Hygienekontrolle in Sanitärräumen Qualität auf Knopfdruck

Statt eines handgeschriebenen Reinigungsplans ein kleiner, weißer Kasten mit Display: WC- Besucher sehen darauf, wann die letzte Reinigung stattgefunden hat und können ihr Urteil über die Sauberkeit der Sanitärräume abgeben. Das Gerät wurde in Zusammenarbeit mit dem Flughafen München entwickelt. Dort wird es seit einigen Monaten getestet - mit interessanten Ergebnissen.

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    Bevor die Reinigungskraft im Sanitärraum loslegt, meldet sie sich am Touchscreen an und nach getaner Arbeit wieder ab. Automatisch erscheint auf dem Display der Zeitpunkt der letzten Reinigung.
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    Wer den Administrationsbereich antippt und ein Codewort eingibt, erhält die letzten Putzvorgänge angezeigt. In Verbindung mit den Kundenbe-wertungen lassen sich Konsequenzen für den Reinigungstakt ableiten.
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    Die Daten können auf einem USB-Stick gespeichert werden.
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    Was denken die Passagiere? Was lässt sich verbessern? Sven Simon (li.) und Wolfgang Haller von der Flughafen München GmbH haben vor allem die Qualitätssicherung im Blick.

Qualität auf Knopfdruck

- Zwei, drei Mal auf den Touchscreen tippen und schon sind die Daten im Kasten. „Das Gerät wird gut angenommen“, freut sich Wolfgang Haller, Leiter Competence Center Dokumentationssysteme und Gebäudedienste am Flughafen München und fügt hinzu: „Wir gewinnen wertvolles statistisches Material“. Im Mittelpunkt dabei steht: Was denken die Passagiere? Bislang hängt das Gerät, das ähnlich wie ein Zeiterfassungssystem funktioniert, in zwei frisch renovierten Sanitärräumen in Terminal 1. Wenn alles glatt geht, will Haller in den kommenden zwei Jahren rund 30 weitere Geräte installieren lassen - parallel zur Renovierung der in die Jahre gekommenen WC-Anlagen. Das soll der Sanitärreinigungsqualität am zweitgrößten Flughafen Deutschlands zugute kommen. Jährlich zählt der Airport rund 35 Millionen Passagiere.

Modus eins: für WC-Besucher

Wie sind Sie mit der Sauberkeit in dieser Toilettenanlage zufrieden? Wenn Fluggäste das auf dem Display lesen, haben sie drei Symbole in Grün, Gelb oder Rot als Antwortmöglichkeit zur Auswahl. Dominiert Grün, freut sich Sven Simon, Leiter Cleaning Management am Flughafen München. Gelb und Rot lösen bei ihm Fragen aus. Besucher, die mit dem Zustand der Sanitärräume nicht zufrieden waren, werden deshalb um Erläuterung gebeten: Fehlten Handtücher oder Toilettenpapier? War das WC verschmutzt? Der Geruch unangenehm? Wenn immer wieder die gleichen Probleme auftauchen, lässt das einige Schlüsse zu.

Modus zwei: für Reinigungskräfte

Zwölfmal täglich betritt eine Reinigungskraft der Firma Aero-
clean Airport Services den Waschraum. Sie berührt das Display und tippt eine Codenummer ein. Nun ist sie eingebucht und macht sich an die Arbeit. Fehlendes Material nachfüllen, Verschmutzungen beseitigen, Spiegel und Armaturen blank reiben: Wenn alles getan ist, meldet sich die Reinigungskraft am Gerät wieder ab. Handschriftliche Eintragungen oder Unterschriften als Tätigkeitsnachweis sind nicht mehr erforderlich. Auf dem Display erscheint automatisch die neue Uhrzeit der letzten Reinigung. Radmila Fortuna, Objektleiterin bei Aeroclean ist zufrieden: „Das Gerät ist sehr einfach zu bedienen, der Schulungsaufwand gering.“ Aeroclean Airport Services, eine Tochtergesellschaft der Münchner Dr. Sasse AG, sorgt seit fast 20 Jahren am Flughafen für Sauberkeit.

Modus drei: für Administratoren

Regelmäßig sieht ein Cleaning Manager der Flughafen München GmbH am Touchscreen nach dem Rechten. Gibt er im Administrationsfeld seine Codenummer ein, erhält er einen Überblick über die letzten Putzvorgänge und die abgegebenen Bewertungen der WC-Besucher - heute, gestern, in der vergangenen Woche und insgesamt. An der Unterseite des Geräts befindet sich ein USB-Anschluss, über den die Daten ausgelesen werden können. An ihnen lässt sich zum Beispiel erkennen, ob die Zahl der täglichen Reinigungen ausreichend ist oder ob der Turnus nicht eingehalten werden kann.

Nach zwölf Uhr mittags sinkt die Zufriedenheit

Erste Auswertungen am Flughafen München haben ergeben, dass rund 85 Prozent der WC-Besucher mit der Sauberkeit zufrieden sind. 15 Prozent melden kleinere oder größere Mängel an. Besonders auffällig: „Nach zwölf Uhr mittags werden die Bewertungen schlechter“, berichtet Sven Simon. Dafür könne es zwei Erklärungen geben: „Entweder ist in der Zeit mehr los oder die Reinigung ist schlechter“. Der Leiter der Abteilung Cleaning Management verspricht sich von den Daten vor allem eine Verbesserung der Reinigungsqualität. „Wir werden die Reinigungstermine so verschieben, dass die Zeiten optimal ausgenutzt sind.“

Austausch von Nachrichten und Materialbestellung

Über die Nutzung am Flughafen München hinaus sind weitere Anwendungen möglich. Dazu gehört der Austausch von Nachrichten zum Beispiel zwischen Objektleiter und Reinigungskraft - oder die Materialbestellung. „Die Software kann an die Wünsche unterschiedlicher Kunden angepasst werden“, sagt Martin Zwetko, Prokurist des gleichnamigen Fachgroßhandels für Betriebshygiene in München, der das Gerät mit entwickelt hat. Inzwischen vertreibt es die Handelsgruppe Mobiloclean unter dem Namen mtouch. Für die Herstellung ist die Firma Qmodis zuständig.

Martin Zwetko hält den stationären Einsatz des Geräts vor allem interessant für Orte, an denen sich viele Menschen aufhalten. Denkbar sei aber auch die mobile Verwendung. Ein Gebäudedienstleister könne somit bei unterschiedlichen Kunden prüfen, wie es um die Sauberkeit im Sanitärbereich und die Zufriedenheit der WC-Besucher bestellt ist. Damit eigne sich das Gerät auch zur Qualitätskontrolle in Waschräumen mit weniger Publikum.

Heike Holland | heike.holland@holzmannverlag.de