»Die Skandinavier machen es vor: Tagreinigung funktioniert!«
Die Nacht zum Tag machen
Raus aus der Anonymität, hin zur Reinigung vor den Augen der Öffentlichkeit.
Die Rede ist von Tagreinigung. In einigen Betrieben beziehungsweise Objekten wird sie in Deutschland bereits praktiziert. Andere Länder in Europa sind aber schon viel weiter, wie der aktuelle statistische Überblick der EFCI zur Reinigungsbranche in Europa zeigt. (Eine Zusammenfassung finden Sie in dieser Ausgabe ab Seite 76.)
Während in den meisten EU-Ländern Reinigungsarbeiten bevorzugt am frühen Morgen, am späten Nachmittag oder am Abend ausgeführt werden, ist in Norwegen, Finnland und Schweden die Tagreinigung schon fast die Regel: Zwischen 70 und 80 Prozent der Reinigungsarbeiten finden hier tagsüber während der laufenden Nutzung der Objekte statt. Heißt: Öffentliche Gebäude werden größtenteils während der üblichen Öffnungszeiten gereinigt, die eingesetzten Reinigungskräfte sind in aller Regel Vollzeitbeschäftigte. Und in Polen, Dänemark und Belgien liegt der Anteil der Tagreinigung immerhin auch schon bei fast 50 Prozent.
Lässt man diese Länder außen vor, werden im Rest Europas (einschließlich Deutschland) nur 13,6 Prozent der Reinigungsarbeiten tagsüber geleistet.
Wenn man sich nun die Argumente für die Tagreinigung vor Augen führt, kann man den deutschen Dienstleistern nur empfehlen, bei ihren Kunden verstärkt für dieses Thema zu werben. Die Durchsetzung erfordert ganz sicher einiges an Überzeugungsarbeit, ist aber der Mühe wert.
Und zwar in verschiedener Hinsicht: Die Mitarbeiter können als Vollzeitbeschäftigte arbeiten, freuen sich über „normale“ Reinigungszeiten und bringen Job und Privatleben besser unter einen Hut. Folge: Die Fluktuation sinkt, die Motivation steigt - beides kommt der Kundenzufriedenheit (und auch dem Dienstleister) zugute. Der Dienstleister profitiert zudem von einer Imageverbesserung und kann sich in vielen Fällen teure Zuschläge sparen. So ganz nebenbei können, wie in Skandinavien auch bereits praktiziert, die Reinigungsmitarbeiter andere Aufgaben übernehmen.
Wenn Kritiker nun einwenden, dass sich in der Folge zwangsläufig die Zahl der Arbeitsplätze (da mehr Vollzeitbeschäftigte) reduziert, dann möchte ich provozierend entgegnen: Fachkräfte sind, so klagen die Dienstleister, ohnehin so gut wie nicht zu finden, durch mehr Tagreinigung und mehr Vollzeitbeschäftigte sind aber weniger offene Stellen zu besetzen. Problem gelöst.
Zugegeben, das klingt einfacher als es ist. Aber es macht Sinn, sich als Dienstleister intensiv mit diesem Thema zu befassen.
Die Vorteile für alle Beteiligten sind nicht zu übersehen. Allein die Steigerung der Attraktivität des Berufes Gebäudereiniger, gerade für junge Menschen, ist es wert.
Ihr Peter Hartmann
