungsgespräch. Vorteilhaft sei es zudem, sich als attraktiver Arbeitgeber (Employer Branding) zu präsentieren und zu positionieren – nicht zuletzt in sozialen Netzwerken.
Social Media: Guter Content muss sein
Um „Social Media 2030: Was ist möglich und künftig notwendig?“ ging es im Vortrag von Hendrik Unger. Der Social-Media-Experte und Geschäftsführer der Kreativagentur 36grad erklärte, warum Facebook, YouTube und Instagram wichtige Begleiter im Marketing sind und wie Gebäudedienstleister ihre Kunden richtig ansprechen. Die Online-Kommunikation gewährleiste eine unendliche Reichweite, betonte Hendrik Unger und erläuterte: „Social-Media-Portale bieten einen Nährboden durch Viralität.“ Jüngere und ältere Menschen seien nach wie vor gleichermaßen ein großes Marketingziel im Social-Media-Bereich. Wichtig dabei: „Internet-User in sozialen Netzwerken interagieren gerne, aber fordern zunehmend. Junge Zielgruppen in Social-Media-Portalen wollen etwas geboten bekommen.“ Unerlässlich für die Umsetzung seien Know-how, relevante Transportwege und Einsatz der Social-SEO. Ohne die richtige Technik gebe es keine Reichweite im Web. „Nehmen Sie die Nutzer an die Hand, um Ihren Marketingzweck zu erfüllen“, sagte Hendrik Unger. Ohne Links oder Hinweise im Viral-Objekt sei dieses Ziel nicht zu erreichen. Die Zahl der Fans sei nicht entscheidend, Fan-Gewinnung nicht gleich Marketing. „Marketing-Ziele erfüllen bringt Sie weiter als hohe Fanzahlen.“ Bei all dem gilt: Guter Content muss sein. „Machen Sie Eindruck im Social Web, lenken Sie Ihre Zielgruppe, setzen Sie Social Media ein, nutzen Sie positive Bewertungen, kommunizieren Sie transparent“, riet Hendrik Unger seinen Zuhörern.
Welche Möglichkeiten der 3D-Druck bietet, brachte Michael Eichmann, Director Business Development/EMEA bei Stratasys, seinen Zuhörern nahe – unter dem Titel „3D-Druck: Gebäudedienstleister als Produzenten?“ Stratasys bietet 3D-Drucker für unterschiedliche Märkte und Anwendungen sowie Materialien und Support. Michael Eichmann stellte Anwendungen aus verschiedenen Branchen und Bereichen – zum Beispiel Sanitärtechnik, Elektrotechnik, Automotive und Medizin – vor, um Ideen und Anregungen zu vermitteln, und beschrieb grundlegende Prinzipien des 3D-Drucks. Auch die Möglichkeit der Versorgung mit Ersatzteilen für die Reinigung wurde angesprochen. Bereits heute werden laut Michael Eichmann 85 Prozent aller Hörgeräte auf den Träger maßgeschneidert. Schon jetzt sei es möglich, ein menschliches Herz zu drucken. In geschätzt zehn Jahren könnten Herzen und andere Organe aus der eigenen DNA hergestellt werden. Dies werde die Behandlung von Krankheiten revolutionieren. Derzeit setze unter anderem die Baugeschwindigkeit bei den 3D-Druckern – rund zehn Millimeter pro Stunde – noch Grenzen.
„Integration von Flüchtlingen ist eine Herkulesaufgabe“
„Mit der Integration von mehr als einer Million Flüchtlinge steht Deutschland vor einer Herkulesaufgabe“, sagte Johannes Bungart , Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks, in seinem Vortrag zum Thema „ Integration von Flüchtlingen: Chance oder Risiko? “ Dabei ging es vor allem um die rechtlichen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen für Gebäudedienstleister. Johannes Bungart verdeutlichte die vielfältigen Möglichkeiten der Beschäftigung vor allem von anerkannten Flüchtlingen und zeigte Erleichterungen auf, die durch das geänderte Integrationsgesetz entstanden sind. Viele Unternehmen der Branche verfügen bereits über umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen. Größte Hürde dabei sei die Sprache, und die Wahrnehmung von Sprachkursen für die Flüchtlinge eine absolute Verpflichtung, betonte Johannes Bungart. Hilfe erhalten Betriebe von der Bundesregierung. Das Programm „Unterstützung von kleinen- und mittelständischen Unternehmen bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften“ wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Jahr 2016 um 150 Willkommenslotsen erweitert. Sie beraten in Fragen wie Hospitation, Praktika, Einstiegsqualifizierung, Ausbildung und Arbeit und sind in Handwerkskammern oder Industrie- und Handelskammern, Kammern freier Berufe sowie gemeinnützigen Organisationen der Wirtschaft organisiert. Fragen zum Thema beantwortet auch der Bundesinnungsverband. „Die Integration von Flüchtlingen sollte von unserem Handwerk als Chance gesehen werden, Fachkräfte von morgen zu entwickeln“, appellierte Johannes Bungart an seine Zuhörer. Wichtig sei jedoch, dass der tarifliche und gesetzliche Mindestlohn auch bei der Beschäftigung dieser Menschen gelte. „Nur so verhindern wir die Entstehung neuer Ein-Euro-Jobs, die bestehende Arbeitsverhältnisse gefährden könnten“, betonte der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks.
In fünf Schritten zur neuen Dienstleistung
Wie kann die Kundenorientierung kleiner und mittlerer Unternehmen sichergestellt werden? Mit welchen Methoden lassen sich Dienstleistungen systematisch gestalten? Fragen wie diese beantwortete Ewald Heinen, stellvertretender Leiter des Instituts für Technik der Betriebsführung (itb), in seinem Vortrag unter dem Titel „Service-Engineering: In fünf Schritten zur neuen Dienstleistung“. Wolle ein Mittelständler die Entwicklung neuer Dienstleistungen und damit die Existenz seines Unternehmens im Markt nicht länger dem Zufall überlassen, müsse er sein Dienstleistungs-Portfolio optimieren und ausweiten, betonte Ewald Heinen in Dresden. Die Lösung bestehe in einer systematischen Herangehensweise. Die Fünf-Schritte-Methode des itb zum Service Engineering in kleinen und mittleren Unternehmen sei die Antwort auf das Dilemma des Mittelständlers. Dabei werde schrittweise, beginnend mit einer sorgfältigen Analyse der Ausgangssituation des Unternehmens, die jeweilige Dienstleistung oder das gesamte Unternehmen mit Hilfe eines KMU-geeigneten Sets aufeinander aufbauender Methoden entwickelt.
Dr. Gabriele Herlemann, Vorsitzende Richterin an der 2. Vergabekammer des Bundes im Bundeskartellamt, beschäftigte sich unter dem Titel „Vergabe von morgen: Umdenken bei öffentlichen Reinigungsaufträgen?“ mit der aktuellen Reform des Vergaberechts und ihren Auswirkungen. Die Vergaberechtsreform, die im April 2016 in Kraft getreten ist, diene der Umsetzung der geänderten europäischen Richtlinien. Neben zahlreichen inhaltlichen Veränderungen wichtig: Künftig müssen sowohl Auftraggeber (Bekanntmachung, Vergabeunterlagen, Vorbereitung des Zuschlags) als auch Bieter bei der Angebotsabgabe grundsätzlich elektronische Mittel nutzen (Grundsatz der elektronischen Vergabe/Pflicht zur elektronischen Angebotsabgabe). Für Bieter gelte eine verlängerte Umsetzungsfrist bis 18. Oktober 2018. Danach dürfen andere als elektronische Angebote nicht mehr berücksichtigt werden.
Wie man Erfolge anzieht
Zum Abschluss erklärte der Motivationscoach Frank Wildeden Kongressteilnehmern unter dem Titel „ Das Gesetz des Gelingens“, warum einige Menschen erfolgreicher sind als andere und wie man Erfolge magisch anzieht. Frank Wilde gilt als Erfolgstrainer Nummer eins. Er schrieb mehrere Bücher zum Thema. „Lernen Sie, auf Ihre Gedanken zu achten“, riet Franke Wilde seinen Zuhörern, „denken Sie ab heute nur an das, was Sie wollen, und nicht mehr an das, was Sie nicht wollen.“ Erfolge seien von unseren geistigen Vorgängen bestimmt. Hohe Ziele hätten aber nur fünf Prozent der Menschen. „95 Prozent der Menschen wissen zu wenig, was sie wollen.“ Diese Denkweise gelte es zu ändern. Die äußere Welt sei ein Spiegelbild unseres Bewusstseins, somit seien auch unsere Probleme lediglich eine Spiegelung unseres Inneren. Die mentale gedankliche Einstellung sei entscheidend dafür, wie wir Situationen meistern. „Wenn jemand sagt, er schafft es nicht, dann schafft er es auch nicht. Statt das Wort ,hoffnungslos‘ zu denken oder zu sagen, gibt es Worte wie ‚ich kann‘, ‚es geht‘, ‚ich schaffe es‘, ‚es ist gut‘ oder ‚es gibt immer einen Weg‘“, betonte Frank Wilde.
Weitere Informationen zu den Vorträgen können Teilnehmer des Zukunftsforums Gebäudedienste 2016 im Internet abrufen. Der Link wurde bereits verschickt. Der nächste Branchenkongress von rationell reinigen und Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks findet im Jahr 2018 statt.
Heike Holland | heike.holland@holzmann-medien.de