So wechselhaft wie die 50-jährige Geschichte des Gebäudes, so facettenreich ist die Aufgabenstellung für den Dienstleister im Berliner Haus der Kulturen der Welt: Er steht auf Abruf bereit, kein Reinigungstag ist wie der andere.
Inszenierte Sauberkeit im Haus der Kulturen der Welt
-In der früheren Berliner Kongresshalle, von den Berlinern etwas respektlos als „schwangere Auster“ bezeichnet, ist heute das Haus der Kulturen der Welt (HKW) untergebracht. Als Ort für internationale zeitgenössische Künste und Forum für aktuelle Diskussionen ist hier ein Treffpunkt für Berliner mit engen Beziehungen zu den Weltkulturen entstanden. Das Haus entwickelt kulturelle Bildungsangebote für Entdeckungslustige aller Altersgruppen, ist Veranstaltungsort für Tagungen, Kongresse und Feiern.
Die Ausrichtung und das Angebot des Hauses macht auch schnell deutlich, dass dieses Objekt für den Gebäudedienstleister eine spannende und abwechlungsreiche Aufgabe darstellt. Nicht zuletzt, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht: „Das ist für ein Haus mit relativ junger Geschichte eigentlich ungewöhnlich“, erklärt Frank Jahn, Leiter Haustechnik im Haus der Kulturen der Welt.
Denkmalschutz legt hohe Maßstäbe an
Vom Architekten Hugh A. Stubbins entworfen und ein Geschenk der Amerikaner an die Berliner Bevölkerung, wurde das Gebäude 1957 als Kongresshaus eröffnet. Charakteristisch für das Bauwerk war (und ist) die ebenso umstrittene wie gewagte Dachkonstruktion. Und, als hätten es die Kritiker geahnt, brach 1980 der südliche Dachüberhang zusammen. 600 t Stahl und Beton krachten auf die Terrasse und Freitreppe des Gebäudes. Beim Wiederaufbau zum Berliner Stadtjubiläum und der damit verbundenen Renovierung und Sanierung des Gebäudeinneren wurden durch den Denkmalschutz strenge Maßstäbe angelegt: „Es mussten zum Beispiel alle Farben und alle Fußböden originalgetreu wiederhergestellt werden“, erinnert sich Frank Jahn. Die Umnutzung von der Kongresshalle zum Haus der Kulturen der Welt (1989) ist ein weiteres Datum in der Geschichte des Gebäudes, das, wie schon die Renovierung und Sanierung, entscheidenden Einfluss auf die Arbeit des Dienstleisters hat. „Wir haben in diesem Gebäude seither öffentliche und geschlossene Bereiche. „Das Foyer, die Gänge und Flure mit Museumsshop und Café sind für jedermann frei zugänglich, die großen Veranstaltungsräume sind geschlossen. Durch den Publikumsverkehr kommen viele Menschen hier ins Haus, was ja auch gewollt ist, und tragen entsprechen auch viel Schmutz ein.“ Mit der Folge, dass der Dienstleister permanent gefordert ist, um die Sauberkeit im Objekt sicherzustellen.
Inszenierte Reinigung und Sauberkeit
In den nicht frei zugänglichen Veranstaltungsräumen finden immer wieder wechselnde Ausstellungen und Kunstinstallationen statt. Der Indendant und die zuständige Kuratoren legen dann fest, welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind und was wann in den Ausstellungsräumen gereinigt werden muss. An diesen Vorgaben orientiert sich dann der Reinigungsauftrag für den Dienstleister GBR Großbauten-Reinigung. Die Mitarbeiter müssen daher besonders zuverlässig und auch besonders flexibel sein, denn hier läuft nichts nach „Schema F“ ab. „Unsere Mitarbeiter müssen bei heiklen Ausstellungen ausreichend Abstand zu den Kunstobjekten halten und im kritischen Bereich von Hand reinigen“, erklärt GBR-Betriebsleiter Peter Hollmann. Um die Aufgabenstellungen ohne Schwierigkeiten zu meistern, setzt er überwiegend Stammpersonal ein.
Überwiegend? „Es kommt immer wieder vor, dass wir kurzfristig nachts mit mehreren Mitarbeitern ins Objekt gerufen werden, um es bis zum nächsten Morgen für eine Ausstellungseröffnung oder einen Event zu reinigen. Dazu greifen wir dann auf einen Pool von Mitarbeitern zurück, die schon Erfahrungen im Objekt gesammelt haben“, macht Hollmann deutlich, dass es immer wieder logistische Probleme zu lösen gilt. „Das ist vor allem der Fall, wenn experimentelle Events stattfinden. Dann ist schwer abzusehen, wann der Aufbau abgeschlossen und was letztlich an Aufwand zu erwarten ist“, erklärt Frank Jahn. Sicher ist nur, dass es bei Installationen und Veranstaltungen fast immer zusätzlichen Reinigungsbedarf gibt und das zu den ungewöhnlichsten Zeiten. Darauf schnell und flexibel zu reagieren, ist eine der Besonderheiten, auf die sich der Dienstleister in diesem Objekt einstellen muss.
Deshalb ist die GBR Großbautenreinigung auch nur mit einem relativ kleinen Stamm von Mitarbeitern für wenige Stunden im Objekt vertraglich gebunden. In dieser Zeit wird die Unterhaltsreinigung erbracht, alle anderen Arbeiten beziehungsweise Dienstleistungen werden immer für den nächsten Monat neu vereinbart. „Wir haben einen Sockel von etwa 50 Prozent der Arbeitszeit vertraglich fixiert, alles andere ist Manövriermasse. Wir erbringen Reinigung und Dienstleistungen quasi auf Zuruf“, erklärt Peter Hollmann. Das gilt auch für das angeschlossene Restaurant: Hier wird ebenfalls auftragsbezogen gereinigt.
Erschwerte Bedingungen
Nicht nur die Leistungserbringung auf Zuruf, auch die Vorgaben des Denkmalschutzes bei der Renovierung des Gebäudes erschweren dem Dienstleister im Haus der Kulturen der Welt die Arbeit. Ein Beispiel dafür ist das Auditorium. Hier ist ein extrem schmutzempfindlicher, hellgelber Veloursbelag verlegt. Allein mit Staubsaugen ist es hier bei der Unterhaltsreinigung meist nicht getan – mehr oder weniger regelmäßig ist auch eine intensive Fleckenentfernung nötig. „Die Besucher des Audimax haben die Angewohnheit, immer wieder Speisen und Getränke mitzubringen – und so finden wir hier die unterschiedlichsten Flecken auf dem Teppich und natürlich auch auf den Sitzpolstern.“
Bei der Fleckendetachur auf dem Teppich geht die GBR punktuell mit Sprühextraktion vor; das Sprühextraktiongerät und die geeignete Chemie (Sprüh Ex) gehören zur Standardausrüstung bei der Unterhaltsreinigung im Auditorium.
Für die Detachur von Flecken auf den Sitzpolstern arbeiten die GRB-Mitarbeiter auch mit ungewöhnlichen Mitteln: „Wir verwenden hier einen schnell wirkenden Reiniger (Sprinter Power), der einfach und mühelos alle Arten von haftenden Verschmutzungen entfernt. Gedacht ist er zwar für Kunstoff- und kunststoffbeschichtete Flächen, leistet aber nach unserer Erfahrung auch auf Polstern gute Dienste“, berichtet Reinhold Gumny, Abschnittsleiter bei GBR, verschmitzt vom Griff in die Trickkiste. „Einfach etwas Reiniger auf das Mikrofasertuch aufsprühen und den Fleck bearbeiten – das genügt in den meisten Fällen. Bei hartnäckigen Verschmutzungen hilft ein universeller Fleckenentferner (Fleck-Ex top) weiter – sofern sie lösemittel- und wasserlöslich sind.“
Ist im Auditorium vor allem Handarbeit angesagt, geht es im Foyer vorwiegend maschinell zur Sache. Hier ist ein Terrazzobelag verlegt. Um den gewünschten Glanz des Belags zu gewährleisten, wird ein Scheuersaug-Automatenreiniger (Innomat A) eingesetzt. „Der schaumfreie Alkoholreiniger trocknet rückstandsfrei an und gibt dem oberflächenpolierten Terrazzobelag ein homogenes Oberflächenbild ohne Schmieren- und Schleierbildung“, erklärt Manfred Zentgraf (Produktmanagement Tana). „Dies ist besonders wichtig, da dieser Eingangsbereich auch für künstlerische Zwecken genutzt wird. Der Boden muss also in einem fehlerfreien Zustand vorliegen, damit die Exponate entsprechen zu Geltung kommen“, ergänzt Peter Hollmann. Dass die optimale Reinigung des Belags nicht immer einfach ist, kann Hollmann mit Beispielen belegen: „Da findet etwa ein indisches Festival statt. Plötzlich werfen die Besucher zahllose frische Blütenblätter in die Luft, tausend Besucher laufen dann auf dem mit Blütenblättern übersäten Boden herum, treten die Blüten fest. Hinzu kommen verschüttete Getränke, heruntergefallene Speisen oder auch schon mal Tierblut. Sie sehen, die Reinigung hier im Objekt ist immer wieder aufs Neue spannend.“
Weniger aufregend gestaltet sich im Vergleich die regelmäßige Reinigung und Pflege der 50 m langen Garderobe. Hier gilt es, den kunststoffbeschichteten schwarzen Holzbelag ohne Rückstände auf der Fläche zu reinigen. Dazu setzt die GBR Großbautenreinigung einen gebrauchsfertigen Allzweckreiniger ein (Sprinter Multiclean). „Die Wirkstoffkombination dieses Reinigers entfernt Fingerabdrücke und Fettflecken – und die gereinigte Fläche ist sofort wieder trocken“, weiß Reinhold Gumny. Vorteile, die bei der Garderobenreinigung wichtig sind. Vor allem, wenn auch schnell mal Verschmutzungen während einer Veranstaltung bei der Kleiderab- oder -ausgabe entfernt werden müssen. Angenehm empfinden die GRB-Mitarbeiter auch die Verarbeitung des Reinigers direkt aus der Sprühflasche. „Wir können so auf den üblichen Einsatz von Eimern mit Gebrauchslösung verzichten. Lästiges Verspritzen und Verschütten von Reinigungslösung gehört damit der Vergangenheit an“, freut sich Abschnittsleiter Reinhold Gumny.
Diese Vorteile kommen auch in den Sanitäranlagen zum Tragen. Die Trennwände und Türen aus Holz dürfen nicht zu nass gereinigt werden. Schäden wären sonst programmiert. Der Auftrag eines gebrauchsfertigen Unterhaltsreinigers (Sprinter Sanicid) aus der Sprühflasche ist hier die einfachste und hygienischste Lösung. Die materialschonende Zusammensetzung des Reinigers erlaubt den Einsatz auf allen Flächen und Objekten in den Sanitäranlagen – sofern sie nicht säureempfindlich sind.
Überschaubarer Produkteinsatz
Für die Mitarbeiter von GRB bedeutet diese universelle Anwendbarkeit eine erhebliche Erleichterung, die sie in Anbetracht der knappen Zeit sehr schätzen. Vor allem gilt das für Joao Pinaro da Silva: Er ist während der täglichen Unterhaltsreinigung als Vorarbeiter beziehungsweise als Objektleiter tätig. Wichtig für ihn ist in einem so komplexen Objekt, dass möglichst wenig Produkte notwendig sind. „Das senkt die Fehlerquote, reduziert die Lagerhaltung und erleichtert die Arbeit“, sagt der Portugiese.
Und er weiß, wovon er spricht: Wenn seine Mitarbeiter und Kollegen mit der Arbeit fertig sind und nach Hause gehen, bleibt er als Tageskraft bis etwa 14 Uhr im Haus der Kulturen der Welt. Dann wartet auf ihn als Ansprechpartner für alle Reinigungsaufgaben ein volles Programm: Er entfernt Spontanverschmutzungen, kontrolliert die Sanitäranlagen – kümmert sich um alles, was mit Sauberkeit und Hygiene zu tun hat. Reinigung auf Zuruf eben. So ist die notwendige Flexibilität in diesem außergewöhnlichen Objekt auch tagsüber gesichert.
Peter Hartmann | peter.hartmann@holzmannverlag.de