Unternehmensnachfolge im Gebäudereiniger-Handwerk Langfristig planen und die Nerven behalten

Klaus Fromm hat fast 40 Jahre für seine Unternehmensgruppe gelebt. Wie zieht man sich in einer solchen Situation zurück? Das Problem haben viele Unternehmer. Und sie lösen es auf sehr unterschiedliche Weise. Klaus Fromm hat es auf seine Art (fast) geschafft. Ein Beispiel für einen Nachfolgeprozess – mit Höhen und Tiefen, aber über Jahre geplant und vorbereitet.

Hat seine Nachfolge unternehmensintern geregelt: Klaus Fromm (Mitte) - hier mit Oliver Munzel, neuer Inhaber unter anderem von All Service Gebäudedienste, und Luis da Silva, Gesellschafter von All Service Garten- und Landschaftspflege. Bild: All Service - © All Service

Langfristig planen und die Nerven behalten

1974 ist es, als Klaus Fromm bei der Firma Allesrein einsteigt. Zu jener Zeit ist er selbst ein Nachfolger in spe: der Schwiegersohn des Inhabers. Ganz einfach läuft die Übergabe allerdings nicht. Aufgrund seiner Scheidung von der Tochter des Inhabers ist das Familienunternehmen plötzlich nicht mehr ganz ein Familienunternehmen. Trotzdem übernimmt Klaus Fromm die Firma, aus der die All Service Unternehmensgruppe für Gebäudemangement (Frankfurt am Main) hervorgegangen ist. So kann er schon am eigenen Leib intensiv Schwierigkeiten, Emotionen, Ärger und Nervenkitzel erleben. Eine Erfahrung für das Leben. Und für die Zukunft, wie sich später herausstellt.

Weil es bei der nächsten Firmenübergabe entspannter laufen soll, befasst sich Klaus Fromm intensiv mit seiner eigenen Nachfolge. Von seinen drei Kindern kann oder möchte keines das Unternehmen übernehmen. Vielleicht hat er das selbst beeinflusst. Vielleicht will keines seiner Kinder 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr für das Unternehmen leben, weil sie die Kehrseite der Medaille erlebt haben: kaum Zeit für etwas anderes als die Firmen. „Mein Traum wäre schon gewesen, dass mein Meisterstück, mein Lebenswerk in der Familie bleibt; dass meine Kinder sich für Gebäudereinigung, Sicherheitsthemen oder für Managementaufgaben begeistern“, sagt Klaus Fromm (64). Er ist aber sicher, dass er nun auch einen guten Weg gefunden hat, seine Nachfolge zu regeln.

Der Übergabeprozess dauerte sieben Jahre

Nach 32 Jahren im Amt und im Alter von 57 Jahren begann für Klaus Fromm, zu dieser Zeit Mehrheitsgesellschafter der All Service Unternehmensgruppe, im Jahr 2006 der Prozess der Unternehmensübergabe. Ein paar Jahre zuvor hatte er Peter Haller, zunächst Geschäftsführer der All Service Sicherheitsdienste, einige Anteile des Unternehmens angeboten. Da Peter Haller maßgeblich beim Aufbau dieser Dienstleistung tätig war, war der Schritt, ihn näher einzubinden, eine logische Folge.

Und so könnte es auch bei der All Service Gebäudedienste GmbH laufen, dachte Klaus Fromm. Dafür müsste er nur eine passende Führungskraft mit genug Ehrgeiz und Unternehmergeist finden. Das Talent könnte dann „testweise“ in die Geschäftsführung einsteigen und bei Eignung später Anteile übernehmen. So weit zur Theorie - sie passte zunächst sogar zur Wirklichkeit: Nach einer Phase als Geschäftsführer im Vertrieb war der 2006 bei All Service Gebäudedienste eingestiegene Oliver Munzel bereits ein halbes Jahr später auch verantwortlich für den Betrieb. Ein Jahr später hielt er die ersten zwei Prozent der Gebäudedienste, damit erreichte Klaus Fromm eine engere Bindung des neuen Teammitglieds an das Unternehmen und hatte immer noch eine Mehrheit der Anteile. Eine ganz gute Situation für alle Beteiligten.

Oliver Munzel brachte frischen Wind in das Unternehmen, etablierte und erweiterte Dienstleistungen und war nur vier Monate später maßgeblich daran beteiligt, gemeinsam mit dem erfahrenen Luis da Silva die All Service Garten- und Landschaftspflege zu gründen und aufzubauen. Klaus Fromm beteiligte die beiden „Jungunternehmer“ von Anfang an und die Gründung war ein zusätzlicher Vertrauenstest, denn Klaus Fromm war stiller Gesellschafter und griff nicht in das operative Geschäft ein.

Wie konnte er weitere Anteile abgeben, ohne als Mehrheitsgesellschafter bei allen Unternehmungen sowie Sprecher der Gruppe die Einheit zu gefährden? Die Herausforderung war, das Zepter bei den einzelnen Gesellschaften abzugeben, ohne das gesamte Konstrukt der Unternehmensgruppe zu verändern. Dies war besonders schwierig, da All Service Unternehmensgruppe für Gebäudemanagement ein Begriff für die Gruppe ist, der juristisch nicht existent ist.

Es war erforderlich, einige Strukturen zu ändern, um die Gruppe nachfolgegerecht aufzustellen. So wurden beispielsweise die langjährigen Mitarbeiter der All Service Gebäudedienste, die für die zentralen Dienste der Unternehmensgruppe wie Personalwesen und Buchhaltung tätig waren und sind, in einer neu gegründeten Gesellschaft, der All Service 4 you, gebündelt. Deren Gesellschafter sind zu gleichen Teilen die All Service Gebäudedienste und die All Service Sicherheitsdienste. Auch wurden unter anderem alle Gesellschaftsverträge vereinheitlicht. Des Weiteren legte Klaus Fromm am 1. Januar 2011 die Geschäftsführung nieder und war damit reiner Mehrheitsgesellschafter. Dieser Schritt war notwendig, um den Kunden und Mitarbeitern ein Signal zu setzen, dass er sich damit weitestgehend aus dem operativen Tagesgeschäft zurückzieht.

Loslassen, ohne Fehler bei der Übergabe zu machen

Im Jahr 2012 stand Klaus Fromm vor zwei entscheidenden Aufgaben: Die Einheit der Gruppe sollte gesichert bleiben. Und er musste loslassen, ohne Fehler bei der Übergabe zu machen. Typische Situation? Ja, wahrscheinlich. Auch bei einer Übergabe zwischen Vater und Sohn sind solche Hindernisse vorhanden. Vielleicht mit einem entscheidenden Unterschied: Mit dem Verkauf der Anteile an eine Vertrauensperson aus dem beruflichen Umfeld bleiben potenzielle Emotionen im Unternehmen und werden nicht nach Hause in die Familie weitergetragen. Die emotionale Distanz ist hilfreich für neutralere Verhandlungen. Schließlich geht es um den materiellen und ideellen Wert eines tradierten, mittelständischen Unternehmens. Wiederum bergen Diskussionen zwischen Geschäftspartnern die Gefahr, dass eine Partei zu sehr auf den persönlichen Vorteil oder die eigene Machtposition aus ist und so ein nötiges Gemeinschaftsgefühl und entspanntes Grundvertrauen in die Arbeit des anderen verloren geht.

Auf beiden Seiten ist Durchhaltevermögen gefragt

Ob Nachfolge innerhalb der Familie oder Übergabe - Nerven behalten ist das Geheimnis. Auf beiden Seiten. Und dies eventuell über eine lange Zeit. Auch wenn es mal für den einen zu schnell und für andere immer noch zu langsam geht. Im Fall der All Service Unternehmensgruppe für Gebäudemanagement sind sieben Jahre vergangen, seit Klaus Fromm seine Nachfolge in die Wege geleitet hat. Eine anstrengende Zeit, da der Weg von Anfang an nicht genau definiert war. Umso verständlicher ist es, dass manches Familienoberhaupt lieber über einen externen Verkauf nachdenkt. Vielleicht oft eine nervenschonendere Lösung. Der Preis dafür: Häufig werden die verkauften Unternehmen binnen eines Jahres komplett in die bestehende Firma integriert und die Marke verschwindet somit vom Markt. Nach vielen Jahren Unternehmertums ist diese radikale Lösung sehr schmerzhaft. Gegenüber den Mitarbeitern und gegenüber sich selbst. Sicher schwieriger als ein Abschied, auf den man sich vorbereiten kann.

Das richtige Tempo für den eigenen Fall finden

Für Klaus Fromm steht fest: Der lange angekündigte Abschied war nötig. Vertrauen musste her. Vertrauen in die neue Mannschaft, Vertrauen darin, dass die Mitarbeiter mitziehen und auch hinter den neuen Managern an der Spitze stehen. Der Weg war anstrengend, aber erfolgreich. Oliver Munzel steuert jetzt als Inhaber All Service Gebäudedienste und All Service Personaldienstleistungen sowie gemeinsam mit Luis da Silva die All Service Garten- und Landschaftspflege GmbH und zu zwei Drittel die FM Balance GmbH. Die Verwaltung ist komplett in Regie der All Service Gebäudedienste und der All Service Sicherheitsdienste. Lediglich bei All Service Sicherheitsdienste - selbst Inhaber eines Ausbildungszentrums - bleibt Klaus Fromm neben Peter Haller und dem neuen Finanzexperten Christian Jäkel beteiligt. Nur diese letzte Nachfolge ist noch zu regeln.

Ganz weggehen kann er immer noch nicht, auch wenn er juristisch gesehen seit dem Verkauf seiner Anteile - bis auf die All Service Sicherheitsdienste - das Ruder komplett übergeben hat. Als Berater steht er „seiner Firma“ und „seinem Team“ noch zwei Jahre zur Verfügung. Auch für das Engagement in der Branche, unter anderem im Bundesinnungs- und im hessischen Landesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks, bleibt ihm nun mehr Zeit.

Jetzt kommt eine neue Lebensphase

Jetzt ist Klaus Fromm 64 Jahre alt und blickt auf fast 40 Jahre All Service zurück. Tatsächlich war die sukzessive Übergabe in den sieben Jahren emotional sehr schwierig und anstrengend. Jetzt ist er entspannt und sieht zuversichtlich auf die weitere Zukunft der Unternehmensgruppe. Er hat für sich und für seine Leute das Richtige gemacht. Er hat losgelassen, nicht zu schnell und auch nicht zu langsam. Anders hätte er es nicht verkraftet. Jetzt kommt eine neue Lebensphase: Endlich mit mehr Zeit für seine Familie, für soziales und politisches Engagement und weiterhin für Sport und Freunde. Und er wird auch noch Zeit für eine Tasse Kaffee bei Oliver Munzel, Peter Haller, Christian Jäkel und Luis da Silva finden. Für ein paar gute Ratschläge, wenn sie es wünschen. Hoffentlich.

Anne-Laure Esters, All Service | heike.holland@holzmann-medien.de

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