»E-Mails sind eine Erfindung ungeduldiger Macher, die sich selbst stets erst auf den letzten Drücker um wichtige Angelegenheiten kümmern.«
Weil wir gerade davon sprechen: Sind Sie auch schon zum willigen Untertan in der E-Mail-Diktatur geworden? Ich war kurz davor. E-Mails begannen, sich diktatorisch in mein Arbeitsleben einzumischen. Sie zwangen mich zu fremdbestimmten Verhaltensweisen. Immer häufiger erlaubte ich E-Mail-Sendern, mich gefangen zu nehmen. Zu unterbrechen bei dem, was ich gerade tat. Knapp habe ich noch die befreiende Kurve bekommen.
Wohlgemerkt. Ich bin kein Ewiggestriger. Ich weiß den schnellen Weg durch das Internet ohne körperlich realen Briefträger und Briefkasten sehr zu schätzen. So sende ich meine Manuskripte längst per E-Mail an die Redaktionen. Für einen notorischen Letzte-Sekunde-Schreiber wie mich ein unbezahlbarer Zeitgewinn.
Aber E-Mails sind ja mehr, viel mehr! Sie schreien uns aus dem Nachrichtenfenster fordernd an: „He, kümmre dich um mich! Ich bin da! Also sei du jetzt für mich da!“ Die Handy-Oberfläche schreit blinkend in die Welt hinaus: „Eine E-Mail – ich bin sehr wichtig!“
Mitarbeiter, die plötzlich fordernd im Türrahmen stehen, kann man auf später vertrösten. E-Mail-Sender erwarten eine sofortige Reaktion. Als noch Briefe oder Faxe durch die Welt wanderten, wusste jeder: Ich muss jetzt (etwas) Geduld haben.
E-Mails sind eine Erfindung der ungeduldigen Macher, die sich selbst stets auf den letzten Drücker um Wichtiges kümmern und diese schlechte Angewohnheit anderen aufzwingen wollen.
Ich habe den Fluchtweg raus aus der E-Mail-Diktatur gefunden. Bei Leo Babauta, einem Guru der GTD-Praktiker (Getting Things Done oder: Wie man die Dinge auf die Reihe bekommt). Er berichtet von seinem persönlichen Befreiungsschlag: E-Mails werden nur noch zweimal täglich gelesen. Ich habe es probiert. Es klappt. Die Welt geht nicht unter.
Hartmut H. Wolff | www.bestmakerservice.de
Hartmut H. Wolff hat sich auf personalintensive Dienstleistungen und ihre Vermarktung spezialisiert. Führende Unternehmen der Branche schätzen seine erfolgsorientierte, praxisnahe Arbeit.
