Sieger des diesjährigen Bundesleistungswettbewerbs des Gebäudereiniger-Handwerks ist Steffen Hahn. Er setzte sich in insge samt vier Disziplinen in der Bremischen Bürgerschaft gegen zehn Mitbewerber durch. Platz 2 belegte Stephanie Mickelat, Dritter wurde Alexander Kendel.
Steffen Hahn gewinnt in Bremen
- Wer Bundessieger oder Bundessiegerin werden will, muss ausgeschlafen sein. Um 7 Uhr informiert Juryvorsitzender Stefan Junghans die Teilnehmer (darunter erfreulicherweise wieder drei junge Damen) über die Wettbewerbsaufgaben. Ort: die Bremische Bürgerschaft. Das Gebäude, gebaut nach den Plänen von Wassili Luckhardt, ist eines der wenigen deutschen Parlamentsgebäude aus der NS-Zeit und steht unter Denkmalschutz.
Dass sich die Wettbewerbsteilnehmer über Details aus der Historie des Objektes an diesem frühen Morgen Gedanken machen, darf bezweifelt werden. Sie folgen konzentriert der Einweisung von Stefan Junghans. Glasreinigung, Sanitärgrundreinigung, Teppichreinigung im Treppenaufgang und die Grundreinigung des Marmorbodens im Eingangsbereich das sind die vier Aufgaben, bei denen die elf Teilnehmer, wie immer aufgeteilt in Gruppen, heute ihr Können unter Beweis stellen müssen.
Marmorboden
Verwundert reiben sich die Beschäftigten und Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft beim Betreten der Eingangshalle die Augen. Einscheibenmaschine, Wassersauger, Behälter mit Rei- nigungschemie - hier ist heute nichts wie gewohnt. Die Wettbewerbsteilnehmer, die gerade die notwendigen Vorbereitungen für die Grundreinigung des Marmorbodens treffen, werden genau beobachtet. „Die Teilnehmer werden den Boden in Abschnitten grundreinigen. Am Nachmittag, wenn die ganze Fläche gereinigt ist, werden sie abschließend gemeinsam den gesamten Boden einpflegen“, skizziert Stefan Junghans die Aufgabenstellung, deren Durchführung er gemeinsam mit Michaela Peters beobachtet. Wie die Teilnehmer bei der Arbeit vorgehen, müssen sie selbst entscheiden. Ob sie die richtige Materialwahl treffen, ob sie den Grundreiniger richtig dosieren und die einzelnen Arbeitsschritte richtig durchführen, werden die beiden Jurymitglieder mit Argusaugen beobachten. Unter „Beobachtung“ stehen die Teilnehmer des Bundesleistungswettbewerbs bei der Bearbeitung des Marmorbodens in der Eingangshalle sowieso. Hier kommen naturgemäß alle Objektnutzer vorbei. Und hier sticht das Ergebnis der Arbeit sofort ins Auge: Der doch sichtlich angegraute Boden zeigt sich bereits nach dem ersten Arbeitsgang in fast strahlendem Weiß. Das Erstaunen ist den Passanten deutlich anzusehen.
Glasreinigung
Die Glasreinigung kann in diesem Jahr aus sicherheitstechnischen Gründen nur von innen ausgeführt werden. Dennoch: Keine leichte Aufgabe für die Wettbewerbsteilnehmer, es geht relativ eng zu und die Fenster sind sehr hoch. „Es muss ein Schadensprotokoll erstellt werden. Wichtig ist zudem, dass die Unfallverhütungsvorschriften und alle sicherheitstechnisch relevanten Maßnahmen ergriffen werden“ erklärt René Frackowiak, der gemeinsam mit Michaela Witzany die Arbeiten beurteilt. Beide achten genau darauf, wie die Wettbewerbsteilnehmer die Leiter handhaben, dass der Boden entsprechend geschützt wird - und dass auch die Glasflächen fachgerecht gereinigt werden. „Und“, so Frackowiak weiter, „eine Fläche muss mit dem Leder bearbeitet und poliert werden.“ Die erste Gruppe ist schon am Werk, mit dem bisherigen Verlauf zeigen sich die Juroren zufrieden.
Sanitärreinigung
Marion Presek-Haster und Martin Gleitsmann sind als Jurymitglieder bei der Sanitärreinigung zuständig. Hier ist eine Grundreinigung angesagt, bei der vor allem die üblichen Kalkablagerungen entfernt werden sollen, die sich im Laufe der Zeit aufgebaut haben. Denn seit geraumer Zeit wurde hier keine Grundreinigung mehr durchgeführt, die Reinigungskräfte der Bremischen Bürgerschaft haben sich nur auf die Unterhaltsreinigung konzentriert. „Gereinigt werden schwerpunktmäßig natürlich die WC-Schüsseln, Waschbecken, aber auch Armaturen und Fliesen gehören zur Aufgabenstellung“, macht Martin Gleitsmann deutlich. Die Vorbereitungen der ersten Gruppe laufen auf Hochtouren. Material bereitstellen, das richtige Reinigungsmittel auswählen, Handschuhe und Schutzbrille zurechtlegen. Wichtig auch hier: der Schutz empfindlicher Sanitärgegenstände und natürlich auch die richtige Wahl der persönlichen Schutzausrüstung.
Teppichreinigung
Während die Wettbewerbsteilnehmer bei der Sanitärreinigung ihrer Arbeit weitgehend ungestört nachgehen können, müssen die Kandidaten bei der Teppichreinigung zunächst umfangreiche Absperrmaßnahmen vornehmen. Denn gereinigt wird der Teppich auf den Treppen in der Bremischen Bürgerschaft. „Die Absperrmaßnahmen sind absolut notwendig und gehören daher auch zur Wettbewerbsaufgabe. Denn die entsprechenden Unfallverhütungsmaßnahmen müssen auch bei einem Bundesleistungswettbewerb strikt eingehalten werden. Zum Glück gibt es zwei Auf- und Abgänge bei den Treppen. Damit ist die Gefahr, dass jemand ausrutscht oder über ein Kabel oder eine Maschine stürzt, schon mal geringer“, erklärt Susanne Selbrede. Die Bremerin beurteilt gemeinsam mit Norbert Jung die Teppichreinigungsarbeiten der Wettbewerbsteilnehmer. Und da auch der Teppichboden unter Denkmalschutz steht, muss zunächst geprüft werden, ob es irgendwelche Schäden gibt. „Auf die muss dann hingewiesen werden, damit man uns keine Beschädigungen anlasten kann“, macht Susanne Selbrede deutlich. Gearbeitet wird nach gründlichem Absaugen der Teppichflächen im Garn-Pad-Verfahren. Dazu wird der Textilboden eingesprüht und mit einer kleinen Zweischeibenmaschine intensiv bearbeitet. An Rändern und Kanten muss auch schon mal manuell nachgearbeitet werden. Wie lange müssen die Vertreter der Bremischen Bürgerschaft denn mit der Beinträchtigung durch die Teppichreinigung leben? „Der Vorteil des hier angewandten Verfahrens ist, dass der Boden schon nach zehn Minuten wieder trocken und begehbar ist. So entstehen hier kaum Behinderungen für den normalen Publikumsverkehr.“
Spannung bis zum Schluss
Als sich die Teilnehmer nach einem langen Tag am Abend wieder im Gebäude der Bremer Handwerkskammer treffen, ist die Spannung fast zu greifen. Wer konnte sich durchsetzen und den begehrten Titel des Bundessiegers erringen? Wolfgang Kruse, Landesinnungsmeister Bremen und Nord-West-Niedersachse, und Horst Stippschild, stellvertretender Bundesinnungsmeister, begrüßen die Teilnehmer und zahlreiche Gäste zur Siegerehrung.
Zunächst werden in alphabetischer Reihenfolge die Kandidaten aufgerufen, die nicht auf den ersten drei Plätzen landen konnten. „Sie sind alle schon Sieger und haben bewiesen, was es bedeutet, ein Handwerk zu beherrschen. Sie haben alle ausgeprägtes Fachwissen, Fleiß und Einsatz bewiesen“, lobt Horst Stippschild alle Teilnehmer und das hohe Niveau des Wettbewerbs. Dann ruft er Alexander Kendel (Platz 3), Stephanie Mickelat (Platz 2) und schließlich den neuen Bundesieger Steffen Hahn nach vorne. Der Bundessieger kann nicht nur über Titel, Urkunde und Glückwünsche jubeln, sondern auch über die Siegprämie von 2.500 Euro aus dem Carl-Gegenbauer-Preis. Stephanie Mickelat kann sich über 1.500 Euro, Alexander Kendel über 500 Euro freuen. Horst Stippschild gratuliert nochmals allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen: „Sie besitzen mit Ihrem Fachwissen und Ihrer handwerklichen Qualifikation beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft.“ Gleichzeitig appelliert Horst Stippschild an die jungen Leute, die Meisterprüfung im Gebäudereiniger-Handwerk zu absolvieren und konsequent die Aufstiegschancen, die dieser moderne Dienstleistungsberuf bietet, zu nutzen. Auch rationell reinigen gratuliert allen Teilnehmern. Und wie immer erhalten die drei Erstplatzierten ein Jahresabonnement als Geschenk.
Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmann-medien.de