Rasches, tatkräftiges Handeln wird immer mehr zur Erfolgsvoraussetzung. Doch nicht Wenige tun sich schwer damit. Warum wird häufig nur zögerlich gehandelt und was lässt sich dagegen tun?
Die innere Einstellung muss unbedingt stimmen
-Über den Ruf eines Feldherrn freilich entscheidet vor allem der Erfolg. Wie viel daran sein wirklicher Verdienst ist, ist außerordentlich schwer zu bestimmen. An der unwiderstehlichen Gewalt der Verhältnisse scheitert selbst der beste Mann und von ihr wird ebenso oft der Mittelmäßige getragen. Aber Glück hat auf Dauer doch zumeist wohl nur der Tüchtige.
Doch dieses Glück des Tüchtigen, dem der große Militärtheoretiker und -praktiker Moltke in seinen taktisch-strategischen Aufsätzen aus den Jahren 1857 bis 1871 den wesentlichen Anteil am Erfolg zuweist, worauf gründet es? Auf der Bereitschaft zum Handeln! Tüchtigkeit ist eine durch und durch handlungsorientierte Eigenschaft, die auch das Risiko nicht scheut. Tüchtigkeit verfängt sich nicht in den Fesseln absoluter Gewissheit, die Menschen die Handlungsfreiheit nimmt und sie zu ihren eigenen Sklaven macht.
Der Tüchtige sieht oder spürt auch nur eine Handlungsnotwendigkeit, schafft sich eine Faktengrundlage, analysiert, überlegt, sucht und prüft Alternativen, wägt ab, entschließt sich – und handelt! Steuert gegebenenfalls nach, bleibt aber nicht im ewigen Überlegen stecken, drückt sich nicht vor erkanntem Handlungsbedarf. So entsteht Entwicklung. Und auch Erfolg. Oder wird der beherzte Schritt zur Tat immer wieder aufgeschoben, das häufig beklagte Gefühl, im Leben auf der Stelle zu treten, sich „festgefahren“, etwas versäumt zu haben, von anderen überholt worden zu sein.
Warnzeichen erkennen
Keine Frage, jeder von uns ertappt sich gelegentlich beim Abweichen von dieser Ideallinie. Nicht selten gibt es ja auch gute Gründe dafür, abzuwarten. Schließlich schützen das Gefühl oder die Erkenntnis „Das sollte ich erst noch mal überschlafen!“ auch vor unüberlegtem oder übereiltem Tun.
Ein ganz anderes Gesicht und Gewicht bekommt dieses alltägliche Verhalten, wird Zögerlichkeit zum dominierenden Verhaltenszug. Warnzeichen dafür: Die Erledigung von Aufgaben und Vorhaben, die eigentlich als wichtig und vorrangig einstuft werden oder die gar termingebunden sind, wird laufend hinausgeschoben. Immer wieder werden Vorsätze gefasst, Anläufe unternommen, Vorarbeiten gemacht und dann wird auf weniger wichtige Dinge ausgewichen. Warum?
Notorische Zögerer wechseln immer dann sprunghaft von einer Tätigkeit zur anderen, wenn die Anspannung einen kritischen Wert erreicht. Psychologisch gesprochen: Ihre Kontrolle ablenkender Impulse und ihre Konzentration auf das Gewollte oder Geplante ist unzureichend. Charakteristisch dafür ist: Sie überbewerten Arbeitsergebnisse, anstatt ihre Bedeutung differenziert zu sehen. Sie stürzen sich auf alles mit gleicher Wucht und setzen ihre Kräfte nicht angemessen, wohl aber abgemessen ein.
Miserables Zeitmanagement spielt dabei ebenso mit wie die fehlende Übereinstimmung mit eigenen Zielen und der eigenen Motivation. Wer sich nicht darüber im Klaren ist, was er wirklich will oder vernünftigerweise wollen sollte, kommt, wie es der Volksmund so trefflich ausdrückt, „nicht zu Potte“.
Kennzeichnend für diese Zeitgenossen ist weiter: Sie kommen häufig zu spät, sind unvorbereitet, miserabel organisiert und verbringen zu viel Zeit mit Projekten, die ohnehin scheitern; vermeiden, sich Rechenschaft über ihren Arbeitsstil zu geben und versuchen unentwegt, ihr meist lädiertes Image aufzupolieren.
Eine ganze Reihe von Defiziten spielen mithin eine Rolle bei Handlungsblockaden:
- fehlende oder ungeeignete Planungs-, Organisations- und Arbeitstechniken;
- fehlende oder ungeeignete Selbststeuerungsfähigkeiten;
- hohe Impulsivität, hohe Unachtsamkeit für den Prozess der Aufgabenerledigung, Misserfolgserwartungen;
- geringe Toleranz für Frustrationen und negative Emotionen;
- uneindeutige Motivationslagen hinsichtlich der Aufgaben oder ihrer Erledigung;
- spannungsgeladene innere Konflikte;
- unrealistische Ansprüche an sich selbst;
- irrationale Einstellungen.
Ebenso facettenreich ist die sich dahinter verbergende Motivlage. Handlungsblockiertes Verhalten kann
- Vermeidungsverhalten zur Abwehr anders nicht mehr kontrollierbarer negativer Gefühle sein. Aufgaben zu erledigen, bedeutet Konzentration auf das Wesentliche, Anstrengung und Triebverzicht. Wer eine geringe Toleranz gegenüber Entbehrungen und Frustrationen hat, wird anstrengende Aktivitäten schnell als zu anstrengend umdeuten. Zu anstrengend ist gleichbedeutend mit: Es ist nicht zu schaffen, man braucht gar nicht erst anzufangen. Oder man hört ab einer bestimmten Intensität von unangenehmer Spannung auf und macht etwas anderes.
- Symptom für tiefer liegende Konflikte, die mit einer Aufgabe oder ihrer Erledigung in Verbindung stehen beziehungsweise ein untauglicher Versuch, die eigene Selbstachtung vor Gefährdungen zu schützen. Beispielsweise möchte jemand vielleicht Karriere machen, hat aber Ängste davor, sich in der Konkurrenz mit anderen durchzusetzen. Vermeidet er/sie es, sich in der Arbeit zu profilieren, bleibt dieser Konflikt in der Schwebe.
Leidende Perfektionisten
Ein Motiv, das sich auch bei einer weiteren Quelle handlungsblockierten Verhaltens findet: dem Perfektionismus. Perfektionisten leiden darunter, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt. Wird das Vorhaben aber aufgeschoben, kommt es zu keiner Demütigung. Perfektionisten haben keineswegs das Gefühl, irgendwie handlungsblockiert zu sein. Sie suchen nur endlos nach dem richtigen Anfang oder den richtigen Lösungen, ohne das eine wie das andere je zu finden. Unperfektes ist für sie gleichbedeutend mit einem beschämenden Offenbarwerden von Schwächen und Defekten.
Nur, wer sich nie beherzt selbst- oder fremdgestellten Aufgaben oder überhaupt Herausforderungen stellt, macht auch nie im Erfolg oder Misserfolg Erfahrungen, die klüger machen und für Entwicklung sorgen. Welche Schritte können aus diesem Dilemma befreien? Hans-Werner Rückert, Berliner Psychologe und Psychoanalytiker, der sich intensiv mit der Problematik befasst hat, rät zu einem Versuch mit dem BAR-Programm:
- Bewusstheit: Wissen über die wichtigsten Konflikte hinter dem Aufschieben, über Einstellungen, die es begünstigen und die ihm entgegenwirken: Haben die Konflikte mit einer uneindeutigen Motivation zu tun? Mit überhöhten Ansprüchen oder mit Ängsten? Überprüfen Sie Ihre Befürchtungen auf deren realistischen Gehalt! Machen Sie sich Ihre blockierenden eingefahrenen Denkmuster bewusst.
- Aktionen: Diese Selbsterkenntnis gilt es, in mehr Selbstakzeptanz umzusetzen: Verlangen Sie nichts Unmögliches von sich. Kontrollieren Sie Ihr Denken. Stoppen Sie sich, wenn Sie in die alten, behindernden Denkmuster zurückfallen. Verbessern Sie Ihre Selbstmanagementfertigkeiten. Wichtig: realistische, überprüfbare Ziele; sinnvolle Schritte planen und durchzuführen; ein angemessenes Zeitmanagement. Wenden Sie Planungs- und Selbstorganisationstechniken konsequent an.
- Rechenschaft: Machen Sie sich Ihre Veränderungen im Denken wie Verhalten bewusst: Verfolgen Sie Ihre erreichten Veränderungen in einem Veränderungslogbuch. Halten Sie darin Fortschritte und Fehlschläge fest und werten Sie sie aus. Legen Sie Belohnungen für Erfolge und jeden erfolgreichen Veränderungsschritt fest. Damit verfestigen Sie die neugeknüpften Nervenzellnetze im Gehirn, auf denen Ihr neu erworbenes Denken und Verhalten basiert.
Handlungsblockaden sind kein Schicksal. Die Ergebnisse der Hirnforschung zur Handlungssteuerung zeigen das. Wichtig ist: Treten emotionale Barrieren auf, kommt es darauf an, negative Gefühle schnell herunterzuregulieren und aktiv positive Affekte herbeizuführen. Beispielsweise durch die Mobilisierung von sozialer Unterstützung. Oder durch Selbstberuhigung, insbesondere die Erinnerung an erfolgreich vollzogene Aktivitäten.
Genau so wie zögerliches Handeln gelernt wurde lässt es sich auch wieder verlernen. Im Gehirn, auf neuronaler Ebene, müssen dazu die alten Programmierungen durch neue überschrieben werden. Das BAR-Programm zeigt, wie das geht. Der Rest ist Übung.