Wieder hat eine Messeneuheit den Weg vom Ausstellerpodest in den harten Alltag der Gebäudereinigung gefunden. Auf der Interclean präsentierte Hako sein AquaForce-System zur Bodenreinigung mit entmineralisiertem Wasser. Eine erste Fallstudie vom Flughafen Frankfurt/Main.
Wasser marsch!
- „Wenn um kurz vor 24 Uhr das letzte Flugzeug Richtung Singapur und Sydney abhebt, checken die ersten Passagiere schon wieder ein, um mit einem Ferienflieger am ganz frühen Morgen Richtung Süden in den Urlaub zu starten.“ Lars Jörgens, leitender Bereichsleiter Terminal 1 der GCS Gesellschaft für Cleaning Service, einem Tochterunternehmen der Fraport AG, weiß um die Hektik an Deutschlands größtem Flughafen. Wegen des permanenten Publikumsverkehrs ist das Zeitfenster für die Unterhaltsreinigung eng, dennoch soll es überall blitzen und blinken. Die großen Hallen- und Gehflächen werden an 365 Tagen im Jahr zwischen 22 und 6 Uhr maschinell gereinigt. In den Abflugebenen A, B und C des Frankfurter Flughafens wird seit einigen Monaten u.a. die Scheuersaugmaschine Hakomatic B 1100 mit dem AquaForce-Onboard-System eingesetzt.
Dabei handelt es sich um ein System zum Befüllen von Scheuersaugmaschinen mit demineralisiertem Wasser. Es macht die Beigabe von Reinigungschemie in vielen Fällen überflüssig. Das schont die Umwelt und das Budget. Demineralisiertes Wasser ist weitgehend frei von Kalk und Salzen, daher strebt es danach, sich wieder mit Mineralien anzureichern und reinigt besser als normales Leitungswasser. In der Glas- und Fassadenreinigung wird schon seit vielen Jahren mit Mischbettharzfiltern/ Umkehrosmosesystemen gearbeitet, durch die Leitungswasser entmineralisiert wird. Nach der Reinigung trocknet das Wasser streifenfrei ab und hinterlässt keine Kalkränder. Seit 1998 ist GCS mit der Reinigung der Flughäfen Frankfurt/Main, Saarbrücken und Hahn betraut. Knapp 90 Prozent der 650 Mitarbeiter sind am Flughafen in Frankfurt/Main stationiert und besorgen die Reinigung von Terminals, Gepäckförderanlagen, Flugzeugkabinen bis hin zu den Büros und Sanitärräumen.
Von den rund 145.000 m² Hallenfläche des Terminals 1 werden rund 100.000 m² maschinell gereinigt. Etwa 40.000 m² Gatefläche kommen dazu. Pro Tag durchqueren ca. 140.000 Passagiere die Halle, hinzu kommen 50.000 Besucher und Mitarbeiter (zum Vergleich: das Berliner Olympiastadion fasst 74.500 Besucher). Sie alle tragen Staub und Schmutz ins Terminalinnere. Loser Schmutz überwiegt hier, lediglich im Restaurantbereich und in Lebensmittelgeschäften kommt es zu haftenden Verschmutzungen. „Durch die tägliche Reinigung diffundieren allerdings weder Staub noch sonstige Verschmutzungen in den Boden“, erklärt Lars Jörgens. „Der Einsatz starker Reinigungschemie ist bei diesem Reinigungszyklus einfach nicht notwendig.“
Rüstzeiten verkürzen sich
Die Infrastruktur des Terminals 1 ist auf die Passagiere und nicht auf die technischen Anforderungen des Dienstleisters ausgerichtet. „Wir haben nur eine Befüllstation, die weit weg im Keller liegt, und zurzeit nur einen verfügbaren Lastenaufzug zum Transport der Reinigungsmaschinen“, erzählt Jörgens. „Als wir eine interne Studie durchführten, kamen wir pro Fahrer, der eigentlich 7,5 Stunden mit seiner Maschine arbeiten soll, auf Rüstzeiten von 1,5 Stunden. Diese verlorene Zeit kostet uns viel Geld.“ Um die weiten Fahrzeiten zur Befüllstation zu sparen, hat das Dienstleistungsunternehmen angeregt, das gesamte AquaForce-System in die Scheuersaugmaschine zu integrieren. In der mittelgroßen Aufsitzmaschine ist dafür im Gegensatz zu den handgeführten Maschinen ausreichend Platz. So kann sie an verschiedenen Stellen mit Frischwasser befüllt werden. „Wir sparen etwa eine Stunde Rüstzeit ein“, berichtet der Bereichsleiter, „aber vor allem kommt es auf die Reinigungsleistung an. Sie hat uns von Anfang an überzeugt. Hinzu kommt die schonende Behandlung der Umwelt, die für den Flughafenbetreiber als größter Arbeitgeber der Region eine hohe Priorität hat.“
Die geleaste Scheuersaugmaschine ist leicht zu bedienen und übersichtlich. „Sie ist das Schmuckstück unserer Fahrer“, bestätigt Lars Jörgens. Sie hat einen festen Bediener, ein Zweiter vertritt ihn. „Zwar war das Handling in der ersten Zeit beim Befüllen der Patrone ein wenig ungewohnt, aber heute hat der Maschinenbediener die notwendige Routine. Im Endeffekt zählt auch für ihn die Zeitersparnis.“ Der Fahrer entsorgt die Schmutzflotte in einer Behindertentoilette und füllt die Maschine frisch auf. Die Chemie muss er nicht mehr umständlich über entsprechende Filter entsorgen, außerdem spart er sich den Weg zur Befüllstation im Keller. Nach einer bestimmten Zeit wird die Harzpatrone wieder aufbereitet. „Dazu ermitteln wir im Vorfeld die Wasserhärte und den täglichen Verbrauch. Aus diesen Werten errechnet sich die Standzeit“, erzählt der Hako-Verkaufsberater Wilhelm David. „In diesem Fall kommen wir bei zweimaligem Betanken am Tag auf einen Durchlauf von 3.000 l in der Woche, so dass die Patrone alle sieben Tage ersetzt wird.“ Bei der Regeneration werden die Harze mit Natronlauge und Salzsäure regeneriert. Das entstehende Abwasser wird neutralisiert. Vermischen sich die zwei Substanzen, entsteht harmloses Kochsalz und Wasser. Die Harze sind nahezu unbegrenzt regenerierbar. Harze, welche doch einmal entsorgt werden müssen, werden von den Hako-Service-Partnern entsorgt.
Der Systemwechsel im Maschineninneren hat sich in Frankfurt/Main bezahlt gemacht. Lars Jörgens: „Unsere gesamten Einsparungen liegen deutlich im vierstelligen Bereich!“ Das jährliche Einsparpotenzial kann der Maschinenhersteller mit Hilfe seiner Software vorab berechnen. Aus den Daten wie Tankvolumen, Härtegrad des Wassers, Dosierung, Reinigungsintervalle, Anzahl der benötigten Befüllungen und den Kosten der bisherigen Reinigungschemie ermittelt sich dann der gesparte Betrag. „Zusätzliche Einsparungen ergeben sich durch den Verzicht auf die Reinigungschemie unter anderem bei der Lagerlogistik sowie bei der Beschaffung“, ergänzt Lars Jörgens.
Keine Tensidrückstände
Der Anwender kann mit AquaForce nur wenig falsch machen. Da nur reines Wasser verwendet wird, bauen sich keine Rückstände auf, die zu einer starken Wiederanschmutzung führen. Spezielle Schrubbwerkzeuge können den Reinigungseffekt verbessern. Im Frankfurter Flughafen ist zu 80 Prozent Steinboden verlegt. Auf diesem Untergrund bewährt sich das AquaForce-System besonders, aber auch bei offenporigen Böden ist es gut geeignet. „Erste Versuche haben wir auch schon auf Teppichböden gemacht“, verrät Dr. Ralf-H. Steinkühler, Leiter Marketing, Anwendungstechnik und Schulung der Hako-Werke. „Hier verbleiben nach der Reinigung mit Chemie viele Rückstände, die erheblich zur schnellen Wiederanschmutzung beitragen.“
Die Planungen des Flughafens gehen weiter. Ständig kommen neue Flächen hinzu. „Auf Dauer wollen wir alle Bereiche im Terminal 1 und 2 chemiefrei maschinell reinigen, um unsere Kosten zu reduzieren“, plant Lars Jörgens und fügt hinzu, „die Zusammenarbeit mit Hako hat sich für uns jedenfalls bezahlt gemacht.“
Michaela Heider-Peschel | rebecca.eisert@holzmannverlag.de