Wischsysteme mit vorgetränkten Mopps sind in Krankenhäusern oder Pflegeheimen schon weit verbreitet. Dass sie sich auch für industrielle Verschmutzungen eignen, zeigt diese Fallstudie aus dem MAN-Werk in München.
„Ein Ruck ging durchs Werk“
-Zwischen den riesigen Karosserieteilen kommt man sich als Besucher des MAN-Werks in München Karlsfeld ein bisschen verloren vor. Überall surrt, brummt und klopft es. Die Luft riecht ölig nach Schmierstoffen und Reifenabrieb. Gabelstapler sind überall in der Halle unterwegs, um Materialien an ihren Einsatzort zu bringen. Mehr als 200 Lkw können hier am Tag gefertigt werden, von den Reifen bis zur Fahrerkabine. Da an sieben Tagen die Woche gearbeitet und lediglich sonntags die Produktion etwas gedrosselt wird, bleibt für die Reinigung der Hallen nur der letzte Tag der Woche: insgesamt 34.000 m2.
Veolia Umweltservice ist seit 1. Mai 2008 als Dienstleister bei MAN. Die 65 Mitarbeiter reinigen 12.000 bis 13.000 m2 in Verwaltungsgebäuden und Produktionshallen manuell. Die Beläge sind vielfältig: PVC und Linoleum, Feinsteinzeug, Granit, Sicherheitsfliesen und Industrieböden aller Art. Vor dem Dienstleisterwechsel waren hier herkömmliche Doppelfahreimer und Baumwollmopps im Einsatz.
Eimer mit Schmutzwasser sollten verschwinden
Die schwarze Dreckbrühe, mit der die Reinigungskräfte durch die Gegend zogen, machte beim Auftraggeber MAN keinen guten Eindruck, daher sprach ihn bei der Ausschreibung das Angebot von Veolia Umweltservice besonders an. Das Unternehmen setzte auf präparierte Mopps, die in Boxen auf den Servicewagen mitgeführt werden. Als Partner holte sich Veolia Umweltservice die Unternehmen Vileda, Kiehl und Miele ins Boot. Kiehl bietet bereits seit einigen Jahren das ProMop-System mit Dosieranlagen für die Moppaufbereitung an. Vileda brachte doppelseitig nutzbare Mikrofasermopps und speziell zusammengestellte Servicewagen ein. Miele steuerte die Waschmaschinen bei, in denen die Mopps gereinigt, gewaschen und optimal feucht ausgeschleudert werden – bereit für den nächsten Einsatz.
Die Waschkammer ist daher auch das Herzstück des Reinigungssystems. Neben den Waschmaschinen ist hier auch die Dosieranlage für die Sprühflaschen installiert. Veolia kommt mit einem Reinigungsprodukt für die Oberflächenreinigung (ProFless), einem Sanitärunterhaltsreiniger (SanEco) und einem Industriereiniger (Dopomat forte) aus. Die Oberflächen werden im Sprühverfahren mit passenden Mikrofasertüchern (Quickstar Micro) gereinigt. Die se Tücher werden getrocknet, die Mopps werden in der Maschine gewaschen und präpariert. Zwei verschiedenen Qualitäten (Swep Duo MicroPlusmop für die Produktions- und die Sozialbereiche und Swep Duo MicroTechmop für Büroflächen) sind im Einsatz. Täglich waschen die Veolia-Mitarbeiter rund 1.500 Mopps in der eigens dafür eingerichteten Waschkammer. „Zunächst war dieser Raum im ersten Stock geplant. Das heißt, die Mitarbeiter hätten die Moppboxen immer die Treppen hinauftragen müssen. Nach Rücksprache mit MAN konnten wir den Raum ins Erdgeschoss verlegen“, erinnert sich Veolia-Standortleiter Stefan Bauer, „obwohl der Raum dort dafür komplett umgestaltet werden musste.“
Reinigungskräfte in den Alltag integriert
Die Zusammenarbeit beschreiben Dienstleister und Auftraggeber als von Anfang an gut. „Der Kunde war sehr offen für unsere Ideen und wir haben von Anfang an Rückendeckung für die Neuerungen bekommen“, freut sich Bauer. Die Reinigung der Verwaltungsbereiche findet – abgesehen von Treppen und Fluren – übrigens während der regulären Bürozeiten statt. So sind die Reinigungskräfte in den Alltag bei MAN integriert. Die persönlichen Kontakte zu den Bürokräften sollen sich positiv auf das Verantwortungsbewusstsein und die Leistung der Veolia-Mitarbeiter auswirken. Bauer: „Außerdem können die MAN-Mitarbeiter unsere Mitarbeiter auf Kleinigkeiten gleich direkt ansprechen.“
Axel Karnasch, Teamleiter technisches Gebäudemanagement bei MAN Nutzfahrzeuge lobt: „Veolia ist als Partner aufgetreten – zuverlässig, dynamisch und innovativ. Wir haben uns vom Konzept her dort am ehesten wiedergefunden, daher haben wir uns für sie entschieden. Wenn man jetzt durchs Werk geht, ist es eine spürbare Verbesserung der Leistung. Reklamationen sind die absolute Ausnahme.“Was sich seit dem Dienstleisterwechsel und der Umstellung auf präparierte Mopps getan hat, fällt auch den Partnern aus den Unternehmen Kiehl, Miele und Vileda auf. „Die Ecken der Treppenstufen waren total schwarz“, erinnert sich einer. Ein anderer: „Als wir die Toiletten mit den neuen Mopps das erste Mal gewischt haben, haben wir so viel Dreck vom Boden geholt, dass die Bezüge total schwarz waren. Dabei waren die Toiletten vorher wie bis dato üblich gereinigt worden!“
Spannend war für alle Beteiligten, wie Chemie und Mopps in der Produktion bestehen würden. Abrieb sowie Kühl- und Schmierstoffe legen sich hier auf den Hallenboden. Für industrielle Verschmutzungen war das Vileda-Produkt bisher noch nicht im Einsatz, doch die Ergebnisse überzeugten. Bernhard Nocker, Objektleiter Region Süd bei Veolia Umweltservice: „Der Moppverschleiß ist sehr gering. Seit Mai mussten nur 30 bis 40 Mopps aus unterschiedlichsten Gründen ausgetauscht werden. Eine Verfärbung ist kaum zu sehen.“
Die Flächenleistung pro Mopp ist in den stärker verschmutzen Industriehallen natürlich kleiner – nur etwa halb so groß – als in den Verwaltungsbereichen, am Reinigungsergebnis aber, so Nocker, ist nichts auszusetzen.
Gerne hätte rationell reinigen hierfür auch einen bildlichen Beweis erbracht, doch leider sind Fotoaufnahmen in der MAN-Produktion nicht gestattet.
Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de