Bei aller Freude über den erfolgreichen Verlauf der CMS: Die positive Stimmung der Gebäudedienstleister wird aktuell durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und die Tarifsituation etwas getrübt.
Wirtschaftskrise hat die Gebäudedienstleister erreicht
- Am letzten Messetag der CMS findet traditionell die Mitgliederversammlung des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks statt. Einer der Höhepunkte ist die Verleihung des Ausbildungspreises des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks. Seit 2005 wird dieser Preis vergeben, in diesem Jahr wurde die Paul Schulten GmbH & Co. KG aus Remscheid mit dem Ausbildungspreis ausgezeichnet (siehe Seite 70).
Bevor der Bundesinnungsmeister zu seinem Bericht kam, begrüßte er als Ehrengast der Versammlung Ellinore Piepenbrock-Führer, die nach 25 Jahren Ehrenamtstätigkeit nun ihre Ämter niedergelegt hatte. Als sie 1959 in den elterlichen Betrieb eintrat, sei sie die erste Frau im Gebäudereiniger-Handwerk gewesen. Dieter Kuhnert dankte Ellinore Piepenbrock-Führer für den engagierten Einsatz, mit dem sie sich große Verdienste erworben habe.
Krise paradox
Im nächsten Tageordnungspunkt ging Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert auf die Situation der Betriebe vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ein. „Die Krise hat unsere Betriebe erreicht“, stellte Kuhnert fest und zielte dabei besonders auf die Unternehmen ab, die industrienahe Dienstleistungen erbringen. Wer öffentliche Aufträge habe, der sei weniger oder kaum betroffen. Allerdings sei aufgrund sinkender Steuereinnahmen auch hier mit schwierigeren Zeiten zu rechnen.
Als paradox bezeichnete es der Bundesinnungmeister, dass Dienstleister in Bundesländern mit hoher Staatsquote besser durch die Krise kämen als ihre Kollegen und Kolleginnen in bislang boomenden Regionen wie etwa Baden-Württemberg oder auch Nordrhein-Westfalen. Um die Unternehmen in der schwierigen Zeit zu unterstützen, hat eine Arbeitsgruppe der Ausschüsse für Öffentlichkeitsarbeit sowie Technik und Betriebswirtschaft ein Arbeitspapier erstellt, das klare Positionen und Argumente gegen Eigenreinigung enthält. Damit soll Überlegungen von Auftraggebern zur Reprivatisierung argumentativ entgegengewirkt werden. Hilfestellungen für Kundengespräche zur Reinigungskürzung wurden ebenfalls erarbeitet. Denn bei allem Sparzwang gebe es gewichtige Argumente, die Reinigungshäufigkeit nicht noch weiter herunterzufahren.
Gutachten zur Hotelreinigung
Mit Gutachten hat in der Vergangenheit ein größeres Unternehmen versucht, Dumping- löhne in der Hotelreinigung für rechtens erklären zu lassen. Um entsprechende Gegenargumente zu liefern, hat der Bundesinnungsverband durch die Professoren Siefer und Dr. Kluth ebenfalls Gutachten erstellen lassen. Ergebnis beider Gutachten: Der Bundesinnungsverband und die Innungen haben die Tarifzuständigkeit für das gesamte Gebäudereiniger-Handwerk und alle Tätigkeiten. Voraussetzung: Es werden vorwiegend Gebäudereinigungstätigkeiten durchgeführt. Dazu gibt es mittlerweile ein weiteres Gutachten von Elisabeth Schönwiese. Mit diesen Gutachten in der Hand sei man, so der Bundesinnungsmeister, für dieses Thema bestens gerüstet und könne dem Thema Hotelreinigung beruhigt entgegensehen.
Durch die öffentliche Diskussion und die starke Medienpräsenz des Themas Schweinegrippe werde der kompetente Umgang mit der neuen Krankheit für die Gebäudedienstleister immer wichtiger. Dank unterschiedlichster Informationsmaterialien, die der Bundesinnungsverband bereitstelle, seien die Unternehmen des Gebäudereiniger-Handwerks auf dem besten Weg, sich als kompetente Partner zu etablieren. Auf der CMS war die Infektionskrankheit ein Thema im Rahmenprogramm. Mit dem Kompetenzerwerb und dem Angebot kompetenter Dienstleistungen zur Schweinegrippe gehe, so Dieter Kuhnert, auch ein Imagegewinn einher.
Beteiligung an Imagekampange
Mit diesem Stichwort kam der Bundesinnungsmeister zur Imagekampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Mit verschiedensten Maßnahmen, unter anderem auch Fernsehspots, soll (Kampagnenauftakt im Januar) für die Kompetenz und Vielfalt des Handwerks geworben werden. Auch das Gebäudereiniger-Handwerk kann nach Einschätzung des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit von der zu erwartenden Breitenwirkung der Kampagne profitieren. Dies sei besonders bei der Nachwuchswerbung zu wünschen, da hier „das demografische Rennen um Auszubildende längst begonnen hat“.
Nach der Umstellung auf eine europaweit neue Systematik konnte Dieter Kuhnert auf der Mitgliederversammlung auf neues Zahlenmaterial zum Gebäudereiniger-Handwerk eingehen. Nach dieser Systematik sind Daten zu den Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk nun in der Klasse „Reinigung von Gebäuden, Straßen und Verkehrsmitteln“ enthalten. Teilbereiche, wie Bauschlussreinigung oder Fassadenreinigung, sind in anderen Klassen einsortiert und werden nicht gesondert ausgewiesen. Ab nächstem Jahr wird auch die Umsatzsteuerstatistik auf die neue Systematik umgestellt. Die nun vorliegenden Zahlen, so der Bundesinnungmeister, seien zwar ungenau, aber die einzige Möglichkeit, Tendenzen zu Branchendaten aufzuzeigen. Demnach waren 31.262 Gebäudereinigungsbetriebe zum 31. Dezember 2008 eingetragen, die Beschäftigtenzahl lag bei 863.438. Der Umsatz der Betriebe betrug 11,4 Milliarden Euro diese Zahl stammt aufgrund der für diese Statistik üblichen Verzögerung allerdings aus 2007.
Warnstreiks denkbar
Zur Tarifsituation verwies der Bundesinnungsmeister darauf, dass nach den für gescheitert erklärten Tarifverhandlungen am 30. September der Lohntarifvertrag und der Mindestlohntarifvertrag ebenso wie die Friedenspflicht ende und damit durchaus mit ersten Warnstreiks gerechnet werden müsse. Die Betriebe sollten sich auf diese Möglichkeit einstellen. Bernd Jacke, Verhandlungsführer bei den Tarifgesprächen, informierte über den aktuellen Stand in der Tarifsituation. Er habe trotz der schwierigen Situation die Hoffnung, dass beide Seiten noch zu einer Lösung finden.
Nach den zügig abgewickelten Regularien (Etat 2010 Bundesinnungsverband und Etat 2010 Walter-Faber-Haus) entließ Bundesinnungsmeister Dieter Kuhnert die Delegierten wieder in die Messehallen nicht ohne auf die Frühjahresmitgliederversammlung am 5. Mai 2010 in Bonn hinzuweisen.
Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmannverlag.de