... und dann will es keiner gewesen sein So reinigt man Sanitärarmaturen

Die Reinigung von Sanitärarmaturen muss gründlich geplant sein, Schäden sind sonst programmiert. Allein die unterschiedlichen Vergütungsschichten beziehungsweise Oberflächen von Armaturen bergen etliche Fehlerquellen. Sicherheit bringt eine Reinigungsempfehlung.

Sensible Objekte: Sanitärarmaturen verzeihen keine Reinigungsfehler.

So reinigt man Sanitärarmaturen

-Wer kennt sie nicht, die Schadensbilder kaputtgereinigter Sanitärarmaturen. Kaputtgereinigt? Oder mechanisch beschädigt? Oder von vorneherein nicht geeignet? Weil die Ursachen und Verantwortlichen im Nachhinein oft schwierig auszumachen sind, haben sich die FRT (Europäische Forschungsgemeinschaft für Reinigungs- und Hygienetechnologie e.V.) in Zusammenarbeit mit dem IHO (Industrieverband Hygiene und Oberflächenschutz e.V.), dem IKW (Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V.) und dem VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.), Fachverband Armaturen darauf verständigt, eine Anleitung zu erarbeiten, die solche Schäden vermeiden helfen soll [1]. Wenn sich alle Beteiligten an diese Anleitung halten, sollten eigentlich keine Schäden mehr eintreten.

Reinigungsplanung im öffentlich-gewerblichen Bereich

Die Reinigungsplanung muss natürlich auf die vorhandenen Armaturen und insbesondere ihre spezifischen Oberflächen Rücksicht nehmen. Moderne Sanitärarmaturen tragen dem Marktbedürfnis nach Design und Funktionalität Rechnung. Um diesem gerecht zu werden, bestehen sie heute aus sehr unterschiedlichen Werkstoffen. Dies stellt natürlich verschiedene Anforderungen an die Reinigungsmittel und an die Reinigungsmechanik. Die Inhaltsstoffe der Reinigungsmittel müssen mit den Werkstoffen verträglich sein. Die Oberflächen müssen die mechanische Belastung aushalten bzw. mechanische Belastung muss bei empfindlichen Oberflächen vermieden werden.

Das Spektrum der Objekte und damit unterschiedlicher Anforderungen an Sanitärräume reicht von Krankenhäusern und Einrichtungen der Lebensmittelindustrie über Sportstätten bis zu Hotels und Raststätten. Da ist bedarfsgerechte Sanitärreinigung erforderlich, die gewissenhaft geplant werden muss. Die Häufigkeit und Intensität der Benutzung – ein weites Feld – und die Frequenz der Reinigung müssen aufeinander abgestimmt sein.

Bei der Reinigungsplanung sind selbstverständlich auch die Wahl eines zur Reinigung tatsächlich geeigneten Mittels und die richtige Anwendungskonzentration unverzichtbar. Je nach vorhandenem Schmutz und Kalkaufbau ist die Häufigkeit zwischengeschalteter Grundreinigungen festzulegen. Die Art der Sanitärarmaturen und dementsprechend der Anforderungen an Reinigungsmittel und Reinigungsgeräte müssen Gebäudereiniger und Gebäudebetreiber zu Beginn der Zusammenarbeit klären.

Oberflächen von Sanitärarmaturen

Die am häufigsten vorkommende Vergütungsschicht bei Sanitärarmaturen ist die Chrom-Nickel-Oberfläche entsprechend den Anforderungen nach DIN EN 248. Es kommen aber auch höchst unterschiedliche andere Oberflächen vor: Zum Beispiel Edelstahl, Kunststoffe, pulver- bzw. nasslackierte Oberflächen, eloxiertes Aluminium, PVD-Beschichtungen (metallisch wirkende Hartstoffschichten) und galvanische Sonderoberflächen, die goldenen oder orangenen Schimmer zeigen. Manche dieser Oberflächen, insbesondere farbige, nicht metallische Oberflächen, sind gegen Verkratzen empfindlicher als zum Beispiel metallische Oberflächen oder auch die PVD-Beschichtungen. Vor Beginn der Reinigung ist es daher unbedingt erforderlich, die Art der zu reinigenden Oberflächen genau zu bestimmen und dann geeignete Reinigungsmittel und Reinigungshilfsmittel auszuwählen.

Reinigungsmittel und Reinigungshilfsmittel

Bei der Armaturenpflege sollte grundsätzlich beachtet werden, dass nur die Reinigungsmittel eingesetzt werden, die für diesen Anwendungsbereich ausdrücklich vorgesehen sind. Das Reinigungsmittel muss also zur festgestellten Sanitärarmatur und oberfläche passen. Was lässt sich generell sagen? Zur Entfernung von starken Kalkablagerungen sind Säuren als Bestandteil von Reinigern unbedingt erforderlich. Zur Unterhaltsreinigung kommen je nach Verschmutzungsintensität auch „sanftere“, passivierte oder nicht sauer eingestellte Reiniger in Frage. Vorzugsweise sollten Reinigungstextilien verwendet werden, die möglichst wenig Partikel binden können. Dafür sind gewirkte Tücher eher geeignet als Gewebe. Partikel, die sich in Reinigungstextilien festsetzen, können zur mechanischen Schädigung der Sanitärarmaturenoberflächen beitragen.

Was gilt es zu vermeiden? Flüchtige Säuren wie Salzsäure, Ameisensäure oder Essigsäure sollten nicht in dem verwendeten Reiniger enthalten sein. Die Dämpfe dieser Säuren können an innenliegende Strukturen der Sanitärarmaturen gelangen, die dem nachfolgenden Abspülen nicht zugänglich sind. Dort können dann Korrosionsschäden eintreten. Ausnahme: Der IKW hat eine Empfehlung zur Qualitätsbewertung für Badezimmerreiniger herausgegeben; wenn dort gute Materialverträglichkeit bescheinigt wurde, können auch Reiniger eingesetzt werden, die diese Säuren enthalten. Auch phosphorsäurehaltige Reiniger sind nicht uneingeschränkt anwendbar. Gar nicht angewendet werden sollten chlorbleichlaugehaltige Reiniger (Natriumhypochlorit). Generell dürfen abrasiv (oberflächenabtragend) wirkende Reinigungshilfsmittel und Geräte nicht verwendet werden. Vermeiden Sie also bitte die Verwendung nicht speziell geeigneter Scheuermittel, Padschwämme etc.! Das Mischen verschiedener Reinigungsmittel ist generell nicht zulässig. Gebrauchslösungen müssen in geeigneten, unverwechselbaren, eindeutig gekennzeichneten Gebinden angesetzt werden.

Regelmäßig und bedarfsgerecht

Nun wissen wir, was zu vermeiden ist. Was ist denn nun positiv zu tun? Generell gilt: Regelmäßiges Reinigen (Reinigungsplan) beugt dem Aufbau von Verkalkungen und Schmutzschichten vor. Eine Umwelt und Sanitärarmaturen belastende Grundreinigung wird so hinausgezögert oder vermieden. Vorhandene Kalkablagerungen erfordern energisches Eingreifen, das jedoch nicht zu Lasten der Sanitärarmatur gehen darf.

Die Gebrauchsanweisungen der Reinigungsmittelhersteller sind unbedingt zu befolgen. In den Anleitungen wird generell folgenden Punkten Rechnung getragen.

  • Die Reinigung muss bedarfsgerecht durchgeführt werden. Dosierung und Einwirkzeit der Reinigungsmittel sind den objektspezifischen Erfordernissen anzupassen.
  • Reinigungsmittel dürfen nie länger als nötig einwirken und müssen gründlich abgespült werden.
  • Gegebenenfalls können Kalkablagerungen durch direkten Auftrag des unverdünnten Produktes entfernt werden. Umso wichtiger ist dann das gründliche Abspülen.
  • Bei der Sprühreinigung soll die Reinigungslösung nur auf das Reinigungstuch oder den Schwamm aufgesprüht werden. Der Sprühnebel kann in Öffnungen und Spalten der Armaturen eindringen und so ins Innere gelangen, das dem nachträglichen Abspülen nicht mehr zugänglich ist. Hierdurch können Korrosionsschäden entstehen.
  • Reinigungstextilien müssen möglichst oft und gründlich ausgewaschen werden. Fremdpartikel in den Textilien führen zu Kratzern und schädigen Oberflächen mechanisch. Nur penibel saubere Reinigungstextilien verwenden! Sonst halten Sie Schmirgelpapier in Händen.
  • Die zu reinigenden Oberflächen sollten grundsätzlich vorgenässt werden, um z.B. Fugen ausreichend mit Wasser zu füllen und vor allem: Produktrückstände von Seifen, Duschgels etc. vor der eigentlichen Reinigung gründlich abzuspülen.
  • Zum Schluss noch einmal der wichtigste Hinweis: Nach der Reinigung ausreichend mit klarem Wasser nachspülen, damit verbliebene Produktanhaftungen wirklich restlos entfernt werden.

Wenn die Oberflächen der Sanitärarmaturen bereits beschädigt sind, sind damit Angriffspunkte für das Fortschreiten der Schäden geschaffen. Insbesondere bei Übernahme eines Objektes ist es deshalb unbedingt wichtig, den Zustand der Sanitärarmaturen sorgfältig zu prüfen und festzuhalten. Bei bereits vorgeschädigten Sanitärarmaturen sind die vorgenannten Empfehlungen besonders wichtig: Häufige, aber sanfte Reinigung vermeidet Kalk- und Schmutzaufbau und erlaubt eine mechanisch und chemisch möglichst wenig belastende Reinigung. Ausreichendes Nachspülen mit klarem Wasser ist besonders notwendig, um das Fortschreiten der Schäden nach Möglichkeit einzuschränken.

Die Beachtung dieser Reinigungsempfehlung, die erstmalig 2003 und in aktualisierter Fassung 2007 von den genannten Verbänden veröffentlich worden ist, hat in der Praxis dazu geführt, dass deutlich weniger Schäden an Sanitärarmaturen entstanden sind und so Reklamationen und unangenehme Auseinandersetzungen vermieden werden konnten. Wir hoffen sehr, dass auch in Anbetracht immer schwieriger wirtschaftlicher Zeiten und demgemäß begrenzter Einsatzmöglichkeit an Personal und Reinigungsmittel dennoch keine nachlässige Routine einkehrt, sondern der sach- und bedarfsgerechten Reinigung von Sanitärarmaturen weiterhin größte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Professionelle Gebäudereinigung erhält Werte!

Dr. Walter Gekeler, IHO | peter.hartmann@holzmannverlag.de