Was Gebäudereiniger-Azubis im Gespräch über ihren Beruf erleben Viele Leute machen große Augen, wenn sie hören, was dazugehört

Welche Reaktionen gibt es, wenn junge Gebäudereiniger von ihrem Beruf erzählen? rationell reinigen hat nachgefragt – bei Azubis, die in Metzingen zur Berufsschule gehen.

Gebäudereiniger-Azubis aus dem ersten Lehrjahr, die in Metzingen zur Berufsschule gehen, berichten, was sie zu hören bekommen, wenn sie von ihrer Ausbildung erzählen. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Viele Menschen wissen eben einfach nicht, was ein Gebäudereiniger alles lernen und können muss. Rechts im Bild zu sehen ist Lehrerin Hilde Aubermann. Sie unterrichtet die Schüler der Klasse B1GR3 im Fach Deutsch. Bild: Gewerbliche Schule Metzingen - © Gewerbliche Schule Metzingen

Viele Leute machen große Augen, wenn sie hören, was dazugehört

Dennis Krause: „Es gibt verschiedene Reaktionen. Manche Leute sind begeistert, andere wiederum erschreckt. Viele wissen nicht einmal, dass es dafür eine Ausbildung gibt.

Aber mir ist egal, was andere Leute dazu sagen, weil ich froh bin, dass ich einen Ausbildungsplatz habe und was daraus machen kann. In drei Jahren bin ich Gebäudereiniger, kein Verbrecher, mehr, als manch andere erreicht haben. Wenn ich ihnen aber erst mal erzähle, dass ich in die Berufsschule gehe, dann sind viele erstaunt.“

Rahman Yakiskan: „Wenn mich jemand fragt, ob Gebäudereiniger ein Ausbildungsberuf ist, reagiere ich ganz sachlich und sage, dass das ein Ausbildungsberuf ist und drei Jahre dauert.“

Kingsley Nwosu: „Viele Leute meinen, dass man ohne Berufsschule Gebäudereiniger werden kann und dass Reinigung nur mit putzen zu tun hat. Meine Reaktion darauf: Ich informiere sie, dass es in diesem Beruf viel zu lernen gibt, dass es unterschiedliche Reinigungsmittel und Böden gibt und dass man sich nach der Ausbildung weiterbilden und sein eigener Chef werden kann.“

Dimitrios Stamos: „Manche sagen, dass das ein schlechter Job ist, manche finden ihn wichtig. Ich reagiere immer ganz positiv darauf, weil ich damit beweise, dass mein Beruf positiv ist. Ohne uns Gebäudereiniger wäre alles ganz schlimm, die Gebäude wären total schmutzig.“

Cihangir Özsay: „Viele fragen mich, welchen Beruf ich lerne. Wenn ich sage, dass ich Gebäudereiniger lerne, lachen sie, weil sie denken, dass wir die WCs saubermachen, was in Wirklichkeit nicht stimmt. Sie fragen auch, was daran so schwer sein soll. Manche fragen aber auch korrekt, was ich denn da so mache.“

Stephan Zirkenbach: „Es gibt Leute, die lachen darüber und fragen „Was lernt man da? Wie man Klos putzt?“. Aber es gibt auch Leute, die wollen wirklich wissen, was ich lerne und interessieren sich dafür. Ich reagiere ganz normal darauf und versuche das Beste daraus zu machen, weil ich weiß, was ich kann.“

Rayhan Labidi: „Viele Leute fragen, ob Gebäudereiniger ein Ausbildungsberuf ist. Ich antworte, dass man ja sehr viel Fachwissen braucht. Viele Leute sagen, der Beruf sei besser als gar nichts. Ich antworte, dass ich mir den Ausbildungsplatz ausgesucht und mir auch gewünscht habe. Viele Leute finden es gut, dass ich diesen Job mache. Ich erkläre ihnen dann, was man alles erreichen kann.“

Tobias Wieczorek: „Bei positivem Feedback habe ich immer ein Lächeln im Gesicht, weil ich dann sehe, dass die Leute wissen, was wir machen und dass es nicht nur ums Putzen geht.

Ein negatives Feedback nehme ich nicht persönlich und versuche zu erklären, was wir machen. Zum Beispiel wären die öffentlichen Toiletten extrem oder nicht mehr zu benutzen, was ein Sicherheitsrisiko ist. Wir putzen ja nicht nur, wir reinigen bakteriell. Diesen Punkt finden viele Leute positiv. Bei uns im Viertel ist man auch froh, wenn man einen Arbeitsplatz hat.“

Daniel Stange: „90 Prozent aller Leute wissen nicht, dass Glas- und Gebäudereiniger ein Ausbildungsberuf ist. Die meisten Reaktionen sind leicht abwertend und werden ohne nachzudenken und sich zu informieren ausgesprochen. Sie fragen, was am Putzen so schwer sei und warum ich diesen Drecksjob mache. Mir ist das egal, ich ziehe mein Ding durch - wurscht, was alle anderen sagen.

Alexandru Lungu: „Manche fragen, ob ich mein Leben lang putzen und Schmutz entfernen will. Ich frage: Warum nicht? Ohne Ausbildung hat man keine Zukunft. Ich will meine Chance nutzen und etwas aus meinem Leben machen.“

Vincenzo Landi: „Manche staunen, dass ich diese Ausbildung mache, denn putzen tut man doch zuhause. Andere sind besonders neugierig, welche Fächer man hat und was man lernt. Ich bin dann besonders stolz darauf, wenn sie große Augen machen, was ich alles lerne. Eine Freundin, die die Realschule besucht, hat sich von diesem Beruf überzeugt und will ihn lernen. Nicht alle Menschen reagieren negativ!“

Yusuf Ayric: „Manche sagen: Was willst du da lernen? Putzen kann doch jeder! Ich antworte: Ich lerne etwas zu reinigen, ohne es zu beschädigen, oder aus welchen Stoffen Böden bestehen. Manche sagen: Super, Hauptsache Ausbildung. Und Aufstiegsmöglichkeiten? Ich sage: Ja genau, nach der Ausbildung verdiene ich nicht nur gutes Geld, ich habe auch einen schönen Beruf. Ich kann Vorarbeiter oder Objektleiter werden und mich weiterbilden.“

Andrè Rattelsdorfer: Manche Leute denken, zum Reinigen braucht man einen Eimer Wasser, einen Mopp mit Stiel und ein Reinigungsmittel. Das langweilt und macht mich auch traurig. Ich weiß nicht, ob ich so etwas sagen würde. Sie wissen einfach nicht, wie viel wir lernen und wissen müssen für diesen Beruf. Sie haben das Bild einer einfachen Hausfrau im Kopf.“

Ramona Rademacher: „Es ist sehr unterschiedlich, wie man auf meinen Beruf reagiert. Die meisten haben keinen Schimmer und sind sehr abwertend. Wie, man braucht zum Putzen eine Ausbildung? Das kann doch jeder! Wenn ich dann Kontra gebe und sage, woraus ein PVC-Boden besteht oder mit welchen Mitteln ich eine Grundreinigung mache oder wie ich die Einscheibmaschine verwende, staunen sie nur und sind wie vom Blitz getroffen, wenn ich mit meiner zierlichen Figur eine Einscheibmaschine sicher lenke. Ich lache mir dann innerlich einen Ast.

Es gibt aber auch viele, die positiv reagieren und froh sind, dass ich ihre chaotischen Büros sauber halte. Sie rechnen mir das hoch an, dass ich diese Arbeit mache und auch über meinen Schatten springe und Toiletten reinige.

Ich reagiere feindlich, wenn jemand herablassend über meinen Beruf spricht und denke: Bald habe ich einen Gesellenbrief. Und du? Aber wenn jemand höflich mit mir redet, erkläre ich auch gerne, was ich mache und was ich wissen muss.“

Savas Gültekin: „Mich ärgert es, wenn unser Beruf nicht ernst genommen wird und uns die Leute für Putzmänner oder -frauen halten. Ich erkläre den Leuten den Beruf und sie staunen, weil sie nicht wussten, dass das auch ein Handwerksberuf ist.“

Alex Engelmann: „Manche fragen, ob ich nicht Höhenangst hätte. Ich antworte: Früher ja, jetzt nicht mehr. Früher habe ich auch gedacht, dass der Beruf besser ist als nichts. Aber auch das denke ich jetzt nicht mehr.“

Mehmet Dik: „Die meisten Leute denken, dass Gebäudereiniger das Gleiche ist wie Reinigungskraft im Discounter. Nach kurzer Aufklärung von mir wird das aber schon ganz anders angesehen. Dann heißt es: Respekt! und Stimmt, da muss man viel können.“ Ich nehme es auf die leichte Schulter, was uninformierte Leute sagen.“

rationell reinigen | heike.holland@holzmann-medien.de

Die Beiträge sind im Deutschunterricht an der Gewerblichen Schule Metzingen bei Lehrerin Hilde Aubermann entstanden.