Die letzte Grundreinigung des PVC-Bodens der Kreissporthalle Sigmaringen liegt etwa 20 Jahre zurück als Studenten der Hochschule Albstadt-Sigmaringen beschließen, 1.200 m 2 zu entschichten und neu zu beschichten. Das Projekt zwingt die angehenden Facility Manager auf die Knie.
Entschichten mit Tücken
-Projektarbeiten sind Teil des praxisorientierten Studiengangs Facility Management an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Im Fach Reinigungs- und Hygienemanagement reinigen die Studenten in Gruppenarbeit unter anderem Objekte. Diesmal sollte ein PVC-Boden in der Kreissporthalle Sigmaringen saniert werden. 15 Studenten entschichteten unter Aufsicht von Prof. Dr. Gerhard Winter sowie dessen wissenschaftlichem Mitarbeiter Dr. Jörg Götz fachgerecht den Sporthallenboden und brachten einen neuen Pflegefilm auf. Die Gruppe hatte dazu vier Termine angesetzt. Branchenunternehmen (Kärcher, Vileda und Kiehl) unterstützten sie dabei kostenlos mit Geräten und Reinigungschemie – wofür sich die Studenten sehr bedanken.
Dringender Handlungsbedarf
Eine Projektgruppe hatte bereits im Sommersemester 2007 eine Testfläche von ca. 10 m² bearbeitet und ein Gutachten einschließlich Reinigungsplan erstellt. Dafür wurde das Testfeld entschichtet und anschließend neu beschichtet, um den Aufbau der Beschichtung ermitteln zu können. Danach war klar, dass der Hallenboden dringend komplett saniert werden musste, was wegen der ungewöhnlich dicken Schicht aus diversen Pflegefilmen nur durch mehrfaches Entschichten erreicht werden konnte.
Die zuständige Reinigungsfirma entfernte bei der täglichen Unterhaltsreinigung nur den Grobschmutz vom Hallenboden und brachte eine Wischpflege auf. Keiner der Beteiligten wusste, wann der Boden seine letzte Grundreinigung erlebt hatte. Der Hausmeister vermutete, sie liegt schon 20 Jahre zurück.
Vor Beginn der Arbeiten wurde das notwendige Material von der Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH angeliefert. Dazu gehörten zwei Einscheiben- und drei Zweischeibenmaschinen und 310 l Grundreiniger vom Typ RM 752. Vileda überlies der Projektgruppe Reinigungspads, Wischmopps (SWEP) und die zugehörigen Pad- bzw. Mopphalter. Die Studenten erhielten eine Ersteinweisung und René Svoboda, Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH, unterstützte und betreute die Gruppe während der Projekttage.
Tag 1: Grüne Pads sind zu schwach
Zu Beginn musste der mit kaltem Wasser gemischte Grundreiniger (Verhältnis 1:3; pH-Wert des Konzentrats ca. 13) mit Hilfe der Wischmopps auf der kompletten Hallenfläche verteilt werden. Nach einer Einwirkzeit von ca. 30 Minuten begann die alte Bodenbeschichtung stellenweise zu quellen. Mit Hilfe der Scheibenmaschinen konnten erste Teile von ihr entfernt werden. Die Studenten wählten dafür grüne Pads, die üblicherweise für die Grundreinigung eines PVC-Bodens verwendet werden. Die Randbereiche wurden manuell mit Padhaltern mit grünen Handpads gereinigt. Zwischendurch und am Ende des ersten Projekttages saugte das Team die Reinigungsflotte ab und neutralisierte den Bodenbelag durch gründliches Spülen mit klarem Wasser. Nach dem Spülen wurde sichtbar, dass das Ergebnis unerwartet schlecht ausfiel. Nur etwa ein Drittel des Hallenbodens war entschichtet worden. Grund dafür waren die jahrelang ausgebliebenen oder unzureichend durchgeführten Grundreinigungen. Die Schicht hatte sich über die Jahre auf ca. 1 mm Dicke aufgebaut.
Tag 2: Aufrüsten mit schwarzen Pads und Spachteln
Am zweiten Projekttag wurde mit drastischen Methoden weitergearbeitet. Anstelle der grünen Pads nahm die Gruppe nun die stark abrasiven schwarzen Pads. Wenn regelmäßig grundgereinigt wird, werden sie unter keinen Umständen eingesetzt, da sie die Oberfläche des PVC-Belags zerstören können. Selbst die schwarzen Pads brachten nicht in allen Bereichen das gewünschten Ergebnis, so hartnäckig waren die Pflegefilmschichten. Die Studenten erhöhten das Mischungsverhältnis des Reinigers auf 1:1. Auch das konnte die fehlenden Grundreinigungen der letzten 20 Jahre nicht in zwei Arbeitstagen ausgleichen. Punktuell hartnäckige Rückstände entfernte das Team mit einer höheren Reinigerkonzentration und nahmen Spachteln zur Hilfe. So ging es auch am dritten Projekttag weiter. Die mühsame Kleinstarbeit forderte eine außergewöhnliche Maßnahme: Das Team versuchte an einzelnen Stellen mit Natronlauge (10- bis 15-prozentig) die Beschichtung zu lösen. Der aufgestellte Zeitplan von vier Tagen war nach den aufgetretenen Schwierigkeiten nicht mehr zu halten.
Tag 3 bis 5: Oh Schreck, ein Fleck!
Der Morgen des dritten Tages hielt eine schlecht Überraschung bereit. Erschüttert stellte die Gruppe fest, dass sich über Nacht auf dem gesamten Hallenboden braune, rostähnliche Flecken gebildet hatten. Begutachtungen und verschiedenste Überlegungen führten zu der Annahme, dass die Natronlauge mit einer der vielfältigen Komponenten, aus denen sich die alte Pflegefilmschicht zusammensetzte, eine farbliche Reaktion einging und die entstandenen braunen Reaktionsprodukte in das PVC einwanderten. Der Versuch, die Flecken mit Hilfe der vorhanden Maschinen zu beseitigen, schlug fehl. Es wurden verschiedene Reiniger getestet, die die Entfernung der braunen Flecken vereinfachen sollten. Als einzige Möglichkeit blieb letztendlich, die Flecken mit Schreibtisch-/Kunststoffreiniger (Tablefit, Johannes Kiehl KG) und Stahlbürsten zu entfernen. Diese mühsame und zeitaufwändige Arbeit zog sich bis zum sechsten Projekttag hin.
Tag 6: Endlich beschichten
Der entschichtete PVC-Boden musste mehrfach mit ausreichend Wasser gespült und mit Einsatz der Zweischeibenmaschinen abgesaugt werden, um einen neutralen Oberflächen-pH-Wert zu erreichen. Nach ausreichender Trocknungszeit konnten die Studenten mit dem eigentlichen zweiten Arbeitsschritt, der Neubeschichtung, beginnen. Gerald Pest, Johannes Kiehl KG, half ihnen dabei. Dank seiner Flexibilität konnte die Arbeit an einem Samstag, dem siebten Projekttag, angepackt werden. Nach einer ausführlichen Einweisung trugen Zweiergruppen (ein „Beschichter“ und der zugehörige „Läufer“) das Pflegemittel „Trend“ (Kiehl) auf den PVC auf und verteilten es gleichmäßig mit Wischmopps.
Nach einer Trocknungszeit von etwa zwei Stunden wurde auf den nun entstandenen Pflegefilm eine weitere Pflegeschicht aufgetragen. Da bereits, nachdem die zweite Pflegeschicht getrockent war, ein sehr gutes Ergebnis erreicht war, wurde das Projekt nach Absprache mit Gerald Pest beendet. Der Sporthallenboden erstrahlt wieder in seiner ursprünglichen hellgrauen Farbe und erfüllt mit der neuen Beschichtung die Anforderungen zur Rutschfestigkeit gemäß DIN 18032, Teil 2 für Sporthallenböden.
Fazit: Die mangelnde Grundreinigung und fehlende Entschichtung der vergangenen Jahrzehnte machten das Projekt unerwwartet aufwändig. Um unwirtschaftliches Ent- und Beschichten zukünftig zu vermeiden, sollte künftig alle ein bis zwei Jahre ordnungsgemäß und professionell grundgereinigt werden.
Im Rahmen dieser Projektarbeit wurden circa 1.200 m² PVC-Boden saniert und aufgewertet. Für die Ent- und Beschichtung fielen ca. 700 Arbeitsstunden an, in denen 310 l Entschichtungsmittel in Verbindung mit 30 bis 60 Reinigungspads und 70 l Beschichtungsmittel verarbeitet worden sind. Dank des Sponsorings von Kärcher, Vileda und Kiehl sowie der Hilfe von Professor Dr. Gerhard Winter und Dr. Jörg Götz sowie den Studentinnen und Studenten konnten dem Landratsamt Sigmaringen circa 19.000 Euro Sanierungskosten eingespart werden. Dies ist im Vergleich zum Verlegen eines neuen PVC-Bodens, wie die Tabellen zeigen, die günstigere Variante.
Die Studenten sammelten während des Projekts wertvolle Erfahrungen, die ihnen im späteren Berufsleben bei Kalkulationen, Aufwandsschätzungen und Kostenrechnungen helfen werden.
Projektteam Hochschule Albstadt-Sigmaringen