VDMA Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

„Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell sichert den langfristigen Erfolg von Unternehmen.“ Davon ist nicht nur Markus Asch, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung von Kärcher, überzeugt, sondern auch viele Maschinenbauer und Forscher, die sich mit der Bedeutung von Nachhaltigkeit befassen. Gerade die Wirtschaft leiste hier wichtige Beiträge, die weit über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Zahlung von Steuern und Abgaben hinausgehen, betonte Professor Dr. Timo Meynhardt, HHL Leipzig und Universität St. Gallen. „Doch die Firmen kennen ihren Beitrag für die Gesellschaft zum Teil zu wenig und verkaufen sich unter Wert“, sagte Meynhardt auf der Konferenz der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence im neu errichteten Kärcher-Auditorium Anfang Dezember in Winnenden.

Mit dem von ihm entwickelten „Public-Value“-Ansatz will Meynhardt dies ändern. Damit sei es den Unternehmen möglich, ihren Beitrag zum Gemeinwohl direkt zu steuern, betonte er. „Wir sind überzeugt davon, durch Nachhaltigkeit einen wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen, und rufen alle Unternehmen dazu auf, Nachhaltigkeit in ihre Firmen-DNA zu übernehmen“, bekräftigte Asch in seiner Eröffnungsrede diese Stoßrichtung. Gut 100 Nachhaltigkeitsexperten und Interessierte versammelten sich auf der VDMA-Konferenz, um über Ressourceneffizienz in der Produktion, unternehmerische Verantwortung, aber auch über entsprechende Anforderungen aus Politik und Gesellschaft zu diskutieren.

Peter Hofelich, Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, stellte in seinem Grußwort die guten Voraussetzungen vor, die gerade das Bundesland im Südwesten hat, um als Leitanbieter für nachhaltige Produktionstechnik der Zukunft voranzugehen: „Eine starke Wirtschaft gepaart mit einer leistungsfähigen Bildungs- und Forschungsinfrastruktur: Dies ist die Basis für nachhaltiges Wirtschaften in Baden-Württemberg. Ohne die intelligenten Lösungen unseres Maschinen- und Anlagenbaus sind eine Energiewende, der Strukturwandel in eine digital vernetzte Industrie 4.0 und letztlich die langfristige Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch nicht leistbar“, erklärte Hofelich.

Auf dem anschließenden Podium diskutierten die Teilnehmer kontrovers. Aus der Sicht von Dr. Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, reiche es nicht aus, sich auf bisherigen Errungenschaften auszuruhen. „Die Firmen haben nachzuholen und müssen den ganzen Produktionszyklus nachhaltig ausrichten, wie die nachhaltige Gewinnung der Rohstoffe sowie die Wiederverwertung von Ressourcen in Kreisläufen, aber auch innerhalb ihres sozialverträglichen Handelns“, sagte sie und plädierte für verbindliche Vorgaben seitens der Politik.“

Dem entgegnete Naemi Denz, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im VDMA, dass gerade den kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht geholfen wäre, wenn sie mit weiteren Vorgaben und Berichtspflichten überfrachtet würden. „Die eng begrenzten personellen Ressourcen im Mittelstand können viel sinnvoller für gelebte Nachhaltigkeit eingesetzt werden. Nachhaltigkeit auf dem Papier hilft nicht weiter. Für Mensch und Umwelt kann durch angepasste Beratung und Unterstützung der Unternehmen mehr erreicht werden. Genau hier setzt die VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence seit vier Jahren erfolgreich an“, sagte Denz.

Im Nachhaltigkeitsmarktplatz konnten die Teilnehmer der Konferenz Einblicke in gelebte Unternehmenspraktiken gewinnen. Zum Beispiel wie die H2O GmbH Industriewasser so aufbereitet, dass es wieder verwendet werden kann, oder wie die Lütze GmbH Nachhaltigkeit strategisch als Fundament für Effizienz in der Unternehmensführung nutzt.