Nicht alle Mitglieder einer Familie haben dieselben Eigenschaften, das trifft auch auf Schiefer zu. Längst sind es nicht mehr allein die schwarzen Gesteine aus Portugal oder von der Mosel, sondern die farbigen Sorten aus Brasilien, die sich immer höherer Beliebtheit erfreuen.
Schiefer und schiefrige Gesteine
-Die Bezeichnung „Schiefer“ ist kein Kriterium für feststehende technische Eigenschaften. Generell muss man zwischen zwei Typen von Schiefern unterscheiden. Hinzu kommen noch Quarzschiefer, andere spaltraue schwarze Natursteine und Kunststeine in Schieferoptik. Sie alle unterscheiden sich im Anschmutz- und Reinigungsverhalten deutlich. Wir wollen in diesem Artikel Licht in die dunkle Optik bringen.
„Echte“ Schiefer (Tonschiefer) am Beispiel Portoschiefer: Der in der Gegend zwischen Porto und Vila Real im Norden Portugals abgebaute metamorphe Tonschiefer hat schon eine sehr lange Geschichte hinter sich. Er bildete sich im Zeitalter des Ordoviziums (ca. 495 bis 443 Millionen Jahre). Diese Ära ist relativ unbekannt, da das Zeitalter der Dinosaurier erst 250 Millionen Jahre später folgte. Teile Afrikas (Saharagebiet) und Südeuropas lagen damals unter einem Eispanzer, da sich diese Gebiete der Erde zu jener Zeit im Bereich des Südpols befanden.
Durch Verwitterung entstandenes Lockermaterial wurde durch Flüsse von den damals existierenden Kontinenten in die Meere transportiert. Dabei wurde das gröbere Material (Sand, Kies) in Küstennähe abgelagert, während die feinkörnigen Tonminerale erst in den landferneren, tieferen Beckenbereichen zur Ablagerung gelangten. Organische Reste von Meereslebewesen, vor allem Algen, sorgten für den Kohlenstoff, der – feinverteilt im Portoschiefer – die Ursache für die dunkle Farbe ist. Derartige dunkle tonige Ablagerungen (Faulschlämme) entstehen in der Regel nur an Orten, die arm an Sauerstoff sind. Die über Millionen Jahre dauernde Ablagerung bei gleichzeitiger Überlagerung durch jüngeres Sedimentmaterial führte kontinuierlich zu einer Verfestigung, wobei durch den Druck der überlagernden Schichten der Wassergehalt und die Porenräume in den Schichtlagen stetig verkleinert wurden. Aus Ton wurde so Tonstein und danach unter erhöhtem Druck und erhöhten Temperaturen Tonschiefer. Durch Absenkungsvorgänge der Erdkruste im Rahmen von Gebirgsbildungsprozessen gelangte der Portoschiefer auf diese Weise bis in 15 km Erdtiefe. Die Richtung der Schieferungsflächen hat nichts mit den alten Ablagerungsschichten zu tun.
Reinigung von Tonschiefer
Portoschiefer ist praktisch frei von Kalk. Eine Entfernung von zementären Resten oder Kalkspuren ist mit einem handelsüblichen Sanitärreiniger auf Basis von Amidosulfonsäure (Into, Tassanit, Millizid ...) problemlos möglich. Der Stein wird nicht angegriffen. Andere Säuren, wie Phosphorsäure oder Salzsäure, greifen dieses Material jedoch schnell an. Bei den alkalischen Reinigungsmitteln ist wegen der organischen Anteile nicht jedes Produkt geeignet. Die Empfindlichkeit lässt sich mit der von Linoleum vergleichen. Universalgrundreiniger, die für Linoleum geeignet sind, können in der Regel auch auf Tonschiefer angewendet werden. PH-Werte, die höher als 10,5 liegen, Schimmelentferner (Chlorbleichlauge oder H2O2) oder stark lösemitelhaltige Produkte können die farbgebenden organischen Inhaltsstoffe angreifen.
Die älteste Methode, Tonschiefer zu reinigen, erfolgt mit einem klassischen Seifenreinger. Für einen effektiven Schichtaufbau nach der Verlegung, bzw. Grundreinigung ist es erforderlich, etwa 14-mal mit der maximalen Wirksamkeitskonzentration zu reinigen. Diese Anwendungskonzentration ergibt sich aus der Wasserhärte und dem Reinigungsmittel. Der Hersteller des Seifenreinigers kann hierzu Auskunft geben.
Nach dem ersten Schichtaufbau ist der Belag mittels einer trockenen Naturbürste aufzuarbeiten. Dabei werden die Kalkseifen „verdichtet“ und „aufpoliert“. Danach kann mit der normalen Dosierung gereingt werden, bzw. auf einen synthetischen Seifenreiniger umgestellt werden, um eine Überpflegung zu vermeiden. Die Verwendung von Produkten, die wasserlösliche Polymere enthalten, ist abhängig vom Datum der Verlegung und vom Vorhandensein einer Fußbodenheizung, die den Belag erwärmt. Als Mechanik empfiehlt sich bei der manuellen Reinigung ein Schlingen-Fransen-Mopp und bei Automaten eine Hoch-Tief-Bürste mit 0,3/0,5 mm.
Schiefrige Sedimente
Im Moment sind auch viele dunkle schiefrige Sedimente auf dem Markt, die u.a. als brasilianischer Schiefer verkauft werden. Natürlich gibt es in Brasilien, das zu einem Großteil aus sehr alten Gesteinen besteht, eine große Anzahl an Schiefervarietäten, die ähnlich wie der Portoschiefer entstanden sind. Es treten aber auch Sorten auf, die als Schiefer bezeichnet werden, jedoch z.B. aus feinsten Lagen vulkanischer Asche bestehen. Daneben sind auch zahlreiche Schiefer auf dem Markt, die einfach aus unterschiedlichen, feinsten „Materiallagen“ bestehen und sich sozusagen an den Schichtungsebenen spalten lassen, weil hier ein Materialwechsel stattfindet. Bei schwarzer Färbung ist meistens Kohlenstoff farbgebend, der u.a. in Form von Grafit, kohliger Substanz sowie Bitumen (Ölschiefer) vorkommen kann. Rote und braune Farben sind meistens durch Eisenoxyd (Hämatit) oder Eisenhydroxyd (Limonit) hervorgerufen worden. Grüne Schiefer wurden von Chlorit oder Phengit, eine Varietät des Hellglimmers Muskovit, gefärbt. Hier benötigt der Gebäudereiniger eigentlich eine Kristallkugel, um die chemischen Empfindlichkeiten abzuschätzen, zumal die mechanische Beständigkeit auch sehr stark variiert, was bei einem Automateneinsatz sehr schnell zur Zerstörung der Oberfläche führen kann. Da bei schiefrigen Sedimenten durchaus bituminös durchsetzte Kalklagen enthalten sein können, empfiehlt es sich vor einer sauren oder alkalischen Grundreinigung, eine Probefläche anzulegen. Die Unterhaltsreinigung erfolgt analog zum Tonschiefer mit klassischen Seifenreinigern.
Spaltraue schwarze Kalksteine
Sie sind generell säureempfindlich und benötigten pflegende Reinigung wie die bereits erwähnten Materialien.
Quarzschiefer: Eigentlich wäre Quarzit die richtige Gesteinsbezeichnung für diese Gruppe. Sie haben mit dem eigentlichen Schiefer nichts gemeinsam, außer der rauen Oberfläche. Es handelt sich um gepresste Quarzsandsteine. Die Farbpalette reicht von Dunkelgrün – Silbrig (Alta Quarzit aus Nordnorwegen, zu sehen im Flughafen Leipzig bis zu fast Weiß (Albino aus Brasilien). Alle Quarzite sind beständig gegenüber Amidosulfonsäure und dem bereits erwähnten Linoleumgrundreiniger.
Allerdings kann die Reinigungsmethode sehr variieren. Quarzite sind sehr variantenreich in ihrer Porosität. Alta Quarzit ist hochdicht und die Verwendung von pflegenden Systemen hinterlassen ein inhomogenes Bild. Wir hatten einen Fall zu betreuen, in dem dieses Gestein in einer Toilette verlegt und mit Seife pflegend gereinigt wurde. Dank einiger wenig zielsicherer Herren, waren um das Urinal und das WC Flecken entstanden. Nachdem man die Pflegemittelrückstände entfernt hatte, war der Belag wieder einheitlich, da lediglich die Pflegekomponente angegriffen war. Durch den Wechsel auf einen Hochbenetzer in der Unterhaltsreinigung war das Problem gelöst. Je nachdem, wie hoch die Pressung des ursprünglichen Sandsteins war, desto dichter der Stein. Manche Sorten sind relativ porös und können sogar wie der Tonschiefer pflegend gereinigt werden.
Feinsteinzeug (FSZ) in Schieferoptik: Schwarzes FSZ in Schieferoptik wird oft vom Betreiber fälschlicherweise als Schiefer bezeichnet und dann falsch gereinigt. Es ist ein ziemlich empfindliches und teilweise auch heimtückisches Belagmaterial. Kalk kann leicht mit Amidosulfonsäure entfernt werden. Hier ist eine pflegefreie Reinigung angesagt. Mehrfach hatten wir mit einem Grauschleier auf diesem Material zu kämpfen, der nicht aus Kalk bestand. Durch Laboruntersuchungen kam heraus, das diese Ablagerungen aus den geringen Tensidmengen der Alkoholreiniger stammten. Diese können sich an der Oberfläche des Schieferimmitats sehr gut anheften und waren nur noch mit einem Hochbenetzer oder einem terpenhaltigen Mittel entfernbar.
Einpflege als Reinigungsverhinderer: Unabhängig von der Gesteinsart kommen viele Architekten und Bodenleger auf diverse unsinnige Einpflegemethoden. Das reicht von Imprägniermitteln, Wachs, Klinker- oder Schieferöl bis zur Einreibung mit Lein- oder Parkettöl. Dies führt in der Regel zu einem Verlust der Reinigungsfähigkeit der Materialien bzw. anderen unangenehmen Nebenwirkungen wie starken Verstrichungen oder Schmutzfänger für die angrenzenden Flächen. Hier kann man keinen allgemeinen Ratschlag geben.
Einfache Methoden zur Bestimmung: Jeder Schiefer, schiefriges Sediment und schwarze Kalksteine lassen sich durch ein Teppichmesser ankratzen. Hier ist dann also eine pflegende Reinigung angesagt. Quarzite und Feinsteinzeug können in der Regel nicht durch ein Teppichmesser angekratzt werden und sollten pflegefrei gereinigt werden.