Daniel Düsentrieb wäre stolz: Die Servicetechniker des Maschinenherstellers bauten eine Standard-Scheuer- saugmaschine mit wenigen Kniffen so um, dass sie die problematische Reinigung des Blindenleitsystems am Berliner Hauptbahnhof meistert.
Rillentief rein
-Viel Glas und Licht tragen entscheidend zur hellen und freundlichen Ausstrahlung des Berliner Hauptbahnhofs bei. Das Sonnen- aber auch das künstliche Licht hebt die hellen Spezialplatten des Blindenleitsystems besonders hervor. Das ist gut so, denn dieses System soll ja für sehbehinderte Mitmenschen freigehalten werden. Die Führung der sehbehinderten Reisenden erfolgt über Rillen und Vertiefungen in diesen hellen Spezialplatten.
Doch gerade in diesen Rillen und Vertiefungen setzt sich der Schmutz besonders hartnäckig ab und entzieht sich auch noch der Reinigung mit herkömmlichen Scheuersaugmaschinen. So wurde das insgesamt etwa 10 km lange Blindenleitsystem bislang in zeitraubender und anstrengender Arbeit manuell gereinigt. Eine durchgängig hohe Reinigungsqualität ist jedoch bei diesen langen Strecken manuell kaum zu realisieren. Deshalb suchte die DB Services Nordost GmbH, Sparte Facility Management (IFM), nach einer geeigneten Spezialscheuersaugmaschine und fand die Problemlösung unter aktiver eigener Mitwirkung bei den Hako-Werken in Bad Oldesloe.
„Neben den Hako-Werken haben wir noch einen anderen Hersteller von Scheuersaugmaschinen gefragt, ob er das Problem lösen kann“, erwähnt Frank Ziegenhorn, Anwendungstechniker IFM, und hebt hervor: „Die Hako-Mitarbeiter brachten gleich zur ersten Problemdiskussion eine tragfähige Idee mit, die wir dann gemeinsam ausbauten.“
Erst die Zeit macht den Schmutz sichtbar
„Der Schmutz im Hauptbahnhof“, erläutert Ziegenhorn, „entsteht vornehmlich durch die Bremsvorgänge der Züge. Das heißt, die Schmutzmenge ist relativ konstant und es dauert eine gewisse Zeit, ehe man den abgesetzten Staub wirklich sieht.“ „Doch wir wissen“, fügt Gislinde Steinbach, Servicebereichsleiterin IFM, hinzu, „dass der Schmutz da ist und irgendwann überall auffallen würde, wenn wir nicht kontinuierlich reinigen würden. Deshalb sind wir sieben Tage in der Woche im Einsatz. Die mechanisierte Reinigung erfolgt täglich zwischen 22.00 und 5.00 Uhr, weil sich in dieser Zeit die wenigsten Fahrgäste im Bahnhof aufhalten. Selbstverständlich sind wir im Bedarfsfall auch zusätzlich zur Stelle.“
Das Blindenleitsystem besteht aus hellen, 30 cm breiten Steinzeugplatten mit 5 mm tiefen Rillen für die Erkennung der Längswege. Richtungsänderungen sowie Kreuzungen signalisiert das System durch Bodenfliesen, in die fühlbare, 10 u 10 mm große Quadrate eingearbeitet sind.
„Unsere Idee war“, schildert Hako-Fachberater Guido Wilke, „ein Standardgerät so zu modifizieren, dass wir eine kostenoptimale Lösung anbieten können. Diese umfasst aber nicht nur den Gerätepreis, sondern auch die Kosten für die Wartung, Reparatur und Instandhaltung. Als Grundgerät haben wir eine handgeführte Scheuersaugmaschine Hakomatic B 70 mit einem Walzenbürstenaggregat vorgeschlagen. Walzenbürstenaggregate entwickelten wir für extreme Problemböden wie Sicherheitsfliesen, Böden mit Noppen sowie stark strukturierte Böden in Großküchen.“
„Im ersten Testversuch haben wir aber schnell gemerkt, dass die 60 cm lange Walzenbürste weit über das Blindenleitsystem hinaus wirkt, und somit nur unvollständig in die Rillen und Vertiefungen eindringt. So entwickelten wir in einem zweiten Schritt in Zusammenarbeit mit der Abteilung Anwendungstechnik die Idee, die Beborstung der Standard-Walzenbürste so abzutragen, dass nur ein Mittelkern von 30 cm Arbeitsbreite übrig bleibt.“ Das Reinigungsergebnis verbesserte sich zur Zufriedenheit der Auftraggeber. Auf diese Weise braucht man keine Spezialbürsten und kann für diese speziellen Aufgaben die preiswerteren und schnell verfügbaren Standard-Walzenbürsten einsetzen. Diese Walzenbürsten lassen sich bequemerweise werkzeuglos austauschen.
„Während des Tests“, fügt Ronny Semrau, Objektleiter DB Services, hinzu, „haben wir uns über das gute Reinigungsergebnis gefreut, doch auch gemerkt, dass man die verbliebene Beborstung der Walzenbürste exakt über das Blindenleitsystem führen muss. Dabei ist die Idee der kleinen Haifischflosse als Peilhilfe entstanden.“
Zusätzlich zur mechanischen Wirkung der Walzenbürsten wird dem Klarwasser mittels einer Dosiereinrichtung, die Über- oder Unterdosierungen ausschließt, Unterhaltsreiniger beigefügt. Zudem wurde die Arbeitsgeschwindigkeit von 5 km/h auf 2 km/h, der geringsten Stufe im Reinigungsmodus, gesenkt und die Wasserzufuhr zur Walzenbürste verändert.
„Allerdings“, fügt Guido Wilke ein, „stellte sich die vollständige Aufnahme des Schmutzwassers vom Blindenleitsystem als ein recht kniffliges Problem dar. Erneut halfen die Anwendungstechniker.“ Ausgehend von den strömungstechnischen Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich der Unterdruck erhöht, wenn die Saugfläche verkleinert wird, wurde ein schmalerer Saugfuß an die Scheuersaugmaschine montiert.
Damit konnte das Problem auf eine kostengünstige Weise gelöst werden. Manchmal bleibt noch etwas Schmutzwasser in den Fliesen zurück, die die Richtungsänderungen signalisieren. Um auch dieses vollständig aufnehmen zu können, ist die modifizierte Scheuersaugmaschine mit einem Handsaugtool ausgerüstet.
Zielvorgaben erreicht
„Die modifizierte handgeführte Scheuersaugmaschine“, bekundet Gislinde Steinbach, „hat die Reinigung des Blindenleitsystems spürbar erleichtert. Nur durch die mechanisierte Reinigung erreichen wir eine gleich bleibend hohe Reinigungsqualität.“ Ronny Semrau fügt hinzu: „Die Handhabung der Spezial-Scheuersaugmaschine ist denkbar einfach. Dazu gehört auch die gute Manövrierfähigkeit, die wir vor allem beim Reinigen der Bodenfliesen brauchen, die die Richtungsänderungen und die Kreuzungen signalisieren.“
Der Dienstleister hat die Scheuersaugmaschine gemietet und einen Full-Service-Vertrag abgeschlossen, um eine sichere Einsatzbereitschaft zu garantieren. „Gerade unter diesem Aspekt“, sagt Guido Wilke, „ist es von großem Vorteil, dass die Spezial-Scheuersaugmaschine im Prinzip aus Standardmodulen aufgebaut ist, so dass im Bedarfsfall sehr schnell ein Austauschmodell in kurzer Zeit bereitgestellt werden kann.“
Peter Springfeld