Ausstellungen, Geburtstage und Empfänge haben auf dem Parkett des Museum Baden in Solingen ihre Spuren hinterlassen. Bernd Dornbrach und Auszubildende der ÜBL Essen brachten wieder Glanz in die Räume – auf gleich drei unterschiedlichen Verlegemustern.
Schleifen und versiegeln bitte!
-Was früher Telefonate und Bittschreiben erforderte, erledigt heute die Mundpropaganda. „Meister Dornbrach“ muss nicht mehr lange suchen, um passende Objekte für seine Auszubildenden der überbetrieblichen Lehrwerkstatt (ÜBL) zu finden. „Die Leute rufen an und fragen ,könnt Ihr nicht dies oder das bei uns reinigen‘, aber ich nehme nur Aufträge an, die für die Ausbildung interessant sind.“ Das war beim Projekt Museum Baden in Solingen der Fall. Hier brachte ihn ein ortsansässiger Geschäftsführer eines Innungsbetriebs auf die Spur, dem das unansehnliche Parkett aufgefallen war. Er kontaktierte Bernd Dornbrach, Gebäudereinigermeister und Lehrer für Reinigungstechnik der Gebäudereiniger-Innung Essen/Mühlheim/Oberhausen. „Der Boden sah sehr abgenutzt aus“, erinnert er sich, „Alkohlflecken, Essensreste, Stöckelschuhspuren und so weiter. Der Belag war zuletzt vor 20 Jahren abgeschliffen worden.“ Der Leiter der ÜBLrückte mit einer Gruppe Auszubildenden des 3. Lehrjahres an. Sieben Arbeitstage waren sechs bis acht Auszubildende damit beschäftigt, den Boden abzuschleifen, zu versiegeln und zu polieren. Rund 250 m2 Parkett waren zu bearbeiten. Ausbildungsziel war der richtige Umgang mit Band-, Rand-, Schwing- und Deltaschleifer, sowie das fachgerechte Versiegeln und Polieren.
Beschichtung zog sich wie Kaugummi
Bei den ersten Arbeitsschritten wurde klar: Das wird eine zeitaufwendige Angelegenheit. Beim Abschleifen sprang nicht wie erwartet eine harte Lackschicht ab. „Die Beschichtung zog sich wie Kaugummi“, erzählt Dornbrach, „der Boden schälte sich schuppenartig.“ Der Grund:Das Eichenparkett war über lange Zeit miteiner Wischpflege auf Dispersionsbasis „gepflegt“ worden. Diese ist nur für elastische Bodenbeläge geeignet, richtig wäre eine auf den Holzlack abgestimmte Pflege auf Lackbasis gewesen. Das Abschleifen ging daher mühsam und unter voller Konzentration voran. Nicht nur deshalb schätzt Dornbrach den Schwierigkeitsgrad der Parkettarbeiten für die Auszubildenden als sehr hoch ein. „Mit der Schleifmaschine konnten sie irreparable Schäden verursachen. Wenn z.B. der Staubsack nach rechts oder links hängt, schleift die Maschine Riefen ins Parkett.“
Aber auch für einen Gebäudereinigermeister waren die Arbeiten anspruchsvoll. Das Parkett war auf direkt aneinander angrenzenden Flächen auf drei unterschiedliche Weisen verlegt worden: Fischgrätmuster und Schiffsboden in verschiedenen Laufrichtungen.
DerBoden wurde insgesamt viermal abgeschliffen. Nach Riss-, Mittel- und Feinschliff mit der Bandmaschine folgte der Polierschliff mit einer Einscheibenmaschine mit Absauganlage. „Wir haben hier mit einer Cleanfix-Maschine gearbeitet, die für mich Stand der Technik ist“, erklärt Dornbrach und begründet, „der Schlauch geht von der Poliereinheit nach oben in die Saugeinheit. Die ist variabel und kann vorne, hinten oder seitlich angebracht werden. Der Schlauch kann nicht knicken oder ausbrechen. DieAbsaughaube ist aus einem unempfindlichen elastischen Material. Mein einziger Kritikpunkt ist der für große Flächen zu kleine Staubsack.“
Fast perfektes Glanzstück
Versiegelt wurde anschließend mit einem trittelastischen Ein-Komponenten-Ölsiegel. Eine Grundierung war bei dieser Art von Versiegelung nicht nötig. Die Auszubildenden trugen die Versiegelung mit Rollen, an den Randbereichen mit Pinsel auf, um die Leisten und Wände nicht zu beschmutzen. Beim Versiegeln ist die Reihenfolge entscheidend: Der erste Auftrag wird mit dem Lichteinfall, der zweite gegen und der dritte wieder mit dem Lichteinfall aufgebracht. Nur so ist die richtige Glanzbrechung garantiert.
Dornbrach: „Wir mussten besonders darauf achten, dass keine stumpfen Stellen zurückbleiben, denn durch die großen Fenster hatten wir Lichteinfall von zwei gegenüberliegenden Seiten.“ Ein kleines Missgeschick konnte der Ausbilder dann doch nicht verhindern. Während er mit einem anderen Team sprach, drehten sich die Ausbildenden beim Auftragen der letzten Versiegelungsschicht gegen den Lichteinfall. Die Folge: Auf einem etwa 2 m breiten Stück vor der Wand brach sich der Glanz nicht und die Stelle erschien stumpf – fast so, als sei hier die Versiegelung vergessen worden. Ein ärgerlicher, aber nicht irreparabler Schaden, den der Ausbilder wieder in Ordnung brachte.
Wesentlich ärgerlicher war der Auftritt eines Reporters der Lokalzeitung, der über das gute Werk der Auszubildenden im Museum berichten wollte. Auf dem Weg zu seinem Interviewpartner missachtete er sämtliche Barrikaden, die Dornbrach angebracht hatte und stapfte mit nassen Schuhen über die noch frische Versiegelung. „Da bin ich elektrisch geworden und hab ihn rausgeschmissen. Ohne Interview natürlich!“ In der Lokalzeitung ist nach Dornbrachs Wissen kein Artikel über die Arbeiten im Museum Solingen erschienen. Glücklicherweise gibt es Fachzeitschriften, die das gerne nachholen.
Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de