In nur sechs Monaten entstand in den Räumen der ehemaligen Krankenhausküche im St.- Vincenz-Hospital in Brakel eine moderne „Zentrale Sterilgut-Versorgungsabteilung (ZSVA)“. Die knapp 700 m 2 große Zentrale nahm im Oktober vergangenen Jahres ihren Betrieb auf. Auch externe Kunden profitieren mittlerweile von der neuen Einrichtung.
Zentrale Sterilgutversorgung auf hohem Niveau
-„Die Inbetriebnahme dieses modernen Dienstleistungszentrums ist ein bedeutender Faktor für die Infrastruktur des Brakeler St.-Vincenz-Hospital“, resümierte Betriebsleiter Wolfgang Reetz bei der Inbetriebnahme der Zentral-Steri in Brakel. „Die letzten Monate haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Hochtouren gearbeitet, um den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten“, sagt Reetz, der neben seiner Aufgabe als Betriebsleiter zusammen mit Gesundheits- und Krankenpfleger Karl-Heinz Höke auch für die Leitung des Pflegedienstes des St.-Vincenz-Hospitals verantwortlich ist. Zurzeit werden die Kliniken Brakel, Bad Driburg und Steinheim über die neue Anlage versorgt. Ab Juni wird auch das St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter angeschlossen.
Rund dreieinhalb Millionen Euro investierte der Auftraggeber, die Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge gGmbH, in die Anlage zur Wiederaufbereitung medizinischer Instrumente. „Der Gedanke, eine zentrale Sterilisation zu bauen, entstand bereits vor fünf Jahren,” erklärt Theo Franke, Geschäftsführer der Hospitalvereinigung. Grund: Die Sterilisationsabteilungen der zur Holding gehörenden Krankenhäuser St.-Josef-Hospital in Bad Driburg, St.-Vincenz-Hospital in Brakel, St.-Rochus-Krankenhaus in Steinheim und St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter entsprachen nicht mehr den aktuellen, vorgeschriebenen Qualitätsstandards.
Ein Gutachten hatte ergeben, dass es jedoch wesentlich teurer geworden wäre, die einzelnen Abteilungen zu modernisieren, als eine ZSVA zu errichten. So war diese Lösung sowohl aus betriebswirtschaftlichen Gründen als auch im Hinblick auf die Qualität und die hygienisch sichere Aufbereitung der Güter naheliegend. Die zentrale Lage und die gute Infrastruktur gaben schließlich den Ausschlag für den Standort Brakel.
Verantwortlich für die Planung und Betreuung des Projektes ist Robert Ludes, Geschäftsleiter Plural Stericoncept, einem Tochterunternehmen der Plural-Unternehmensgruppe, das sich auf die nichtmedizinische Beratung von Krankenhäusern und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen spezialisiert hat. Zielgruppe sind Lieferanten und Versorger im Bereich Sterilgutversorgung, von der Ist- und Bedarfsanalyse zur Sterilgutversorgung über die Prozessanalyse und Organisationsberatung bis hin zur Koordination des In- und Outsourcings reicht das Leistungsspektrum.
100.000 Operationssets im Jahr
Ein rundes Dutzend ähnlicher Abteilungen hat der 53-Jährige bereits aufgebaut, doch „so schnell und reibungslos wie in Brakel ist es noch nie gelaufen“, sagt er anerkennend. Wo vormals gekocht und gespült wurde, können jetzt von speziell geschulten Mitarbeitern jährlich maximal 100.000 Operationssets – das entspricht 500 t Medizinprodukte – nach validierten Verfahren gereinigt, desinfiziert, neu verpackt und sterilisiert werden.
Unter den neuen Qualitätsgesichtspunkten ist es zudem auch möglich, Operationssiebe im Fachbereich Chirurgie zusammenzufassen und zu vereinheitlichen, damit sie für sämtliche Kliniken der Weser-Egge eingesetzt werden können. Aber auch externe Kunden wie ambulante OP-Zentren, Arzt- und Zahnarztpraxen können ihre Instrumente von der ZSVA in Brakel aufbereiten lassen.
„Das Aufbereitungsverfahren erfolgt nach höchsten Qualitätsstandards und lässt eine fachgerechte und hygienisch sichere Aufbereitung von fast allen Arten an OP-Instrumenten zu“, so Theo Franke. Das hochmoderne Dienstleistungszentrum umfasst eine reine Aufbereitungsfläche von rund 500 m2, auf weiteren 200 m2 ist die dafür erforderliche Technik untergebracht. Herzstück ist die EDV-Anlage, die eine Vernetzung aller Geräte und Packplätze und damit eine lücken- und papierlose Dokumentation aller Produktionsabläufe ermöglicht. Für alle Siebe und Einzelgüter existieren detaillierte Packanweisungen, in denen, falls notwendig, auch Prüfungen und Funktionskontrollen hinterlegt sind.
Schulung stellt Qualität sicher
Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zentral-Steri sind ausgebildete technische Sterilisationsassistenten. Ein Großteil von ihnen hat die entsprechenden Fachlehrgänge an der Fachschule für Hygiene, Technik und Sterilgutversorgung (fhts), einer Tochtergesellschaft von Plural, absolviert. Für die laufende hygienische Beratung der ZSVA ist die Firma „hycom” (Höxter) zuständig.
Für Ende 2008 ist die Zertifizierung der Zentral-Steri vorgesehen. Neben der Ausbildung des Personals ist dies ein weiterer Schritt zur Erfüllung und Dokumentation des eigenen Qualitätsanspruches, bei dem auch Plural-Stericoncept wieder eine wichtige Rolle spielt, wie Projektleiter Stefan Sommer weiß: „Bis zur endgültigen Zertifizierung des Steris im Dezember 2008 unterrichten wir das gesamte Team über alle Vorschriften und Richtlinien des Qualitätsmanagements und der Prozessoptimierung.“
Sonja Stephens | peter.hartmann@holzmannverlag.de