»Der digitale Mobilfunk hat unser Leben verändert wie kaum eine andere Entwicklung zuvor.«
20 Jahre Mobilfunk - Fluch oder Segen?
„Ich steige gerade in den Flieger, melde mich, wenn die Maschine gelandet ist.“ Für 50 lange Minuten Flugzeit muss der gehetzt wirkende Flugpassagier nun auf sein Handy verzichten. Und man sieht ihm an, wie schwer es ihm fällt: Das Handy abschalten -und damit völlig abgeschnitten zu sein von der Außenwelt.
50 lange Minuten! Ohne SMS, ohne E-Mail, ohne Telefonate! Allein der Gedanke daran sorgt bei besagtem Herrn sichtlich für zusätzlichen Stress.
Wie hat dieser Mensch nur den Alltag, sein ganzes Leben bewältigt, bevor es Handys und Smartphones gab? Er weiß es wahrscheinlich selbst nicht mehr!
Dabei liegt die mobilfunktechnische Steinzeit doch gerade mal 20 Jahre zurück - denn erst im Juli 1992 ging der digitale Mobilfunk an den Start. Happy Birthday!
Die ersten mobilen Telefone waren so groß (und so schwer) wie ein Boardcase und kosteten mit rund 28.000 Mark damals so viel wie ein gebrauchter Mittelklassewagen.
Wer ein solches Teil mit sich herumschleppte, war wichtig und wurde teils bewundernd, teils neidisch, teils auch kopfschüttelnd von seinen Mitmenschen beäugt.
Schon bald kamen die ersten Handys auf den Markt. Mit dem, was man heute gemeinhin mit Handy bezeichnet, hatten sie allerdings nur wenig Ähnlichkeit: unhandlich wie ein Brikett, mit langer, ausziehbarer Antenne, Preise um die 3.000 Mark.
Minutenkontingente oder Flatrates? Fehlanzeige, dagegen lag die Grundgebühr noch bei satten 80 Mark, für die Gesprächsminute waren etwa 2 Mark fällig. Eine Garantie, auch telefonieren zu können, gab es nicht: Verbindungen zu bekommen, glich einem Glücksspiel, von einer lückenlosen Netzabdeckung konnte keine Rede sein.
Heute, 20 Jahre später, sind die Mobilfunknetze gut ausgebaut und es gibt sage und schreibe 114 Millionen Mobilfunkanschlüsse in Deutschland. Die Handys heißen nun Smartphones, leisten so viel wie ein Kleincomputer, ersetzen Compact- und Videokameras - und lassen sich ganz nebenbei auch zum Telefonieren nutzen.
(Fast) jeder hat heute ein solches Gerät, hat endlich geschäftliche und private Daten und Termine Tag und Nacht im Griff, ist immer und überall erreichbar und verfügbar.
Selbst bei der Nahrungsaufnahme im Schnellrestaurant kann man ganz nebenbei - wie in einem Hit besungen - „148.713 Mails checken“ und wichtige Daten mit ebenso wichtigen Mitmenschen übers mobile Internet oder per Cloud austauschen. Rund um die Uhr.
Fluch oder Segen? Das muss jeder für sich selbst beantworten. Vielleicht hilft ein Zitat des Publizisten Johannes Groß bei der Antwort: „Nur Dienstboten müssen immer und überall erreichbar sein.“
Die Wahrheit liegt wie so oft wahrscheinlich in der Mitte ...
Ihr Peter Hartmann
