Schädlingsbekämpfung/Holzschutz Azubitausch in Berlin

Die Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer ist sehr vielschichtig. Doch nicht jeder Betrieb deckt im Arbeitsalltag die komplette Palette der möglichen Arbeiten ab. Eine Möglichkeit, die Azubis dennoch das volle Spektrum kennen lernen zu lassen, ist der Austausch zwischen verschiedenen Betrieben für Praktikumsphasen.

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    Denis Heising „spielt mit dem Feuer“ beim Abflammen des vorbereiteten Mauerwerks.
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    Vornässen der Oberfläche zum Staubbinden.
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    01 Schaumverfahren live – Patrick Wandke schäumt selbst.
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    02 Reinigungsarbeiten im Dachstuhl mit Netz und doppeltem Boden.
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    03 Geräte- und Materialkunde am praktischen Beispiel.

Azubitausch in Berlin

-In der Bundesratssitzung Mitte November 2007 in Eisleben (Anm. d. rr -Red.: es handelte sich um die Sitzung des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands e.V.) wurde unter anderem angesprochen, dass es für einige Ausbildungsbetriebe schwer sei, ihre Auszubildenden mit ausreichenden praktischen Fertigkeiten in allen Teilbereichen zu unterweisen. So sei es zum Beispiel Berliner Ausbildungsbetrieben äußerst schwierig, ihre Auszubildenden im Holzschutz, in der Schwammsanierung und/oder im Pflanzenschutz ausreichend mit praktischen Arbeiten zu versorgen. Durch Mario Heising (Landesverband Berlin) wurde angeregt, eine Art Praktikumshandel zu eröffnen. Auszubildende und Betriebe hätten dort eine Plattform. Die Bundesgeschäftsstelle wird die Meldung der Praktikumsangebote und die Anfragen der Auszubildenden ab sofort verwalten, erklärte Rainer Gsell (Anm. d. rr -Red.: Vorsitzender und Geschäftsführer des DSV).

Nägel mit Köpfen

In diesem Zusammenhang sprach ich, Thomas Loose, den Vorsitzenden des LV Berlin im Anschluss an die Bundesratssitzung nochmals darauf an. In diesem Gespräch bot ich Mario Heising an, einen oder auch mehrere Auszubildende mit auf eine Baustelle zu nehmen, um diese mit praktischer Arbeit in den Bereichen vorbeugender und bekämpfender chemischer Holzschutz sowie Schwammsanierung etwas vertraut zu machen. Ich erklärte Mario, dass ich in der Nähe Berlins eine Baustelle habe, welche alle vorgenannten Arbeiten umfasst. Auf dieser Baustelle hatte meine Firma Ende dieses Sommers eine Heißluftbehandlung zur Bekämpfung von Hausbock und Nagekäfer ausgeführt. Die Arbeiten zum bekämpfenden chemischen Holzschutz und zur vorbeugenden Behandlung standen noch aus. Wir besprachen noch einige Details und telefonierten in den folgenden Tagen noch mal, um den genauen Termin abzustimmen.

Anfang Dezember war es soweit. Mario brachte am Montagnachmittag die beiden Azubis, Patrick und Denis, zum vereinbarten Treffpunkt, einer Autobahnraststätte an der A 19. Die voll gepackten Reisetaschen der beiden wurden umgeladen und nach einem kurzen Kennenlernen im Bistro der Raststätte ging es weiter Richtung Güstrow. Dort angekommen machten wir als erstes einen kleinen Rundgang auf der Baustelle, um die beiden mit der Örtlichkeit etwas vertraut zu machen. Danach ging es ins Hotel zum gemeinsamen Abendessen. Beide Azubis erhielten von mir noch ein paar schriftliche Unterlagen zum „Durcharbeiten“, unter anderem Arbeits- und Betriebsanweisungen für die Geräte und Materialien, mit denen wir in den nächsten Tagen arbeiten mussten.

Lernen durch Praxis

Auf der Baustelle ging es am folgenden Morgen gleich rund. Schwammsanierung. Ihre bisherigen Kenntnisse abfragend und auf die Besonderheiten der Schwammsanierung hinweisend machten wir uns an die Arbeit. Putz abstemmen, Fugen auskratzen und dabei versteckt verbaute Hölzer freilegend erledigten wir die Vorarbeiten zur Schwammsanierung. Zwischendurch ging ich immer wieder auf die beiden ein und erklärte ihnen Erkennungsmerkmale von Holzarten, die einzelnen Gefährdungsklassen, Sicherheitszuschläge und Merkmale des vorhandenen Pilzbefalls. Noch vor dem Mittag wurden die vorbereiteten Oberflächen abgeflammt und anschließend mit Schwammsperrmittel behandelt. Am Nachmittag wurden im mehr als 9 m hohen Dachstuhl die Laufstege eingebaut. Für die bekämpfenden Holzschutzarbeiten im Bereich der Fußpfetten und Deckenbalkenköpfe wurden die Löcher für die Injektoren gebohrt. Dabei erwies sich auch mein Mitarbeiter Jens als guter Informant für Tricks und Kniffe bei diesen Arbeiten. Die nächsten beiden Tage waren ausgefüllt mit Arbeiten zum chemischen Holzschutz. Alle Dachverbandhölzer wurden gereinigt und vorgenässt, die Bohrlöcher für die Injektagen gesetzt, die Packer eingeschlagen und die chemische Behandlung im Spritz- und Injektageverfahren ausgeführt.

Beide Azubis erhielten die „Hausaufgabe“, den erforderlichen Materialaufwand für die vorbeugende chemische Behandlung der Dachverbandhölzer zu errechnen. Die dafür erforderlichen Grundlagen wurden ihnen während der Arbeiten mitgeteilt. Gemeinsam errechneten sie den Aufwand für Materialkonzentrat und Wasser einschließlich eingeschätzten Spritzverlust.

Am Freitag mussten nur noch kleinere Restarbeiten erledigt werden. Anschließend wurde die Baustelle beräumt und es ging wieder Richtung Heimat. Gegen Mittag traf sich Mario Heising wieder mit uns auf der Raststätte und nahm die beiden in Empfang.

Im Ergebnis dieser Woche kann ich sagen, dass beide Auszubildenden sehr wissbegierig waren und mit Eifer bei der Arbeit mitzogen. Ich gehe davon aus, dass sie einen umfangreichen Einblick in die verschiedenen Arbeiten im Holz- und Bautenschutz bekommen haben. Aber auch für mich waren sie eine wertvolle Hilfe. Ohne die zwei hätten wir deutlich mehr Zeit für die Abarbeitung des Auftrages benötigt.

Nachdruck aus DpS – Fachzeitschrift für Schädlingsbekämpfung.