»Eine Objektleitung sollte zwar nicht mitarbeiten, den Reinigungskräften aber alles zeigen und erklären können.«

Führerschein? Sie sind eingestellt!
- Zu Ende denken heißt es an dieser Stelle. Heute möchte ich einmal einen Denkanstoß für unsere Objekt- und Bereichsleiter geben. Es gibt zwei Wege dorthin. Der eine ist die Ochsentour, wenn sich eine Reinigungskraft mit Mühe und Fleiß hocharbeitet. Der zweite Weg ist leichter. Eine Gebäudereinigungsfirma sucht eine Objektleitung, eine Arbeitskraft stellt sich vor und wird gefragt, ob sie einen Führerschein besitzt. Wenn sie mit „Ja“ antwortet, hat sie die Stelle. Damit beginnt ein schweres Leben. Es müssen Reklamationen behoben, Kundengespräche geführt, Mitarbeiter eingewiesen und Reinigungsabläufe geändert werden. Es kommen Neukunden hinzu, es müssen Stellen wegen Krankmeldungen neu besetzt, Stundenzettel überprüft werden und, und, und. Das alles ohne eine vernünftige Vorbildung – obwohl diese Arbeitskräfte ein wichtiges Bindeglied zwischen Kunden und Firma sind. Solche Mitarbeiter sollten wenigstens die Gesellenprüfung im Gebäudereiniger-Handwerk haben. Auch wenn es immer wieder heißt, die Zeit sei nicht vorhanden, sollte es doch möglich sein, diese Beschäftigten in gewissen Abständen auf Praxislehrgänge zu schicken.
Ich bin der Meinung, eine Objektleitung sollte zwar nicht mitarbeiten, aber alles zeigen und erklären können. Nun gibt es verschiedentlich „geprüfte Objektleiterlehrgänge“, aber technische Theorie und praktische Ausbildung kommen mit zwei Tagen immer noch zu kurz. Die Betriebszugehörigkeit der Teilnehmer schwankt zwischen 25 Jahen und vier Wochen. Damit kommt es für den Dozenten zu einem Spagat, der fast nicht zu bewältigen ist.
Gewiss ist der Lernwille der Teilnehmer gigantisch. Aber es ist nötig, dass sie zu Hause alles nachbereiten. Erschwerend dabei ist, dass einige Teilnehmer vor oder nach dem Kurs noch arbeiten müssen. Eine weitere Unart: Sie werden permanent durch Handyanrufe gestört. Das ist nicht nur störend für andere Teilnehmer. Der Angerufene muss immer aus dem Raum gehen und verliert dadurch den Faden. Auch kommt es immer wieder vor, dass Teilnehmer noch keine Einscheibenmaschine fahren können geschweige denn andere Maschinen beherrschen.
Wie gesagt: Es liegt nicht am Willen der Objektleiter. Deren Wissensdurst ist groß. Aber es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, das kleine Einmaleins der Reinigungstechnik zu lernen. Es ist doch ein Erfolg, wenn die Teilnehmer dem Kunden mit fundiertem Wissen gegenübertreten können! Eine Führungskraft sollte Autorität ausstrahlen aufgrund ihres Wissens und nicht autoritär sein wegen ihres Nichtwissens. Auch wenn es nicht die Regel ist: Ich habe schon Objektleiterinnen kennengelernt, die zur Farbe der Brille das passende Kostüm trugen und mir zu verstehen gaben, dass sie nicht gewillt seien, im Lehrgang meinen Dreck wegzumachen. Dafür gäbe es schließlich Putzfrauen. Jedes Unternehmen sollte einmal darüber nachdenken, ob sich da nicht etwas ändern lässt.
Bernd Dornbrach