Gifte machen Schädlingen den Garaus, gefährden aber auch die menschliche Gesundheit. Deshalb setzen moderne Bekämpfungsverfahren meist auf Vergrämung, manche Schadinsekten können erfolgreich mit giftfreien Nontox-Verfahren statt mit Chemie bekämpft werden. Sind toxische Substanzen unverzichtbar, werden sie gezielt in homöopathischen Dosen ausgebracht.
Das „Taubenvergiften im Park“, wie es der bekannte Wiener Chansonnier Georg Kreisler einst mit schwarzem Humor besang, wird heute nach § 17 des Tierschutzgesetzes mit einer Geldstrafe oder sogar mit Freiheitsentzug geahndet. Es sei denn, ein ausgebildeter Schädlingsbekämpfer beantragt bei der zuständigen Behörde eine Genehmigung für das Ausbringen von Giftködern oder den Abschuss. Diese wird aber in den wenigsten Fällen noch erteilt.
„Stadttauben sind Wirtstiere von über 100 verschiedenen Parasiten und Krankheitserregern, ihre Exkremente verunreinigen und zerstören die Bausubstanz“, erklärt Dipl.-Wirtschaftsing. (FH) Andree Szymanowski, Verkaufsleiter der Rentokil Initial GmbH, Berlin und Leipzig. Neben möglichen Gesundheitsgefahren für Menschen verursachen Tauben auch wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. Grund genug, die Populationen zu kontrollieren. „Das Töten der Tiere ist aus ethischen Gründen abzulehnen. Die Problematik dadurch ist auch nicht nachhaltig gelöst“, schildert Andree Szymanowski die Situation weiter.
Giftköder wirken erst nach 30 bis 60 Minuten. Der Tod tritt mitunter gerade ein, wenn die vergifteten Tiere auf einem Dach oder einem Schornstein sitzen. Durch hinabstürzende Kadaver können Unfälle oder Materialschäden verursacht werden. Abgesehen davon gleichen sich Bestände innerhalb kürzester Zeit durch zufliegende Tauben aus anderen Schwärmen wieder aus.
Diskrete und effektive Taubenvergrämung
Besser und nachhaltig ist es, die Tiere zu vergrämen. Die Rentokil Schädlingsbekämpfung hat dafür innovative und umweltfreundliche Systemlösungen entwickelt. Zum Beispiel das AviSave Impulsstromsystem als elegante und diskrete Methode. „Eines unserer Referenzobjekte, an denen dieses Verfahren eingesetzt wird, ist das Max-Liebermann-Haus neben dem Brandenburger Tor in Berlin“, berichtet der Verkaufsleiter. Das Objekt wurde Ende der 1990er-Jahre auf dem Grundstück, auf dem der Expressionist und Präsident der Akademie der Künste, Max Liebermann, von 1894 bis zu seinem Tod 1935 gelebt und gearbeitet hatte, errichtet und ist seitdem Sitz der Stiftung Brandenburger Tor.
Der Auftraggeber hatte gefordert, die historisierende Fassade aus wertvollem Naturstein möglichst „unsichtbar“ vor Verunreinigungen durch Tauben zu schützen. Schwache Stromimpulse machen nun den Tieren das Absitzen und damit das Leben schwer: „Wir haben an den kompletten Dachkanten sowie sämtlichen Vorsprüngen der Balkons und an den Fenstergesimsen jeweils zwei parallel laufende stromführende Rundstangen aus V2A-Edelstahl mit speziellen UV-stabilisierten Kunststoffhalterungen eingeklipst und durch flexible Federhülsen verbunden“, erklärt Andree Szymanowski. Für die Verlegung der Stromanschlüsse wurden an der Fassade die Fugen freigelegt und anschließend wieder verputzt. Passanten, die auf dem Pariser Platz bummeln oder das Max-Liebermann-Haus besuchen möchten, fällt die Vergrämungstechnik überhaupt nicht auf. Ein Wartungsvertrag gewährleistet, dass die Anlage zweimal jährlich durch Fachleute auf Beschädigungen überprüft und gegebenenfalls repariert wird.
Weniger aufwändig, aber nicht minder effektiv, ist das AviStrand-Spanndrahtsystem: Die Edelstahlsperren aus gefederten V2A-Drähten können an Gebäudeteilen unterschiedlichster Art mit Spezialhalterungen befestigt werden, um die Tauben am Aufsitzen zu hindern. Auch diese Sperren sind optisch kaum wahrnehmbar und somit gut für denkmalgeschützte Fassaden geeignet. Schmutzansammlungen wie zum Beispiel Falllaub können gegebenenfalls im Rahmen der Glas- oder Fassadenreinigung entfernt werden.
Alle Lebewesen sind Glieder einer Nahrungskette
Eine kostengünstige, aber nicht minder sichere Vergrämungsmethode ist das Spannen von Vernetzungs- oder Vergitterungssystemen. Die unauffälligen Netze sind UV- und feuchtigkeitsbeständig und können auf Wunsch sogar mit Brandschutzbeschichtung der Klasse B1 geliefert werden. Die Lebensdauer beträgt erfahrungsgemäß bis 15 Jahre, Wartungs- oder Reinigungsarbeiten sind in der Regel nicht erforderlich. Für die Taubenabwehr an optisch weniger anspruchsvollen Plätzen bietet Rentokil das System AviSpike an. Es besteht aus stumpfen Edelstahlstiften, die nach vorheriger Reinigung des Untergrunds montiert werden. Das System kann an unterschiedliche Gesimstiefen angepasst werden und ist deswegen auch für schwierige Gebäudestrukturen geeignet.
Mehl- oder Hausschwalben sind zwar nützliche Insektenvertilger, sie nisten aber bevorzugt unter Dächern und der Nachwuchs hinterlässt auf der Fassade hässliche Kotspuren. „Die Verhinderung des Nestbaus im Vorfeld ist die einzige Möglichkeit, die Tiere zu vergrämen“, sagt der Szymanowski. Er empfiehlt Systeme, die sich auch für die Taubenvergrämung bewähren. Während der Brutzeit dürfen die Vögel allerdings nicht gestört oder gar getötet werden. Bleibt für die Montage nur der Zeitraum vom Spätherbst bis zum Frühjahr, wenn sich die Schwalben im Süden aufhalten. „Deshalb sollte man bei der Projektierung von Neubauten insbesondere in ländlichen Regionen gleich ein Vergrämungssystem einplanen“, gibt Andree Szymanowski einen Tipp.
Auch für die Bekämpfung vieler schädlicher Säugetierarten und Insekten gibt es heute „sanfte“ Vergrämungs- oder Tötungsmethoden: „Der Kammerjäger mit der großen Giftspritze ist Geschichte“, unterstreicht Hans-Martin Bräuer, Fachberater bei Rentokil. Die neuen Verfahren wurden aus der Erkenntnis heraus, dass alle Lebewesen Glieder einer Nahrungskette sind und über diese die Gifte irgendwann in die menschliche Ernährung gelangen, entwickelt. „Moderne Schädlingsbekämpfungsverfahren orientieren sich an den artspezifischen Verhaltensmustern der Schädlinge. Manche Methoden unterbrechen deren Reproduktionszyklus und verhindern auf diese Weise eine Neupopulation“, erklärt der Schädlingsbekämpfer weiter.
Wühlmäuse und Hausmäuse giftfrei bekämpfen
Ein hochmodernes Verfahren zur Abwehr von Hausmäusen ist Radar, ein batteriebetriebenes Gerät zur selbständigen Erkennung, Isolierung und Abtötung der Tiere. Bisher wurden für die schädlichen Nager Köder mit Antikoagulanzien ausgelegt, die ein inneres Verbluten bewirken. Es vergeht bis dahin aber immer ein längerer Zeitraum, in dem sie noch weitere Fraßschäden anrichten können. Werden die Kadaver nicht entdeckt, können sich im Umfeld Fliegen und deren Larven ansiedeln. Die Radar-Box verfügt an beiden Enden über jeweils einen Eingang. Ist eine Maus eingedrungen, verschließen Infrarotsensoren sofort die Eingänge. Nun wird eine exakt bemessene Dosis CO2 freigesetzt, die die Schädlinge in maximal 45 Sekunden für immer einschlafen lässt.
„Dieses System ist insbesondere für den Einsatz in Küchen, Lebensmittellagern und anderen hygienisch sensiblen Bereichen geeignet“, erklärt Hans-Martin Bräuer. Um die Räumlichkeiten garantiert mäusefrei zu halten, kann Radar in Kombination mit dem Online-Dokumentationssystem PestNet-Online, eine internetgestützte Dokumentationsplattform zur Kontrolle sämtlicher Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, eingesetzt werden.
Wühlmäuse nagen unterirdische Pflanzenteile an und verderben so Grundstücksbesitzern die Freude am Gärtnern. Das Vergasen der Gänge ist in einigen Bundesländern verboten, uralte Hausrezepte zur akustischen Vergrämung wie das Aufstellen klappernder Windmühlen oder das Eingraben leerer Flaschen wirken nicht zuverlässig.
Professionelle Schädlingsbekämpfer platzieren stattdessen nach einer Grundstücksbesichtigung in den Gangsystemen spezielle Wühlmausfallen mit Schlagmechanik. „Die Fallen müssen exakt mit dem Niveau der Gänge übereinstimmen, damit sie durch die Nager nicht als Hürde wahrgenommen und aufgrund dessen gemieden werden“, erläutert Andree Szymanowski. Nach seinen Erfahrungen werden für eine Fläche von 300 Quadratmetern fünf bis zehn Fallen benötigt.
Hornissen und Bienen dürfen nicht vernichtet werden
Die Ansiedlung von Hornissen an stark frequentierten Stellen wie zum Beispiel in Biergärten kann Menschen gefährden. „Das Naturschutzgesetz verbietet die Vernichtung dieser staatenbildenden Insekten“, sagt Hans-Martin Bräuer. Nur wenn der Hornissenstaat eine akute Gefahr für Menschen darstellt und eine Umsiedlung nicht möglich ist, erteilt die untere Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung. In der Regel müssen die Tiere aber an einen anderen Standort mit artgerechten Lebensbedingungen umgesiedelt werden. „Vor dem Einsatz legt der Profi die vorgeschriebene Arbeitsschutzkleidung an. Dann werden die Tiere aus ihrem Nest in einen Behälter gesaugt, der dann versiegelt zu einem abgelegenen Standort – beispielsweise zu einem hohlen Baumstamm – transportiert wird“, erklärt der Schädlingsbekämpfer. Der darf aber nicht zu weit entfernt sein, sonst würden die Insekten die Orientierung verlieren. Abschließend wird der alte Standort noch einmal auf Nachzügler kontrolliert. Diese werden ebenfalls in den Behälter gesaugt und in unmittelbarer Nähe zu ihrem neuen Domizil wieder freigelassen.
Auch Bienenvölker stehen unter Naturschutz, hier ist genauso wie bei Hornissen zu verfahren. Gegebenenfalls ist eine Imkerei zum Fangen der Bienen dazuzuholen. Die toxische Bekämpfung von Wespen ist zwar erlaubt, besser und gesundheitlich unbedenklicher ist es aber, sie durch UV-Fallen mit Klebeflächen zu fangen. Dabei bleiben die Kadaver umgehend an der Falle kleben.
Bekämpfung von Schadinsekten
Wenn ab Mai strahlender Sonnenschein die Menschen in die Biergärten lockt, um unter schattigen Eichen ein kühles Bier oder ein Eis zu genießen, können Raupen des Eichenprozessionsspinners die Gesundheit sowohl der Gäste als auch der Servicekräfte gefährden. „Hier handelt es sich um eine Mottenart, deren Imagines zwar völlig harmlos sind. An den Larven bilden sich aber nach der dritten Häutung toxische Brennhaare, die sie vor Feinden schützen sollen. Kommen aber Menschen damit in Kontakt, kommt es zu allergischen Reaktionen wie zum Beispiel Juckreiz und Augenentzündungen oder sogar zu Entzündungen der Atemwege“, warnt Andree Szymanowski.
Aus diesem Grund ist es für Verantwortliche in Kindergärten, Schulen, Friedhöfen, Parks und anderen begrünten Einrichtungen im Sinne des Personen- und des Arbeitsschutzes ratsam, die Gehölze auf den Befall von Eichenprozessionsspinnern oder deren Larven zu kontrollieren. Zur Bekämpfung schlägt der Verkaufsleiter zwei Alternativen vor: „Bei geringem Befall kann man die Raupen absaugen. Sind aber für das Sommerhalbjahr größere Populationen zu erwarten, sollte man prophylaktisch ein im Gesundheitsschutz angewandtes Biozid verspritzen.“
Kriechende und fliegende Insekten wie Schaben, Flöhe, Ameisen, Textilmotten sowie andere Vorrats- und Materialschädlinge sind nicht nur lästig, sie können auch Krankheiten übertragen. Nach Feststellung der Verbreitungsursache setzen professionelle Schädlingsbekämpfer artspezifische Präparate in Minimaldosen ein, die nicht freigesetzt werden und daher keine Menschen gefährden können. „Wir eruieren zunächst die Aufenthaltsorte und Verkehrswege der jeweiligen Insektenart und setzen genau an diesen Stellen winzige Tropfen toxischer Gele oder Lacke ein, welche die Insekten anlocken und sie nach der Aufnahme töten“, erklärt Hans-Martin Bräuer.
Bettwanzen durch Wärme bekämpfen
Für die Bekämpfung von Bettwanzen hat Rentokil ein spezielles Programm entwickelt: „Trotz des derzeit hohen Hygienestandards sind diese Ektoparasiten weltweit wieder auf dem Vormarsch. Möglicherweise haben sich durch den früher üblichen Einsatz von Pestiziden resistente Stämme herausgebildet“, gibt Andree Szymanowski zu bedenken. Die lichtscheuen Blutsauger fühlen sich nicht nur in Betten wohl, sondern auch – häufig durch Menschen oder Tiere verschleppt oder durch Kabelschächte wandernd – in Ritzen von Mobiliar und unter Umständen sogar in Büroräumen und PC-Tastaturen.
Nach umfangreichen Forschungen hat Rentokil ein effektives Kombinationsverfahren entwickelt, das die Tiere sicher abtötet: Die Raumtemperatur wird mittels spezieller Geräte auf bis zu
55 Grad Celsius erhöht. Die Hitze stört den Stoffwechsel der Tiere und so verenden sie in wenigen Minuten. Ab einer Temperatur von 35 Grad Celsius kommen Bettwanzen aus ihren Verstecken. Ein gezielt aufgebrachtes Kontaktgift tötet sie dann schnell und sicher ab. „Dieses Verfahren aus beiden Methoden ist für Menschen ungefährlich und macht somit eine längere Versiegelung und Sperrung betroffener oder von Befall bedrohter Räumlichkeiten überflüssig“, unterstreicht Andree Szymanowski.
Marder und Waschbären vergrämen
Als Kabelbeißer gefürchtet, legen Steinmarder mitunter Kraftfahrzeuge lahm. Die hundeartigen Raubtiere unterliegen dem Jagdgesetz und dürfen daher nicht getötet werden. „Bleibt nur, die Tiere durch Repellentien (unangenehm riechende Substanzen) zu vergrämen“, schlägt Hans-Martin Bräuer eine wirksame Alternative vor. Die Schädlingsbekämpfer tränken dazu Lappen mit einem flüssigen Präparat, das zum Beispiel aus menschlichem Schweiß hergestellt wird, und bringen es in einer Box aus. „Dieses Mittel ist ebenso für die Vergrämung von Waschbären, die mittlerweile in vielen Gegenden Deutschlands eingebürgert sind, geeignet“, weiß der Berater. Auch der Einsatz von speziellen Marder-Kragen kann durch den Schädlingsbekämpfer vorgenommen werden. Dieser soll den Eindringling daran hindern, an Fallrohren ins Gebäude zu gelangen.
Trotz sorgfältigster Reinigung ist Schädlingsbefall aus mannigfachen Gründen unvermeidbar. „Durch ein Monitoring und gezielte Präventionsmaßnahmen kann man aber größere Schäden oder sogar Stilllegungen von Betriebsteilen verhindern“, bekräftigt Andree Szymanowski. Er empfiehlt, die Reinigungsteams für die Symptome von Schädlingsbefall zu sensibilisieren: „Hausmäuse etwa bewegen sich stets an den Wänden entlang, um sich vor Feinden zu schützen. Werden unmittelbar an den Paneelen eines Raums ‚Mäusekegel‘ entdeckt, sollte sofort gehandelt werden“, erläutert der Verkaufsleiter anhand eines konkreten Beispiels.
Reinhard Wylegalla | peter.hartmann@holzmann-medien.de