Winzigste Schmutzpartikel können eine moderne Hydraulikanlage empfindlich stören. Die VSG Industriewartung aus Peitz pflegt, wartet und reinigt alle Bereiche rund um Turbinen, Maschinen, Wasser- und Ölkreisläufe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde.
Ölwechsel für die ganz Großen
-Elektrische Energie für rund fünf Millionen Menschen erzeugt das Grundlastkraftwerk Jänschwalde der Vattenfall Europe Generation AG & Co. KG im brandenburgischen Peitz. Zu den Abnehmern gehören Krankenhäuser, Polizeistationen und Feuerwehren. Nicht auszudenken, wenn hier längere Zeit der Strom weg wäre: kein Licht im OP, keine Computer zur Koordinierung von Brand- und Notfalleinsätzen. In kaum einem Bereich ist zuverlässige Industriewartung so wichtig wie im Kraftwerk.
Die VSG Industriewartung in Peitz managt den täglichen Gesundheits-Check für Maschinen, Turbinen, Wasser- und Ölkreisläufe. Das Facility-Management-Unternehmen bietet neben der Sparte Industriewartung weitere Leistungen in den Bereichen Gebäudemanagement, Sicherheitsdienste, Transportservice und Catering. Mit ihren Beteiligungen erwirtschaftete VSG im letzten Jahr einen Umsatz von 48 Millionen Euro und beschäftigt über 600 Mitarbeiter. Damit gehört sie zu den großen ostdeutschen Facility-Management-Dienstleistern.
Turbinen laufen wie geschmiert
Im Kraftwerk Jänschwalde wird überwiegend Rohbraunkohle aus den nahe gelegenen Tagebauen Jänschwalde und Cottbus-Nord verstromt. Pro Tag benötigt das Kraftwerk bei Volllast etwa 80.000 t Braunkohle. Dabei wird aus 1 kg Braunkohle etwa 1 kWh Strom erzeugt. Um die 1.000 Menschen arbeiten hier, wenige Kilometer nördlich von Cottbus. Da scheinen die 22 Mitarbeiter der VSG Industriewartung, eine 100-prozentige Tochter der Vattenfall Europe Generation, verschwindend wenig. Das gilt erst recht, wenn man sich vorstellt, welche Fläche sie betreuen. Auf rund 250 ha sind die Anlagen verteilt – das entspricht in etwa 250 Fußballfeldern. Klaus-Peter Dargel, VSG-Fachbereichsleiter Industriewartung, schmunzelt bei diesem Vergleich: „Man muss schon gut zu Fuß sein“, sagt er. Mehrmals am Tag dreht die VSG ihre Runden durch das Kraftwerk. In einem Schmierplan ist festgelegt, welche Teile in welchen Abständen kontrolliert, gepflegt oder gewartet werden müssen.
Mineralische und synthetische Öle
Zur Industriewartung gehört die Pflege der Ölkreisläufe. Die Komplexität der Kraftwerksanlagen ist eine Herausforderung, denn die Turbinen, Getriebe, Motoren und Pumpen laufen alle mit unterschiedlichen Schmierstoffen.
Im Einsatz ist die gesamte Palette an mineralischen und synthetischen Ölen. Das setzt langjährige Erfahrung voraus: Denn ähnlich wie beim Auto geben die Hersteller der Kraftwerksmaschinen zwar Empfehlungen, nach welcher Laufzeit das Öl kontrolliert oder gewechselt werden sollte, das reicht den VSG-Mitarbeitern aber nicht.
Gründlich filtern und nachfüllen
Damit der Betrieb des Kraftwerks auch wirklich sichergestellt ist, entnehmen sie regelmäßig Ölproben, die dann im Hinblick auf ihre Qualität analysiert werden. Ist das Öl noch in Ordnung, muss es nicht komplett ausgetauscht werden. Dann reicht es oftmals, das Öl zu reinigen, also Schmutzpartikel und Wasser herauszufiltern und Öl nachzufüllen – eine umweltfreundliche Variante, die noch dazu Geld spart. Dafür kommen sogenannte Ölfiltrationsanlagen und Ölpflegeaggregate zum Einsatz. Übermäßig verschmutztes Öl gibt darüber hinaus Hinweise darauf, dass möglicherweise eine Maschine defekt ist.
Die Reinhaltung des Öls in den Maschinen und Ölkreisläufen ist außerordentlich wichtig. Schon ganz gering verschmutztes Öl kann fatale Folgen haben. „Für moderne Hydraulikanlagen sind schon Schmutzpartikel in der Größe von 5–15 µm pures Gift“, erklärt Klaus-Peter Dargel. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat in etwa einen Durchmesser von 75 µm. Im Kraftwerk werden auch viele moderne Schmierstoffe eingesetzt, die zum Teil hartnäckige Verschmutzungen hinterlassen.
Früher reichte einfaches Waschbenzin heute verwendet die VSG zur Reinigung der Ölfilterpatronen eine Reinigungswanne mit Ultraschalltechnik. Dabei wird der Schmutz in Über- und Unterdruckphasen quasi von der Oberfläche abgesprengt und weggeschwemmt. Zusammen mit einem alkalischen Reiniger und einer Temperatur von 60 °C erreichen die Mitarbeiter sehr gute Reinigungsergebnisse.
Ein Ohr für Ungewöhnliches
Regelmäßig werden alle sechs Kraftwerksblöcke einer Revision unterzogen. Dabei werden neben Reparatur und Modernisierung auch intensive Wartungsarbeiten durchgeführt. Für die VSG Gelegenheit, die Öl- und Wasserkreisläufe zu überprüfen, die sonst nicht erreichbar sind. Da in einem Kraftwerk eben alles etwas größer ist, werden für die Arbeiten an der Turbine oder am Generator die großen, fest installierten Hallenkräne benötigt.
„Unser Pluspunkt ist unsere langjährige Erfahrung im Kraftwerksbetrieb“, sagt Dargel, „wenn etwas nicht stimmt, können wir das meist schon an einem ungewöhnlichen Geräusch erkennen.“ Man müsse hier äußert veranwortungsbewusst sein, schließt er, denn „den Ausfall einen Kraftwerkblocks können wir uns einfach nicht leisten.“
Bernhard Hampp | rebecca.eisert@holzmannverlag.de